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Die Stimme · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sefte 6 DIE STIMME Nr. 3C PALÄSTINA Das Finanzinstrument des jüdischen Palästina-Arbeiters Nach den russischen Pogromen des Jahres 1905 setzte eine stärkere Auswanderung jüngerer Elemente, die wir nach der heutigen Terminologie als Chaluzim bezeichnen würden, nach Palästina ein. Aus deren Mitte bildete sich im Jahre 1908 dortselbst der sogenannte „Schomer“. Dieser forderte von den in den Galuthländern bestehenden Poalei- Zion-Organisationen die Beistellung von materiellen Mitteln, insbesondere zur Anschaffung der notwendigen Ansrflstungsgegenstände, die sich bei den sich immer mehr häufenden Beduinenüberfäilen als dringend notwendig herausstellte. Die aus diesem Anlaß gepflogenen Beratungen im Schoße der damaligen Verbandsleitung der Poalei-Zion- Weltorganisation, die in Wien ihren Sitz hatte und an denen meines Erinnerns insbesondere der Präsident dieses Bureaus, Ing. Kaplansky, der vor ungefähr 11 Jahren verstorbene B o r o c h o w, der nachmalige Minister für die jüdischen Angelegenheiten der Westukraine R e w u t z k y und der später zum Bürgermeister der Stadt Tel-Awiw gewählte Ephraim Bloch-Blumenfeld teilnahmen, zeitigten den Gedanken der Schaffung eines eigenen Fonds, der, von den zionistischen Arbeitern selbst aufgebracht, ausschließlich für Zwecke der jüdischen Arbeiter in Palästina Verwendung finden sollte. Rewutzky und Bloch-Blumenfeld verfaßten auch den ersten Entwurf eines Statuts für diesen Fonds, dem sie den Namen „Palästina-Arbeiter- Fonds** gaben. Die zweite Weltkonferenz der allweltlichen jüdischen Arbeiterpartei Poalei-Zion in Krakau (Dezember 1909) genehmigte mit einigen kleinen Aenderungen diesen Entwurf und beschloß ferner, daß die Arbeit erst bei einem vorhandenen Kapital von 6000 Francs beginnen könne. Im Juli 1911 waren 7294 ö. K. gesammelt, so daß der Fonds an seine praktische Tätigkeit herantreten konnte. Zunächst wurde im Jahre 1913 in Jaffa, bezw. Tel-Awiw ein Informationsbureau unter der Leitung Bloch-Blumenfelds eingerichtet Bis zum 1. Jänner 1928 wurden von dem Palästina-Arbeiterfonds insgesamt 107.125 Pfund aufgebracht von denen 96.263 Pfund für verschiedene Arbeiterzwecke in Palästina aufgewendet worden sind. Der P. A. F. war es, der bei den ersten Gründungen städtischer und ländlicher Genossenschaften mithaif, der einen hervorragenden Anteil an der sogenannten Eroberung der Arbeit trägt und der vor allem nebst den Mitteln der zionistischen Weltorganisation es ermöglichte, daß das jüdische Kolonisationswerk die Folgen des Weltkrieges, der Bloch-Blumenfeld als Leiter des Fonds mehrfache Verurteilungen und Haftstrafen von seiten der türkischen Behörden eintrug, überdauern konnte. Die Art der Verwendung der 96.263 Pfund, die hauptsächlich erst in den zehn Nachkriegsjahren, größtenteils in Amerika gesammelt wurden, charakterisiert am deutlichsten die Bedeutung und Wichtigkeit dieser mit den Kräften und aus der Mitte der Arbeiterschaft geschaffenen Institution. 