Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. 87 SefteW De* röffidi* Schein der tief gehenden Sonne vermischte sich mit dem Uchte der zahllosen Wachskerzen. Die Betenden waren in weiße Gewänder gehüllt, ein remnütiger and zerknirschter Ansdmck lag auf den Gesichtern; von der Frauensynagoge her drang Jammern and Weinen hernieder und fand ei« Echo in Berte wandern Heizen. Er stand zasammengeknickt da und betete, seine Augen troffen von Tränen, jedes Wort des Gebetes schien Balsam in seine Wtmde za träufeln. Fn diesem Augenblick war er beruhigt, denn er fehlte, daß jede Silbe aus einem reaevoHen Herren kam. Jetzt tue er aufrichtig Buße, und Gott werde ihm schon verzeihen; ist er ja aJlbarmherzig und gnadenreich! «Doch darob erbebt mein Herz am meisten, daß die Sünden gegen den Neberanenschen am Jom-Kipper nicht vergeben werden, bis der Betroffene versöhnt ist Darob bebt mein Herz und meine Glieder zittern, weil auch am Tag des Todes diese Sünden nicht vergeben werden —Berl stotterte die Sätze des Gebetes, and plötzlich wurde ihm dunkel vor den Augen, und eisige Kälte lagerte sich um sein Herz. Er traute seinen Blöken nicht, las wieder und wieder, and jedes Wort traf ihn wie ein Dolchstich. Diese Sätze waren unerbittlich barte Richter, welche sein Urteil gesprochen: Du bist schuldig, es gibt für Dich keine Verzeihung: Buße, Gebet, Fasten, nichts, nichts hilft. Vergebens rief es in ihm: «Barmherzigkeit, Vater im HimmelI Barmherzigkeit! Ich leide Not — alte Jungfer — aufgehobenes Verlöbnis*, — er fühlte selber klar, daß dies leere Ansflüchte waren. «Am Jom-Kipper werden nur die Sünden gegen Gott verziehen; die Sünden gegen den Nebenmenschen — auch am Todestage nicht!» Er glaubte, eine fürchterliche Stimme zu vernehmen, die ihm (fiese Worte in die Ohren dröhnte. Er blickte in das vor ihm liegende Machsor und las: «bis der Betroffene versöhnt ist» Dann verliere ich ja meinen guten Namen! Und was soH aus meiner alternden Tochter werden? Und was wird meine Frau dazu sagen? «Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! Vater im f-fimmeü» keuchte Berl verzweifelt Er nahm das unterbrochene Gebet nicht wieder auf und versank in Träume. Seine ganze Vergangenheit zog an ihm vorüber. Leicht hatte ers ja niemals gehabt; er hatte die Not mit allen ihren Schrecken kennen gelernt. Sein Leben war eine ununterbrochene Kette von Kämpfen und Leiden. Aber das Vertrauen zu Gott hatte ihn niemals verlassen. «Oftmals glaubte ich, alles wäre verloren, und doch war Gottes Hilfe nahe, und ich hatte ein reines Herz und reine Hände. Und diesmal wollte ich nicht auf Gott hoffen. Da habe ichs!» «Unglücklicher! Unglücklicher! Dieb, Dieb!» klang es ihm unaufhörlich 1n den Ohren, und er wiederholte die Worte, wie um in seinen eigenen Schmerzen zu wühlen. So stand er da, in Gedanken versunken, während die Gemeinde die einleitende Tefilla vollendet hatte und nun begann, sich zum Kol-Nidre zu rüsten. Zwei Männer, jeder eine Thorarolle auf dem Arm, traten zu Seiten des Vorbeters, einer von ihnen war Reb Moische .Wechsler. Tiefe Stille herrschte im ganzen Raume. JKary-Xü te