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Die Stimme · 1928-09-20 · Heft 38 (20.9.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 38 (20.9.1928)
Date
1928-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 38 DIE STIMME Feite 3 Der Judenfresser Hugo Stinnes hat es nicht verschmäht, einen jüdischen Erfinder um die Früchte seiner Arbeit zu bringen ... Die herartsgtäockten Patente des jüdischen Kriegsgefangenen — Wie die rumänische Regierung ihre Staatsbürger schützt — Milliardenprozeß eines jüdischen Ingenieurs aus Bessarabien gegen das Haus Stinnes. Aus Bafcarest wird tmts geschrieben; Ira Zusammenhang mit der sensationellen Fälscherafläre des deutschen Rassenschützlers Hugo Stinnes junior, der durch sein allzu «patriotisches Interesse» für die deutsche Kriegsanleihe den deutschen Staat um Miilionensummen betrog, dürfte nachstehende Geschichte, die von Hugo Stinnes, dem Vater, und dem jüdischen Erfinder Ing. M. Wildermann aus Bessarabien handelt, von besonderem Interesse sein. Seit sechs Jahren wird vor dem Pariser rumänisch-deutschen Schiedsgericht ein Prozeß geführt, dessen Hauptaktture der rumänisch-jüdische Chemieingenieur M. Wildermann als Kläger und der deutsche Großindustrielle Hugo Stinnes als Geklagter sind, ln seiner Klageschrift führt Ingenieur Wildermann aus, daß er während des Krieges als russischer Staatsbürger aus Bessarabien in Deutschland interniert wurde. Diese Zwangslage nützte Stinnes aus, der ihn gezwungen hatte, ihm mehrere seiner großen Patente und seinen Anteil an der Verwertung dieser Erfindungen um einen Spottpreis zu überlassen, ln seiner Klage an das Pariser Schiedsgericht fordert nun Wildermann die Annullierung des Zwangs Verkaufes sowie die Auszahlung des auf ihn entfallenden Gewinnanteiles von zirka 800.000 englische Pfund, das heißt einem Drittel jenes Kaufpreises von 2,5 Millionen Pfund, um welchen Betrag das englische chemische Unternehmen, die Industriegesellschaft Pulp, die zur Verwertung der Wildermannschen Erfindungen von Stinnes errichteten Industrieanlagen gekauft hatte. Auf die Einwendungen des Beklagten wies Wildermann nach, daß er inzwischen rumänischer Staatsbürger wurde, worüber er auch Akten des rumänischen Ministeriums des Innern besitzt Die Gültigkeit dieses Dokumentes wurde von Stinnes angefochten, der in seiner Berufung das Schiedsgericht ersucht hatte, die Fortsetzung des Prozesses so lange zu suspendieren, bis die rumänischen Justizinstanzen über die gesetzliche Gültigkeit des Staatsbürgerdokumentes des Ingenieurs Wildermann entschieden haben werden. Der Bukarester Oberste Gerichtshof befaßte sich im Jahre 1925 mit dem Rekurs des Stinnes, der abgewiesen wurde, weil Antisemitismus und Palästina- Aufbau Von Benjamin Segel. Ein volles Jahr iist ins Land gegangen, seit die Absage Henry Fords an seinen auf die «Protokolle der Weiisien von Zion» gegründeten Antisemitismus mit solche Riesenreklame in der ganzen Welt verkündet worden, und in diesem Jahre hat der Protokollglaube an Breite und Intensität nur gewonnen. Daß Henry Ford an die Echtheit der Protokolle nicht mehr zu glauben vorgibt, hat die breiten Massen in allen Ländern ganz kalt gelassen. In Amerika sieht man darin einen riesigen Reklametrick von «eiten des Automobilkonigs; die Leute denken sich ihr Teil dabei und sagen: acht Jahre versicherte Herr Ford in allen Tonarten, in Büchern, Zeitungen und Broschüren, daß sämtliche Juden der Welt gegen die christlichen Staaten im Geheimen verschworen seien und daß die Protokolle der Weisen von Zion dies zum ersten Male ans Licht gebracht haben — auf einmal erklärt er eben diese Protokolle für eine dreiste Fälschung. Wäre er nicht mindestens