Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053789--0580-3055867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 87 DIE STIMME Sette 11 Der jüngste Tag. Am jÄngsten Tage wird es eine furchtbare Umwälzung im Himmel und auf Erden geben; Feuerzungen uncl siedendes Wasser werden statt Regen auf den lechzenden Boden strömen, und es wird kein Wasser mehr In Jerusalem sein; aus den kühlen Zisternen wird es fliehen, die Ziegenfelle der Wasserträger werden leer zusammenfallen; das zugemauerte goldene Tor wird sich auftun und zwei Engel des Schreckens werden über den hellen Platz zur blauen Omarmoschee schreiten; zwei schwere eiserne Wagschalen werden sie an die geschwungenen Arkaden hängen, die die Moschee umgeben von allen Seiten. Und alles Volk wird dorthin zusammeriströmen, die Lebenden und die Toten. Ein jeder wird hintreten vor die Engel, und die Enge! werden auf den Schalen seine guten und bösen Taten wägen, ein Häufchen Staub. Und dann werden sie ihn unter die Sünder oder die Gerechten eiureiben. Vor dem goldenen Tore aber, wo der Friedhof sich zu Füßen der Stadtmauer erstreckt, werden die Mutigsten der Araber mit den vom Tode auferstandenen Juden kämpfen, um ihnen den Zutritt zum Heiligtum zu verwehren. Die richtende Kette. Im Osten gesellt sich dem Felsendom sein kleinerer Bruder, der blaue Kettendom. Hier hing vor Zeiten eine Kftte vom Himmel herab, und sobald jemand einen Rechtsstreit hatte, führte man ihn zu der Kette, und er suchte sie zu fassen. Sprach er Wahres, blieb sie in seiner Hand, und er hatte gewonnen. Log er aber, so entwich ihm die Kette und er wurde bestraft. Als aber das Lügen immer mehr überhand nahm, verschwand die Kette für immer. Und seitdem läßt sich das Recht nicht mehr vom Unrecht unterscheiden. 0 Das goldene Tor. Das goldene Tor, das jetzt zugemauert ist, wajr vor Zeiten offen und man betrat das Heiligtum durch dieses Tor, das ins Freie führt, und brauchte nicht den weiten Umweg durch die Stadt zu machen. Aber später kamen immer mehr Juden nach Jerusalem, und erzählten, daß durch das Goldene Tor dereinst der Messias kommen wird, in seinem Gefolge Abertausende von luden, und daß sie an Stelle der Omarmoschee dann den Tempel erneuern werden. Da ließ der Herrscher aller Gläubigen das Goldene Tor auf ewig zu,mauern. Denn wie sollte der Messias Jerusalem durch ein anderes Tor betreten, da dooh geschrieben steht: «durch das Goldene Tor wird er kommen»? Miszellen Ein* und Auswanderung Palästinas, Im J u n i d. J. kamen 216 Einwanderer, unter ihnen 14 5 Juden, nach Palästina. In dem gleichen Monat wanderten aus Palästina 25 3 Personen, unter ihnen 20 6 Juden, aus. * In der Nähe der Kolonie Herztiah wurden 3 000 D un a m Boden zur Gründung einer neuen Kolonie, die den Namen «Nathanla» nach dem jüdisch-amerikanischen Philanthropen Nathan Straus führen soll, erworben. Es wird dies die erste jüdische Kolonie unmittelbar an der Meeresküste sein. Es wurden bereits 70.000 Pfund in der Kolonie investiert. In kurzem werden die ersten 50 jüdischen Bauern auf diesem Boden an gesiedelt werden. * Wie die Zionistische Organisation Englands mitteilt, hat Lord Melchett (Sir Alfred Mond), der Präsident der englischen zionistischen Föderation, die diesjährige Keren Hajessod-Aktion der