Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053789--0577-3055864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
Seite 8 DIE STIMME Nr. 37 Tuchhaus Münz Ä! stoßen war, daß aber die ZkxiteÜsdie Exe&utfve okmdw Anstalten zur baldige« Hebet f fl fern ng der sterblichen Uebereeste des Fahrer* nach Efez Israel trifft. ' Am Schlüsse der Erklärung heißt es, die Ueberfiflimng der Gebeine Herzls nach Palästina sei nicht Sache allein der zionistischen Oppositionsgruppe in Amerika, von deren Mitgliedern mehrere in den letzte» sieben Jahren der zionistischen Bewegung gar nicht angehört haben, sondern Pflicht der gesamten Zionistischen Organisation... Hunger Nicht nur m Kriegs- und Pogromzeften kann Htmger als Massenerscheknmg unter den. Juden beobachtet wenden. Jede wirtschaftliche und politische Katastrophe fordert unter dem Vofke, dessen wirtschaftliches Fundament überall ein labiles ist, zahlreiche Opfer, die sich nie wieder zu einer normalen Existenz emporzuringen vermögen. In einem besonderen Zimmer der unentgeltlichen Mittagsauspeisung «Machsrke Hadath» siebt man sie, die einst hochgeschätzten «Rebbest> oder Großkaufleute des Ostens, die seit der Kriegszeit hier Stammgäste sind; auch Opfer der Börse, der judenfein-düchen Politik Ungarns, Rumäniens und anderer Länder finden sich unter ihnen, kl der jüdischen Volksküche dagegen erblickt man mehr arbeits- und nicht selten auch obdachlose, jüngere-Menschen, unterbezahlte und unzureichend beschäftigte Arbeiter und Angestellte. Die meisten leisten hier noch ein kleines Entgelt für ihre Verköstigiung. Dies macht den Kndruck erklärlich, man habe es hier meist mit Menschen zu tun, die sich noch nicht kampflos dem Elend ergeben haben. Die beiden genannten Mittagsküchen und die des Vereines «Einheit» verköstigen, ohne die Kindergärten, Gefängnisse usw., die von ihnen gegen Entgelt beschickt werden, täglich 600 bis 700 Arme. Ungefähr ein Drittel davon gratis, die anderen gegen geringfügige Volksküchenpreise. Die beiden unentgeltlichen Abendausspetsungen «Ohel Rahe!» und «Sendat Sabbat» zählen zusammen durchschnittlich täglich 250 Kostgänger. Da nach unserer Beobachtung kaum die Hälfte dieser Leute das Glück haben, auch Mittagskost zu erlangen, muß man die Zahl der Bedürftigen, die allein in den fünf größten, auf Fürsorge aufgebaoten jüdischen Küchen der Leopoldstadf gespeist werden, mit täglich' mehr als 800 annehmen. Wieviel größer aber ist die Masse hungernder Juden)' die aus irgendwelchem Grunde zu solchen Anstalten nicht hinfinden, oder für die es dort keinen Platz gibt Ein ehemaliger Gymnasialprofessor, zwei, drei andere akademisch Graduierte, einige ehemalige Kaufleute und Gewerbetreibende, mehrere abgebaute Beamte besuchen diese Küchen oder dürfen das Essen für sich und ihre Familien nach Hause holen lassen. Eine große Zahl ihrer Schicksalsgenossen findet aber nie und nimmer den Mut zur Offenen Einbekenntnis ihres Hungers. Das traurigste Kapitel ist aber die mangelhafte Rücksichtnahme darauf, daß durchschnittlich jeder zweite Jugendliche knapp nach seiner Auslehre postenlos wird und viele dieser jungen Burschen und Mädchen sich selbst erhalten müssen. Durchwandernde junge Juden haben Gelegenheit, durch einen Monat täglich gratis Mittagskost zu genießen, für ständig in Wien lebende jüngere Menschen stellt die Kultusgemeinde Freikarten zur Verfügung. 