Wien I., iftotenturmstraßc Jlr. 22 SHe Beste und Bitti£ste Hin&aufsquc Ile £inSkeits preise «Alle, die da sind, frevlerisch und sündig, mögen mit Gottes Willen unter uns zum gemeinsamen Gebet aufgenommen werden!» tönte es plötzlich an Berls Ohr wie eine sanfte, tiefe und traurige Stimme. Er erwachte und blickte auf; es war Reb Moische, der da in Gottes Namen ihm, dem Frevler Berl, zum Beten Erlaubnis gab. Er glaubte, daß Reb Molsches Blick ihn durchdringe und sich in sein Herz bohre . . . «Barmherzigkeit, Vater im Himmel!» flüsterte Berl aus der Tiefe seines schuldbewußten Herzens. (Schluß folgt.) FÜR MUSSESTUNDEN Schach Erich Cohn Am 28. August 1918 bereitete auf dem westlichen Kriegsschauplatz eine Fliegerbombe dem feinsinnigen, zarten Philologen, Mediziner, dem geistvollen Berliner Schachmeister Leutnant Erich Cohn ein jähes Ende. Cohn war 34 Jahne alt Cohn hatte in der Vorkriegszeit, beginnend mit Nürnberg 1906, eine ganze Anzahl bedeutender Turniere mitgunacht zwar nirgends größere Erfolge errungen, sich aber doch einen guten Namen gemacht. Die ihn näher kannten, wußten auch, daß seine Begabung wert Über die tatsächlichen Erfolge hinaus reichte, und daß es vor allem physische Gründe waren, welche ihm hindernd im Wege standen. Er war von schwächlicher Konstitution und besaß nicht viel Ausdauer — kurz, keine Kampfrtatur. Seme Schachkarriere nahm 1914 ihr Ende. Er war damals erst 30 Jahre alt und hätte sich in schachficher Beziehung sicherlich noch weiter entwickelt Der neue Volkssport Tennis Gestern noch eine Exklusiv-Angelegenheit, heute keine Ausgabe mehr . Kurs: 10 Stunden sau' ~ ' S18’- Einzilstmdt samt Trainer S 4‘- Platzstunden ohne Trainer von S 1*50 Ws S 8*— Prachtvolle Gartentennisplätze: XIX., Kahlenbergerstr. 46, Tel. A-12-6-85 Nachstehend seine GJanzpartie: Halbindische Verteidigung. Weiß: Erich Cohn. Schwarz: Tschigorin. (Gespielt im L internationalen Turnier zu Karlsbad 1907.) 1. d2—d4, S«8—f6. 2. c2—c4, d7—d6. 3. Sbl—c3, Sb8—d7. 4. e2—e4, e7—e5. 5. Sgl—«2, Lf8—e?1). 6. g2— g32), O—O. 7. Lfl—g2, Tf8—e8. 8. 0—0, Le7-48. 9. h2— h3, e5Xd4. 10. DdlXd43), Sd7—e54). 11. f2—44!, c7—c5. 12. Dd4—42, Se5Xc4. 13. b2—b3, Sc4—a5. 14. Lei—b2*), Sa5—cö. 15. Tal—dl“), Dd8—a5. 16. Tg3—g4, Sc6—d4. 17. Se2Xd4, c5Xd4. 18. b3—b4!!7), Da5Xb4. 19. Tdl Xd4, Db4—a5. 20. g4—g5, Sf6—d7. 21. Sc3-d5, Da5—d& 22. h3—h4!, Sd7—b6. 23. f4—f5, Sb6Xd58). 24. Td4Xd5, Lo8—d7. 25. e4—e5, Ld7—c6®X 26. e5—«6Ü. f7Xe610). 27. f5Xe6, Bd8—e7u). 28. Df2—f7+, Kg8—h8. 29. Td5—f5, De7X/f7. 30. e6Xf7, Te8—e2. 31. Tfl-42, Te2Xf2. 32. Tf5 Xf2, d6—d5. 33. Lb2-d4!, h7—h5t2). 34. g5-g613), Lc6d7. 35. Tf2—e2*4)t Lf8—d6. 36. Lg2-4i3!, Lb7-d5. 37, Te2 —eö, auf gegeben15. Stellung nach dem 25. Zuge von Schwarz. Schwarz: Tschigorin. üül wm Weiß: Ericfc Cohn. Anmerkungen. x) Derartige Spielweisen kamen vor 20 Jahren noch sehr selten .vry, Tschigorin bat in Karlsbad 1907 das Damenbauerspiel grundsätzlich auf diese Weise verteidigt. *) Heute ein Allheilmittel, damals aber ein origineller Entwicklungsplan. 3) Danach hat Schwarz Gelegenheit, einen Bauer zagewinnen. Weiß erlangt aber dafür eine starke Angriff sstetiung. 