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Die Stimme · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Sette T2 DIE STIMME Nr. ST Rabbiner Df. Gelbhaus . gestorben in Baden, wo er zum Kuraufenthalt weilte, ist, 76 Jahre alt, der Wiener Rabbiner Dr. S. G e 1 b h a u s gestorben, ln ihm verliert die Wiener Jude tigern einde einen hervorragenden Seelsorger, die jüdische Wissenschaft einen ausgezeichneten, vielseitigen Gelehrten. Ein Schüler von Lazarus Steinthai und Adolf Jellinek, hat Dr. Gefbhaus durch seine tiefgründige Kenntnis des jüdischen Schrifttums, besonders der Kabbalah, und sein profundes Wissen auf dem Gebiete der Syxologie noch als Student die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch der österreichische Dichter Franz Grillparzer interessierte sich für die Studien des jungen Gelehrten, mit dem er in regem persönlichen Verkehr stand. Nach Beendigung seiner Studien wurde Dr. Gelbhaus Rabbiner in Nordhausen, von wo er einige Jahre später nach Prag berufen wurde, ln den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er Rabbiner im 9. Wiener Gemeindebezirk und wirkte hier 21 Jahre lang; seine hervorragenden persönlichen Eigenschaften, gepaart mit hoher Geistigkeit und reichem Wissen, erwarben ihm Achtung und Liebe weit über seinen Wirkungskreis hinaus, Dr. Gelbhaus’ wissenschaftliche Tätigkeit war sehr vielseitig. Neben seinen sehr bekannten Forschungen auf dem Gebiete der Syralogie beschäftigte er sich eingehend mit der historischen Erforschung der Kabbalah-Literatur und gab auch beachtenswerte Studien über Spinoza heraus. Großes Interesse wandte Dr. Gelbhaus auch der jüdischen Poesie des Mittelalters zu, über die er mehrere Schriften publizierte, darunter auch eine grundlegende Arbeit über, die jüdischen Quellen des deutschen Minnesanges und, die jüdischen Minnesänger. Eine seiner letzten Arbeiten, die bisher nur im Manuskript vorliegt, behandelt die Zusammenhänge de® Islam mit der mosaischen Lehre. Vor einigen Jahren trat Dr. Gelbhaus in den Ruhestand und widmete sich ausschließlich der Lehrtätigkeit am Wiener Beth-Hamidrasch, wo er beachtenswerte Vorlesungen hielt und höchstes Ansehen bei Schülern und Lehrern genoß. Das Ableben dieses wertvollen Mannes, der bis in seine letzten Lebenstage beste körperliche und geistige Frische bewahrt hatte, erweckt in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens tiefste Teilnahme. Die Verehrung, die Dr. Gelbhaus genoß, trat in der starken Beteiligung zutage, unter der er, dem das erste Ehrengrab auf dem neuen Friedhof gewidmet wurde, bestattet ward; neben dem Kultusvorstand, dem Rabbinat, den Lehrern und Schülern des Beth-Hamidrasch gaben zahlreiche Persönlichkeiten aus allen Kreisen des jüdischen Wien dem verehrten Manne das letzte Geleite. Aufrichtigkeit! Eine ernste Mahnung zur Kultuswahlkatnpagne. Von einem religiösen Juden. Der eigentliche Wahlkampf hat noch gamicht begonnen. Was vorläufig zu sehen, zu lesen und zu hören ist, sind bloß Wahiprähidlen, kleine Vorgeplänkel, und daher scheint es noch an der Zeit zu sein, eine ernste Mahnung an die, die es hauptsächlich angeht, ergehen zu lassen. Es handelt sich bei dieser Mahnung um die höchsten ethischen Güter der Menschheit im allgemeinen