35 bis 45 pro Tag! Da dies selbstverständlich viel zu wenig ist, werden die Freikarten nur an zwei bestimmten Tagen der Woche ausgegeben, und jeder Hungernde erhält nur drei Mittagsmahfceiten pro Woche angewiesen. Wie soll sich nun der aabeits- und oft auch obdachlose junge Mensch das Mittagessen für die vier anderen. Tage der Woche beschaffen? Sehr einfach! Er muß nur stehlen oder betrügen. Ist er dann in Wien eingesperrt, bezahlt die Kultusgemeinde für ihn gerne täglich die Koscherkost Wenden wir uns mit einem der Glücklichen, denen es gelungen ist, noch rechtzeitig ihre drei Tageskarten für die Woche zu erhalten, der ältesten und zugleich der größten dieser Küchen, der jüdischen Volksküche in der Krummbaumgasse zu. Der junge Mann erzählt mir, daß seit kurzer Zeit durch strenge Kontrolle der früher schwunghafte Handel mit Freikarten unterbunden sei. Eine solche Karte, auf Suppe, Gemüse und Mehlspeise lautend, erhält jedermann gegen 43 g an der Kasse der Volksküche, die Freikarte hatte aber nur einen Verkaufs wert von 25 bis 30 g. Gewiß war dieser Handel ein Mißbrauch, der Bursche gibt es ohneweiters zu, aber ein verwerflicher? Meist, wenn auch nicht immer, war auch dieser Verkauf nur ein Akt der drückendsten Not. Mein Begleiter selbst, der nun bereits durch zwei Jahre arbeitslos Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich Juggndverein »Erezjsrae|£> Sonntag, 18. September 1928, 8 Ubr abends, Oiymplasaal, Wien, 1., Rothgasse 5 VORTRAG DAVID YELLIN, JERUSALEM: Präsident des Jüdischen Nationalrates für Palästina „nie Zukunft der Universität In lernsnlem“ M, ohne Aiöe#t9kwe*iw*tefstüfauttg m beziehen, hat oft, als er noch ein «verfahrener Eleve der Not war, auf das Mittag* essen verzichtet, am ein Nachtlager za erlangen. Dieses kostet ki den jüdischen Massenqnartieren, 90 g. Demi bilden 25 bis 30 g eine» nicht m «rteracMtzeoden Beitrag. Ader jetzt, da er schon abgehärtet ist, macht ihm eine Nacht kn Freien nicht allzuviel aus. Selbst wem er einmal einige Zeit einen Getegenbeiteverdienst hat, schläft er kn Sommer am Ufer des Donaukanals, um für das Essen während der langen Zeit voriger Arbeitslosigkeit sparen zu können. Er bedauert lebhaft, daß derzeit der Handel mit Freikarten stockt, denn in letzter Zeit war er Käufer und eine Ersparnis von 13 bis 18 g pro Tag hatte für ihn die Bedeutung non zwei Semmeln. Die wette Halle der Volksküche mit ihren 150 Plätzen ist während zweier Stunden, trotz raschen Platzwechsels der Gäste, nahezu immer voll besetzt Am interessantesten ist es, am Schalter der Kasse oder bei der Spreiseaiusgaibe zu beobachten, wie verschieden diese Armen ihren Hunger wirkungsvoll zu bekämpfen suchen. Freilich, der nur Suppe und Brot kauft, hat auf dSe Hoffnung voller Wirkung verzichten müssen, aber der nächste ersteht drei Telia Suppe,, wohingegen der dritte drei Teller Gemüse rorzieht. In der äußersten Ecke der Halle finden sich tun einen langen Tisch ausschließlich nett gekleidete Personen. Man hat sie nicht zusammengesetzt, unwillkürlich hat ach die Intelligenz zusammen gefunden. Der gesellschaftliche Ton und die Geistigkeit der Gespräche an diesem Tisch