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Die Stimme · 1928-09-20 · Heft 38 (20.9.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 38 (20.9.1928)
Date
1928-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sefte 4 DIE STIMME Nr. 38 KOHLE-HÜTTENKOKS ANTHRACIT KN OL. Qualitfltssortan — Billigt* BASCH, IV. U 4640t Argentiniers^. 99 TIII*,B,Ü 41-987 Rabatleektlon des „KEREN KAJEMETH“ glauben, wenn versichert wird, daß die Juden noch nicht den Schatten eines Beweises dafür erbracht haben, daß dieses Dokument gefälscht sei? Ebensowenig wie es zweckmäßig ist, sich auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen, ebensowenig dürfen wir die Absage Fords an dem Protokollaberglauben, der vorläufig nur seinen geschäftlichen Reklamebedürfntesen Genüge getan hat, verlassen, sondern wir müssen selbst Hand anlegen an die Demolierung des Vorurteiles, das sich gegen uns richtet. Wir müssen zu den Massen der Völker, unter denen wir wohnen, in ihrer Sprache und Ln ihrem Stil reden, wir müssen über die Köpfe der Großen hinweg — die nur zu oft ihre Privatinteressen bevorzugen — ein Band des Verständnisses zwischen uns und unserer Umwelt schaffen. Nur dann werden wir aufhören, den anderen als rätselhafte Wesen z-u erscheinen, denen man allerlei Fremdartiges und Unglaubliches andichten darf. Eines der wirksamsten Mittel der Verständigung wäre die Gleichartigkeit des Seins und d e <r A r b e i t. Es .rst kein Zweifel, daH seit Jahrhunderten der Jude eeinem Nachbar als wurzelloses Wesen erscheinen mußte, das überall und nirgends zu Hause ist und von dem man nicht wußte aus welchem Boden es seine Nahrung zog. Der Jude erschien seiner Umwelt, der überall fast ausschließlich von der Urproduktion sich ernährte, als Parasit, der mit den Erzeugnissen dieser Urproduktion handelte und sich davon ernährte. Diese durch die Jahrhunderte sich vererbende Gefühlsstimmung wirkt noch heute nach und die Ansätze zur Aendenung der Verhältnisse entziehen sich dem Auge des durchschnittlichen Beobachters. Erst wenn es allgemein in der Welt bekannt sein wird, daß die Juden eine Heimat haben, wo sie den Boden bestellen und aus ihm ihre Nahrung saugen, werden die Völker Europas anfangen, in ihnen gleichgeartete Wesen zu sehen, und werden die alten Vorurteile langsam abzulegen beginnen... Dann wird der Antisemitismus schwinden. Es gibt darum -kein besseres Mittel, den Antisemitismus zu bekämpfen, als an dem . Aufbau I Palästinas zu arbeiten. Der kulturelle Aufschwung des amerikanischen Judentums Vier Sprachen, die ihren Dichter fanden — Kulturelle Synthese — Jiddisches Theater und jiddische Presse in Amerika — Untergangspropheten — Der ewige Wanderer... Eine Unterredung mit Ossip Dymow. Eim in Preußen erzogener, in Amerika lebender und nach dem geistigen Europa zuständiger russischer Jude, der im vier Dichtersprachen — deutsch, englisch, russisch und jiddisch — Erzählungen, Lustspiele, Romane und Tragödien schreibt und zu den erfolgreichsten Autoren Europas und Amerikas gehört — das ist Ossip Dymow, Verfasser der „Letzten Geliebten“, deren Erstaufführung kürzlich im Josetfstädter Theater stattfa/nd. Dem jüdischen Leser ist Gssäp Dymow überdies als der Dichter packender Pogromschiklerungen aus dem zaristischen Rußland sowie dis Aivbor der erschütternden Judientragödfie „Soh’rna JAsrael“ in besonderer Erinnerung. Dymow war einer der wenigen europäischen Schriftsteller, die die Qualen der zanitstfischen Hölle unmittelbar "erlebten und die um die Jahrhundertwende durch den Wahr/heitsfanatiismus ihrer