4) Droht sowohl 12. — LXh3! 13. LXh3??, SI3X1 nsw. als auch 13. — c5 nebst SXc4, gewann also den Bauer. B) Weiß hat nun ausgezeichnete Angriffschaaoen. 8) Droht c4—e5. T) Ein sehr geistreiches und starkes Bauernopfer. Auf sofortiges 18. — TXd4 oder DXd4 könnte 18. — d5 tnät der Drohung Lc5 folgen. ®) In Betracht kam - das Manöver Sb6—d7—e6, um die Diagonale des Lb2 zu sperren.. Weiß kann aber mit Td4—d3— g3 den Angriff festhalten. ®) Auf 25. — dXe folgt 26. Lh3! usw„ nicht aber 26. Tfdl? wegen 26. — De8! Atrf 25. — Tc8 setzt Weiß den Angriff mit 26. g6! fort Der Textzug wird sehr elegant beantwortet 10) Der Turtn war nicht zu schlagen: 26. — LXdS, 27. LXdS, fXe, 28. fXe, De7, 29. Dd4! nebst 30. Tf7 und gewinnt* lx) Oder: 27. — LXdS, 28. Df7+, KbS, 29. LXd5 (droht e7 usw.), 29. — Te7. Wann 29. — Db6+, 30. TI2, Te7, so 31. Df5, drohend Le4 und gewinnt) 30* DfS, Kg8, 31. Le4, g6, 32. Df 7+!, TXf7, 33. eXf—. Btoe glänzende Eventualität! 12) Es drohte h2—-h4—h5—h6 «sw. 1S) Droht Matt durch Tf2—45Xh5-K 14) Droht dasselbe wie e5. 15) Es ist nichts mehr zu erfinden. Auf 37. — Lc7 folg* 38. Lc5, Lb6, 39. LXb6, aXb, 40. Teö usw. Eine prachtvolle Leistung des damals 23jährigen! Internationales Schachturnier in Brünn Im Rahmen der Lamdeskultar ausstellung begann am 8. September in Brünn ein internationales Schachturnier, an dem die ausländischen Meister Marshall, Saemisch, Reti, Kmoch, Steiner, Opocensky und Kostic sowie de tschechoslowakischen Meister Engel, Teller und Walter teänaiiincn. In der ersten Runde erzielte Reti einen sensationellen Sieg über M a r s h a 11, ferner gewannen Saemisch gegen Engel und Steiner gegen Walter. Die Partie Kostic— Teller wurde Remis, das Spiel Kmoch—Opocensky kam ftidlt zum Abschluß. , ” u Kunstschach M. HaveL , (Aus der Sammlung «Bobemlan goraets».) Matt in drei Zügen, Rätselecke Redigiert von Jota Kreuzworträtsel! a f 4 n 6 ■ ’!■ 8 0 ■ 10 11 P ■ 18 14 16 ■ 16 1 ■ 17 118 19 tr 81 ■ 12 1 ■r 24 26 ■ 26 | ■ *1. ■ 28 23 ■ ■ 80 ■ 81 32 83 ■1“ 1 IS ■ 36 1 ■ 37 88 ■r 41 ■ 42 ■ a ■ 44 1 ■ i. 40 ■ 47 r ■ 43 1 60 u 51 ■ 63 1 mr 66 68 ■ 57 ■ 68 1 ■ 5» 60 j ti ■ Sa ■ 63 64 r 1 Wagrecht: 1. Wacholderschnaps. 3. Kirche. QL Lebewesen. 8. Uneben, unpobert. 10. Bericht. 13. Hafenstadt ta Palästina. 16. Schweizer Kanton. 17. Teil der Karpathen,. 21. Ehemals bevorzugter Stand. 22. Geschäftsvermittler. 23. Figur als einem Shakespearschen Drama. 24. Reicher Mann. 26. Schwur. 27. Britische Mittelmeerinsel 28. TräRerton. 30. Stadt in Frankreich. 31. Spottschrift 34 Büchse,;. Gewehr. 36. Hoher militärischer Rang. 37. Durchschlaga- 44. Eins (engl). 45. Stadt in Italien. 47. Schicksal 49. We&- KcheT Vorname. 52. Geliebte des Zeus. 53, Eßgerät 54. Juraformation. 55. Nicht groß. 57. Fluß In Rußland. 58. Schmuckstück. 59. Künstlerwerkstätte. 62. SchafkaroeL 63. Stadt im Salzkammerguf. 64. Zahl 65. Türkischer Titel. Senkrecht: 1. Deutsche Universitätsstadt. 2. Engl» Untertan. 4. Bete (lat.). 5. Schacfoausdredt 6. Instinkt, Drang. 7. Zusammenschluß, Verbindung. 9. Gasthof, 11. Konzerffonm; auch Spalt, 12. Haustier. 13, BetbCfepw 43