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Die Stimme · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Mr. 37 DI6 STIMME C|4|h| ff Ovilv I te 4er Dresdnamtralte (400 Pemom»), te 4er TfcmtnAe 74 (400 Personen) amt in der TojaMMfle (360 Peisoaen) Abgehoben werden. Außer diesen von der XafNegemetode venmafafteten Gottesdiensten hatten noch die verschiedensten Vereine, Minlanäm and Rabbiner während der hohen Feiertage Gottesdienste Sb, die jedoch alle von der Kuftuagtmeinda genehmigt sein müssen. Die Bewiüigting wird versagt, wenn erwiesen ist, daß die Gottesdienste von nichtbelogten Personen aus gewinnsüchtigen Motiven veranstaltet worden» man kam mH Recht annehmen« daß durch <fie privaten Betvenuistalhmgen etwa 25.000 Betend* erlaßt werden. Die Gesamtzahl der Juden, die an den hohen Feiertagen Gottesdienste besuchen, wird demnach mit 45.000 bis 50.000 nicht zu hoch gegriffen sein. Auch kt diesem Jahre stellt die Kultusgemeinde Bedürftigen Fr ei sitze für die temporären Betiwueyeranstaltungen zur Verfügung. Sämtliche Verein«, die et» Bewegung ihrer Betveranstaitungen bei der KuMuegemeinde ansuchen, müssen eine gewisse Anzahl von Karten unentgeltlich nur Verfügung stehen, die dann von der Kultusgemeinde zur Verteilung gelangen. Es werden auf diese Wedas etwa 4300 «nentgettfldia Betsitze w Anna verteilt FAr Jugendliche wind auch in cüeeem Jahre In den Oiympfawäien Gottesdienst abgehalten. Noch kn Vorjahre hielt Obecrabtoieer Professor Cha j es dort da Predigt Die Preise für die Betveraoetatt ungen der Kuftwgemennde sind sehr niedrig gehalten. Man erhält schon einen Sitz für das Entgelt, das man sonst ffir eine Kinokarte zdt entrichten pflegt Die Ausrede, daß man wegen der Kosten an den hohen Feiertagen eines) Ootteedienst nicht besuchen könne, wind wohl niemand ernstlich gebrauchen können. In den angeffthrten Ziffern sind die Leute nicht erfaßt, die zu den Betveranetaltungen auch ohne Karten Einlaß finden. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß man au vorgerückter Stunde in fast jedem Bethaus oder Tempel auch ohne Karte Einlaß findet Von den Maskir-Andachten wind kaum jemand ausgeschlossen. Die Anzahl dieser Leute ist statistisch begreiflicherweise nicht zu erfassen, sie darf aber nach den bisher gemachten Erfahrungen aicht unterschätzt werden. Zusammen fassend kann man also konstatieren, daß die BetSreudigkejt in Wien, wenigstens an den hohen Feiertagen, eine große ist Die jüdische Frömmigkeit, der viele Leute Bs LLOYD RIESTIMO DIREKTE LINIE TBIEST—JAFFA UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag um 8 Uhr abends. Erste Reise mit D. „Bucovlna“ am 27. September 1928 Fahrpreis I. Kl. Lst. 22.—.—, II. Kl. Lst. 15.-—.—, III. Kl. Lst. 5.—.— inklusive Kabine und Verpflegung. Deck Lst. 3.—,— Eine Fahrt Triest-Jaffa—Haifa und retour in der 111. Klasse kostet bloß österr. Sch. 345.— Inklusive Kabine und Verpflegung Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6. Telephon U 46 0-53 Serie oift das ganz.«; Jahr hindurch, durch die äußere Lebensnotwendigkeit gedrängt, Zwang auferlegen müssen, kann an den hohen Feiertagen so recht zur Gelten g kommen. R. S. Eine verschollene Skizze von Theodor Herzl. Die Feuilletons und Erzählungen von Theodor, rferzl, die das Entzücken der Leser bildete«, sind wohl später gesammelt erschienen, doch diese Sammlungen sind keineswegs vollständig. Ia Zeitschriften, Sammelb&bern, Almanachen n. dg*., tind Sicizzen und Erzählungen Herzls erschienen, die beste epische Kleinkunst darstellen; es wäre eine dankbar: Aufgabe, diese verstreuten und vergessenen Arbeiten zu suchen und zu sammeln. Daß sich unter ihnen wahre