realistischen Schilderrufttgen das Gewissen Europas wachriefen und die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf die Schandtaten der rechtgläubigen russischen „Schwarzen Hundert“ lenkten. Vor Ausbruch des Krieges übersiedelte Dymow nach Amerika, wo er sich der modernen jiddischen Literatur und dem jiddischen Theater zuwandte. Seine Stücke, ‘die auf der ehemaligen SchÜdkruut-Btihne und in Morris Schwarz’ „Jiddischem Kunsttheater“ zur Aufführung gelangten, gehören zum eisernen Bestand des modernen jiddischen Tbeateurepertoirs und erfreuen «ich bei Kritiiik und Publikum des besten Erfolges. Einer unserer Mitarbeiter wurde von Ossip Dymow empfangen, der sich ln freundlicher Weise über den kulturellen Aufschwung des amerikanischen Judentums äußerte. Das aua Europa einige wunderte amerikanische Judentum — meint Ossip Dymow — Ist auf dem besten Wege, eine kulturelle Synthese aus jüdisch-europäischen und jüdisch-amerikanischen Erlobrtiiselementen zu schaffen. Die amerikanische Geistigkeit hat die Tendenz, sich von den eo.ropäisclien Vorbildern innerlich zu emanzipieren und sich in eigenen Formen auszuleben. Die« gilt in gleicher Weise auch von dem jüdischen Intettektueltea in Amerika. Die moderne jkkfiscfoe Literatur in America hat eine ansehnliche Reihe ursprünglicher Talente liemvorgeb rächt, de nicht mehr von den alten Ghettoreinitiiszenaen des europäischen Ostens kfcen, sondern die das neue Amerffkaerlebnfts in 'ihrer jkkßsahen Muttersprache zu gestatten bestrebt sind. Die überraschende Entwicklung des jiddischen Theaters und der modernen jiddischen Presse — die jiddischen Zeitungen Amerikas, besonders der nationalradikale „Tog“ wnd der soziialistisdho „Vorwärts“, wejsen, trotz fnunignatiionsbeschränkungen, immer ansteigende, nach Wiener Begriffen geradezu phantastische Aiifkigezlffem auf — ist der deutlichste Beweis für die natürliche Expansion der jüdischen Kul+uiridee in den Vereinigten Staaten. Freiilüdh gibt es auch innerhalb des amerikanischen Judentums Pessimisten und allerhand modernistische Untergangspropheten, die schon seit Jahrzehnten das „nahe, unaufschiebbare Ende“ des jüdischen Lebens und der jiddischen Kultur in Aussicht steten, das sie allerdings, um nicht mit der unfolgsamen Wirklichkeit rin Konflikt ztt geraten, immer noch um einen geringen Zeitraum versolifeiben. Ungeachtetdieser ©ohwanzsetoerischen Prophezeiungen aber gibt es heuite in ganz Amerika ein starkes, aufstrebendes jiddisches SchriKverk, eine beachtenswerte Literatur und Presse, gutgehende Theater und eine recht leibhafte H e b r ä ii s c h b e w e g u n g, deren Träger insbesondere die bereits hl Amerika geborene und im ameträkanliischen Geäste erzogene jüdische Jugend ist Die A ssimi lati on s g ef ah r? Sie ist in Amerika nicht drohender als in irgend einem Lande Europas und man begegnet ihr furchtlos, im Bewußtsein der Verantwortung für die nationale Zukunft. Die geistige Trägheit, die An der bekannten „all right“- M enteil ität zum Ausdruck kam, erscheint vollständiig Eingesendet. Jk 4B9 Familie Operer Besitzer des Restaurants Operer IL, Taborstraße 12 wünschen rolB iTÖWl Ing. Josef Laszkowitz und Frau wünschen pdib nornn im überwunden und von efimer starken mteJlektucllen Energie welle abgelöst zu sein. Dies schließt aber gleich wohl nicht aus, daß vielte jüdlische Intellektuelfe Amerikas eine immer von neuem autfflammende Sehnsucht nach Europa, nach europäischen Kultur- und Lebensformen empfinden. Zu diesen jüdischen Intellektuellen gehöre auch ich. Wie lange ich im Europa bleiben werde, vermag ich heute noch nicht zu sagen. Würr Juden sied ewige Wanderer, und in einem noch viel tieferem, baziebungsreloheren Sinne ist es der von Ideen, Zweiteln, Problemen getriebene, rastlose jüdische Intellektuelle...