sind meist derart, wie man sie in der satten Gesellschaft oft vergebens wünscht Nun noch zu cMachsike Hadath». Dort haben die Besucher Monatskarten. Täglich aber kommt eine große Anzahl von Leuten, um Gratiskarten zu erbitten. Können sie nachwersen, daß sie Durchreisende sind, so hat die Erfüllung der Bitte keine Schwierigkeit, aber auch die meisten anderen, mindestens <fie älteren Leute, dürfen durch drei Tage essen, Hausbesitzer wenden sich zwecks ausreparaturen £ m die Kredit- und Wiederaufbau-Genossen- | schaft, Wien, Hl., Löwengasse Nr. 45 Reparaturen werden auch bei belasteten Häusern gegen Rückzahlung ans dem Instandhaltungseins ausgeführt. Durchführung aller Verhandlungen mit Mietparteien und Behörden. _ Sprechzeit 4 bla 6 Uhr Telephon 97-U-U9 w;--«£=■'■ - J bis jhr'pjafl.,reclKiTclriert;, ist Der Tljprasq^rein, in. einem der Stimmer, die' vielen Larigbärte unter "den TSesüchem drücken dieser Absspeisung, in deren Lokal sich auch eine Jesohiwah befindet,, ihren besonderen Charakter auf. Der Verein cMachsike Hadath» verleiht auch Zihsenfrei an arme Gewerbetreibende bis 100 S und stattet jährlich mehrere Bräute abs. Dies die beiden Typen der auf Fürsorgeergebnis aufgebauten Ausspeisungen. Jede der drei anderen Küchen hat wohl irgendeine besondere Eigenart, aber im ganzen und großen schließen sie sich einer der beiden geschilderten Typen, an, Die «Einheit», die auch eine «Mittelstandsabteilung» hat, zählt zum Typus Volksküche, die beiden Abendjküchen zu den Machsike töadath. «Ohel Rahel», die eine von ihnen, ist die scbmuckeste und netteste der fünf Küchen, die-sich durchwegs größter Reinlichkeit befleißen, auch verfügt. «Ohel Rahel» über einen Fonds, um Obdachlosen für eine oder mehrere Nächte Quartier zu beschaffen. An eine Vergrößerung und Erweiterung dieser mit großen Defiziten ringenden Küchen ist selbstverständlich nicht zu denken, so viele, arme Juden auch dringend einer Gratismahlzeit bedürften. Gewiß, die Kultusgemeinde unter-, stützt jede dieser Küchen mit einer Subvention, aber sie griff durchaus nicht entscheidend ein, als die zwei Küchen des j«denreichen 20. Bezirkes zugrunde gingen. Es muß einmal klar ausgesprochen werden: Unserer Kultusgemeinde fehlt es in bezug auf Fürsorge au jeder Initiative, an ernstem Willen zur Organisation .und Vereinheitlichung. Fast alle unsere Fürsorgeinstitutionen, welchem Gebiete sie auch angehören, entspringen-der Privatinitiative. Die jüdische Bevölkerung .Wiens verfügt aber glücklicherweise noch immer über eine große Anzahl von Persönüch- Hchkehen, die sich um jüdische Fragen, vor allem um die Not unter den Juden bekümmern. Wer sie sind, zeigt am besten, daß von den fünf volkstümlichen Ausspdsungen, dje sämtlich streng rituell, die meisten geradezu orthodox geführt werden, mit Ausnahme der «Einheit», alle anderen bekannte Zionisten als ihre aufopfernden Mitarbeiter mul Obmänner an der Spitze sehen. Gegenwärtig weiden in all diesen Küchen Vorbereitungen getroffen, um mindestens durch bessere Mahlzeit ihren armen Besuchern ein wenig Festesfreude zu übermitteln. Kein Jude, der anläßlich der hohen Feiertage z«ur Thora gerufen wird, sollte es versäumen, durch eine Spende den Kampf gegen den Hanger unter den jüdischen Massen zu unterstützen. Siegfried Abeies. Das einzige Spezialgeschäft, weiches sämtliche von Oberkantotr Josef Rosenblatt aufgeoonvraenen jüdischen und hebräischen Gesänge auf nebiengeräuschfreie Columbia-Platten auf Lager hält, ist das Mmsikhaus «Excelsior», Wien, l, Adlergasse 5, II., Kleine Piarrgasse 28, (Entgeltftch.) 