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Die Stimme · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 89 DfE STIMME Seife $ Ueber den Ursprung der jüdischen Namen Ueber die Entstehung und Entwicklung der jüdischen Namen sind verschiedene Theorien in Umlauf. Große Nameasgruppen wandelten sich rm Verlaufe der Jahrhunderte oder sind ganz verschwunden. Dies betrifft besonders jene jüdischen Namen, die ursprünglich an eine bestimmte nichtjüdische Umgebung angepaßt waren und die mit deren Veränderung naturgemäß aus der Mode kamen, um der Einwirkung eines neuen Milieus den Platz zu räumen. Von den heute gebräuchlichen jüdischen Männer- «amen ist der größere Teil biblischen Ursprunges. Die übrigen sind verschiedenen Sprachen und Völkern entlehnt, mit denen die Juden in den Ländern der Diaspora in Berührung kamen. Hiebei scheint cs merkwürdig, daß aus der ganzen talniirdischen Periode heute nicht mehr als zwei Namen noch im Gebrauch sind: Akiba und Alexander. Ganz ohne Einfluß auf die heutige jüdische Namensgebung blieb die spanisch-arabische Periode des jüdischen Mittelalters. Im Verlaufe der späteren jüdischen Wanderung jedoch kam in den Ländern des Ostens und Westens eine stattliche Zahl nlchtbiblischer jüdischr Namen zusammen, die heute noch in Gebrauch stehen und deren Ursprung zu verfolgen nicht ohne Interesse sein dürfte. Vorerst soll auf eine Gruppe niohtbiblischer, a-ber hebräischer Namen hingewiesen werden, die einen Segen oder ein Kompliment beinhalten, w:ie C h a i m (Leben), S c h a 1 o m (Frieden), M c l e c h (König), Chawiw (Geliebter), ebenso auf die bekannten, an die deutschen Tiernamen angclehnten jüdischen Vornamen Wolf, Bär, Leib (Löwe), Hirsch usw. Und nun wollen wir an einigen Beispielen die Entstehung und Entwicklung jener jiidschen Vornamen verfolgen, die den bei anderen Völkern, in deren Nachbarschaft die Juden lebten, gebräuchliche« Namen nachgebildet wurden. So ist der jüdische Name Avigdor nicht hebräischen Ursprunges, wie etwa der biblische Avinoam, Avischalom usw., sondern aus Viktor entstanden, ebenso I s s c r aus Israel, A n s c h 11 aus dem deutschen Hans oder Hansel. Daß B e n d e t dem Benedict (-hebräisch: Baruch) entspricht, dürfte bekannt sein, weniger bekannt jedoch dürfte der griechische Ursprung des jüdischen Namens Grojnem (Hieronymus), der lateinische des Namens Bunem (bonum) und der deutsche des jüdischen Namens Gimpel (Gumprecht) sein. Der im Osten geläufige jüdische Vorname Sanwil ist nichts anderes al's «Sein Wille», ebenso wie der Name Schn cur dem italienischen Signor entstammt. Auch die allgemeine Annahme, daß H e n o c h dem hebräischen Chanoch entspricht, kann nicht bestätigt werden. Vielmehr ist dieser jüdische Name eine Abkürzung des deutschen Namens Heinrich oder seiner polnischen Form Henryk. Der häufige jüdische Name Mendel ist die jüdische Diminutivform von Mann, ebenso wie der etwas seltenere S i n d e l eine Verzärtelung des Sohnes bedeutet. Bei Frauen ist die Zahl der heute noch gebräuchlichen biblischen Namen viel geringer als die der nicht biblischen. Vielleicht rührt dies daher, daß die Bibel uns nur verhältnismäßig wenige bedeutende Frauen überliefert. Auch hier gibt es, wie bei den Männern, eine Reihe hebräischer und nicht hebräischer Namen, die einen Segen oder ein Kompliment beinhalten, wie Beracha (Segen), Malka (Königin), Scheind e 1 (Schöne), Gl t e I (Gute), S i s se 1 (Süße), Frumet (Fromme) usw. Viele jüdische Frauennamen sind den Frauennamen anderer Völker nachgebildet, so Gelle dem englischen Girl, T r e i n e dem holländischen