“ _ 0 Die Lemberger Kultuswahlen und ihre Lehre Am 9. September fanden die ersten Volkswahlen in die Lemberger Kultusstube statt. Die Wahlbeteiligung betrug nur 60 Prozent aller Stimmberechtigten, da der von der sogenannten Wirtschaftspartei, namentlich vor den Wahllokalen, geübte Terror auf die ruhige Bürgerschaft abschreckend gewirkt hat. Ueberdles wurde ein sehr heftiger Wahlkampf in den ad hoc herausgegebenen Wahlzeitungen ausgetragen. Unsere Gegner verfügten diesmal unstreitig über einen besseren Wahlapparat. Sie hatten eine Unmenge Geld für Wahlpropaganda und Bestechung zur Verfügung und überschwemmten die Stadt mit allerhand Plakaten, Wandstreifen, Umzügen von Sandwichmännern in einer unerhört provozierenden Weise. Hingegen beschränkte sich die zionistische Propaganda lediglich auf die Aufklärung der Massen in überaus gut besuchten Wähler- Versammlungen. Wegen der Ferien war die Beteiligung der jüdischen Studentenschaft sehr mäßig. Trotz aller Bemühungen war es aber unmöglich, den Wahltermin zu verschieben, da die Gegner gerade die Abwesenheit der Studenten am Wahltage für sich auszunützen beschlossen hatten. AH diesen Schwierigkeiten zum Trotz konnten die Zionisten über 40 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen und ziehen, das Mandat der «Hitachdut» miteingerechnet, 11 Mann stark in den neugewählten Kahal ein. Der Wirtschaftsblock, welcher aus Assimilanten und fahnenflüchtigen Zionisten zusammengesetzt ist, erhielt trotz der Beherrschung des offiziellen Wahlapparates, trotzdem alte Toten mobilisiert wurden und viele zionistische Wähler im Wahllokal erfuhren, daß für sie schon längst abgestimmt wurde, um drei Sitze weniger als die Zionisten. Der Tertius gaudens bei diesem Bruderkampf waren die Orthodoxen. Auch sic hielten angesichts der herrschenden Uneinigkeit ihre Zeit für gekommen und warfen ihre ganze Kraft in die Wagschale. Die Orthodoxie erfreut sich einer Anzahl von fünf gewählten Kandidaten ihrer Liste. Der «Bund» konnte nur seinen Führer Dr. Einäugler in den Kahat hereinbringen. Ziffernmäßig drückt sich das Ergebnis der Kultuswahlen in folgenden Zahlen aus: Zionisten inklusive der Hitachdut . . . 11 Mandate Assimilanten . . . ..8 „ Bund *.«••*♦#••••••1 » Aguda (Orthodoxie).5 „ Von der Stellungnahme dieser letzteren hängt es ab, wem die Herrschaft in der Kultusgcmeindc Zufällen wird. Die Listenführer alter in Betracht kommenden Parteien haben zwar, von der Redaktion des neutralen «Morgen» befragt, ihre Meinung über den Ausgang der Wahlen dahin präzisiert, daß sie alle mit dem Wahlergebnis zufrieden sind. In diesen Enunzialioncn ist aber lediglich ein Ausdruck der Selbstgefälligkeit zu erblicken. Besonnene Elemente bedauern lebhaft das Wahlergebnis im Interesse der Weiterentwicklung der zionistischen Sache. Zweifellos hat sich unsere Position verschlechtert, denn es droht uns die Gefahr völliger Zurückdrängung in einen oppositionellen Stellungskampf. Am Tage nach den Wahlen hat der sogenannte Wirtschaftsblock sein wahres Antlitz enthüllt und sich als das entpuppt, wofür er schon längst von uns gehalten wurde, nämlich als eine verkappte Avantgarde der totgeglaubten Assimilation. Vor den Wahlen schrien die Kandidaten des Wirtschaftsblocks, sie seien die besseren Zionsfreunde als die zionistischen Wahlwerber. Nach Tisch heißt es jedoch in