englischen Zionisten mit einer persönlichen Spende von 1000 Pfiund ein geleitet. * Jüdisch-orthodoxe Führer in Jerusalem haben eine Aktion eingeleitet, die darauf hinausgeht, den Platz vor der Klagemauer in Jerusalem, der von den gesetzestreuen Juden als Andachtsstätte benutzt wird und auf dem während der hohen Feiertage oft ein fast lebensgefährliches Gedränge herrscht, z u e r w e i t e r n. Die jüdischen Institutionen werden dringend aufgefordert, die die Klagemauer umgebenden Häuser anzukaufen und niederzureißen, um auf diese Weise di« Stätte der Andacht zu erweitern. * Die Pajestine Jewish Colonisation Association (PJCA) beschloß die Gründung einer neuen jüdischen Ko** lonie in Rabia in der Nähe von Chedera. 15 jüdische Kolonisten häben sich bereits zur Anskdlung dort eingetragen. * Das Haus für das vom amerikanisch-jüdischen Philanthropen Nathan Straus gestifteten Gesundheitszentrum in Jerusalem wurde feierlich unter Dach gebracht und wird 2x1 Beginn des Jahres 1929 seiner Bestimmung übergeben werden können. Die Zionistische Exekutive ernannte Dr. M. L u r * e zum Inspektor der hebräischen Schuten in Jerusalem und Distrikt and Dr. E. Riege« tarn Inspektor der Schulen in Haifa und Galiläa. * Der Hilfs-Oberinspektor des Jerusalemer Zentratgefängirisses Maurice Pinctis, ein Jude, trat von seinem Posten zurück, weil er trotz glänzender Dfenstzeugnisse »eit acht Jahren bej Beförderungen übergangen Wurde. Pincus kam 1918 als britischer Soldat nach Palästina. Der Minister des Irak Tufic Sowcü erklärte in einem Interview mit Pressevertretern, der Irak sei an dem Plan der Bagdad-Haifä-Eisenbahn, der dem Lande einen Ausgang zum Meere verschärft, sehr interessiert. Die Pläne seien bereits von der britischen Regierung und den Finanzierungsgesellschaften fertiggestellt; mit den Arbeiten zur Durchführung des Baues wird schon im Jahre 1929 begonnen werden. * Die Palästinaregierung hat dem von der palästinensischen Postgewerkschaft zum internationalen Postangestelltenkongreß in London gewählten Delegierten Gold den Urlaub verweigert Die neue Zeremonienhalle Feierliche Schlußsteinlegung. Sonntag Vormittag wurde die feierliche SchlußsteinJegung in der neuen Zeremonienballe auf dem Zentralfriedhof, über die wir in unserer letzten Nummer ausführlich berichtet haben, vorgenommen. An der Feier nahmen neben den Vertretern der Regierung, der Stadt Wien und der Behörden, zahlreiche prominente Persönlichkeiten des Wiener jüdischen Lebens teil. Der ICultusvorstand hatte sich vollständig versammelt. Präsident Professor Pick, die Vizepräsidenten Doktor Löwen herz und Dr. O r n s t e i n und die Amtsdlrektoren Regierungsräte Dr. Adler und Doktor F u c h s g e I b begrüßten die Ehrengäste. Unter den Anwesenden sah man: In Vertretung des Bundesministeriums für Unterricht Ministerialrat Dr. E b erstaller und Konsulent Hofrat Professor Dr. Frankfurtern Vertretung des Bundesministers für soziale Verwaltung Ministerialrat Nikolaus Nürnberger, in Vertretung des Polizeipräsidenten Zentralinspektor Hofrat Tauber, in Vertretung des Stadtkommandanten Oberst Maraus mit einer Offiziersabordmung, ferner Vizeblirgermeister Emmerling mit den amtsführenden Stadträten Professor Dr. Tandler und L i n d er, den Bischof der altkatholischen