verpflichtet, uns die Beweise für diese seine neue Ueberzeugumg mitzuteilen? Der berühmte Rabbi Dr. Stephen Sw Wise berichtete im November vorigen Jahres in der New Yorker «Jewish Tribüne», daß er kurz zuvor auf einer weltverlorenen Schweizer Bahnstation zwei antijüdische Broschüren gekauft habe, die offenbar ohne die Ford-Propaganda für die Protokolle nicht entstanden wären; er fordert daher den Automobilkönig auf, die bekannt gewordenen Beweise für die Unechtheit der Protokolle mindestens mit derselben Intensität m der Welt zu verbreiten, mit der er seine frühere Propaganda betrieb, — wenn er anders sein den Juden zugefügtes Unrecht wirklich gutmachen wolle. Aber Herr Ford rührte sich nicht. Inzwischen wurde ln C ih i n a eine neue Auflage der Protokolle herausgegeben, und zwar von einem angesehenen Missionär, der versicherte, daß er damit nur den wahren Ursprung des Bolschewismus nach weisen wolle, die Juden hätten bisher lediglich Beteuerungen, abeer nicht einmal den Versuch eines Beweises für die Unechtheit der Protokolle vorgebracht! Die chinesische Ausgabe fand reißenden Absatz unter den Bu-ropäern aller Nationen, die dort residieren; am meisten trugen zu dem Erfolg die russischen Konterrevolutionäre bei, die in China über eine mächtige Presse und awsigebreitete Beziehungen verfügen. Eime gewaltige Diskussion entspann sich in der dortigen Presse aller Sprachen über die Frage der Echtheit, wobei immer wieder die Forderung nach Beweisen auftauchte. Die Sache verlief am Ende im Sande und schlummert wohl jetzt enter dem Saude. Fast gleichzeitig wmden die das Ministerium das fragliche Zeugnis auf Grund des Vertrages betreffend die Annexion Bessarabiens ausgestellt hatte, so daß ein ausländischer Staatsbürger kein Recht habe, die Gültigkeit eines solchen Dokumentes anzuzweifeln. Da geschah im Jahre 1926, nachdem das Pariser Schiedsgericht nunmehr in die Verhandlung des Prozesses eingetreten war, etwas Unerwartetes. Der rumänische Delegierte im Schiedsgericht gab bekannt, daß er von seiner Regierung die Weisung erhalten habe, die Angelegenheit Wildermanns nicht länger zu vertreten, weil der klägerische Ingenieur nicht mehr rumänischer Staatsbürger sei. Die geklagte Firma legte auch tatsächlich dem Schiedsgericht ein vom rumänischen Ministerium des Innern ausgestelltes und unterfertigtes Dokument vor, in welchem bestätigt wird, daß das rumänische Ministerium des Innern sein früher ausgefertigtes Zeugnis widerrufe. Jetzt Verlangte Wildermann die Vertagung. Aus dem Milliardenprozeß hat sich auf solche Weise ein zweiter interessanter und auch prinzipiell wichtiger Prozeß herausgebildet, in welchem Wildermann um die Annullierung jener Entscheidung des Ministeriums des Innern, durch welche ihm sein Staatsbürgerrecht auf ungesetzliche Weise geraubt wurde, kämpft Er berief sich hierbei auf die dokumentarisch belegte Tatsache, daß ja gerade das rumänische Ministerium des Innern sein Staatsbürgerrecht in wiederholten Fäiien selbst anerkannt und bestätigt habe. Vor kurzem wurde diese Angelegenheit vor dem Bukarester Appellsenat in Verhandlung gezogen, die jedoch vertagt werden mußte. Der endgültigen Erledigung der Streitfrage, welche der vielfachen Entscheidungen des rumänischen Ministeriums des Innern über die Staatsbürgerschaft des jüdischen Chemikers M. Wilderniann gültig ist, sieht man in den Kreisen der internationalen Juristen des Völkerrechtes mit großem Interesse entgegen. Vom Ausgang dieses Prozesses zwischen Wilderniann und der rumänischen Regierung hängt, wie der genannte Ingenieur behauptet, zum großen Teile auch die Frage ab, ob er in den Besitz des ihm geradezu geraubten Milliardenvermögens gelangen werde oder