11 r. 11—13 Import original englischer n. schottischer Damenttnd Herrenstoffe Detailverkauf zu Engrospreisen nü * <; _* > r j : v * A\ \\. IIISä "'.rv Mite T--.V1 '! Der jüngste Chasan: Der |2jabrige K, W e 11 z, der seit ekligen’ fahren Chäsan ist und jetzt in New York sein Amt aasübt Vereinsnachrichten Die Talmudthora Misrachi hat den regelmäßigen Unterricht begonnen; es wird täglich Unterricht in Bibel, Talmud und Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene unentgeltlich erteilt. Einschreibungen täglich von 2 bis 8 Uhr im Misrachi-Bureau, II., Praterstraße 43. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt (II., Zirkusgasse 33). Der Unterricht in der hebräischen Schule beginnt Montag, den 17. d. M. Einschreibungen für Kinder, Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene, finden täglich von 6 bis 8 Uhr abends im Sekretariat statt Jugendverein «Erez Israel». Sonntag, den 16 d. M., um 8 Uhr abends, im Olympiasaal Vortrag David Yelh« (Jerusalem) über «Die Zukunft der Universität in Jerusalem». Dienstag, den 18. d. M. im Heime, II., Zirkusgasse 33, halb 8 Uhr abends, Mitgliederversammlung. — Der Verein eröffnet am 17. d. M. seine, hebräischen Kurse für Anfänger, Mittel- und Fortgeschrittene. Anmeldungen werden jeden Abend im Vereinslosaie, IL, Zirkusgasse 33, entgegen« genommen. Sie müssen schon jetzt Ihren Warenbedarf für den Herbst decken, da Sie nur bei Beginn der Saison wirklich billig kaufen und, was Sie brauchen, Ihrem Geschmack und Wunsch entsprechend, aus dem reichsortierten Lager wählen können. Das wegen seiner besonderen Leistungsfähigkeit und Billigkeit bestbekannte Leopokistädter Warenhaus der Brüder Schlffmann, 2. Bez., Taborstraße 48, bietet in der kommenden Woche seinen Kunden eine wirklich großartige Okkasion. Alle Herbstneuheiten in Stoffen, Sekienwaren, Strick- und Wirkwaren, Weißwaren jeder Art, Damen- und Herrenwäsche, Regenmänteln, Vorhängen, Teppichen, Linoleum usw. werden wegen Umbau und Vergrößerung. zu beispiellos billigen Preisen abgestoßen, da das Riesenlager während der Bauarbeiten um jeden Preis reduziert werden muß. Nachstehend eine kleine Auslese aus der Preisliste: Mode-Bordüren-Kasha S 2.90, Kleiderstoffe, 100 breit, S 2.90, Kleider- Popeline, 100 breit, S 3.90, Mantel-Flausche u, -Veloure, 140 breit, S 9.80, Double für Mäntel, 140 breit, S 9.80, ZibeUne, alle Farben, 140 breit, S 12.90, Faille de claire* 80 breit, S 2.90, Brokate, alle Farben, 80 breit, S 2.50, Crepe de Chine, alle Farben, 100 breit, S 4.90, Samt-Chlffonet, 90 breit, S 4.90, Plüsehe für Mäntel, 120 breit, S 9.80, Velour-Chiffon, alle Farben, 90 breit, S 9.80, Origlnal-Pullniann-Kappe S 3.90, Mode-Wolljacke S 6.90, Bobby-Weste, rein Wolle, S 9.80, Prima-Florstrüihpfe S 1.25, Modesocken S —.59, Wäscheflanelle, 80 breit, S —.98, Velourbarchent, 75 breit, S 1.50, SIEBJH. HOHMIEHl, BpoBfieischhauBPBi Zentrale IX. Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währingerstra&e 97