Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053791--0611-3055900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
OIE STIMME rtr. Se! te S Nichtjudcn, auf deren Sympathie wir rechnen, bahnen, in mehreren Ländern bestehen bereits Pro-Palästina - K o ni i t e e s. In solchen, wr> sie nocli zu schaffen sind, werden die bisher gemachten Erfahrungen wertvoll y.u verwenden sein. Palästinareisen: Sie dienen als Ergänzung der theoretischen Agitation und werden, richtig airsgenützt, wertvolle Ansiedler ins Land bringen. Außerdem lassen sich aus den Reinen der Palästina-Touristen neue Agitatoren schaffen. Durch die Vereinheitlichung aller von der Landesorg.in.isatton veranstalteten Reisen könnte die Propaganda hiefiir größer und billiger geschehen. Die Institution billiger Jugendreioen nach Palästina wertet ebenfalls noch der durchgreifenden Organisierung. Hier könnte das Zusammengehen aller Landesstellen eine bedeutende Herabsetzung der Reise- und Aufcnthaltskosten bewirken. Diese Jugend reisen werden auch eine stärkere Frequenz palästinensischer Schulen durch Schüler aus der Gaiuth zur Folge haben. Hand in Hand damit geht der von der Exekutive Ltn Vorjahr angeregte Schüler austa-lisch zwischen Palästina und der Gaiuth. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei der Einfuhr von Palästina-Produkten. Mit jedem Tage erstehen neue Einfuhrgesellschaften und zahlreiche Einzelpersonen versuchen ihr Glück, ohne rechten Erfolg zu haben. Sollte es gelingen, den Ankauf palästinensischer Produkte, die zur Ausfuhr aus Palästina geeignet sind, und den Absatz in europäischen Ländern fachmännisch zu organisieren, so uürde dies nicht nur eine außerordentlich große ideelle Propaganda für das produzierende Palästina bedeuten, cs wäre auch möglich, in Palästina auf Grund eines gesicherten Absatzmarktes die Produktion zu erhöhen. Die Schaffung von Palästina- Pavillons auf Mustermessen und Verkaufsausslellungerj wäre die unmittelbare Folge einer solchen systematischen Arbeit. Ebenso könnten die in einzelnen Ländern schon bestehenden Handelskammern, die sich mit dem Palästina-Verkehr befassen, auf eine einheitliche Basis und in einen innigeren Kontakt gebracht, aktionsfähig gemacht werden. An dieser Stele w'äre auch über die wirkungsvolle Zusammenarbeit der Fonds zu sprechen. Z. B. die Frage einer P a 1 ä s t i n a ~L o 11 e r i e als einer ständigen Einrichtung würde, nach einem richtigen Plane für alle Länder eingerichtet, das Jahresbudget des K. K. L. sichern. Für die Zusammenarbeit auf dem Gebiete jüdischer Kultur liegen bereits zahlreiche Aktivposten vor: Das Bestehen einer jüdischen Buchgemeinschaft, die in mehreren Ländern großen Anklan-g findet;- für die Ausgestaltung derselben liegt von seiten der rumänischen Organisation ein dirskussionsreifer Plan vor. Die «Jüdische Urania» mit einem vorläufig vorbereitenden Komitee in Wien bedarf lediglich der Mitwirkung der Bruderorganisation, um in kürzester Zeit dde jüdische Volksbildungsstelle zu werden. Der Konferenz werden detaillierte Angaben vor liegen. Es ist natürlich -unmöglich, an dieser Stelle auf alle Agenden, die in den Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft gehören, ednzugehen. Wichtige Fragen, wiie das Einvernehmen vor Kongressen, der Stellennachweis (für exponierte Organisationen oft von entscheidender Bedeutung), engere Zusammenarbeit mit der «Wizo» usw. harren einer zweckmäßigen Lösung. Die Zionistische Organisation Oesterreichs hofft, daß durch die Einberufung der Konferenz endlich der Plan zu einer systematischen und mehr ökonomischen Arbeit in die Tat irmgesetzt wird, tmd daß sodann die europäischen Landesorganisationen innerhalb der Weltorganisation den ihr zustehenden Platz einnehmen werden. * Die am 14. Oktober L J. stattfindende Konferenz der zionistischen Landesorganisationen des Kontinents verspricht einen äußerst interessanten Verlauf zu nehmen, da von den nachfolgenden Landesverbänden die Entsendung größerer Delegationen bereits angekündigt ist. Deutschland, Großrumänien, Tschechoslowakei, Westgalizien, Polnisch-Schlesien, Jugoslawien, Schweiz, Elsaß