nicht. —■mn um in in n i miinmwi» .... ii.i»wwiwwMMjn»ggjijBi| Protokolle in Bulgarien von einem dortigen nationalistischen Verein verbreitet und riefen sogar Exzesse hervor. Und schließlich wurden sie in Saloniki von zwei Tagesblättern zugleich in griechischer Sprache abgedruckt. Die Juden sandten jedes'mal an die Zeitungen Versicherungen ein, daß man eine Fälschung vor sich habe, schließlich bewirkten sie bei der Polizei ein Verbot des Abdruckes, was die Bevölkerung nur in dem Glauben bestärkte, daß die Juden diese Publikation fürchteten, da sie keine Beweise für die Unechtheit der Protokolle Vorbringen können. Mittlerweile fuhr Theodor Fritsch fort, den «Internationalen Juden» des Herrn Henry Ford, trotz dessen Protest, i,n einem Dutzend Sprachen in der ganzen Welt ziu verbreiten und den Glauben an die jüdische «Weltversohwörung» in dais Unterbewiußtsein breiter Massen einzuhäinmern. In Deutschland erschien vor kurzem eine Broschüre, «Die Entlarvung der Protokolle», in der deren Echtheit als feststehende, nie bestrittene Tatsache hingestelit wird. In Polen, wo die Protokolle der mittelbare Anlaß zum Steiger-Prozeß waren, hat man für die jüdische Weltverschwörung die Bezeichnung «Anonyme Weltmacht» (anonymowe mocarstwo) geprägt, die in der Alltagssprache gang und gäbe ist. In die neueste Auflage des polnischen Lexikons ist sie sogar sohon aufgenommen worden. Richter haben sohon in ihren Urteilsbegründungen sich auf die Protokolle und die jüdische Weltverschwörung berufen. In den Räumen der Wiener Universität wird die prachtvolle Wiener Ausgabe der Protokolle verkauft. Die österreichischen Provinzblätter drucken von Zeit zu Zeit Kapitel aus den Protokollen ab. Es ist ein geringer Trost, daß km letzten Wahlkampfe in Deutschland die Protokolle der Weisen von Zion auf Seiten der Antisemiten nur eine ganz geringfügige Rolle spielten. Die Rolle in der Wahlagitation ist nicht der richtige. Maßstab für die Tiefe und die Feistigkeit eines judenfeindiieben Vorurteils. Seit es politische Wahlen in Deutschland (und in Oesterreich) gibt, hat z. B. der Ritualmordaberglaube nie bei ihnen eine Rolle gespielt, und dennoch haben wir seit 1882 in diesen beiden Ländern eine Reihe von Ritualmordprozessen erlebt, die die Judenheit der ganzen Welt aufwühlten. Und erst vor zwei Jahren haben wir in dem hochgebildeten und hochzivlUsierten Breslau einen Fall erlebt, anläßlich dessen alle Blätter dieser Stadt, einschließlich der demokratischen, die Möglichkeit eines Ritualmordes offen Zugaben. Das Vorurteil wuchert also in dem Bewußtsein der Massen und auch der Gebildeten fort. Es ist ihnen Jahrhunderte lang eingetrichtert worden und wir tun eigentlich nichts, um es zu entwurzeln. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß es sich so auch mit der auf dem Protokollglauben beruhenden Vorstettunec von der .WeibersGbiyiöirang dar S/eder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die KttnerohErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur* fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks* rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Juden verhält. Vormals betrachtete jeder Christ jeden Juden als fähig, ein unschuldiges Christenkimi abzuschlachten und ihm das Blut z« rituellen Zwecken abzuzapfen. Tausende von Vorfällen des Alltags zeugten unwiderleglich für das Vorhandensein dieser Vorstellungen rn den Kreisen des Volkes und sogar der Gebildeten. Heutzutage waltet hl der nicht jüdischen Welt die Vorstellung, daß jeder Jude Mitglied einer Geheimverschwörung zur Unterjochung und Zerstörung der christlichen Welt ist, wie das in den Protokollen der Weisen von Zion mit zynischer Offenheit beschrieben