Kleinodien befinden, dafür gibt die nachfolgende verschollene Skizze Zeugnis, welche in einem um 1890 in Wien erschienenen «Wiener Künstler-Dekamerone» (herausgegeben von Rudolf Wittmann und Mopiz Band) erschienen ist und durch einen glücklichen Zufall von einem Freunde unseres Blattes gefunden wurde. Sie reiht sich den besten Kindergeschichten Herzls gleichwertig an: Naphthalin Die Winterkleider werden eingestreuf * . Das ist eine Elegie l Jawohl, lächeln Sie nur — ich wiederhole es: eine Elegiel Sie können das freilich nicht wissen, denn Sie waren nicht dabei. Aber Sie dürfen es glauben, da ich’s Ihnen sage. Ich lüge ja fast nie, wenn ich Ihnen keinen unmittelbaren Vorteil davon verspreche. Auch entschließe ich mich nur äußerst selten, welch zu weiden. Aber wenn man die Winterkleider einstreut -— und die Teppich ebenfalls — dann entsteigt ihnen ein duftender Hauch von Melancholie. Eigentlich ist es der Geruch von Naphthalin. Wenn die Stoffe beispielsweise durch Kampher gegen Mottenfraß geschützt werden, ehe wir die sommerliche Stadt verlassen, so empfinde ich keine Rührung ... Sie verstehen »och immer nicht? Ja, dann kann ich Ihnen nicht helfen and maß ea erzählen . . . Aber erst noch einmal mit tiefem Atenamg den schweren Duft eingesogen — den Duft; der «leb zurückträgt in die andere Zelt. Ah . . . Ich bin wieder fünfzehn 'Jahre alt — äs ist reizendl Sommernachmittag. Breit liegt der Sonnenschein auf den Gassen. Ich komme aus der Schule beim. Es ist immer so. Erst wenn man zurückblättert . . Sollte übrigens jemand anderer Ansicht seht, so werd* ich mit ihm nicht streiten, heute nicht . . Wir lasen also den Horaz. Vielleicht das wundersüße «Donec gratus? Ich weiß es wirklich nicht mehr. Heimgekehrt, ZWISCHEN PCTBRSPLATZ UND TUCHLAUD*N TELEPHON »0-0-77 •ÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPICRBN die Bücher weggeworfen und hinüber in die Nachbarschaft. Denn wir sind Nachbarskinder, wir drei. Das hat der Zufall gut gefügt. Wenn wir nur unser zwei wären, wär’ es Pyramus und Thisbe, die alte Geschichte. Aber wir sind unser drei: ich und die zwei Mädchen. Die eine vierzehn, die andere drei Jahre alt. Sie werden mit ihren Eltern morgen verreisen für den ganzen Sommer. Wie ich hintlbergehe, sind alle eben mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Koffer und Kisten werden gepackt, die Winterkleider eingestreut und die Teppiche ebenfalls. Die Jalousien sind gegen den Sonnerfbrand herab^elassCn. Grüne Dämmerung ist in der ganzen Wohnung, und ein scharfer Geruch Hegt in der Luft. Wir drei werden ersucht, uns ruhig zu verhalten und niemandem im Wege zu stehen. Die ganz Kleine spielt in einer Ecke, der Größeren erzähle ich jungendlicher Othello halblaut meine Heldenstreiche vom Tage. Ich schneide selbstverständlich stark auf — wie wenn ich schon eine Ahnung davon hätte, daß man weibliche Herzen nur durch Blenderei und UeberTreibung gewinnt Zwar kann ich dieser vierzehnjährigen Desdemona zu meinem Bedauern nichts von erlegten Antropophagea mittellen, aber schon der Lateinlehrer nimmt Entwurf zu einem Herzl-Denkmal von dem Wiener Bildhauer Saitdor JaraJ, der vor kurzem mit einer Kollektivausstellung seiner Werke in Berlin großen Erfolg hatte. Theodor Herzl als. Dreißigjähriger (Aul* nähme aus 1890). in meiner Darstellung abenteuerliche Gestalt an. Und wie freche Antworten ich ihm gegeben habe — gar nicht wahr! — und wie ich mich geschickt durchgeschwindelt habe, ohne vorbereitet gewesen zu sein —| auch erlogen. Aber sie traut mir achilleischen Trotz und. odysseische Verschlagenheit zu, und das ist die Hauptsache. Denn es kommt in dieser Welt nicht darauf