den gegnerischen Blättern, daß die Hegemonie der Zionisten gebrochen wurde, daß die Regierung nunmehr einsehen müsse, daß man bei Wahlen in andere Vertretungskörper mit der Assimilation rechnen und den Separatismus der Zionisten bekämpfen müsse. Es ist zu erwarten, daß angesichts der neoassimilatorischen Welle die latenten zionistischen Kräfte sich mit neuer Kraft der Stärkung der eigenen Reihen widmen werden. — Die persönlichen Zwistigkeiten innerhalb der Partei müssen aufhören. Der nächste Parteitag muß da eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens schaffen und den beginnenden Antagonismus beseitigen.; Als ein günstiges Symptom künftiger zionistischer Arbeit ist die Installierung eines jungen, hoffnungsvollen Rabbiners, Dr. Lewin, welcher seine Berufung an die einstige Wirkungsstätte eines Löwenstein und Caro dem zionistisc/en Einfluß in der Kultusgemeinde zu danken hat, zu werten. In seinem Netijahrsgruß legte der neue Seelsorger ein herzliches zionistisches Bekenntnis ab. Seine ersten Schritte im neuen Amt galten der Fühlungnahme mit der jüdischen Jugend, von deren wahrhafter Zionisierung das. Heil unserer Sache abhängt Dr. A. F. Mit Fäusten, Schlagringen und Biergläsern gegen eine jüdische Tanzgesellschaft Vor dem erweiterten Düsseldorfer Schöffengericht hatten sich zwei Nationalsozialisten, Schepp und Moll, wegen schwerer antisemitischer Ausschreitungen zu verantworte«. Im März vorigen Jahres besuchte eine kleine jüdische Gesellschaft, die aus ziwei Herren und zwed Damen bestand, das Hotel zur Post in Neuß, wo ein Tanzvergnügen stattfand. Häkenkreuzler, die an diesem Abend sehr zahlreich vertreten waren, engagierten auch die jüdischen Damen wiederholt zum Tanz. Bald kam es jedoch za AnrempeJungen. Der nationalsozialistische Führer Schepp erging sich in antisemitischen Bemerkungen und forderte die Gesellschaft auf, das Lokal sofort zu verlassen, «sonst werde er mit seinen Leuten die Juden das Laufen lehren». Die Nationalsozialisten folgten den jüdischen Gästen bis auf die Straße, wo sie die beiden Männer mit Fäusten, Schlagringen, Biergläsem bearbeiteten, so daß sie blutüberströmt zusammenbrachen. Auch die Damen, mt denen die Nationalsozialisten noch kurz vorher getanzt hatten, wurden auf das ailerschwerste mißhandelt. Nach vollbrachter Tat rühmte sdch der Führer der Nationalsozialisten, «er habe den Juden einmal gründlich die Fresse poliert». Landigenichtsdirektor Mankowskl bezeichiriete ihre Handlungsweise als «■brutal, felge und gemein». Der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Neugebauer, wies darauf hin, daß der UebenfaJl «als Ausfluß eines verbrecherischen Antisemitismus» au bewerten sei. Er beantragte gegen Schepp drei Monate und gegen Moll zwei Monate Gefängnis. Entgegen diesen Ausführungen und obgleich der Vorsitzende das Verhalten der Angeklagten auf das allerschärfste gebrandmarkt hatte, verurteilte das Gericht Schepp nur zu einer Geldstrafe von 300 Mark und Moll zu einer solchen von 200 Mark. Zu diesem Urteil bemerkt der Berliner «Vorwärts»: «Das ist ein offenkundiger Mißbrauch der Amnestie, ein Freibrief für jede Gemeinheit und feige Brutalität, Dieses Gerichtsurteil verkehrt den Sinn der Amnestie int sein Gegenteil. Es wird nötig sein, daß es ln zweiter Instanz nachgeprüft wird. OOOOOOOOOOOOOQOOOOOOCXXXXXXXXXXXXXXXXX> Redaktionsschluß und Schluß (Her Inscratenannabme Dienstag uui 12 Uhr mittags. Später einlangende Einsendungen können keine Aufnahme ln die laufende Nummer finden.

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