steht, deren Echtheit von den Juden nur 'bestritten, aber nicht bewiesen worden sei. Bei Wahlen wild dieser Aberglaube, ebensowenig wie sein Vorgänger, als Agitationsstoff benützt werden, aber er wird <116 Stimmung gegen die Juden färben und zu einer geeigneten psychologischen Gelegenheit schon hervorbrechen und Verheerungen an richten, ganz wie es mit den Rituatmordprozessen der Fall war. Der Antisemitismus braucht sich nicht lärmend und geräuschvoll zu äußern, Im Gegenteil, der gefährlichste ist derjenige, der still auftritt und im Verborgenen schleicht. Wenn in Deutschland und Oesterreich eine ganze Reihe von Sommerfrischen und Kurorten bekannt gibt, daß Juden unerwünscht sind, so ist das freilich ein sehr gefährliches Symptom, aber es wäre am Ende ziu ertragen. Doch wenn große wirtschaftliche Organisationen, deren Schöpfer Juden waren, sich stillschweigend weigern, Juden a n z u s t c 11 e n. oder aber jüdische Funktionäre in maßgebende Stellungen vorrücken zu lastsen, wo sie mit der großen Oeffenüichkeit ln Berührung kommen; oder wenn jüdische Geschäftshäuser sich weigern, Juden anzustellen, weil diese auf das Publikum «wenig anziehend» wirken, so ist das schon viel gefährlicher. Alle diese antisemitischen Stimmungen stammen 'aus denselben Untergründen, wie der Ritualmord-Aberglauben, der tief eingewurzelt ist, und jetzt hat ©ich zu ihm noch der Protokollabcrglaube gesellt, der einen modernen Anstrich hat und gemäß dem Zeitgeist, weltpolitisch orientiert ist. Im Amerika existierte bekanntlich seit jeher eitr eigenartiger, nicht agressiver, aber sehr empfindlicher, gesellschaftlicher Antisemitismus, der einen passiven Charakter trug und sich dann äußerte, daß man den Juden aus dem Wege ging, ihnen auswich. Mietete ein Jude z. B. in einer christlichen Gegend eine Wohnung, so verschwanden nach und nach sämtliche Christen aus der Gegend und überließen das Feld den Juden. Dabei wirken eine ganze Reihe von Vereinen, die eine «Verständigung» zwischen den Konfessionen herbeiaufähren bemüht sind und unzählige Meetings zu diesem Zwecke abhalten. Das beweist nur, daß man den Juden als fragwürdig und rätselhaft betrachtet, als ein Wesen, mit dem man so wenig als möglich in Berührung kommen will, well dessen tiefstes Inneres unbekannt ist. Das eine solche Stimmung unter gegebenen Verhältnissen, sich in eine aktive, militante und bedrohliche Judenfeindschaft wandeln kann, unterliegt keinem Zweifel. Daß dieses Ausweichen vor den Juden den Keim zu einem Geiste in sich trägt, die den Juden zum Ausweichen zwingt, liegt sehr nahe. Ades, was sich als ein Geheimnis um den Juden legt und ihn der Umwelt als ein rätselhaftes Wesen erscheinen läßt, ist gefährlich. War der RAtualmond .gefährlich, so ist der Protokollaberglaube um so gefährlicher. Man darf sich auf den gesunden Menschenverstand nicht verlassen, der schon mit der Zeit jeden aufmerksamen Letser belehren würde, daß die Protokolle eine Fälschung seien. Der gesunde Menschenverstand hat nahezu 800 Jahre zugelassen, daß jahraus, jahrein in fast allen christlichen Ländern hunderte Juden verbrannt oder gerädert wurden, weil sie angeblich geweihte Hostien gestohlen und auf die papierdüranen Blättchen solange mit Messern und Keulen losgeschlagen haben, bis das Blut Christi aus ihnen in Strömen floß. Warum soll man nun nicht glauben, daß die Juden heutzutage eine geheime Verschwörung gegen die Gojim bilden, twn mittels ihres Geldes Revolutionen, Streiks und Aufstände hervorziunifen und, wo nötig, auch zum Terror z>u greifen — zumal wenn es in einem Dokument schwarz auf weiß niedergelegt ist? Warum soll man das alles nicht

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