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Die Stimme · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 15

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 87 DIE STÜRME Sette IS wtodar «leb« Matettal Hervorgttnbe* «A Städte rtm Rabbiner Dt. D. Feucht w*n* cenan Märtyrer ym MMstait. die WMerfibt vom Mi die Inden behaglichen Anfzefchmngen im Kremier Statfterchftr (ebt Urbar der Stadt aas der Zelt too sMc« 1390) durch L Moses, ein Attests <Ote NoHage ta der )Msdbea Wissenschaft» von dem Kustos des Frantfirwr JMIsdhea Muaewms Erich Toeplitz, «tat MotiitMidie 9tadie too Albert Löw Ober den betamaten HoBesctaoer Rabbiner Madras PoHak, der ta seine* lehrte* Lebernjsfcreo ta Wien Wirtete. Ard die Zeitschrift sei mefadrfefc- Btibst Waeewiesen. Kunstchronik L ]• Süds gestorben. In KUebiaeer ist 68j»wig der hebräische Schriftsteller Israel Josef Sirkle gestorben, der sich d&rch seine Werke «Teva hat womit», «Mdafh taracfcmsm» vl «. m. sehr befcawntgcmacta hotte Die fetzte» Jahre seines Lettern verbrachte er unstet und fei Not Eine amerikanische SchnftzlerblograpMe: Wie «M New York berichtet wird, entsendet die dortige Colombda-Urriversrtät den Literatnrhistoifker Dt. Shltnerer nach Wien, um hier Material für ein gro&mgelegtes biographisches und HteratnrgeschichtHches Werk über Arthur Schnitzler zu sammeln. Dr. Shhnerer erklärte, Schnitzler sei unter der Jagend Amerikas der beliebteste destsetoe Autor. Ein neuer francOstecher Jadeuroman- Joel Y e h o « d a, der bereits mehrere Judenromane heramgegebea hat, ta denen er n. a. das Leben der Jaden Im Orient schildert, hat letzt ein neues Werk, «Miriam» betitelt, benrasgegeben, dessen Seiet dem Kreise der jOftscbea Künstler entnommen Ist 18 jüdische Theater werden in der jetzt beginnenden Spielzeit ta den Veretaigten Staaten eröffnet werden, gegen 24 in der vorigen Saison. Jubiläumsausstellung der Gesellschaft zur Erforsclnuig jüdischer Kunstdenkmäler. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Knnstderikmäier ta Frankfurt a. M. veranstaltete anläßlircth ihres 30jährigen Bestehras eine Ausstellung, die hier erstmalig einen UeberbHdr über das reiche Material, das die Gesellschaft im Laufe dieser Jahre in allen Ländern gesammelt hat, gab. Um auch den alten Fatnildenbesitz zu zeigen, hatte die Gesellschaft ihre Mitglieder gebeten, die Ausstellung durch Leihgaben za erweitern. Juden stuckreprisen hl den Wiener Theatern. Die Renaissancebühne hat sich für dien Saisonbeginu die schon in zwei oder drei Theatern abgespielte Komödie «Dreimal Hochzeit» (Abies Irish Rose) der Am» Nie hoffe.yer- ,S5U Jede Dome soitte dos TfiodenpafOis Julius Krupnik 7. üBecirft, Jfaiserflraille Tt3 besadien fTinKScnfie £Vxvisev 3V7odeffe und Schöpfungen der eigenen Ateliers, der f herrlichsten Herbst- und Wintermodelle in allen modernen Farben. Vom einfachsten bis zum verwöhntesten Geschmack, in allen Größen zu den billigsten Preisen Achtung I K«lne Filialen Achtung! schrieben, deren deutsche Bearbeitung noch viel schlechter als das Original ist, vor allem weil sie israelitisch verschmockt judsenohristett. Lud-wig Stärk und Gisela W e rbezirk halten die sonst ungenießbare Sache einigermaßen. — Schnitzlers früher viel umkämpfter «Professor Bernhardd», am Deutschen Volkstheater wieder in den Spielplan aufgenommen, fängt an, ein Zugstück zu werden, dessen Aktualität erfrischende Wirkung übt