Frauennamen Kafhrein, S p r i n z e dem spanischen Esperanza und die meisten wohl den deutschen und slavischen. Wir müssen es uns versagen, im Rahmen eines Zeitungsartikels über Entstehung und Entwicklung der jüdischen Namen Abschließendes zu sagen und beschränken uns darauf, auf ihre Herkunft und eigenartige Bildung, die oft merkwürdige Formen zeitigte, in kurzen Umrissen hinzuweisen. Numerus clausus-Saison Ungarn ln der unter Vorsitz Andreas Csülerys abgehalbenen «Sitzung der Christlichen Kommunalpartei in Budapest kam die Frage des Numerus clausus zur Sprache. Die Redner betonten, es sei Sache der Ripka-Partei, das jetzige Numerusclausus-Gesetz in Schutz zu nehmen, die Partei fordere die Wiederherstellung des Hallerschen Gesetzes. Polen Das Ergebnis der diesjährigen Inskriptionen an der Lemberger Universität ist folgendes: An der medizinischen Fakultät wurden von insgesamt 120 Inskribierten mir 10 Juden (8 Prozent) auf genommen. 300 Kandidaten, fast ausschließlich Juden, wurden zurückgewiesen. Litauen An der medizinischen Fakultät der Kownoer Universität wurden in diesem Jahr keine Juden aufgonommen. Wie der Rektor der Universität, Professor Jodele, erklärt hat, liege der Grund hierfür einzig am «Platzmangel in den Laboratorien». Man konnte an der medizinischen Fakultät nur eine gewisse Zahl von Studenten aufnehmen, und man gab hiebei den christlichen Absolventen den Vorzug. «Böse Absichten» sollen hiebei nicht Vorgelegen sein... Der rein arische Petrolernngestank in RumAnkn Die rumänischen Antisemiten können es nicht verschmerzen, daß sich die jüdischen Kaufleute und Finanziers in die bekannten Petroleumschwirndeleien nicht verwickeln ließen, die in den letzten Wochen die Oeffentlichkeit beschäftigten und durch welche auch hohe politische Persönlichkeiten schwer kompromittiert erscheinen. Die ganze Gesellschaft, einschließlich der verhafteten rumänischen Deputieren, ist j u d e n r e i n. Ja, die Untersuchung hat sogar ergeben, daß ein Jude namens Margulies, dessen Mitarbeit an diesem Schwindelgeschäft die Herren Betrüger gerne gesehen hätten, unter Hinweis auf den betrügerischen Charakter der Transaktion seine Mitarbeit abgelehnt hat. Die antisemitischen Blätter nannten das Verhalten Margulies’ eine «jüdische Vermessenheit». Hätte er aber zugegriffen, so wäre heute der Schwindel dem gesamten Judentum angekreidet worden und die hochgestellten Persönlichkeiten wären als die unschuldigen, von Juden verführten Opfer vielleicht noch als Märtyrer ihrer Leichtgläubigkeit behandelt worden. Für den polnischen «Rozwoi» hat die Saison begonnen Für den Verband der polnischen Antisemiten, «Rozwoi», hat die Propagandasaison bereits begonnen, ln den Straßen von Warschau wurden in den letzten Tagen Flugzettel verteilt, ln denen das alte Sammelsurium von Verleumdungen gegen die Juden in Polen dazu benützt wird, um die polnische Bevölkerung zum Boykott und zu Ausschreitungen gegen die Juden aufzureizen. In der Flugschrift wird behauptet, die Juden hätten etwa 70 Prozent der Industrie, des Handels und des Gewerbes in Polen an sich gerissen, 60 Prozent sämtlicher Häuser seien jüdischer Besitz, ln manchen Städten steige er sogar auf 100 Prozent, in den Hochschulen betrage die Zahl der jüdischen Studenten 50 Prozent. Demgegenüber, behauptet die Flugschrift, drücken sich die Juden vom Militärdienst. Diese Flug- TUCHHAMDLUN6 „ZUR SCHÄFERIN** ALBERT HARDT WIEN I.. FREISINGERGASSE 1 (Ecke BaveramarScf) Original englische Damenmäntel- und Herrenmödestoffe zettel werden besonders vor jüdischen Buchhandlungen und Schulmaterialgeschäften