Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1928)
- Date
- 1928-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. Nr. 36 DIE STIMME Seite 5 ERFO&QREICH werden Neuralgie, Giclit, Rheuma, Ischias. Verdaungsstörungen behandelt im Therapeutischen Institut, Wien, »I., Aussteilun^ssir 65/4 Auskünfte kostenlos Herren- und DameiMffeldcr nach Mao Kelch» Steffftsrrrsht. ZehlaBf nach Ueheiein';etnmen. Johann S.«n«:iH»ca Wien, VI., Marlahllferstraße 107, Tel. B 27-2-38 das alte Projekt zu verwirklichen. Der seinerzeit mit ■dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf konnte den gänzlich geänderten Verhältnissen nicht mehr entsprechen und so wurde am 17. März 1924 ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben. Das Prcisriehterkollegium, unter dem Vorsitz des Architekten Robert 0 e r 1 c y, erkannte aus der Zahl der 15 Konkurrenten den ersten Frcis von 20,000.000 K dem Projekte unter dem Kennworte «Beth Hachajtn XI» des Wiener jüdischen Architekten Ignaz Reiser zu. Die weiteren Preise erhielten die Architekten Wilhelm Oberländer, Rudolf S o w a, Sigmund K a t z, Jacques Oblatt und Fritz R e i c h 1. Ucbcr Beschluß des Vcrtrctcrkoliegiums vom V. Oktober 1924, welchen das Plenum des Kultusvorstandes in seiner Sitzung vom 11. Dezember 1924 genehmigte, wurde dem Träger des ersten Preises, Ing. Reiser, die Projektverfassung für den Neubau des Zeremoniengebä-udes übertragen. Mit Ende des Jahres 1024 war die Funktionsperiode des alten Kultusvor- •tandes zu Ende und der neugewählte Vorstand faßte In seiner ersten, am 26. Jänner 1925 abgehaltenen Sitzung den Beschluß, den Neubau durchzufiihren und setzte ein Spezialkomitee für die Vorarbeiten ein, das in seiner konstituierenden Sitzung zu seinem Obmann Kultusvorsteher Baurat Ing. K e m p 1 e r wählte. Da die Ballführung In eine Zeit Hel, ln der die größte Arbeitslosigkeit herrschte, die durch einen so groß angelegten Bau elno Verbesserung erfahre.« konnte, wandte sich die Wiener Kultusgattieinde an das Ministerium für soziale Verwaltung wegen Gewährung einer Beihilfe aus dem Fonds für produktive Arbeltslcsenfilrsorge. Alte Schritte, die in dieser Sache bei dem damaligen Hessortmlnlter Schmi/z unternommen wurden, blieben erfolglos. So mußte denn die Kultusgemeinde daran gehen, das Werk aus eigenen Mitteln TM schaffen- Die Kosten des Baues wurden mit 1,800.000 Schilling veranschlagt, die aufgebracht werden mußten, ohne die laufende Gebarung zu belasten oder das Fürsorgebudget der Gemeinde zu beeinträchtigen. 'Zur Errichtung der neuen Zeremonienhalle war schon vor Jahren der «Friedhofserwerbungs- und -erweitern ngsfonds» gegründet worden, der aus dem Erlös des Verkaufes von Grabstätten und Grüften und durch Spenden gespeist wurde. Dieser Fonds hatte zu Beginn der Bauzeit bereits eine Höhe von 925.000 Schilling erreicht und vermehrte sich im Laufe der Bauzeit um etwa 300.000 Schilling, so daß sich noch ein Fehlbetrag von 500.000 bis 600.000 Schilling ergab, der im Wege einer Anleihe bei der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien aufgebracht wurde, die ebenfalls aus den Eingängen des Friedhofserwerbungs- und -erweiterungsfonds rückgezahlt werden soll. Der Kultusvorstand konnte nun den Beschluß des Vertreterkollegiums vom 13. Jänner 1926 auf Inangriffnahme des Baues einstimmig genehmigen, da das finanzielle Erfordernis gesichert war. Am 21. Juni 1926 wurde mit dem Bau begonnen, ain 22. Dezember 1926 war die Dachgleiche erreicht. Am 9. September 1928 soll nun der Bau seinem Zwecke zugeführt werden. Ein Markstein in der Geschichte der Juden Wiens . . . Die Eröffnungsfeierlichkeit, 7.