Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 87 DIE STIMME Seite 9 \ Französische Mode-Veloore, 80 breit, S 1.98, Französische Mode-Waschsamte, neueste Dessins, 80 breit, S 3.90, Französische Waschsamte, alle Farben, S 2.90, Spezialaitgebote in Vorhängen, Teppichen, Unoleum: Prima Spagatläufef, 65 breit, per Meter S 1JS0, prachtvolle Spitzen-Stores, komptett, S 3.90, Fußbodenbelag, 100 breit, per Meter S 3.90, Wachstuch für Küchenbelag, 50 breit, per Meter 5 1.50. OrigmaWPabrikslager m englischen Inlald-Liholeum! Provineversand per Nachnahme. — Jeder Käufer erhält ein Apartes Geschenk. (EntgeMRfi.) ANTISEMITENSPIEGEL Die Geister, cfie sie Heien... Den Zweck des modifizierten ungarischen Nu- InieTiiis^^aniisus-Gese^^ hat man weder während sefinor paHanrentartsdheii Behandlung 3m Frühjahr noch aus dien Zeiitungispolemiken mit Sicherheit festeteJRen können. Der Untenrichtsmimster erklärte damals, dieses neue Gesetz gewissermaßen als Roßkur gegen den Stradfenantiisemiitösmus eingebracht zu haben, ran auf diese Weise die Absurdität der Gegnerschaft gegen die Lemfreilheit mit drastischen Mitteln naohzaiweisen. Das Gesetz kam zustande, dfieUnterröchflsrverw'aituing ging in ihrer „drastischen Kur44 mit bedertküciber Energie vor, sie reduzierte die Zahl der In den einzelnen Fakultäten aufzunehmenden neuen Hörer, strich wohfl das jüdische Moment ans dem Nnmerus-oIaiisifls-Gesetz und iiiberiieß jetzt die Ausiwahfl der anfztmehmenden UniversitätshiöTer dem freien Ermessen der Fakultäten. Das war, wie sieh jetzt herausstetlt, ein entschiedener Sieg der Antisemiten und mehrt, wie behauptet wurde, eine Milderung des judenf eindtUchen Gesetzes. Die Anmeldungen zur Inskription für das erste Semester an den ungarischen Universitäten isimd bereits abgeschlossen und es besteht diie Gefahr, daß, da besonders an der Budapester Universität Rektor und Dekane den rarssensobützlerfscihen ^Cameradsdiaften“ angeboren, sfie flbr Sdakfionisrrecht unter den angemdldeten Hörem so ansüben werden, daß «verhältnismäßig noch weniger Juden Aufnahmefinden dürften, als auf Grund des alten NunTepus-dtausus-Gesetzes. Sie stellen der PoHrtfik des Ad-absuTdium-Führeris des Unterrichtsfndnteteriwms ein gleiches Manöver entgegen. Sie erklären, an der medizinischen Fakultät der Budäp ©stier Universität könnten in diesem Semester bloß 180 neue Hörer aufgenommen werden. Gemeldet haben sich aber 'bisher bereits 400. Unter diesen 400 sind 140 jüdische Studenten, die mit Vorzug maturiert haben, es 'bleiben' daher 260 christliche Studenten, das heißt um 80 mehr als diie vorgeschriebene Zahl beträgt Die roecfizAniische Fakultät habe nicht die Absicht, außer diesen 80 christlichen Studenten Wegen der Juden noch weitere christliche Applikanten zu opfern. Es besteht daher die en tschiedene Absicht, eventuell auch gar keinen Juden heuer in die medizinische Fakultät aufzunehmen. Das Unterriahtsminiisteriium jubelt, weil es recht behalten hat Die Antisemiten jubeln, weil säe nun endlich die Handhabe dafür besitzen, nach Belieben auch, gar keine Juden airfzunefemen. Und zwischen diesen beiden Jubelnden stehen bangend und gedemütigt 140 jüdische Studenten, die mit Auszeichnung maturiert haben und nicht wissen, ob sie würdig befunden werden, ihren Studfrendraog an einer heimatlichen Hochschule zu befriedigen. Auch an den anderen Fakultäten stehen die Dünge nicht besser. Die „Schwarzhemden“ von Orgovany Orgovany ist das Höfflental In der Martyrologie des ungarischen Judentums sn den Jahren unmittelbar nach dem Krieg. Der Orgovanyer Wald war die grausige Folter- und Hinrichtungsstätte der terrorisfäsohen Rassensohützter in Ungarn, wo hunderte Juden und Arbeiter unter unsäglichen Folterqualen Ihr Leben lassen mußten. Die ungarische Regierung Ist bemüht, Orgovany im politischen Leben des Landes vergessen zu machen. Aber andere Kräfte sind am Werk, die das neue Scthlagwort vom „Faszäsmus*4 durch seine Komibitoaifion mit dem Geist von Orgovany und seiner Schnecken wieder auieben lassen wollen. Als Orgovany akut war, diente es für die Führer des MondantüsemltSsmus als grausiges Erpressungsmittel und Mittel zur Bereicherung. Man hat schon lange nichts von den Orgovanyer Raubrittern gehört, aber seit einiger Zeit tauchen sie wieder