verteilt und die Schüler und deren Eltern aufgefordert, nichts für den Schulbedarf bei Juden zu kaufen. Schließlich werden in dem Flugblatt noch weitere energische Maßnahmen und Handlungen gegen die Juden angektindigt, zu deren Durchführung sich jeder polnische Schüler, dem ein solcher Flugzettel in die Hände gelangt, in der «Rozwoi»-Zentrale melden möge. Sonderbar ist bloß, daß die Verteilung dieser Flugschriften trotz der Empörung der jüdischen Geschäftsleute von der Polizei zugelassen wird, obgleich hier eine offenkundige Gesetzesverletzung vorliegt. Offener «Numerus clausus» in amerikanischen Hochschulen Ein Fall von unverhülltem Numerus clausus gegen jüdische Studenten in Amerika beschäftigt gegenwärtig die jüdische öffentliche Meinung. Ein Jude namens Abraham Brickmann aus dem Staate Massachu&ets meldete sich vorschriftsmäßig zur Aufnahme in die Bostoner Handelshochschule. Wenige Tage darnach erhielt er vom Direktor der Anstalt ein Schreiben, in welchem ihm klipp und klar mitgeteilt wird, daß seine Anmeldung nicht zur Kenntnis genommen werden könne, weil «die Quote für jüdische Personen bereits vollgeworden ist». Ein Mitarbeiter des jiddischen «Vorwärts», der von der Affäre erfuhr, suchte den Rektor der Anstalt aut, der ihm erklärte, daß die Schule es sich zur Aufgabe gemacht habe, nur so viel Schüler aufzunehmen, als sie am Ende der Studien in Stellungen unterzubringen vermag. Seit einigen Jahren habe nun die Direktion bei der Unterbringung jüdischer Absolventen, und mochten diese noch so ausgezeichnete Erfolge aufweisen, in amerikanischen Geschäftshäusern auf immer größere Schw’erigkeiten stoßen müssen. Man will keine jüdischen i andelskräfte haben. Auf die Frage, seit wann diese Prozentnorm geübt werde und wie hoch der Prozentsatz der zu'gelassenen*Juden sei, antwortete der Rektor, daß seit zwei Jahren bloß fünfzig jüdische Hörer aufgenommen werden, gegenüber der Gesamtzahl von 600 Hörern. Diese Angelegenheit gewährt einen tieferen Eirbück in die Stimmungen gewissen Kreisen der Vereinigten Staaten, der ein ganz anderes Bild von der «Freiheit in Amerika» bietet, als sie in Europa gewöhnlich geschildert wird. werkttittt füt /essel und Tische SalORgarRiturM und ■IfixalmöbalstOcita ADLER, VII., APOLLOQ. 18 Kaiserstr. 12 Negerantisemitismus Man sollte es nicht für möglich halten, aber es gibt auch schon einen solchen und er hat sogar seit etwa acht Monaten ein eigenes Organ, den «Newafk Herald». Das Blatt scheint dazu gegründet worden zu sein, um für die republikanische Partei Stimmung unter den Negern, soweit sie Wähler sind, zu machen. Warum das unbedingt mit einer Verhetzung der Schwarzen von New York gegen die J u d e n verbunden sein muß, wird wohl der geschäftstüchtige Zeitungsmann allein wissen. Tatsache ist, daß er seit einiger Zeit scharf in Antisemitismus macht und unausgesetzt seine schwarzen Leser zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Geschäftsleute reizt. Einen besonderen Anlaß hiezu bot ihm eine geringfügige Auseinandersetzung zwischen einer Negerfrau und einem jüdischen Kaufmann. Das Geschäftslokal war gerade überfüllt, die Negerfrau randalierte und der Kaufmann schob die Frau zur Tür hinaus. Daraus nun macht «Newark Herald» eine furchtbare Affäre, beschimpft das gesamte Judentum, das für ihn ein «Volk von Blutsaugern» ist, und fragt, wie lange sich die Neger diese Vorherrschaft der Joden gefallen lassen werden ... Dem antisemitischen Negerfreund dürfte es verborgen geblieben sein, daß es gerade die Juden Amerikas sind, die in vollem Verständnis für das Unrecht, das den