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Die Stimme · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sel-fe 6 DTE STIMME Nr. 99 KOHLS’ HÜTTENKOKS CMSL. Ckualilätssorten — Billigst BASCH, IV. « 46*403 Argentinlarslr. 33 Taiepn. „ 41.asy ßabettsaktfof' das MK£RE$9 KAJSMETH“ Rechter und linker Antisemitismus In Belgien Mit der Lnge der Juden in Belgien, deren Zahl im Kriege und nach dem Kriege sehr stark gewachsen ist, beginnt sich die belgische Oeffcntlichkeit immer eingehender zu befassen. Die Reise des Ministers und Sozialistcnführers Vandervelde nach Palästina hat den Anstoß zu einer lebhaften Debatte über den Zionismus ito der Presse und den verschiedensten politischen Kreisen gegeben. Freilich ist das Interesse, das man den Juden zuwendet, nicht immer von Sympathie diktiert. Es machen sich Anzeichen einer antisemitischen Tendenz geltend. So haben anläßlich des großen Streiks im Antwerpener Hafen die sozialistischen Blätter gegen die Juden Stellung genommen, weil sich jüddrehe Einwanderer angeblich dazu hergaben, St reickbrecherarbeit zu verrichten. Zu antisemitischen Auslassungen gab auch der «Mysteriöse Tod des vielgenannten Baron Löwenstein Gelegenheit. Die rechte Presse schilderte ihn als den Typus des «jüdischen Schwindlers und skrupellosen Geldmachers». Das zionistische Blatt erwähnt auch, daß seitens der Hinterbliebenen und Fremde Löwensteins eine förmliche Pressekampagne veranstaltet wurde, um zu beweisen, daß Löwenstein es mit der Taufe ernst genommen hat und ein strenggläubiger Katholik geworden ist. So wurde in allen Blättern kundgetan, wie oft Löwenstein zum Gottesdienst in die Kirche ging und wieviele Messen nach seinem Verschwinden gelesen wurden. Das Land ohne Rabbiner In den jüdischen Gemeinden Deutschlands macht sich letztens ein immer größer werdender Mangel an Rabbinernachwuchs fühlbar. Die studierende jüdische Jugend in Deutschland scheint dem Seelsorgerberuf immer weniger Interesse abzugewinnen. Sie verzichtet auf die verschiedentlichen Privilegien und Vorteile, die der Rabbinerberuf mit sich bringt, und ist bestrebt, sich den «weltlichen» Berufen, die nicht immer gerade die praktischeren sein müssen, zuzuwenden. Aus den kürzlich veröffentlichten statistischen Mitteilungen über die allgemeine Hoohsch-ulfrequenz in Deutschland geht hervor, daß sämtliche deutsche Universitäten im ganzen 34 jüdische Studenten aufweisen, tlie die Absicht haben, sich dem Seelsorg,erberuf zu widmen. Diese Zahl ist natürlich außerordentlich gering im Verhältnis zu dem Bedarf der i;m Wachsen begriffenen jüdischen Gemeinden Deutschlands, und die Gemeindeverwaltungen sehen daher nicht ohne Sorge in die Zukunft. Im ganzen waren ‘um abgelaufenen Semester über 100.000 Studenten an allen deutschen Hochschulen inskribiert, hievon 2765 Studenten der katholischen Theologie oder 2.7 Prozent, 2610 Studenten der evangelisohen oder 2.6 Prozent und nur 34 Studenten der jüdischen Theologie oder 0.1 Prozent. Mussolinis Söhne in Erez Israel Ueber tausend italienische Pfadfinder, darunter auch zwei Söhne des itaiüenischen Ministerpräsidenten Mussolini, trafen jüngst in Jerusalem ein, um die Heiügen Stätten zu besuchen. Sie marschierten in einer Prozession zu der Kirche des Heiligen Grabes durch die Straßen Jerusalems. Der Prozeß um den