Die neue Inszenierung ist kn großen und ganzen die alte, recht sauber und mit vorsichtigem Rundschliff an den «Spitzen». Dk» Titelrolle hat jetzt Hietrr Klitsch inne, «ein Soldat und brav». Neu sind sonst Herr Lessen, der soharf ins Zeug geht, und Herr Medxner, dessen Schultern für den streitbares Priester viel zu schwach sind. Von der «alten Gardei gestalten Edthofer, Forest, Homma und Kutschers wieder bemerkenswerte Typen. Es gab starken Beifall auf offener Szene und nach den Aktschlüssen. ■—tz. VERSÖHNUNG Aus dem Hebräischen des E. D. ROSENTHAL In dem ganzen, überwiegend von Juden bewohnten Städtchen herrschte feierlich ernste Stimmung. Es war am Vorabend des Jom Kippur, beim Sinken des Tages. Um diese Stunde fühlt sich der Jude wie verwandelt; alle Sorgen um die Not des Lebens, jeder Gedanke an den Erwerb, jede* werktägliche Gefühl weicht und macht einem eigenartigen Empfinden Platz, das alte Herzen erfüllt und aus Stolz und Zerknirschung, Furcht, Hoffnung, Freude und Bangen genascht ist Der Tag des Gerichtes steht bevor, aber er ist auch der Tag der Versöhnung. Gott hält an diese» Tage Musterung über die M-enschen und wägt ihre Taten, die guten und die bösen. Es ist der Tag der Entscheidung über Leben und Tod, aber der Jude sieht ihr mit Zuversicht entgegen. Hat er doch Fürsprecher und Verteidiger die Fülle; hat er doch die Opferung Isaaks, eine lange Reihe von Märtyrern und Märtyrerinnen, welche sich hingeopfert haben für Gottes Namen ,die fürchterlichsten Marter erlitten für ihnen Glauben und die Thora. Während die Abendschaften länger wurden und sich über die Landschaft ausbreiteten, rüsteten sich die Juden zum Empfang des heiligen and erhabenen Tages. Die einen rannten aus Hem Tauchbade nach Hause, während Bart- und Stirnlocken noch . vom Wasser troffen; die anderen eilten zur Synagoge, um Mincha zu beten und ihre Tracht Malkuth In Empfang zu nehmen, wodurch die Demütigung und Zerknirschung ausgedrückt wird. Andere kamen ernst und langsamen Schrittes daher, den TaHis-Beutel mit den Gebetbüchern unter dem Arm, zwei große Wachskerzen in der Hand, das eine Licht für die Lebenden, das andere für die Abgeschiedenen. Und in der Synagoge ist der Boden mit Heu bestreut, dessen frischer Geruch den Raum erfüllt. Einige Beter flüstern die «Widduj» mit weinerlicher Stimme und schlagen an ihre Brust: «Wir haben gesündigt! Wir haben gefrevelt»; andere sind mit Einstecken der Lichter in die mit Sand gefüllten Kisten beschäftigt Ein junger Mann, dem die Ehre zufiel, bei Mincha vorzubeten, beginnt mit tränenzlttemder Stimme die Keduscha; während hinter dem Almemor der Schammes steht und den Riemen schwingt, mit dem er auf die Schultern eines vor ihm hingestreckten Mannes leichte Schläge niederfallen läßt. Der Gezüchtigte erhebt sich, dankt und macht einem anderen Platz. Alle nehmen die Züchtigung hin, ohne zu murren. Sogar Reb Grojnem der Gabbaj, von dem der Schammes J das ganze Jahr hindurch nur Schimpfworte bekommt, die mitunter von Ohrfeigen begleitet werden, naht jetzt ganz kleinlaut und unterwürfig, um sich vor dem Züchtiger zu beugen, der heute die Oberhand hat und unumschränkt waltet, In der Vorhalle der Synagoge sind Sammelteller auf einem Tisch autfgestellt In der Mitte ein großer für die Synagoge und ringsum viele kleine für die verschiedenen Wohltätigkeitsvereine; jeder Vorübergehende wirft eine größere Oabe in den großen