an, daß man wirklich ein Held sei; es genügt, wenn man' dafür gehalten wird . . . Weiter fließt der Strom', meines gymnasialen Heldengedichtes, und ich melde homerisch von Kämpfen mit stärkeren Knaben, die ich angeblich besiegte. Dann fängt die Kleinere an, unruhig zu werden.; Sie will, daß wir mit ihr spielen. Ja, aber was? Herumläufen dürfen wir jetzt nicht. «Versteckens?» . . .. ... . Sehr gut. Für das Spiel schwärme Ich. Doch Ist! es eigentlich nicht mehr meines Alters. Ich lasse mich1 erst nach längerem Zögern dazu herbei, indem ich, meinen Gefährtinnen die Wohltat, die ich ihnen damit erweise, recht deutlich zu fühlen gebe. Wer soll suchen?; Das Los fällt auf Desdemona. Sie muß sich entfernen.* Dann verberge ich die Kleine hinter hinter einem Vorhang und suche für mich selber ein Versteck. Etwas Besonderes muß es sein, wo man mich nicht gleich; findet Hinter’m Ofen? Zu gewöhnlich. Halt, ich hab’s.; Da unter das Kanapee. Es hat zwar nur kurze Füße,1 der Raum ist sehr eng, aber gerade darum wird sie mich hier nicht suchen. Und mühsam krieche ich unter; das Gestell . . . Dann kommt sie und späht umher. Ich' liege regungslos, halte den Atem an. Eine eigentümliche süße Angst hat sich meiner bemächtigt, eine angenehme Beklommenheit, die unschuldige Aufregung des Kinderspiels. Das Blut pocht mir in den Schläfen, und der schwere Duft von Naphthalin ist um mich her. Wird sie mich finden? Sie kommt und geht Ich sehe, wie ich da auf dem Boden liege, nur ihre wohlgeformten kleinen Füße, die in ledernen Knöpfelschuhefl stecken. Sier kommt und geht, und ich — und ich weiß* plötzlich, daß ich sie liebe. Das ist der unvergeßbare Augenblick, so komisch, so rührend. Ich entdecke mein Herz unter dem Kanapee ... Sie sucht, sucht erfolg-] los. Die kleine Schwester ist von ihr längst bemerkt worden, denn deren weißes Kleidchen schimmerte durch die Oeffnung des Vorhanges. Aber Baby soll die Freude1 der Unfindbarkeit haben. Baby kehrt nämlich das Gesicht der Wand zu, sieht nichts und meint darum, daß man es auch nicht sehe ... Die Sucherin gibt endlich1 ihre Bemühungen auf. «Kommt hervor!» ruft sie lachend und gereizt, «ich kann euch nicht finden I» Und wir kommen hervor, Baby jubelnd, seelenvergnügt Ich aber, ich winde mich unter großen Schwierigkeiten hervor, und wie ich wieder aufrecht1 dastehe, bin ich vor ihr zum erstenmale verlegen, bringe kein Wort hervor, denn die sonderbare süße Angst von vorhin schnürt mir noch immer die Kehle zu. Auch sie redet nichts, aber sieht mich lächelnd an, spöttisch lächelnd . . . Weiter hat sich nichts begeben. Errieten wir einander? Nein! Kinder halten sich für unsichtbar, wenn sie nichts sehen . „ . Doch wenn das längst, längst vorbei ist, so kommt noch manchmal eine Duftwelle der Erinnerung gezogen, wie aus fernen Gärten. Es ist geradezu bezaubernd. Ich bin wieder fünfzehn Jahre alt. « .Das macht das Naphthalin. Ja, wenn die Winterkleider -"eingestreut werdenl Theodor Herzl. Die^Ueberführung Herzls nach Erez Israel Mus Jerusalem. In Ewiderung auf die Resolution der amerikaiaischen zionistischen Opposition, betreffend den nicht ausgeführten Kongreßbeschluß über die Ueberfüihrung der Gebeine Theodor H e *r z Fs vom Döblinger Friedhof zu Wien nach P alästinia, veröffentlicht die Zionistische Palästina- Exekutive eine Erklärung, in der gesagt wird, daß die Ueberfü-hwng von Theodor Herzls Gebeinen bisher auf unüberwindliche Schwierigkeiten ge- Elgene WarkiUtla für Pelxkonfektlon 1 Übernimmt auch »amtliche Reparaturen 1 ALEXANDER BRAUN KURSCHNBRMMSTER WIEN, ». OLPCKENOASM18/5 TEL. R 40-9-99 j ■k* |^^#j V

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