und unseres Judentums im besonderen: rnn das Verlangen nach Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit Die eine Partes kann siegen und die andere Partei kann eine kleinere oder größere Niederlage erleiden, aber damit unser jüdischer und menschlicher Wert in unseren eigenen Augen, in den Augen unserer Nachkommen und unserer nicht jüdischen Mitwelt nicht eine nicht leicht wieder gut m machende Einbuße erleidet, sollen Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit und UnWahrhaftigkeit für alle Fälle vermieden und ausgeschaltet werden. Wir leben in einer Zeit, da die jüdische und sich jüdisch nennende Welt durch die zionistische Bewegung einerseits und durch den nicht mehr wegzuleugnenden Bankrott der Reform und der Assimilation anderseits zur Ablegung irgendeines jüdischen Bekenntnisses geradezu gezwungen wind. Die Zionismus nicht sagen wollen und etwas anderes Positives nicht zu sagen haben, machen sich’s bequem, indem sie einfach Religion und religiös im Munde führen. Männer, die keinerlei positives Verhältnis zur Religion haben, deren «Religiosität» sich bestenfalls darin erschöpft, daß sie einem Maskir beiwohnen in dem falschen Glauben, daß es sich etwa um eine Seelenmesse handle und daß sie einmal im Jahre den Tempel besuchen, Männer, deren Denken und Sinnen, Leben und Handeln der jüdischen Religion hohnsprechen, die sich über alle Satzungen der jüdischen Religion leichten Herzens hinwegsetzen, solche Männer bringen den Mut auf, lediglich in Ermanglung eines anderen positiv jüdischen Bekenntnisses, die ihnen fremde und entfremdete jüdische Religion in den Mund zu nehmen und sich sogar als deren Beschützer auszugeben. Es handelt sich hiebei nicht einmal um ein Lippenbekenntnis, denn auch dazu gehört ein Minimum von Vertrautheit mit dem Objekt des Bekenntnisses und irgendein auch äußerlich gekennzeichnetes Verhältnis zu ihm, was ja den meisten dieser Männer, völlig abgebt. Soweit aus Präludien und vorläufigen programmatischen Veröffentlichungen bekannt wird, versuchen auch die Herren von der Union deutschösterreichischer Juden sich als Beschützer der Religion den Wählern zu präsentieren. Sie, die religiösen Jüden von der Union, wollen die Rehgionsgememde, den religiösen Charakter der Wiener Judengemeinde gegen die Volksgemeinde der «religionslosen! Eingesendet. 2)r. Xeo Qoldhammer und Bamilie gratulieren allen Freunden, Verwandten und Gesinnungsgenossen herzlichst k k 3)r. ZM.ax ^Präger und 9rau entbieten allen Freunden herzliche ZN eujah t swünsche Brüder Schiffmann n„ TABORSTRASSE 48 entbieten allen P. T. Kunden, Gesinnungsgenossen, Freunden und Bekannten die herzlichsten Qtäckwänsdie zum Jahreswechsel k ZMax Schiff mann und &rau gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten zum ZNeuen fjahre! mia nö’nm romn < Zionisten» in Schutz nehmen. Sie berufen sich hiebei auch auf ein Gesetz, beileibe nicht auf das jüdische Gesetz, das für sie ein Terra incognitö und in ihrem ganzen privaten und öffentlichen Leben keineswegs maßgebend ist, sondern auf ein Staatsgesetz.. Was die «Unk>rt» als’- jüdischer Verband für die Stärkung und Verbreitung der Religion, des jüdisch-religiösen Wissens unter ihren eigenen Mitgliedern geleistet hat. wird wohl für alle