Bart des jungen Rabbi von Tamopol Vor einiger Zeit wurde der junge Tarnopoler Rabbinatsassessor Oser Hirsch Frankel zum militärischen Reservistendienst einberufen. Bevor er in die Kompagnie eingeteilt wurde, erhielt er den Befehl, sich den Bart und die Peies abschneiden zu lassen, was jedoch der junge Rabbiner, unter Hinweis auf dr.s diesbezügliche religiöse Verbot entschieden ablehnte. Hiebei soll er dem auf ihn eindringenden Kasernenfcarbier gewaltsam Widerstand geleistet haben. Er wiundte wegen Nichtbefolgung eines Befehles vom Lemberger Militärgericht zu vier Monaten Garnisonsarrest verurteilt. Gegen dieses Urt' ll berief der junge Rabbiner an das höchste }>o!msche Militärtribunal, das jedoch die erstgerichtliche Entscheidung bestätigte. Nun hat die Föderation der amerikanischen Rabbiner gegen dieses Tendenzurteil, in dem sie eine Briislcierung der jüdischen religiösen Vorschriften erblickt, beim polnischen Generalkonsul in New York Verwahrung eingelegt und gleichzeitig den berühmten polnischen Verteidiger Hofmokel Ostrowski mit der Durchführung der für eine Revision des Urteils erforderlichen Schritte beauftragt. Es verlautet, daß das Oberste Militärtribunal den Fall Frankel neuerlich dem Senatsplemrm, das aus 51 Richtern besteht, zur Behandlung vorlegen wird. Brenners hebräische Schriften Im Stybel-Verlag in Palästina erschien kürzlich der fvbente Band der gesammelten Schriften J. Ch. Brenners. Der Band umfaßt seine letzten publizistischen Arbeiten, Kleine Nachrichten Die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Hoover und Smith haben anläßlich des Nenjahrtetages Botchaften an die amerikanische Judenheit erlassen. Hoover ./eist besonders auf die Bilfsarbeit und den Palästina- Aufbau hin, die in hohem Maße unterstützenswert sind* * Die Palästina-Regierung stellte an die Judea Insurance Compagny, deren palästinensischer Direktor Jabotinsky Ist, die Forderung, die Garantie dafür zu übernehmen, daß sich Jabotinsky in Palästina politisch nicht betätigen werde. Da die Judea Company sich weigerte, diesem Ansinnen nachzukommen, gab die Regierung nach und versprach, die Frage des Einreisevisums für Jabotinsky im Laufe der nächsten Woche zu prüfen. 6 Bei einer in den Warschauer Hotels durchgeführten Razzia verhaftete die Polizei den bekannten Antisemiten und Führer der RozvoJ, Jaksa Ghainiec, unter der Beschuldigung, daß er während seiner Propagandafahrten, auf denen er den extremsten Boykott gegen die Juden gepredigt hat, sich Betrügereien und Gelderpressungen schuldig gemacht hat. # Während des Neujahrsgottesdienstes in der orthodoxen jüdischen Synagoge in Pozsony wurde der 68jährige Josef Braun zur Thora gerufen. Im selben Moment, als er vor der Thora erscheinen wollte, stürzte er plötzlich lautlos zusammen und starb an einem Schlaganfail. * Die «Chicago Evening Post» weist ln einem Leitartikel awf die großen Verdienste des Cbicagocr jüdischen Anwaltes S. O* Levinsoii um die Verbreitung der Kriegsächtungsldee hin und betont, daß es zum größten Teil seiner hingebungsvollen Arbeit zu verdanken ist, daß die Unterzeichnung des Kellogg-Paktcs schon jetzt zustande gekommen ist. Das Blatt schlägt vor, S. 0. Levinson den Nobel-Preis zuzuerkeimen. # In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Beliner Jüdischen Gemeinde wurden