in SChwarzhemden gekleidet auf. Zunächst sind es Droh- und Erpressungsbriefe, durch welche sie sich bemerkbar machen. So erhielt der jüdische Hausbesitzer Moritz Rittersporn in einer kleinen Stadt bei Budapest vor einigen Tagen einen Brief der Schwarzhemden von Orgovany, in weichem diese den Hausbesitzer aufmerksam machen, daß ihm das Schicksal jener bevorstehe, die im Orgovanyer Wald versoharrt sind» wenn er seine Absicht, einen In seinem Hause wohnenden Postunterbeamten auf Grund erfolgter Kündigung m delogieren, zur Tat machen würde. Ein anderer Jude in derselben Gegend, die zur Zeit der Judenpogrome §n den letzten Jahren eine bedeutende Rolle gespielt hat, erhielt von denselben Orgovanyer Schwairzhemden dfte Aufforderung, an einer bestimmten Stehe im Walde 5000 PengÖ za hinterlegen, iwefil er sonst sein Leben im Orgovanyer Walde alb- Bchließen würde. Diese und ähnliche Drohbriefe iwwden bei der; Polizei mit einer; Anszeige deponiert Die pölfzehfchen Erhebungen blieben erfolglos. Man wird sich auf ähnliche und andere Erpresstmgsvensuche und Aufreizungen zu Pogromen gefaßt machen müssen, wenn den antisemitischen Faszisten in Ungarn nacht bald ihr Verhefzungshandwerk gelegt wird. Versicheningsantisemiten. Jedes Land hat seine eigenen Antisemiten, seine eigene Spezies des Judenhasses. In E n g I a n d hat, wie in keinem anderen Lande, der Antisemitismus, wo er in Erscheinung tritt, einen w i r ts chaf fliehen Charakter in dem Sinne, daß in dem Wettlaufen zwischen jüdischen und nicht jüdischen Industriemagnaten der mitunter unterliegende nichtjüdische Teil seinen Unmut in einen gegen die gesamte Judenschaft gerichteten Antisemitismus kleidet. In der letzten Zeit haben englische Versicherungsgesellschaften, besonders jene, die auf dem Spezialgebiet der Motorversicherung für Automobile tätig sind, an ihre Vertrauensmänner geheime Instruktionen erlassen, in welchen die Vertreter der Gesellschaft davor gewarnt werden, mit Juden Versicherungen abzuschließen. Die Tatsache ist vor einigen Tagen aufgekommen und die Entrüstung in den Kreisen der jüdischen Gesellschaft in London und der Provinz ist begreiflicherweise eine sehr große. Aber die Londoner Industrieantisemiten haben von ihreri kontinentalen Gesinnungsgenossen bereits gelernt. Die meisten der in Verruf gekommenen Versicherungsgesellschaften leugnen ganz einfach, irgendwie an der judenfeindlichen Aktion beteiligt zu sein. Und diejenigen, die dieses Geschäftsantisemitismus überführt wurden, reden sich darauf aus, daß die Geheiminstrüktion gegen die eingewanderten osteuropäischen Juden gerichtet seien, deren moralische Ansichten angeblich zu solcher Maßnahme berechtigen. Dieses Hin- Reklameverkauf in Seidenstoffen, Jackenfutter, Shawls etc, zu Spottpreisen im Seidenhaus Komomer, II, Tahorstr. 14 Bei Berufung auf diese Zeitung trotz billiger Preise 5 °l» Sonderrabatt.. hauen auf die osteuropäischen Juden wird allerdings den Versicherungsgesellschaften in England nicht viel nützen. Die Juden, ob sie nun Eingeborene oder Eingewanderte sind, werden diese Beleidigung nicht ruhig hinnehmen und, wie schon oft, wird auch in diesem Falle die Geschlossenheit der jüdischen Geschäftsleute, Industriellen und privaten Automobilbesitzer die antisemitischen Versicherungsgesellschaften rasch eines Besseren belehren. Der akademische Geschäftsantisemitismus Der Antisemitismus der völkischen Akademiker ist deshalb so gefährlich, weil die diplomierten Akademiker auch nach Absolvierung ihrer Hochschulen und ihrem Eintritt in das praktische Leben die Führung der Volksmassen an sich reißen und nunmehr aus unreinsten Geschäftsgründen durch Verbreitung des Antisemitismus sich von der jüdischen Konkurrenz freizuhalten trachten. Die Gefährlichkeit dieser Sippe besteht aber auch darin, daß viele von ihnen bei Ausübung ihrer Berufspraxis sich, i>m die «jüdische Kundschaft» nicht zu verlieren, «neutral» stellen, insgeheim jedoch alle antisemitischen, politischen und gesellschaftlichen Organisationen materiell fördern und sich von ihnen vorwärtsschieben lassen. Man wird solchen neutralen Akademikerorganisationen besondere Aufmerksamkeit schenken müssen, wie. der Fäll des Verbandes deutscher Akademiker, der sich gleichfalls «neutral» gibt, lehrt. Vor uns liegen