und Ungarn, Die zionistischen Ortsgruppen und Vereine werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich unverzüglich mit dem zionistischen Landeskomitee in Verbindung setzen müssen, wenn sie den einen oder anderen Delegierten als Redner für eine Veranstaltung oder Versammlung wünschen. Der jüdische Knabenhort des 20. Bezirkes in Auflösung Diese Auflösung ist allerdings vorläufig nur beantragt. Line B'nai Brithloge hat darüber noch endgültig zu entscheiden. Dies läßt uns bezweifeln, daß die Auflösung des so notwendigen einzigen jüdischen Knabenhortes des XX. Bezirkes tatsächlich zur Ausführung gelangen wird, denn ein solcher Schritt würde geradezu den Traditionen der B. B. Logen widersprechen. Schon in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben diese in Ottakring und Fünfhaus Schüierausspeisungen, verbunden mit Kinderhorten, gegründet. Sie schufen dann in diesen Bezirken Vereine zur Erhaltung ihrer Gründungen, die auch, nachdem sich die Gründer schon seit vielen Jahren von jeder Mittätigkeit zurückgezogen, noch heute, wenn auch in geändeter Form, bestehen. Auch in der Brigittenau ist Uebergrcbe an andere Kreise, mindestens deren Mitarbeit, möglich. Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem «Jüdischen Zentrum» wäre gewiß angeze.igt. Eine Version lautet dahin, daß der Hort einem bestimmten Jugendverein zur selbständigen Führung übergeben werden soll. Wir haben gewiß gegen diesen wackeren zionistischen Jugendverein nichts cinzuwenden und beglückwünschen ihn zu seiner Entfaltungskraft: wenn sich aber die Ftibnmg der Kinder auf freiwillige, ewig wechselnde Kräfte stützen soll, müssen wir diesen Vorschlag, nachdem mehrere ähnliche Experimente bereits mißglückt sind, als unzulänglich ablehnen. Da ein Kinderhort verhältnismäßig geringe Mittel erfordert und dabei zahlreichen jüdischen Familien dient, sind wir überzeugt, daß ein befriedigender Ausweg gefunden werden wird. .!• PALÄSTINA Sollen beim Hafenbau ln Haifa auslfindische Schwarzarbeiter beschäftigt werden? Eine Delegation der Vereinigung der jüdischen Arbeiter Palästinas hatte mit dem Chief Secreiary der Palästina-Regierung und derzeit stellvertretenden High Commlssioner, Luke, am 13. September eine anderthalbstündige Unterredung, ln dem überreichten Memorandum wird eine Reihe von Wünschen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zum Ausdruck gebracht. Bezüglich der Arbeiten am Bau des Hafens von Haifa wird die Frage der Festsetzung einer angemessenen Entlohnung aufgeworfen. Es wird darauf hingewiesen, daß in der Rcgierungsinitteilung vom Jahre 1926 anläßlich der Aufnahme einer Anleihe für Ostafrika und Palästina erklärt wird, daß bei allen, aus den Mitteln der Anleihe auszuführenden Arbeiten angemessene Löhne für die Arbeiter festgesetzt werden sollen. Die Histadruth gibt ihrer Hoffnung Ausdruck, daß man die Lohnbcdlngungen bei den Hafenarbeiten so fcstsetzen werde, daß dem organisierten jüdischen Arbeiter Existenzmögliohkeiten geboten werden, unter gleichzeitiger Sicherung der nötigen sanitären Vorsorge. Aus den Verhandlungen der verschiedenen Unternehmer, die mit der Regierung wegen Uebernahme der Hafenarbeiten oder Teile derselben geführt worden sind, erscheint es, als ob die Mögliichkeit erwogen werde, billige auswärtige Arbeiter aus Aegypten und dem Sudan ins Land zu bringen, um auf diese Welse die Löhne zu drücken. Die Histadruth verlangt daher, daß die Regierung verbiete, fremde Arbeiter ins Land zu bringen und diesen Punkt deutlich in den Verträgen mit den Unternehmern festsetzc. Im Hinblick auf die Erklärung des Unterstaatssekretärs Ormsby Gore im Unterhause, daß alle Palästina bewohnenden Gemeinschaften bei der Verteilung der Arbeit am Hafenbau Berücksichtigung finden werden, erhebt die Histadruth die Forderung, daß die jüdischen Arbeiter sowohl bei den Fachals auch Schwarzarbeiten auf Grund einer gerechten Proportion Be- JKary-Müte ien I., 2 {RotemtumusttaßeJStx22 j! 4» $! Die Beste und billigste £inßuuts~ Quelle UnSkeits