für die Arbeiten des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland, des Verbandes 0. R. T. und des Bureaus für Schächtschutz größere Subventionen bewilligt* Angenommen wurde ferner ein Antrag auf Errichtung eines statistischen Bureaus der Jüdischen Gemeinde, dessen Arbeiten in erster Linie auch dem Kampfe gegen Taufe und Mischehe zugute kommen sollen* Bar Mizwah-Feier Sonntag, den 30. September, um &10 Uhr vormittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Bar Mizwah- Feier von Friedrich Amos Präger, des Sohnes unseres Freundes und bekannten jüdischen Verlegers Dr. Max Präger, statt ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON 63-0-77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN KsiEi'iMäiifiH ciraiiiififeiöissj:; Ing. Jizchak Wachsmann tot Als nach Kriegsende in Wien der «Wand Afjah», jene historische Behörde, geschaffen wurde, die die gesamte PalästLnawanderunig organisierte und durchführte, da wurde Wachsmann einer der aktivsten Mitarbeiter. Still, bescheiden tat er seine Arbeit, mit einer Sachlichkeit und Hingabe sondergleichen. Sein Herz gehörte ganz Erez Israel. Sein Studium stellte er ganz auf Palästina ein. Er arbeitete beim «Sole! Bon eh» und zwei Jahre in gleicher Eigenschaft bei der englischen Verwaltung: Er zählte zu den Mitarbeitern der hervorragendsten internationalen Bauzeitschriften, wie der «Bauingenieur», «Beton und Eisen» u. a. m. Die schwer heimgesuchten Eltern und Geschwister verlieren an ihm ihren einzigen, beispiellos guten und liebevollen Sohn und Bruder. Alle, die Wachsmann gekannt haben, werden ihm stets ein treues Angedenken bewahren. Leon Elbe gestorben In New York starb im Alter von 49 Jahren der bekannte jiddische Journalist Leon Elbe, einer der Gründer und aktivsten Mitarbeiter des jüdischen Schulwerkes in Amerika und Verfasser zahlreicher geistvoller Feuilletons und Kindererzählungen. Der Verstorbene war Redaktionsmitglied des New Yorker «Tog». Unter Ausschluß der Minderheiten Warum Präsident Masaryk seinen Preßburger Besuch abgesagt hat Preßburg, Präsident Masaryk sollte als Gast bei ■der Feier erscheinen, die anläßlich der Enthü'lilimg des Grabmals für den ersten tschechoslowakischen Kriegsmmlster Stefanie veranstaltet wird. Für den Empfang des Präsidenten waren bereits umfassende Vorkehrungen getroffen worden. Der Grund für das Fernbleiben des Präsidenten liegt darin, daß der slowakische Nationalst, der Veranstalter der Feier, diese unter Ausschluß der Minderheiten, also der Deutschen, Juden und Ungarn, abhalten wollte. Die Absage des Präsidenten Masaryk zu einem Zeitpunkte, als man bereits Triumphbogen aufgestellt Wochen-Kalender Sept. 1928 Okt. 1928 Gedenktage nw mnn 27 Donnerstag 13 — Jp 22 Freitag 14 — “p 29 Samstag 1866 — gltrb Prof. Samuel Parld T.m- »atto 1867 — Waltor Rathenaa geboren «-1» 30 Sonntag 1« -t» 1 Montag 1801 — starb (lei Rektor des ind.-theel. Seminar* Io Bros)*«, Rabbiner Dr. Zschertss Frankel 1869 — starb Lady Judith Henteflore, die Gattin daa (freien Philanthropen 17 — J9 2 Dienstag 1Ö01 — starb Chaim Gnedalla, der Kaffe Moses Moalellores, dor sich um die VoTbesüornng dor Lage der Jeden im Orient gieße Veidlenste erworben hat iS-m 3 Mittwoch * i9 — hatte, stellt sich also als Demonstration gegen da» Verhalten des slowakischen National rate s gegenüber den Minderheiten dar. Vereinsnachrichten Zionistische Sektion für den VI.