farbigen Rassen in dem freien Amerika zugefügt wird, in Wort und Schrift für die Rechte der Neger eintreten und daß erst kürzlich der Jude Julius Rosenwald in Chikago eine Millionen-Stiftung zugunsten der kulturellen und wirtschaftlichen Besserstellung der Neger in Amerika geschaffen hat. Der antizionisfische Bädeker für Palästina In der katholischen Revue «Stimmen der Zeit» finden wir einen Artikel, «Zionismus» betitelt, der sich mit den Ergebnissen der zionistischen Arbeit in Palästina beschäftigt. Verfasser ist der Jesuit R. Köppel, der von einer Palästinareise berichtet. Er nimmt dem Zionismus gegenüber eine,, wenn man so sagen darf, objektiv feindliche Stellung ein; das heißt, er verschweigt die Erfolge der zionistischen Arbeit nicht, aber er verschweigt auch nichts, was man zur Verkleinerung dieser Arbeit sagen könnte. Und hier leistet ihm das Palästinabuch Alfred Wieners, des Syndikus des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ausgezeichnete ■ Dienste. Er betrachtet geradezu*'Palästina an der Hand dieses Buches, und es dürfte wohl auch dem Herrn Wiener zu denken geben, daß sich sein Buch so gut als Bädeker für antizionistische Jesuiten eignet. Die Notlage der jüdischen Intelligenz in Polen Der Verein der jüdischen Ingenieure veröffentlicht t.—, Ergebnis einer unter der KolJegensohaft veranstalteten Enquete über das Thema «Recht auf Arbeit». Von 807 jüdischen Gemeinden, die in Polen existieren, haben 612 Informationen zu'gesteüt. 1204 Ingenieure, das sind 70 Prozent aller jüdischen Ingenieure in Polen, erhielten Fragebogen, 822 (68,4 Prozent aller jüdischen Ingenieure) erteilten Antworten. Diesen Antworten ist m entnehmen, daß ein bedeutender Teil der jüdischen Ingenieure unter schweren wirt-' schädlichen Verhältnisse leben muß. 34 jüdische Ingenieure wurden in der polnischen Republik wegen ihrer jüdischen Abstammung aus bisherigen Arbeitsstellen entlassen. Untier 822 Ingenieuren in Staatsstellungen gibt es bloß 17 Juden. Die jüdische Religion und der Weltfrieden - 1 Aus Genf schreibt man uns: An der hiesigen Konferenz der verschiedenen Konfessionen zur Förderung des Weltfriedens beteiligten sich als Vertreter des Judentums außer Chiefrabbi Dr. Hertz und den Herren Agronsky und Lewenthal Professor Dr. Reinacto aus Paris, der Genfer Rabbiner Bali'tzer und Leo M o t zk i n. Auf der Nachmittagssitzung von Donnerstag begrüßte Rekvach die Konferenz im Namen des französischen liberalen Judentums. Er erklärte, daß die Religionen in der Vergangenheit, im Mittelalter und selbst bis ins 18. Jahrhundert Ursache aller Art Kriege gewesen seien. Die Religion habe aber eine Evolution durchgemach't und sei heute von den höchsten Friedensideen durchdrungen. Das Judentum wolle jetzt zu den Propheten zurückkehren, die als erste in der Weit das Prinzip der Gerechtigkeit bei den Menschen untereinander und des Friedens unter den Völkern verkündet haben. Bei Erwähnung der religiösen Verfolgungen betonte Reinach, daß diese auch heute nooh nicht ganz verschwunden sind, wobei er als Beispiel die Pogrome in Rußland und Rumänien anführte. ]sdis Pialttaßleldcn schmerzlos behoben Erzeuge für Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orthopanische Schuhe. Was auf Grund meiner langjährig erprobten Praxis eingebaut« Einlagen, daher von not malen Schuhen nicht tu unterscheiden ist. Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Romme aul Bestellung Ins Haue HANS VEIGL vorm. Bubenlcek spedaiweritstfiue ior orihop&disdie Sdiunc IV., Starhemberggasse 5/7, Parterre

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