Zeiten unbekannt bleiben. Vor etwa zwei Jahren war in den sehr spärlichen Mitteilungen dieses Verbandes zu lesen, daß so etwas wie eine Jugendgruppe in Bildung gewesen wäre und daß dieser angeblichen Unionjugend auch zuweilen Jazzband mit Tanz — von jüdischen, auch jüdisch-religiösen Dingen natürlich keine Spurl — angeboten wurde. Bald nachher wurde es wieder stilL Die Jugendlichen der Unionkreise, soweit sie aus dem Judentum noch nicht ausgetreten sind, dachten offenbar, und nicht mit Unrecht, daß, um Tanz und Jazzband zu huldigen, man auch Dualist sein kann und nicht gerade Unionist sein muß. Was wieder die Tätigkeit der Union als bisherige Majorität in der Kultusstube gerade iuf dem Gebiete von Kultus, Unterricht und sonstigen rein religiösen Belangen anbefrifft, so wird während der bevorstehenden Wahlkampagne sicherlich reichlich Gelegenheit und ein Leichtes sein, den Herren Punkt für Punkt und auf unwiderlegbare Fakten gestützt, klar nachzuweisen, welche unverzeihliche Verfehlungen sie sich gerade auf diesem Gebiete zuschulden kommen ließen. Zunächst soll hier nur die eine sehr charakteristische und zugleich tief beschämende Tatsache angeführt werden, daß der hiezu berufene und dafür verantwortliche Rabbiner auch noch jetzt immer wieder unumwunden und zuweilen auch öffentlich erklärt, daß die Kaschrutinstitutionen der Gemeinde religiös unzuve Häßlich sind. Was braucht man noch mehr? Für die Herren Kultusvorsteher der Union und für die persönlichen Bedürfnisse ist natürlich alles hinlänglich koscher und denjenigen, die wirklich koscher soeben, können ja die Herren die Adresse ihrer Verbündeten von der Schiffschul angeben. Es ist ja aber auch nicht anders au erwarten. Die Religion verfechten und beschützen kann nur derjenige, der selbst religiös ist; das religiöse Leben einer Gemeinde kann mir derjenige regulieren, dem die Religion der Regulator seines eigenen Lebens ist. Wenn der Zionist ein jtidisch-natkxBales Bekenntnis ablegt — und nur Ignoranz oder tendenziöse UnWahrhaftigkeit könnten behaupten, daß dieses nationale Bekenntnis nicht ein wesentlicher Bestandteil des jüdisch-religiösen Bekenntnisses sei —, so ist es klar und kann nicht bestritten werden, daß er es mit diesem Bekenntnis aufrichtig meint. Legt aber ein Unionist oder seinesgleichen von dem Lager der assimilierten Juden ein religiöses Bekenntnis ab, so muß er sich schon gefallen lassen, daß er von religiöser Seite, aber auch von jedem die Wahrheit Bebenden Menschen, der Unaufrichtigkeit geziehen wird. Die Herren von der «Union», deren Ehrenhaftigkeit und absolute Intaktheit in ihrem Geschäfts-, Privatleben und auch in ihrer sonstigen öffentlichen Tätig- «eit von keinem Menschen in Zweifel gezogen werden kann, mögen darauf bedacht sein, daß sie auch im bevorstehenden Wahlkampf nur die Wahrheit veriefladen. Der Wahrheit entsprechend können sie in aöen Tonarten verkünden, daß sie Gegner des Zionismus und der Zionisten sind, daß sie Gegner der Sozialdemokraten sind, daß sie verhindern wetten» daß diese zwei Gruppen in die Gemeintestube einziehen, alles können und sollen sie sagen, mir die Religion, die jüdische Religion, mit der sie es nicht ernst meinen können» da sie deren fundamentale Satzungen für sich und