Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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DIE STIMME Nr. m v *me 4 Tuchhaus Münz 1 a Mram«ra«iMe 11 Z«a«Uaaa#: RolenHuniislf. 11-13 Import original englischer u. schottischer Damen- und Herrenstoffe Detailverkauf zu Engrospreisen Rathenaus tragischer Irrtum ..Heute ringet! wir «n unsere Seele* — so fühlte Walter Rathenau, eine der enteeheidensten und tragischesten Erscheinungen des besiegten Knregdeutschland, in einem Briefe die Triebkräfte unserer Zeit. Und sagt in demselben Briefe einige Zeiten später: „Ich ahne dies, aber ich lebe tief, unwiedergeboren im Irdischen.“ Dieser eigene Zwiespalt, auf die Welt projiziert, wird sohfcksatbildend für Leben und Wirken des Mannes, der zugleich ein glühender Verehrer der preußischen Staatsideen und ein Verfechter der den englischen GifldcnsofcialistTms wetterführe Ade n Uebervrindung des nationalen and Konflcurrenzstaates war; der noch Im letzten Augenblick vor dem Kriege warnte (in einem unvergeßlichen Aufsatz im „Berliner Tageblatt“) und wenige Wochen später jene Organisierung der detrteohen Rohstoffeversorgung begann, welchen es Deutschland in erster Linie zu danken hatte, daß es bis zu Kriegsende von Irwasionsschrecken verschont bWetb; der die Gründungen für die neue deutsche Politik schuf und — dafür ermordet wurde. Dies sind sozusagen die sichtbaren Punkte im Albftairf dieses Lebens, von dem jetzt einer der kultiviertesten Märmer des unbesiegbaren, des geistigen Deutschland, Graf Keßler, in einem liebevollen, geradezu ehrfürchtigen Buche berichtet *). Sorgfältig gruppiert der Erzähler dieses Lebens >um dessen ragende Werkomd Wirkoingsquadem die vielen kleinen Steämchen persönlicher Wesenszüge; die m den Künsten, zu Dichtung und Malerei, sich sehnsüchtig und doch wieder gehemmt, rankende Jugend Rathenaus; seine Verbindung mit dem bedeutsamen Wirtsahaffcswerke seines Vaters und den unbewußten Trieb, sich davon zu entfernen; seine stets Distanzen schaffende Art im Umgang mit Menschen und seinen scheuen Wunsch, sieh zu erschließen; seine merkwürdige, eigentlich amusische Art und gleichzeitig seine schöpferische Phantasie: seinen sozusagen untcrrrdüsohen Ehrgeiz und seine Weftfuroht; seine jüdischen Abstammungs^Nöte“ und seine irgendwie betonte Verbundenheit mit dem Wesen des Judentums. Aus diesen vielen, mit Sedenspürsiwi erfaßten kleinen Wesenheiten, die um das Wesentliche dfieses Lebens sich ordnen, entsteht mehr als eine Biographie: Bild eines ergreifenden Menschenschicksais. Mit Hamletzügen, manchmal vielleicht stärker hervortretsend als nötig. Doch — und das der große Wert de« Buches erschütternd nahes SchioksalsibM. #) Harry Graf Keßler: «Walter Ratfbenau. Sein Leben und sein Werk.» Verfazsamtak Herma an Klenau A.-G-, BerÜn-Crunewaid. Das Erschütterndste in diesem ScbieksaJ ist a/ber lücht der Zwiespalt in diesem Leben, nicht das „spezifisch“ Jüdische, sondern daß der heiß-inbrünstige Dienst des Mannes, d/er für Deutschland sein Leiben ließ, ein ungeheurer Irrtum war, der tragische Irrtum Rathenaus, des ersten Menschen, der nach dem Kriege europäisch denken konnte, daß es möglich wäre, den Willen zur Macht, die einzige Religion Europas, durch ein menschliches, menschenwürdiges ethisches Postulat zu ersetzen. In dem Buch „Von kommenden Dingen“, das Rathenau selbst als die philosophische Krönung seiner sozialpolitischen Schriften bezeichnet, Jau-tet der letzte, gewissermaßen zusamimenfassende Satz: „Wir sind nicht da uim des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, auch nicht um des Glückes willen; sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen ans menschlichem Geiste.