Kirche Doktor T ü c h 1 e r u. v. a. Allgemein wurde die impo- Einziges Spezialgeschäft Wiens welches sämtliche von dem weltberühmten Herrn Oberkantor Josef Rosenblatt aufgeiiommenen jüdischen u, hebräischen Gesänge auf den nebengeräuschfreien „Columbia“-Musikplatten vollständig auf Lager hält. — Große Auswahl ln Apparaten und Platten jeden Genres. TUCfiHANDIliM „ZUR SCHÄFERIN** ALBERT HARDT WIEH l„ FREISIN6ERGASSE 1 (tck* Bneramirk!) Original englische Damenmäntel- und Herrenmodestoffe saute Architektonik und zweckmäßige Bauart des Monumentalbaues bewundert und dem Erbauer Ing. Reiser Anerkennung und Dank gezollt. Die Feierlichkeit wurde durch einen Vortrag des Psalmes 23 In der Vertonung von Franz Schubert edngeleitet. Die kantoralen Funktionen versah Obenkantor Fischer. Sodann übergab mit herzlichen Worten Ing. Reiser isein Werk in die Hände des Kultusvorstandes. Der Obmann des Baukomitees Bau rat Kern p- 1 e r gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Baues und dankte allen denen, die an dessen Zustandekommen Anteil hatten, insbesondere dem Erbauer. Sodann hielt der Präsident der Kultusgemeinde Pick eine warmgefühlte Dankrede an alle Mitarbeiter an dem Bau. Mit den Worten: «Der allmächtige Baumeister aller Welten, er schütze, was wir geschaffen!», führte er die drei Bammenschläge, mit denen der marmorne Schlußstein, der die Bauurkiunde deckt, In die Wand versenkt wurde. Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt sodann die Festrede, die durch ihren Gedankenreichtum auf die Zuhörer tiefen Eindruck machte. Auch er führte drei Hammerschläge und erläuterte deren Bedeutung, nämlich «Krankenpflege», «Tote begraben» und «Trauernde trösten». Daran solle uns dieser Bau immer gemahnen. «Es sind nicht zwei getrennte Welten», so führte der Redner aus, «die Welt des Lebens und die Welt des Todes». Beide haben innige Beziehungen zueinander. Als Moses zum Volke sprach: «Ihr solltet heute in ein Bündnis mit Gott eintreten, da fügte er hinzu: «Nicht nur mit Euch wird dieses Bündnis geschlossen, auch mit allen jetjen, die nicht gegenwärtig sind, auch mit denen, die gewesen sind und mit denen, die erst kommen werden». Aus unserer Vergangenheit baut sich die Gegenwart auf. Die Kontinuität des Geistes wahrt unser Volk. Und deshalb ist dieses Haus für uns ein Hains des Lebens. Wir müssen freudig im Leben stehen und schaffen und dennoch nicht unser Gedenken an unsere Vergangenheit, an unsere Toten, verlieren.» Im Namen der Gemeinde Wien beglückwünschte Vizebürgermeister Emmerling die Kultusgemeinde zur Schaffung der neuen Zeremonien ha Ile, die geeignet ist, die Stadt Wien um ein Denkmal der modernen Baukunst und damit um eine Sehenswürdigkeit zu bereichern. Es sprachen sodann noch Vertreter der Bundesmlnlsterien für soziale Verwaltung und für Kultus und Unterricht. Mit einem Chorgesang schloß die eindrucksvolle Feier, an die sich ein Rundgang der Festgäste durch die neue Friedbofsanlage schloß TÜDISCHE GEMEINDE TÜDISCHE GEMEINDE r * ’>*** ' -■ ■*■** t N* 1 rv*".**»! r 7 •e ■» - , ’ J-',*' <■> * * . . ' *^.’l. HÜ jäwjli: . .:*#• mm Die neue Zeremomienhalie auf dem Wiener Jüdischen Friedhof: Haupteingang in den Vorhof mit den Gruftarkaden. t k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.