32,6 Prozent wurden zur Schaffung und Ausgestaltung von Arbeiterheimeu, Krankenkassen, Erziehungsanstalten, zur Förderung der professionellen Bewegung, für Aufklärungsarbeiten und die politische Tätigkeit, sowie zur Herausgabe von schöner Literatur verwendet; 26^> Prozent der verausgabten Summe dienten der Arbeiter-Genossenschaftsbewegung, der fachlichen Ausbildung und der jüdischen Arbeitseroberung; 11,9 Prozent wurden den Arbeiter- und Arbeiterinnen wirtschaften in den Kolonien, sowie der Scbchunath-Borochow zur Verfügung gestellt; 1,0,5 Prozent dienten der Förderung der politischen und organisatorischen Arbeit; 7,6 Prozent wurden zur Anschaffung von landwirtschaftlichen und städtisch-industriellen Maschinen verwendet; schließlich dienten 10,8 Prozent zur Bestreitung der Verwaltungskosten, der Herstellung verschiedener Drucksachen (Kapay-Nachrlchten), Bezahlung von Darlehenszinsen und zur Deckung von Reisespesen, die im Interesse der Festigung des zionistischen Aufbaugedankens in den internationalen Arbeiterkreisen gemacht werden mußten. Zur Zeit der Gründung des P. A. F. war der jüdische Nationalfonds die einzige geldliche Institution der Zionistischen Weltorganisation. Die Mittel durften aber statutarisch ausschließlich zum Erwerb des unveräußerlichen Volksbodens, sowie zur Ameliorierung desselben verwendet werden. Wollte also die jüdische Arbeiterschaft irgend etwas auf den oben angeführten Gebieten leisten, so standen ihr hiezu gar keine Mittel von selten der zionistischen Organisation zur Verfügung. Es war daher die Schaffung des P. A. F. die einzig richtige Konsequenz aus der gegebenen Lage, wenn man auch gleich zu Beginn der Erwägungen sich nicht vollständig darüber einigen konnte, ob die Sammlung eines solchen Fonds nicht zu einem Mißerfolg führen wird, oder ob nicht seitens der allgemeinen Zionisten der Widerstand, aus Angst, daß die Sammlertätigkeit für den Jüdischen Nationalfonds darunter leiden könnte, ein derartiges wäre, daß die ganze Angelegenheit von vornherein znro Scheitern verurteilt sei. Das Ergebnis 15jähriger Tätigkeit, die ln einer aus diesem Anlaß von Melech Neustadt in Tel-Awiw heransgegebenen, von Kaplansky mit einem Vorwort versehenen, äußerst fesselnd geschriebenen Broschüre dargelegt wird, welche 132 Seiten stark ist und 18 Bilder enthält, lehrt uns, daß dieses erste finanzielle Arbeiterinstitut eine * dringende Notwendigkeit war und ist und daß seine Förderung auch seitens der allgemeinen Zionisten ausschließlich dem Wohle des Palästina-Aufbauwerkes dient, ohne daß dadurch der Keren Kajemeth oder der Keren Hajessod irgend welchen Abbruch erleidet. Leo Goldhammer. Aus der oben zitierten Schrift hat der Verein der Freunde dos arbeitenden Palästina in Wien zusammen mit den Verbänden für das arbeitende Erez Israel in der tschechoslowakischen Republik den Abschnitt über die gegenwärtigen Aufgaben des Palästina-Arbedter- Fonds in deutscher Uebersetzung herausgegeben. Die Broschüre welohe in ansprechender Form erschienen ist, Informiert bestens über die Aufgaben des Fonds für die Anlegung von Arbeitersiedlungen in den Privatkolonien und Gartenvorstädten für Arbeiter, für die Konsolidierung und den Ausbau der Arbedterbaugenossenschaft «Sold Bonch», der Arbeiteroenossenschaften überhaupt, der Arbeiterkrankenkasse «Kupath Cholim», welche heute 15.000Mitglieder zählt, der Kultus- und Fortblldungsiinstitutionen für die Arbeiterschafft ln Erez Israel. Die jüdische Industrie Laut einem Artikel von Goldwatter in «Mischar Wetaassia» wurden seit 1920 in Palästina 560 neue Industrielle Unternehmungen mit einem Kapital von fast 2 Millionen Pfund gegründet. Davon sind heute 5 1 3 t ä t i g mit 4726Arbeitern und einem Wert von 1,5 Millionen Pfund (exklusive des Elektrizitätswerkes von Ruthenberg mit einem Grundkapital von 1 Million Pfund und selbstverständlich der Weinkellerei««*, die Baron Rothschild 1885 gegründet hat und in die 225.000 Pfund investiert sind). An erster Stelle steht die Industrie von Kolonialwaren mit 137 (26 Prozent) Unternehmungen und 1077 (24 Prozent) Arbeitern, in