\\ der die Regierung und die Spitzen der Behörden geladen werden, nimmt um i/^ll Uhr vormittags durch den Vortrag des Psalmes 23 in der Vertonung Franz Schuberts ihren Anfang. Die Festrede wird Rabbiner Dr. Taglicht halten. Anläßlich der Eröffnung der neuen Zeremonienhalle gibt die Kultusgemcinde eine reich mit Bildern versehene Festschrift aus der Feder des Amtsdirektors Regierungsrat Fuchsgelb heraus. Die neue Zeremonienhalle wird von Mon.tag nach der Eröffnung bis einschließlich Freitag von 9 bis 12 Uhr vormittags zur freien Besichtigung offen stehen. Erst nach den Feiertagen werden die Begräbniszeremonien in der neuen Halle stattfinden. Der Bau. Der prächtige, in gotischem Spitzbogenstil gehaltene Bau inacht einen monumentalen, seinem Zweck entsprechend, äußerst würdigen Eindruck. In seiner Einfachheit liegt seine Wucht. Die ganze Anlage bildet einen In sich geschlossenen Bezirk, der nach Norden gegen die Simmeringer Hauptstraße durch eine nahezu 450 Meter lange Umfriedungsmauer abgeschlossen wird. Durch ein breites, dreitoriges, mit schmiedeeisernen Türen versehenes Haupteingangsportal gelangt man in den gärtnerisch prächtig ausgestalteten V o r h o f, der an drei Seiten von Gruftarkaden umgeben ist, in denen sich 54 Grüfte befinden. Die architektonische Dominante des Vorhofes bildet die kupp eigeschmückte Z e r e m o n 1 e n h a 11 e, zu der man über eine Frei- |rcjgpe von 5 Stufen hinansteigt. An die Zeremonienhalle schließt sich die Leichenhalle mit Ihren Neben* anlagen. Ihr gegenüber liegt, ganz gesondert, die Halle für infektiöse Leichen und die Leichenkühlanlage. Zwischen den beiden Leichenhallen befindet sich der völlig abgeschlossene Leichenhof, so daß die Manipulation mit den Leichen dem Auge der Friedhofsbesucfier völlig entzogen ist, wie überhaupt bei dem ganzen Bau das Prinzip der vollständigen Trennung des Friedhofsbetriebes vom Pubükutnsverkehr beobachtet wurde. Ein zwischen Zeremonienhalle, Leichenhalle und Verwaltungsgebäude eingeschaltetes, kleines, durch einen Springbrunnen belebtes und mit alten Zypressen bestandenes Schmuckhöfchen erhöht die architektonische Geschlossenheit der ganzen Bauanlage. Die große, achteckige, kuppelüfeerdecktc Zeremonienhalle von rund 250 Quadratmeter Grundfläche und einem Fassungsraum für etwa 500 Personen erweitert sich an der Westseite durch eine in Apsisform ausgebildete, mit einer Spitzbogentonne überwölbte Estrade zur AufsteUuhg der Bahren. Die Belichtung des Kuppelraumes erfolgt durch 4 große Spitzbogenfenster und durch eine Oberlichte im Scheitel der Kuppel. Der Fassungsraum der Zeremonienhalle kann im Bedarfsfälle durch Ocffnen dreier großer Flügeltüren durch Heranziehung eines Nebenraumes um weitere 100 bis 150 Personen vergrößert werden. An die Zeremonienhalle reihen sich eine Anzahl von Nebenräumen, wie der Kaddischgebetraum und der Händewaschraum mit einem künstlerischen Brunnen iri Majolika. In die Ostwand des Kaddisch^aumes ist eine Marmortafel mit dem Kacldischge'bet eingelassen. Aus der Zeremonienhalle gelangt man südseits auf das Friedhofsgelände und v/estseits über die Estrade durch einen Agnoszierungsraum an vier Aufbahrungszellen vorbei, in die Leichenhalle, mit einem Fassungsraum von 30 Leichenbahren. An diese Halle schließen sich die Räumlichkeiten für das Friedhofspersonal. Die vollständig getrennte Infektionsleichenhalle besitzt einen direkten Ausgang auf den Friedhof. Unter dem Dach der Infektionsleichenhalle, jedoch räumlich von ihr getrennt, wurde die Leichenkühlanlage untergebracht, die 8 Kühlzellen enthält. Die erforderliche Kühltemperatur erfolgt durch einen Kältcautomaten. Um eine möglichst würdige Ausgestaltung des Baues zu erreichen, wurde, soweit cs angängig war, TVCHHANDlült« ,.Z»R SGHÄFERIH“ Original englische Damenmäntel- und Herrenmodestoffe I, FRSISIN6ER6ASSE 1 (lebo BmieriiBBrkü für die Ausgestaltung der vom Publikum benützten Räume nur echtes Material verwendet. Sämtliche Fassaden sind in Edelputz hergestellt, die Stufen aus oberösterreichischem Granit, Die Decken sind in Eisenbeton konstruiert und auch die Kuppelschale wurde in diesem Material nach dem modernen «Torkretspritzverfahren* ausgeführt, das zum ersten Male in Oesterreich angewendet wurde und es ermöglichte, die Kuppelschaie in der erstaunlich kurzen Zeit von 14 Arbeitstagen zu vollenden. Die Abdeckung der Kuppel, die eine Spannweite von 17^ Metern und eine Scheitelhöhe von 22,20 Metern besitzt, besteht aus Kupfer. Als Fußbodenbelag wurde teilweise Marmor, teilweise Tonplatten gewählt. Für die Beheizung der Zeremonienhalle und