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Die Stimme · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36 DIE STIMME Seite 9 Rlohard Herzog, II, Kleine Pfarrg. 28 / Tel. 73-4-90 Die Verteilung der restlichen Karten erfolgt alb Sonntag, den 9. September 1. J., zwischen 10 und 12 Uhr vormittags, im Bureau des Jugendreferates (I., Seftenstettengasse 4, Parterre) gegen Vorweisung einer Legitimation. * Für diesen Gottesdienst wird ein Teil der Logen und Balkonsit2e auch für Erwachsene (Männer und Frauen) abgegeben und gelangt zum Preise von S 10.—, 7.—, 5.— und 4.— an der Betsitzkartenkasse, I., Seitenstetteng. 4, 1. Stock, ab 9. September täglich zwischen 9 und 1 Uhr vormittags zum Verkauf. Haben Sie zerrissene Schuhe? Reparaturen schnell und billig «Del-Ka», mechanische Schuhreparaturwerkstätten. Reparaturenübernahme in sämtlichen Verkaufshäusern. WISSEN / KUNST / LITERATUR Granowskys jiddisches Theater «200.000», nach Scholem Alechem, mit Musik von Leo Pulver, Im Carltheater. Vor dichtgefülltem Hause eröffnete am 31. August das Moskauer jiddisch-akademische Theater sein Gastspiel in Wien. Erster Eindruck sei hier referierend wiedergegeben; über das Wesen dieses Theaters und seinen Platz in dem jüdischen Theater kann (und soll daher) erst gesprochen werden, bis das ganze Repertoire abgerollt ist (nochmals wird bei dieser Gelegenheit dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß auch Perez’ «Die Nacht auf dem alten Majkt» aufgeführt werde; denn dieses Spiel und seine Aufführung ist vielleicht bestimmend für die ganze Entwicklung des jüdischen Theaters; und daß das Moskauer Ensemble bisher als einziges jüdisches Theater dieses Spiel zur Darstellung brachte, läßt vermuten, daß die Granowsky- Leute sich Ihrer jüdisch-künstlerischen Verantwortung bewußt sind). Die musikalische Komödie «200.000» — diese Bezeichnung hat das Programmbuch gewählt — ist nach der Komödie «Das große Los» von Scholem Alechem gearbeitet, die eigentlich selbst schon Dramatisierung einer epischen Darstellung des Stoffes ist. Da das Wiener Publikum Wissen und Meinung über Theaterdinge sich noch immer gern fertig ins Haus liefern läßt und die Lieferanten, stets von Sachlichkeit wenig beschwert, diesmal so tun, als kennten sie Scholem Alechems Komödie so genau wie etwa den letzten Börsenwitz (einer hat sie sogar, wie er schlankweg behauptet, beim Wiener Gastspiel des New Yorker jüdischen;Kunsttheaters gesehen 1), so sei hier festgestellt, daß Üas Granowsky-Theater nur einige Szenen aus dem «Großen Los» wiedergibt. Die Werturteile über das Scholem Alechemsche Stück oder über seinen Dichter sind samt und sonders durch Ankündigungen und das Programmheft des gastierenden Ensembles fundiert. Scholem Alechem hat in seinem «Großen Los» die satirische These gestellt, daß Reichtum keine «jüdische 'Sache» sei, und den Schneider Schimeie Soroker, der das große Los gewinnt, in eine ihm bis zur Lächerlichkeit unverständliche «unjüdische» Welt geraten lassen, aus der es nur ein Entrinnen gibt: wieder arm zu werden. Das Granowsky-Theater spielt aber folgende Satire: Soroker und) die Seinen, durch Beruf und Stellung Proletarier, mit proletarischen Haßinstinkten gegen den Reichtum, der sie knechtet, gelangen durch die gewonnenen 200.000 Rubel in das Ritual des Kapitalismus mit Geschäft, Bildungsgetue und