—-VIII. Bezirk Die Generalversammlung findet am 3. Oktober 1928 um y2S Uhr abends im Vereinshdm, VIII., Bennoßlatz 1* statt, Mensa academica judaica Die Mensa academica judaica, IX., ZirnmermäimfpTafz 8, wird am Montag den 1. Oktober 1. J. wieder er öffnet, Die Ausspeisung beginnt uni 12 Uhr mittags. Zionistisch-akademische Verbindungen und Vereine Oesterreichs. Die erste P r ä s i d i a 1 s i t z u n g findet Mittwoch den 3. Oktober um 7 Uhr im Zionistischen Landeskomitee statt. Tagesordnung: Semiesterbeginn und Kultusgemeinde wa-hl en. Landesvorstand der Zionisten Revisionisten. Die für Mittwoch einberurfene Sitzung findet am Donnerstag dem 27.,d. um y28 Uhr im «Ankaden-Cafe» statt. Konstituierung des Bezirkswahlkomitees II. Ueber Einladung der zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt fand am 20. d. eine Versammlung der zionistischen Vertrauensmänner im II. Bezirk statt. Herr Dr. Rybaczewsky eröffnete mit einer längeren Ansprache die Versammlung, in welcher er die wahlwerbenden Parteien zur Kirltusgemeinde, sowie die notwendige programmatische Auseinandersetzung mit denselben besprach. Prof Rath berichtete über die bisherige Tätigkeit der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeiruie, sowie über die bisher durchgeführten Vorberahwrgsarbeiten seitens der Hauptwahlkommission. Aus der Mitte der Versammlung wurde eine Wahlleitung, bestehend aus den Herren: Doktor Schmerle, Dr. Klaber, Schiffmann Max, Singer Josef, L Lebensohn, N. Spindel, S. Haber, I. Müller und L Teicfy gewählt. Das Wahlbureau hat seinen Sitz in der Zirkusgasse Nr. 33 (Tel. 49-8-98). Die Zionisten der Leopoldstadt werde» gebeten, sich zur. Mitarbeit im Wahllokale täglich von 6 bis 10 Uhr abends zu melden. Hakoah (Scbwimmsektion). Den einleitenden Vortrag in unserer Vortragsserie hält der Präsident der Zionistischen Landesorganisation, Dr. Goldhammer, Mittwoch den 3. Oktober um 7 Uhr abends im Kiubheim. Gäste anderer Sektionen willkommen! AmtlicheVerlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien a) Die Wahlen des Kultusvorstandes 1. Wahltermin. Auf Grund der mit Erlaß des Bundesrnfidsferforms für Unterricht vom 7. November 1924, ZL 2596-17, (Kultus), genehmigten Bestimmungen des Statuts und der Wahlordnung der israelitischen Kultu^gymeinde Wien wird am Sonntag, den 2. Dezember 1928, die Neuwahl von 36 Mitgliedern des KiUfltusvorsta'ndes und 120 Vertrauensmännern der Kultusgetnelnde stattfinden. 2. Einsichtnahme in die Wählerliste. Das Verzeichnis der wahlberechtigten Personen liegt ab Montag, den 8. Oktober 1928 bis einschließlich Montag, den 22. Oktober 1928, von 9—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags (mit Ausnahme der, Samstage), zur Einsichtnahme für die Kultusgcmeindeangehörigen an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des 1. Bezirkes: I., Seitenstettengasse 4; 2. Bezirk: II., Tempelgasse 3; 3. und 11. Bezirk: III., Untere Viaduktgasse 13; 4„ 5. und 10. Bezirk: V., Siebenbrunnengasse 1; 6. und 7. Bezirk: VI., Schmalzhofgasse 3; 8. und 9. Bezirk: IX., Müllnergasse 21; 12. und 15. Bezirk: XV., Turnergasse 22; 16. und 17. Bezirk: XVII., Hubergasse 8; .18. und

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