preise S r- S 9- S 12’ schäftigung finden. Das Memorandum lenkt die Aürmerksamkeit darauf, daß der Anteil des jüdischen Jischuw an den Staatseinnahmen, die zur Verzinsung und Rückzahlung der Anleihe für den Hafenbau dienen, bereits heute 30 Prozent erreicht und mit dem Wachsen des Jischuw ständig steigen wird. Bei den Arbeiten der Regierung und der Stadtgemeinden werde der jüdische Arbeiter benachteiligt tmd es sei nicht mehr als gerecht, diese Benachteiligung bei den Hafenarboiten wieder gutzumachen. Da die Anleihe die Bevölkerung Palästinas belaste, so müsse ferner beim Einkauf der notwendigen Rohstoffe ftir den Hafenbau der heimischen Produktion ein Vorzugsrecht eingeräumt werden. In seiner Antwort erklärte der stellvertretende High Commissioner, daß kein Grund vorliege, zu befürchten, man würde Schwarzarbeiter aus dem Ausland für die Hafenarbeiten ins Land bringen. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurde eingehend die Frage des Minimal- und Maximallohnes besprochen. Der stellvertretende High Commissioner erklärte, daß die Regierung gewillt sei, den jüdischen Arbeitern den ihnen gebührenden Teil bei den Hafenarbeiten zu sichern. Die ersten hebräischen Ingenietirdiplome Bekanntlich hat das Technikum in Haifa vor nicht langer Zeit von der Regierung den Charakter einer technischen Hochschule «nd damit afuoh das Recht verliehen erhalten, vollgültige Diplome für In.genioure zu erteilen. Nun sind die ersten hebräischen Ingenieurdiplome an die Absolventen der Hochschule verliehen worden, die nicht nur in Palästina und England, sondern auch in allen anderen Staaten anerkannt werden. Interessant ist, daß dieses Ziel nicht ohne innere Kämpfe erreicht worden ist, und daß ein TcH der Führer der Organisation, so auch Präsident Dr. Weizmann, noch vor einem Jahre gegen die Ausgestaltung des Technikums'Vu einer technischen Hochschule Bedenken geäußert hat, die allerdings inzwischen geschwunden sind. ,, Miszellen Die jüdischen Banken und Instätoiöonen Palästinas, die industrielle Kredite gewähren, haben auf einer auf Anregung der Zionistischen Palästina-Exekutive abgehaltenen Versammlung die Koordinierung ihrer Tätigkeit beschlossen. Man nimmt an, daß dies der erste Schritt zur Gründung einer palästinensischen Industriebank ist. * Das Departement für Altertümer der Palästina-Regierung wird Im Verein mit der Britischen archäologischen Gesellschaft binnen kurzem sechs Kilometer von Rosch Plnah, wo man die alte Kanaanitetstadt Hazur vermutet, Ausgrabungen vornehmen. Das Berliner Museum, das die persönlichen Erinnerungen an die ersten Führer der Zionistischen Organisation, Theodor Herz! und David Wolffsohn, enthält, ist nunmehr bestimmungsgemäß nach Jerusalem überführt worden, wo es in den Räumen der Hebräischen Natonalbfbliothck Aufstellung finden wird. Die Regtorung der Vereinigten Staaten beabschtigt, in Anerkennung der Bedeutung Jerusalems als Zentrum des Mittleren Ostens ihr Generalkonsulat von Beirut nach Jerusalem m verlegen. Der Verwaltungsbezirk des atnerikanteeben Generalkonsulats in Jerusalem wird Palästina, den Libanon, Syrien und den Irak umfassen. Vor dem Bodengericht In Haifa fand eine Verhandlung über die Ansprüche der Beduinen auf die Böden bei Barrath-Gaesarea statt. Mit dieser Frage, bei der es sich um 32000 Dunara Boden handelt, die den Arabern für 50 Jahre übergeben worden sind, hat sich bereits die Mandatskommission befaßt. Das Gericht hat eine Kommission ernannt, die an Ort und Stelle eine Untersuchung durchführen soll. Der Stadtrat von Tel-Awdw nahm eine Resolution an, worin schärfstens gegen «Me Nichterteilung eines palästinensischen Einreisevisums an Jabotlnsky protestiert wird. In New York wird mit einem Kapital von 5 Millionen Dollar eine Versicherungsgesellschaft «Mount Sinai Company» gegründet, mit dem Zweck, die Industrielle Entwicklung Palästinas zu fördern. Ein kanadischer Jude, Mordedrni Hufe!maun, Imt :.i,f einem Areal von 400 Dunam in der Nähe von Petach Tikwali Pflanzungen angelegt, um hier die Ansässigmachung von 40 Juden aus Kanada zu organisieren.