Protzentum (den Abschluß eines großen Geschäftes durch Soroker begleitet die Musik geradezu mit einer Melodie des Gottesdienstes); wie der Reichtum zerrinnt, werden die «Eindringlinge» aus dem Kreise der kapitalistischen Mythen ausgeschlossen und erkennen (was Sorokers Tochter von Anfang an erkannt hat), daß sie in ihrer Armut freier sind, zumal sie und die vielen ihresgleichen die Hoffnung haben, den Mysterienzirkel des Kapitalismus mit der Kraft der Masse zu zersprengen. Dies ist natürlich Tendenz; jedes richtige Theater spielt Tendenz, und ein Theater, das, wie das Granowskysche, im Jahre 1919 in Moskau entstanden ist, spielt selbstverständlich Moskauer Tendenz up to date. Diese Tendenz haben die Moskauer aus der Scholem- Alechem-Komödie konstruiert und bringen sie zu einer bis ins kleinste Detail konstruierten Darstellung. Der Konflikt (dessen das Theater ja nicht entraten kann) wird durch zwei Bewegungsarten rein visuell zum Ausdruck gebracht: Die proletarische Welt Ist ln ständig fließender Bewegung, die kapitalistische eine ruckartig, nach vorgeschriebenem sich bewegende Marionettenversammlung. Musik hat nur die Masse, in der Soroker lebt, die Marionetten der Reichen bringen keinen eigenen Ton hervor. Es gibt nur zwei Kollektivbewegungen, Individuelle Gestalten für sich existieren nicht. Jedes Wort, das auf der Bühne gesprochen wird, ist Kollektivausdruck, von der Masse geprägt oder aufgenommen, jede Geste löst Gesamtgeste aus, jede Fause ist Generalpause. Da es keine individuellen Charaktere, sondern nur Masse geben kann, gibt es keine Gesichter, sondern nur Masken, von oft flächenhafter Verschwommenheit (Überhaupt wird die Bühne flächenhaft gestaltet). Daraus ergibt sich groteske Wirkung, die oft stark packt (viel stärker als bei andercun Theater), oft jedoch ermüdet. Unerbittlich waltet die reine Konstruktion: es wird ohne Nadel genäht, ohne Feder geschrieben, ohne Becher getrunken. Bewegung ist alles, die reine Bewegung, die keines Hilfsmittels als Krückstock bedarf. Nur in einem Punkt ist dieses konstruktive Theater inkonsequent, weil es dort — seine Grenzen findet: ln der Musik. Musik kann eben nicht rein visuell, flächenhaft sein. Und die Musik, die Leo Pulver, meist aus jüdischem Volksgut, für diese bis zur Uebermüdung unerbittliche Theaterkonstruktion zusammengestellt hat, ist plastisch wie selten eine. Es scheint, als ob hier die guten Geister, welche dem jüdischen Theater die Musik als stärksten Empfindungsausdruck in die Wiege gelegt haben, wieder lebendig wären. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier überall die Musik da ist, ohne daß man sich sagt: «Jetzt kommt ein Chor, jetzt kommt ein Couplet», — diese Selbstverständlichkeit ist altes jüdisches Theater (das sich leider so bald von dieser selbstverständlichen zur schlecht eingeführten Musik entfernt hat). Die Musik rechtfertigt auch am besten die ewige Bewegung von Figur und Requisit auf der Bühne, die sich oft bis zu unheimlicher Akrobatik steigert In solchem Theater gibt es keine schauspielerische Einzelleistung, hier wird alles von einem konstruktiven Willen gelenkt; er heißt Alexis Granowsky und hat Die große reichhaltige Rösch Haschanah- Nummer der ,SfBmme‘ erscheint am 13. September einen Ausdruck des Theaters geschaffen, der überrascht. Ob Ueberraschung freilich Dauer haben kann... am