Teller und bedenkt die kleineren mit einigen Kupfermünzen. Berl Zapp kam eilenden Schrittes, entledigte sich bei den Tellern des mitgebrachten Geldes, stürzte dann in die Synagoge und begann das Mlnchagebet. Er wollte diesmal andächtig beten, Wort für Wort aussprechen und sein Herz vor Gott ausschütten. Aber profane Gedanken kamen und verwirrten ihn. Erst bei der «Widduj» gelang es ihm, sich zu sammeln. Er begann langsam, jedes Wort betonend; bei dem Bekenntnis «ich habe geraubt», stockte seine Hand, die zum Schlag auf die Brust ausholte, und Berl stand wie angenagelt, wie von einem elektrischen Schlag gerührt, an aüen Gliedern zitternd. Die Lettern des fatalen1 Wortes schienen Leben anzunehmen, wuchsen in diö Höhe, verschlangen sich und zischelten ithm in die) Ohren: «Dieb, Räuber! Niemand hat dich gesehen, kein Mensch weiß es, aber wir sind Zeugen, wir werden vor Gottes Thron schreien: ,Du hast gestohlen und' geraubt!’» Und Berl standunbeweglich da, die Hand' in die Luft vorgestreckt. Er besann sich. Vor zwei Monaten war er zu Reb Moische Wechsler ins Haus! gekommen. Niemand war da. im Geldschrank steckte der Schlüssel. Berl berührte ithn unwillkürlich; deri Schrank sprang auf. Mehrere Hunderterscheine lagert da. Einigte Stunden vorher hatte Berl von seinem Mechufan einen Brief erhalten, ln dem er aufgeforder» wunde, die Mitgift für seine Tochter aufzubringen und den Hochzeitstag zu bestimmen, sonst müsse das Verlöbnis aufgehoben werden. «Jetzt ist mir geholfen!» durchzuckte ihn bbtzartig ein Gedanke. Wie taumelnd streckte er die Hand aus, und . , . ein Hundertguldenschein blieb ihm an den Fingern haften' . .. Der Schrank schloß sich wieder, Beri schlich von dannen und kein Mensch hatte von dem ganzen Vorgang eind Ahnung. Zwar konnte er des Besitzes nicht froh werden;! er fühlte oft ein Jucken und Stechen an der Handfläche,, wo die Banknote gelegen, Selbstverachtung peinigte ihn. Aber er versuchte sich zu beruhigen. «Not — alte Jungfer — aufgehobenes Verlöbnis», mit diesen Ausflüchten bemühte er sich, die Stimme des Gewissens zu übertönen. Aber jetzt, da er vor Gott dem Allmächtigen stand, seine Sünden beichtete und seine Handlungen untersuchte, war er sich klar bewußt, daß alle seine Vorwände nichtig und haltlos waren. Er kam sich vor wie ein Dieb, der sich in anständige Gesellschaft eingeschlichen, und er las sein Geheimnis in jedem Blick, der auf ihn fiel. Und die Buchstaben der schrecklichen Worte «Ich habe geraubt!» tanzten in jedeüii Augenblick in anderer Gestalt und in anderer, Farbe vor seinen Blicken. Bald waren sie schwarz wie die Nacht, bald feuerrot, und brannten und stachen ihn in die Augen; bald wurden sie grün wie Frösche und quackten ihm ins Ohr: «Dieb, Räuber!» Seine Hand war noch immer starr in die Luft emporgestreckt und große, kalte Schweißtropfen traten ihm auf die Stirn. Da erwachte er aus dem Sinnen und glaubte zu bemerken, daß aller Blicke auf ihm ruhten. Schnell vollendete er sein Gebet und eilte pochenden Herzens nach Hause. Er nahm nur wenig Speise zu sich und war bald wieder in der Synagoge zwischen den Betenden, wo er sich in den Tallis hüllte und das einleitende Gebet vor Kol- Nidre zu flüstern begann.; •; DIE MODERNSTE SCHREIBMASCHINE M El,IE UMENTBEHRLICH FÜR BÜRO UND PRIVATGEBRAUCH I GENERALVERTRETUNG: WIEN I, LILIENG. 1, TEL. 78-207

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