die 572.475 Pfund (38 Prozent) investiert wurden. Zahlenmäßig kommen an zweiter Stelle die Druckereien, mit 71 Unternehmungen (14 Prozent), die aber nur 671 (14 Prozent) Arbeiter beschäftigen und in die nur 108.950 Pfund (8 Prozent) investiert sind. 6 4 T e x t i I Unternehmungen mit einer Investierung von 120.975 Pfund beschäftigen 660 Arbeiter und 5 9 M ö b e 1f a b r i k e n mit 78.250 Pfund (5 Prozent) 605 Arbeiter (13 Prozent). In 4 8 * U n Le r n e h mm n g e n* d e t; Metallindustrie, die 434 Arbeiter beschäftigen, sind 66.600 Pfund und m 43 Baumaterialien-Unternehmungen mit 678 Arbeitern 382.225 Pfund (26 Prozent) investiert In 36 Unternehmungen der Lederindustrie mit 57.150 Pfund sind 220 Arbeiter beschäftigt und in 31 Unternehmungen der chemischen Industrie mit 82.800 Pfund 243 Arbeiter. In 1 Tabakfabrik mit 40 Arbeitern sind 7000 Pfund investiert und m 23 verschiedenen anderen industriellen Unternehmungen mit 98 Arbeitern 25.125 Pfund. Zahlenmäßig besteht dergrößte Teil dieser Fabriken aus Kleinnnternehmungen, nur in dreien sind mehr als je 50.000 Pfund investiert. Insgesamt sind in diesen drei Großunternehmungen, die alle ihren Sitz in Haifa haben und die 478 Arbeiter beschäftigen, 590.000 Pfund investiert. In 3 Unternehmungen —- 2 davon sind in Tel Awiw — sind je 20- bis 50.000 Pfund investiert, insgesamt 110.000 Pfund, diese beschäftigen 137 Arbeiter. In 59 Unternehmungen (31 in Tel Awiw, 14 in Jerusalem, 5 in Haifa usw.) sind je 3- bis 20.000 Pfund investiert und insgesamt 421.000 Pfund, Hier ßind 1432 Arbeiter beschäftigt. Dagegen zählt man 4 48 Unternehmungen (87 Prozent), davon 229 in Tel Awiw, 117 in Jerusalem, 44 in Haifa usw, in die höchstens je 3000 Pfund investiert sind, insgesamt 380.450 Pfund mit 2679 Arbeitern, darunter sind 136, in die nur 200 bis 500 Pfund investiert 6ind mit 488 Arbeitern. Die Hälfte davon hat nicht einmal elektrische Motoren und könnten eigentlich schon zur Hausindustrie gezählt.werden. Auf Tel Awiw entfallen 262 Unternehmungen mit 2330 Arbeitern, auf Jerusalem 131 mit 1161 Arbeitern, auf H a i f a 52 mit 774 Arbeitern und auf die anderen Orte 68 njit 461 Arbeitern, Die Zigaretten Industrie ist hauptsächlich in nicht jüdischen Händen. Die Juden haben nur eine einzige Fabrik, die täglich 400.000 Zigaretten produziert. Insgesamt zählt man in Palästina 15 Zigarettenfabriken mit 820 Arbeitern. Ueber die anderen industriellen Unternehmungen der Araber liegen keine genauen Angaben vor. In erster Reihe kommt die Seifenindustrie ln Betracht, die gegen 50 kleinere Unternehmungen ln Nablus zählt, ln den deutschen Kolonien gibt es auch einige Alkaholfabriken. Das Parlament in Palästina Die Berliner «Jüdische Rundschau* bringt an der Spitze ihrer Nr. 69 einen Aufsatz des zionistischen Führers Joseph C o w e n (London), in welchem einer Verständigung mit den Arabern über die baldige Schaffung einer Volksvertretung in Palästina das Wort geredet wird. Cowen hält diese ' |_Wochen-Kalender September 1978 Oedenktage rrein bibN 6 Donnerstag mtf — Mesee «endeieeehn in De«»«« gebeten 1*16 — der Verlagsbacbhiadler Lecpeld Ulieteln, do««en Tit*gkelt für da« Zeltaagsweeen in DeofreWnd bedeateara werde in Ffirth gebeten 1869 — der Schriftsteller IWt Salle* la Badapeet gebaren 21 — ND? Freitag 1891 — der jüdltche t#er«d»1el»tteehrelber Profemer Helnrhcb Grad»« ln München «enterben 22 — 33 8 Samstag 1929 - der Zeltungereileger Badelf Moste ge t erben 2 < - J3 Raftarah: Sa« esle O I 1873 «er Seht««' leier ob« Theaterw Max Kelnhardt ln Badei bei Sonntag gebeten 24-13 10 Montag 1010 — der Chemiker Reiüreh Gare, Mitbegründer der Teerf.rbon-lndnetrVe, ln Dresden gesterben 26-HD 11 Dienstag 1908 - der be. nhnite Ae genant pief. Hermann Gehn ln Btealta gasterben 26—-D 12 Mittwoch 1889 — der Maler and Graphiker Lee* peld Gettlleb In Drohobyca geberen 27-n Frage für unmittelbar aktuell, obwohl die britische Regierung gegenwärtig es vorzieht, die Herrschaft über das Land ganz und gar in ihren Händen zu halten. Dieser Zustand könne aber unmöglich eine beträchtlich längere Zeit andauern, wo in allen Ländern rings um Palästina der Bevölkerung bereits eine Art Volksvertretung gegeben worden ist. Cowen fährt fort; «Ich möchte unseren arabischen Nachbarn versichern, daß ein beträchtlicher Teil unserer Oeffenilichkeit willens ist, unter bestimmten Bedingung e n mit ihnen in der Regierung des Landes zusammenzuarbeiten. Es ist hier nicht der Ort, noch ist jetzt die Zeit gekommen, um diese Bedingungen genau festzusetzen; auch habe ich keine Legitimation, dies zu tun. Aber ich bin überzeugt, daß eine Zusammenkunft repräsentativer Persönlichkeiten beider Staaten eine gemeinsame Plattform Finden könnte, die zum Wohle aller Beteiligten wäre.* Def Aufsatz schließt: «Die Mehrheit der Juden iri der ganzen Welt gehört zu den fortschrittlichen Parteien und ist Vorkämpferin parlamentarischer und ähnlicher demokratischer Institutionen. Wie können wir in einem Land, wo wir eine führende Rolle zu spielen haben, solche Institutionen ablehnen? Den Zionisten, welche eine solche Politik befürworten, möchte ich sagen, daß, wenn unsere arabischen; Freunde das Gefühl bekommen, daß wir durch unsere; Ablehnung jeder Art öffentlicher Kontrolle durch die’ Bevölkerung den britischen Beamten den Nacken steifen, wir der jüdischen Sache mehr Schaden zufügen als der arabischen; und noch mehr Schaden der Sache der Humanität, die über alte Völker erhaben ist.» Die Einheit der jüdischen Gemeinden in Erez-jsrael Der Zwischenfall mit Oberrabbiner Meir vor der Beilegung. Wie wir bereits berichtet haben, wurde der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem, Jacob Meir, wegen seines Briefes an den Oberkommissär Lord Plumer, in welchem er die Nichtanerkennung der vom Gesetz geschaffenen einheitlichen palästinensischen Gemeindeorganisation zur Kenntnis brachte, vom Waad Leumi (jüdischem Nationalrat) seines Amtes für verlustig erklär t. Diese Maßnahme hat im Lande starken Eindruck gemacht und vor allem auf die von der agudistischen Wühlarbeit genährten Separierirngstendenzen stark kalmierend gewirkt. Nun scheint der Zwischenfall zu einer gütlichen Beilegung zu kommen. Oberrabbiner Jacob Meir erklärte in einem Interwiew, daß er zur Agudasjisroel, welche die Gemeindeordnung in allen Punkten bekämpfe und für Separatgemeinden eintrete, keine Verbindung habe. Er sei nicht gegen die Kenesseth Jisroel, sondern verlange nur gewisse Aenderungen der Verfassungsbestimmungen, die religiöse Fragen berühren. Er versicherte, daß er aber für die Kenesseth Jisroel eintrete und alle Sephardim auffordern werde, den offiziellen Gemeinden sich anzusc'hließen. Diese Erklärung machte m Palästina einen sehr guten Eindruck und man glaubt, daß damit der Zwischenfall mit dem Waad Leumi beigelegt ist. * Ueber die palästinensische Gemeindeorganisation, die Kenesseth Israel erklärte der Vizebürgermeister von Jerusalem und Direktor des dortigen Lehrerseminars, der sich jetzt zur Beschaffung von zirka 300.000 Dollar für die finanzielle Fundierung des Seminars und Beendigung seines Anstaltsbaues in Europa

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