jetzt die Resolutionen, die dieser Verband in seiner vor einiger Zeit abgehaltenen 'Jahresversammlung beschlossen hat. Eine dieser Resolutionen lautet: 1. Es ist notwendig, statistisches Material für den Kamnf gegen die geistig e.Ueberfremdung zu sammeln, in dem die deutsche Akademikerschaft Schulter an Schulter mit der deutschen Arbeiterschaft steht. Deshalb werden die Kommilitonen aufgefordert, in ihren Heimatsorten eine Statistik über dieVerjudung der akademischen Lehrkörper und der akademischen freien Berufe anzufertigen und den Zentralstellen zur Verfügung zu stellen. Es Ist eine Liste der Provinzzeitungen und Zeitschriften anzulegen, die die Juden- und Rassenfrage öffentlich zu besprechen wagen. Auch ist eine Liste solcher Al ademiker anzulegen, die mit breiteren Volksschichten beruflich zu tun haben und bereit sind, in ihren Wartezimmern völkische Flugschriften aufzulegen, ■:kmi Daß unter s«*‘.chen Umständen der deutsche Akademikertag auch sich für den Numerus clausus in den Schulen und im Berufsleben ausgesprochen hat, ist selbstverstän.i'lch. Ein wirkungsvolles Gegenmittel, besonders gegen diejenigen Akademiker, die nicht den Mut haben, sich entweder öffentlich als Hakenkreuzler zu bekennen, oder aus dem Akademikerverband auszutreten, wäre vehl, an der Hand des Mitgliederverzcichnisses des Akademikerverbandes die scheinheiligen «Neutralen» zu zwingen, nach der einen oder anderen Seite Farbe zu bekennen, oder nötigenfalls auf die jüdische Klientel und jüdische Geschäftsverbindung’ Öffentlich zu verzichten. Mlssiönsantisemitismus Eine interessante Entdeckung wurde; dieser Tage, in Budapest gemacht. In einer hauptsächlich von Kindern vermögender sogenannter besserer jüdischer Familien; frequentierten Schule einer Missionsgesellschaft stellte der ^ligionsinspektor während des jüdischen Religionsunterrichtes durch eingehende Fragen fest, daß die jüdischen Schülerinnen dieser Erziehungsanstalt gezwungen werden, den katholischen Religionsunter r i c HT mitanzuhören, Schulaufgaben über christlich-religiöse Themen zu machen und sich dabei an die Ideengänge der weltlichen und geistlichen Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt zu halten. 98 Prozent der Schülerinnen in dieser Schule sind jüdische Kinder und was sie da lernen, ist nicht nur die Liebe zur christlichen Religion, sondern mehr noch der Haß und die Verachtung der jüdischen Religion und des jüdischen Volkes. Die Schülerinnen erzählten dem jüdischen Religionsinspektor, daß sie gelehrt werden, das Judentum nicht nur wegen seiner un gesühnten angeblichen Schuld an der Ermordung Jesus, sondern auch wegen der Rasseneigentümlichkeit, die nur durch Annahme der christlichen Ideologie geläutert werden könnte, zu verd^nmen, zu verfolgen und daher hassenswürdig sei. Hier sehen wir die Judenmission im Dienste des unmittelbaren Antisemitismus. Daß sie sich dalbei hauptsächlich der jüdischen Töchter von gutsituierten jüdischen Familien bedienen, die zu Hause dem Judentum niemals innerlich nahe gebracht wurden, liegt in der Natur der Sache. Die jüdische Heimstätte führt zur jüdischen Weltherrschaft - 4 Es konnte natürlich nicht lange verborgen Nefben, daß ‘der Zionismus die Weltherrschaft der Juden erstrebt! Die «Welsen von Zion» haben das protokollarisch festgefegt. Aber die Verfasser dieser Fälschung waren keine Wissenschaftler, sonst hätten sie ihre Ansicht auch historisch fundiert. Sie hätten gewußt, daß der Zionismus als Weltherrsobaftsidee der Juden, gerade als das römische Imperium die ganze damals bekannte Weit umfaßte, ln den Gehirnen der Priester und Zeloten zur Zeit Jesu und des Unterganges Jerusalems spukte. Zionisten dieses Schlages haben Jesu gekreuzigt Das ist nicht etwa der Einfall eine antisemitischen Fälschers oder Presspiraten, nein, es ist die Meinung ekles sehr gelehrten und bekannten evangelischen Superintendenten Fritz Hoppe. Dieser schreibt in etoera DAS NEUE HYG. PATENT-SCDWEISSDEAIT (nach Frau Dr. UNDENFELD-LACHS) Schweißhemmend / Lultdurcbliaeig Erzeugung von Schweißblättern, Büetenhähern, Strumpfbandgürteln unsw. Alleiniges Erzeugung«- und Verkaufarecht: KBUUevm/lNN «fr ROSCNPBiD WIEN, I; HELFERSTORFERSTRASSE Nr. 9, TELEPHON 60-1-28 Erhältlich in allen Mode- und GummiwarengeschMuaa r (