ihre Kinder als nicht bindend betrachten, die mögen sie außer Spiel lassen! Es soll nicht geschehen, daß, wie in Ermanglung einer anderen geeigneten Organisation, unter den Nicbtzionisten Wiens die «Union» auf den Plan tritt, wieder la Ermanglung anderer geeigneter Argumentation die Religion in« Treffen geführt werde. Da die «Union*, wie aus ihrem letzten Aufrufe hervorgeht, es für gut findet, auch mit Bibel* Zitaten zu operieren, wobei ihrem Pressebeamten ein «Ungenügend» aus Bibelkunde gebührt, da er ein 9ehr geläufiges Wort falsch übersetzt hat, will auch ich mit einem mahnenden Bibelzitat schließen: «Aber zum Nichtfronimen spricht Gott: Wie kommst du dazu, von meinen Satzungen zu erzählen? Du führst meinen Bund in deinem Munde?b (Psalm 50, 16.) Austritte aus dem Judentum Diaman stein Margarethe Anna, geh. Finster, 22. Dezember 1899, Wien, verh., VIII., Florianigasse 54 — Diamantstein Hans Heinz, 1. August 1922, Wien, i* selbe Adresse* — K o v ä c s Elisabeth, 25. Juli 1909, Wien, 1., VIII., Laudongasse 60. — Federer Hans Günther, 26. Mai 1907, Wien, 1., VIII., Blindengasse 46. — Eisenstadt Esther Saja, 4. März 1903, Szydlowiec, L, VHJ., Laudongasse 34. — Hönigsfeld Rudolf, 21. August 1902, Auspitz, 1., Architekt, VIII., Blindenga-sse 7. — Kraus Sofie, geb. Vejborny, 3. Mai 1882, Wien, verh., VIII., Fuhrmanngasse 2. — Brand Ignaz, 28. Dezember 1888, Pyrnau, I., VI., Barnabifengasse 7a. — Palester Alfred, 14. Oktober 1902, Wien, I„ VIII., Strozzigasse 32. — Lampl Moriz, 6. Dezember 1900, Wien, 1., XVH., Balderichgasse 3. — Spitz Siegfried, 23. April 1902, Wien, i, Mauer. — Kugler Friedrich, 21. November 1899, Wien, 1., XIX-, Barawitzkagasse 36. — Adler Paul, 21. Dezember 1900, Wien, 1*, I.I., Franzensbrückenstraße 6. — Huppert Fritz, 22. Dezember 1894, Wien, 1., VI, Kasernengasse 7. — Hercog Maria Anna, geb. Füssel, 3. Dezember 1902, Wien, ger. gesch., VI*. Mollardgasse 9. — Kudelka Oskar, 11. August 1903, Wien, 1, JI, Ferdinandsstraße 19. — Mannei Margarethe, 27. April 1886, Brünn, 1, IX., Severingasse 3. — Steiner Eugen, 20. Juli 1894, Urmeny, gesch., IX*, Ferstelgasse 4 — Satzinger Maximilian, 4. Juli 1899, Peny, getrennt, IX., Hernalser Gürtel 30. — Schanzer Babette, 8. November 1906, Fried ek, 1., II., Castellezgasse 31. —'Wallach Alfred, 16. Mai 1901, Wien, 1., XX., Dammstraße 18. — Beck Fritz, 19. November 1898, Wien, verh., XXL Angererstraßc 10. — Beck Marie, geb. Pacher, 25. November 1902, Wien, verh., selbe Adresse. — Herz! Hedwig, geb. Neuhauser, 27. ‘ März 1898, Wien, verh*, XJX, Grinzinger Allee 7. — Sachs Robert, 6. April 1914, Wien, 1.. XVII, Rosensteingasse 77. — Duschak Anna, geb. Klaushofer, 23. Februar 1901, Wien, ger. gesch, III, Baumgasse 54* — Seiler Franziska, geb. Gross, 4. Februar 1897, Preßburg, getr, III., Bechardgasse 11. — Rosenthal Paul, 26. Oktober 1897, Wien, 1, III, Reisuerstraße Nr. 35. — Bonyhard Errnna, 31. Oktober 1899, Wien, 1, III, Gärtnergasse 3. — Spitzer Hedwig, 12. Juni 1906, Wien, 1, III, Hauptstraße 95. — Jahoda Friedrich, 23. Mai 1909, Wien, 1, III, Seidlgasse 22L mm mfflaßm LJ\ WM,'' •. Elegante Turn' figuren von Mit* gliedern den MaUott UL "'VV: * > m / .. Ilfi®! ii V, ' /!

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