stärksten wirkte der erste Akt, dann trat Entspannung ein und erst im letzten Akt packte der geradezu sentimental primitive Ausklang der Befreiung, den das Spiel gab. Der Beifall wurde zu stürmischer Kundgebung. Nach alter Theatergewohnheit suchte das Publikum gewisserwaßen einen Halt an überragender individueller Leistung und fand sie instinktsicher in dem Darsteller des «Helden», Herrn Michaels, der ein Charakterspieler von nicht gewöhnlichem Format zu sein scheint, und in dem Heiratsvermittler des Herrn S u s k i n, der mit seinem halsbrecherischen Auftritt (er kommt — als Glücksbote durchaus konsequent — an seinem Regenschirm durch die Luft geflogen) die Herzen aller großen Kinder erobert hatte. Siegfried Schmitz. * Die nächste Premiere im Gastspiel des Moskauer jiddisch-akademischen Theaters am Wiener Carltheater findet Freitag, den 7. September um halb 8 Uhr abends statt. Zur Aufführung gelangt «Die Reise Benjamins III.», eine bühnenmäßige Gestaltung des gleichnamigen berühmten Romans von Me adele Mocher Sforim mit Musik von Leo Pulver. Zehn Jahre «Habimah» Am 8. Oktober d. J. kann das hebräische Theater «Habimah» das Jubdiläum Seines 10jährigen Bestandes feiern. Diese erste hebräische Bühne wurde bekanntlich in Moskau begründet und hat in der russisch-jüdischen Intellektuellen Jugend als Theaterstudio ihren Anfang genommen. Der Bestrebungen nahm sich der große russische Regisseur Stanislawski an und in Jahrelanger Vorarbeit wurde das Studium 'betrieben, bis «Habimah» ln die OÖffentlichkeit trat. Anoki's «Dybuk» war der erste große Erfolg der «Habimah»; ihm folgten Pinski‘5 «Der ewige Jude», Leiwik's «Golem», später «Jaakobs Traum» von Beer-Hofmann und «Die Sintflut» von Henndg-Berger. Das immer stärkere Hervortreten der jüdisch-kulturfeindlichen Stönmingen in Sowjetrußland zwang «Habimah» — vielleicht zu ihrem Glück — dazu, Rußland den Rücken zu kehren. Nach zwei Jahren Wanderfahrt als Gastspieltheater durch Europa und Amerika hat der größte Teil des «Habknah»-Ensemibles in Palästina Fuß gefaßt. Es sind Bestrebungen im Gange, das Theater dauernd mit Erez Israel zu verbinden, doch ist darüber noch nichts Endgültiges entschieden. Gegenwärtig arbeitet «Habimah» an der Erweiterung ihres Repertoires; wie bereits gemeldet, studiert gegenwärtig der Moskauer Regisseur D.iky, ebenso wie der bei «Habimah» tätig gewesene Wachiangow, ein Stanislawski-Schiller, zwei neue Stücke, eine Scholem-Alems ßiattinoicuacn schmerzlos behoben Erzeuge für Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orllir padische Schuhe. Was auf Grund meiner langjährig erpro >.en i-raxis eingebaute Einlagen, daher von normalen Schuhen nicht zu unterscheiden ist Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Romme auf Bealellur» » Ins Haus HANS VEIGL vorm. Bubenleek SpezSalwerhstdite ittr orthopädische Sdinhe IV., Starhemberggasse 5/7, Parterre chem-Komödic und ein biblisch-historisches Drama, mit denn Ensemble ein, Ihr Jubiläum wird «Habimah' in Palästina feiern. Dort hat sich, wie aus Jerusalem gemeldet wird, ein Jubiläutnskomitee gebildet das ei.nc Reihe von Feierlichkeiten veranstalten wird; u. a. wird eine Festschrift erscheinen, welch# die Geschichte der «Habimah» wiedergeben wiird. Achad-Haams Glossarium Bekanntlich hat der Stadtrat von Tel-Awiw anläßlich des ersten Todestages des großen Denkers