“ Der dieses Bekenntnis ablcgte, mußte Opfer werden, als er diie Bühne der Macht betrat. Vielleicht wußte er es? Schwebte »hm anderer nutzloser Opfertod vor? Irrtum des Irrtums . . . Rathenaws Leben war — vielleicht gewoite? — Tragödie; Keßlers Nachzeichnung dieses Lebens läßt diie Tragödie rühlen... E. G. Frfied. Bevor Sie einen Dauerbrandofen kaufen versäumen Sie nicht, unseren idealen psoimiff, / DauerhrandofenH zu besichtigen! IV, Friedrichstraße an Miitnirtsr, gegenüber dem Vetkebrsbuieas Tel. A 30-1-65 Bequeme Abzahlungen, Referenz-, Preisliste, fachmännische Beratung kostenlos Das rumänische Judentum vor dem Zusammenschluß Von Dr. Mayer Ebner, Czernowitz. Das nach dem Weltkriege geschaffene Großrumänien besteht aus dem alten Königreich — Regat genannt — und aus den angeschiossenen Ländern Transylvaaien, Bcssarabicn und Bukowina. Im Regat, in Transylvanien und in Bessarabien wohnen je eine Viertelmillion Juden, in der Bukowina etwa 150.000. Die Gesamtzahl der Juden in Großrumänien beträgt sonach etwa 900.000. Die Cuzisten (Antisemiten) übertreiben die Zahl der Juden auf das Dreifache. Die Juden dieser vier Länder standen und stehen noch heute in verschiedenen Kulturkreisen: Im Regat im rumänischen, in Transylvanien im ungarischen, in der Bukowina im deutschen und in Bessarabien im russischen Kulturkreis, aber in allen vier Teilen des Reiches hat sich, namentlich unter den jüdischen Volksmassen, die alte jüdische Tradition und eine nationaljüdische Kultur erhalten. Das Volk spricht überall die jiddische Volkssprache, und unter dem starken Aufschwung des Zionismus hat auch eine intensive hebräische Sprache eingesetzt. , Die jüdischen!ntellektu«illen wurzeln im allgerheinen in der Sprache und Literatur der Bevölkerung, in deren Mitte sie jahrhundertelang lebten. In Transylvanien fühlten sich die gebildeten Juden als «Magyaren mosaischer Konfession», weil sie in der Vorkriegszeit die bürgerliche Gleichberechtigung fast restlos genossen, im Regat fühlen sich diese Kreise als «Rumänen mosaischer Konfession», trotzdem, sie die bürgerliche Gleichberechtigung fast restlos nicht besaßen. In der Bukowina bestand das Sonderbare, daß die Juden, trotzdem sie in deutscher Kultur erzogen waren und den Städten der Bukowina den deutschen Charakter gaben, in politischer Hinsicht sich als nationale, ihres Volkes bewußte Juden fühlten. Man hätte nun glauben sollen, daß eine wohlverstandene rumänische Politik die Renaissance eines jüdisch-nationalen Volkstums besonders freundlich begrüßen und daß es die rumänischen Machthaber mit Genugtuung erfüllen müßte, daß ein großer Teil der gebildeten Juden in Transylvanien zum nationalen Judentum zurückgekehrt ist — wohl in der Erkenntnis, daß es keinen Sinn mehr habe, in Rumänien «Magyaren jüdischen Glaubens» zu bleiben, und daß es wider die Natur wäre, mit dem Wech.sel der staatlichen Zugehörigkeit auch das Volkstum zu wechseln und mit einem Male sich zum «Rumänen jüdischen Glaubens» zu häuten. So unverständlich es also scheinen mag, die rumänischen Regierungen sehen die nationaljüdische Bewegung in Rumänien nicht gerne, und darum erleben wir das sonderbare Schauspiel, daß die jüdischen Kreise im alten Königreich in deT Benennung ihrer Organisation, welche «Vereinigung der rumänischein Juden» heißt, das nationale Moment sorgsam vermeiden. Dabei ist klar, daß sich in den weitesten Kreisen des rumänischen Judentums die Ueberzeugung regt, es müsse ein starker, womöglich alle Juden des Reiches umfassender politischer Verband geschaffen werden, der nicht nur die Legitimation hätte, im Namen der Juden zu sprechen, sondern auch die Möglichkeit, das politische Gewicht einer Million Juden in die Wagschale zu werfen, we<nn die großen politischen rumänischen Parteien um die Macht im Staate ringen. Auch der Gedanke, daß die Juden des Reiches sich bei politischen Wahlen einem Minoritätenverbande anschließen, findet eifrige Verfechter. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch die rumänischen Staatsmänner mit der Zeit erkennen werden, um wie vieles ihnen ein volk sbewußtes Judentum lieber sein muß als eine jüdische Religionsgesellschaft, welche nationalpolitisch in den Lagern anderer Völker steht. Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto beillegt, werden nicht zurückgesendet. Ein Weltverband der jüdischen Kriegsteilnehmer Schalom Schwarzbarts Projekt wird realisiert Schalom Schwarzbart, der Rächer der jüdischen Ehre an dem ukrainischen Pogromgeneral, ist vor kurzem mit einem Aufruf an die jüdische Öffentlichkeit herangetreten, in dem er die Einberufung eines Weltkongresses der ehemaligen jüdischen Frontkämpfer aus allen Ländern forderte. Auf diesem Kongresse soll der Welt gezeigt werden, daß die jüdischen Soldaten auf allen Schlachtfeldern der Erde gekämpft und ge« blutet haben, daß sie anderen Völkern ihre Freiheit und Unabhängigkeit erringen geholfen und daß sic dafür in manchen Ländern mit Schimpf und Schande, mit ökonomischem Boykott, mit Numerus clausus und anderen moralischen und physischen Exzessen belohnt wurden. Es soll verkündet werden, daß die Regierungen gewisser Länder von der «Gleichberechtigung der Juden» nicht einseitig als von einer Gleichberechtigung zum patriotischen Sterben Gebrauch machen dürfen und daß die ehemaligen jüdischen Kriegsteilnehmer ihren Anteil an Recht und Freiheit fordern. Diesem Aufruf hat sich nunmehr auch derWeltverband der jüdischen Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen nach gefallenen jüdischen Kriegern angeschlossen, in dessen Aufgabenkreis nicht allein die Fürsorge und soziale Hilfe für die jüdischen Kriegsopfer gehören, sondern vornehmlich auch der Schutz und die Verteidigung der jüdischen Ehre gegen die Lügen und Verleumdungen durch den internationalen Antisemitismus. Schon dem Am Juli 1926 in Danzig abgehaltenen ersten Kongreß des Weltbundes der jüdischen Kriegsbeschädigten lag ein Vorschlag zur Gründung einer Weltorganisation der jüdischen Kriegsteilnehmer (auch der nicht beschädigten) vor. Dieser Plan komite damals aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden. Jetzt aber soll die Gründung dieser Weltorganisation vollzogen werden. Die Exekution des Weltverbandes der jüdischen Kriegsbeschädigten, die mit den Vorbereitungsarbeiten betraut wurde, wird Mitte Oktober eine Konferenz in Warschau abhalten, an der Schalom Schwarzbart über Aufgaben und Ziele einer Weltorganisation der jüdischen Kriegsteilnehmer referieren wird. Im Sommer 1929 soll dann ein gemeinsamer Kongreß der jüdischen Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten aus der ganzen Welt, auch aus Amerika und den Ländern des Orients, stattfinden, der die umfassende Weltorganisation der jüdischen Kriegsteilnehmer, Invaliden, Witwen und Waisen nach gefallenen jüdischen Soldaten ins Leben rufen wird. Ausnahmsregime gegen die Juden in der Türkei Von einem Mitglied der Jüdischen Gemeinde Konstantinopels erfahren wir nachstehende Einzelheiten über die Lage der Juden in der Türkei. Nach der Ansicht dieses Gewährsmannes herrscht dort gegen die Juden ein ausgesprochenes Ausnahmsregimc. Aus allen staatlichen Verwaltungsbehörden seien alle Juden entfernt worden. Die Rcgierungsho ch schul e n seien ihnen verschlossen. An der türkischen Universität gebe es keinen Jüdischen Studenten. Weder im Parlament noch in den MunLzipalrätcn seien die Juden vertreten. Die Jüdischen Schulen erhalten keine Subventionen von der Regierung, man dränge ihnen vielmehr noch türkische Lehrer auf, die sie selbst zu honorieren haben, während den jüdisdien Lehrern untersagt werde, die türkische Sprache in den Jüdischen Schulen zu unterrichten. Bei dem geringsten Widerstand drohe man mit der Schließung der Jüdischen Schulen. Hiezu erfahren wir von anderer Seite: In der heutigen Türkei leben annähernd 150-000 Juden, davon 80.000 An Stamfbul und 15.000 in Adrianopel. Der Verfall der jüdischen Kultur wird durch folgende Tatsache gekennzeichnet: Ein Jerusalemer wandernder Buchhändler reist im Aufträge einer Wiener Buohhandlumg in der Türkei herum und kauft zu unglaublich billigen Preisen wertvolle sepbardischc Bücher und Schriften an, die übrigens sonst zu Makulaturzwecken verkauft werden. So gehen jetzt geistige Schätze, Produkte Jahrhundertelanger Geiistestätigkeit, zugrunde. Die kühnen Reformen Mustapha Kemals greifen natürlich ebenfalls tief ins Jüdisch-religiöse Leben ein. Während den Christen die Sonntagsruhe konzediert wird, ist den Juden noch nicht die fakultative Sabbathnuhe eiiigeriiiimt worden. SiEBM. HORNMEHL, GroOfleischhaueroi Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^tiO-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemelnüe Wien IX, Berpgasse 15 XVIII, Wfihrlngerstraße 97 Bri]r«igiiiiiiirii[Biinirsiiiiniiiiiwraifii[iifiirBi