Achad Haam die von diesem hinterlassene Privatbibliothek in der großen öffentlichen Bibliothek „Peth Achad Haam“ für wissenschaftliche Forscher zugänglich gemacht. Die von Achad Haam während seines langen Forschcrlcbens benützten Bücher weisen an vielen Stellen Randbemerkungen des Philosophen, zum Teile polemischer Natur, zum Teile kommentierenden Inhalts, auf. Viele davon sind überaus wertvolle Glossen, durch welche mit Hilfe weniger Sätze aufhellendes Licht in die bisher dunkel gebliebene Stelle eines Werkes oder auch der Bibel gebracht wird. Besonders wertvoll vom Gesichtspunkt der Bibel- und Geschichtsforschung sind Achad Haams Marginalbemerkungen zu den Bibelausgaben, deren er sich bei seinen Arbeiten bedient hat. Zur Charakteristik Achad Haams als Wissenschaftler sei hier die Randbemerkung zu einem Vers Im Kapitel VIII des Bibelbuches Samuel I in der Ausgabe des berühmten deutsch^ Bibelforschers Professor K i 11 e I wiedergegeben: In dem bezeichnten Kapitel wird erzählt, daß der Prophet Samuel alt geworden und seine beiden Söhne Richter wurden bei den Juden, und zwar wurden sie „Richter in Berseba“, das hieße, daß die Söhne Samuels bloß Richter In der einen Stadt Berseba gewesen sind. Die Stelle in dieser Fassung ist umso unklarer, als früher erzählt würdö, daß sie Richter über das jüdische Volk ge* * worden seien. Diesen Widerspruch klärt Achad Haam mit einem einzigen präzisen Satz auf. Es soll seiner Ansicht nach an dieser Stelle lauten: Sie waren Richter über das Jüdische Volk „von Dan bis Berseba“. Der Ausspruch „von Dan bis Berseba“ wird in der Bibel sehr häufig zur Bezeichnung des ganzen Umfanges des Landes gebraucht Dan lag, wie man weiß, auf der äußersten nördlichen Qrenze und Berseba auf der äußersten Südgrenze von Palä-t stina. Von Dan bis Berseba bedeutet demnach von einem Ende des Landes bis zum anderen. Gegenwärtig wird an der Sammlung und Bearbets tung der in den nafiezu 3000 Bänden der früheren Privatbibliothek Achad Haams verstreuten Glossen und Randbemerkungen des Dichters und Denkers gearbeitet Sie wem den, wenn sie gesammelt und entsprechend beleuchtet erscheinen, ohne Zweifel einen überaus wertvollen Beitrag nicht nur zur Würdigung der Persönlichkeit Achad Haaras, sondern auch für die Wissenschaft des Judentums bilden. * - ’e Der große jüdische Schauspieler Rudolf Schildkraut (Zeichnung von Emil Orlik) kehrt nach mehrjähriger Abwesenheit wieder aus Amerika nach Europa zurück und wird in der jetzt beginnenden Saison in Berlin und auch in Wien spielen. American Expreß Schuhreparatur Wien, IV., Treitlstrafie »Am Kärntner Tor« Telephon] A35-3-44 repariert Ihre Schuhe, während Sie warten, Innerhalb 10 Minuten ml technisch vollendeten amerikanischen Masch'nen — Billigste Preise. — Bestes Material — Exakte Ausführung Das Dad fln der Tasche T CZU/upiuS^tr ,,S» lu vlu s** der kleinste Badeapparat der Weit! Patente In allen Kalturstaaten Ermöglicht rasolie» Baden Im Sommer und Winter, zu Hause, auf AusflUgen usw. (Gewicht cirka 250 g). Für Heilkuren und B&der roraüglioh I Unentbehrlich für jedermann! Brietst vollkommen ein Bades'mmer I Eine Wohltat für jede Familie I Im Sommer Erfrischung, Im Winter Reinheit und Oesundung de* Körpere. ■»reis 10*- versendet Alle in er*enge* ,»DIJT\ Wien, ll., Ob. Donouilr. IT

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