ihrer Nebenräume wurde eine eigene Zentralheizung eingebaut. Der Kuppelraum erhielt eine luxuriöse Ausgestaltung. Die Wände sind bis zu einer Höhe von 7 Metern mit polierten Platten aus dunklem Bleubelgeinarmor belegt. Die Untersicht des Kuppelgewölbes ist reich kassettiert und elfenbeinfarben abgetönt. Als Fußbodenbelag gelangte rötlicher Salzburger Marmor und dunkler belgischer Granit zur Verwendung. Alle Türen und Fenster sind aus Eichenholz, mit Bronzebeschlägen versehen. Als Inschrift über der Estrade ist das bei Beerdigungsfeierilchkeiten vorgeschriebene Gebet «Hazur tomim» angebracht. Die beiden Inschriften rechts und links der Estrade lauten in deutscher Uebersetzung: «Ich töte und belebe, verwunde und heile* (5. Buch Moses, 32, 39), urtd «Eingehen mögen in Frieden, Ruhe finden auf ihren Lagerstätten alle, die in Geradheit wandeln* «(Jesaja, 57, 2). Auf drei großen Tafeln aus Salzburger Marmor ist die Entwicklungsgeschichte der Zeremonienhalle dargestellt; die Namen aller derer, die sich um das Zustandekommen ded Baues verdient gemacht haben, sind zum ewigen Gedenken eingemeißelt. Auf einer Marmortafel ist das von jenen Personen zu verrichtende Gebet angebracht, .welche den Friedhof t Jeder Strenggläubige fP» i!i i.iTi 'ürl fji kann ohne Bedenken 2ur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die KunerokEvzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur* fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. IOO% REINES.KOKOSNUSSFETT S5 r1;'! durch 30 Tags nicht besucht haben. In die Südwand der Estrade wurde der Schlußstein versenkt, der die hebräische Inschrift trägt: «Das ganze Werk ist vollbracht», 1928 — 5688. Diese kurze Beschreibung kann naturgemäß kein völlig anschauliches Bild des Prachtbaues geben. Nur ein Besuch der neuen Zeremonienhalle läßt den Wert des Kunstwerkes erkennen, das hier geschaffen wurde. Nicht der traurige Weg zur letzten Ehre eines teuren Toten, sondern die Freude an jüdischer Schaffenskraft möge diie Wiener Judenschaft möglichst zahlreich zu diesem einzigartigen Bau führen. Robert Schreier. Die Arbeitsgemeinschaft der zionistischen Organisationen Mitteleuropas, die, wie wir berichtet haben, in nächster Zeit begründet werden soll, wird sich, wie wir erfahren, in einer Tagung der Vertreter der zionistischen Organisationen Deutschlands, Oesterreichs, der Tschechoslowakei, Rumäniens, Jugoslawiens, Ungarns, der Schweiz und des Elsaß konstituieren. Der Termin dieser Konferenz, welche in Wien stattfinden wird, ist für den 7. Oktober festgesetzt worden. ToderialJ: In der Bsüte seiner Jahre verstarb vor einigen Tagen Herr Alfred Klauber, A. H. der jüdischakademischen Verbindung «Giskalah*. In der Zeit, da er der Verbindung augehörte und auch nachher war der allzu früh Verstorbene ein treuer Sohn des jüdischen Volkes, stets a-r bellst reu dis und opferbereit. Alle, die ihn kannten, bedauern das BinsdieJden dieses ausgezeichneten, allseits beliebten Mannes. Jüdischer Pfadfindei bund «Haschomer Hazair», Graz, ni Graz hat sich die dem Herzl-Bunde, Graz,, bisher angeglieciert gewesene Jugendgnuppe dem Jüdischen Pfadfinderbund «Haschomer Hazair» angcscklosscm. Zuschriften sind an den Rosch Histadruth Schmuei Tannanbaum, Graz, Wieland-, gasse 8, zu richten. Unentgeltliche Arbeitsvermittlung des Jüdischen Hochschulausschusses. Hofmeister, Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen Mittelschulfächern (Philosophen, Pädagogen), erstklassige Kräfte für,kommerzielle Unternehmungen und Advokaturskanzleien (Handelshochschüler, JuristenL Privutsekretäne, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jiidiscne Hochschui au sschuß, IX., Zlmmermannplatz 8, Telephon A 25-2-28. Telephonischer. Anruf oder Postkarte genügt. Jüdisches Zentrum der Sozialen liilfsgemelnschaft (II.,‘ Untere Augartenstraße 35). Die Renovierungsarbeiten im; Hause wenden demnächst beendet und wird der Betrieb des Jüdischen Zentrums unmittelbar nach den Feiertagen wieder aufgenommen. — Anmeldungen für hebräische Kurse für An-, fänger und Vorgeschrittene werden, täglich, mit Ausnahme von Samstag, in der Zeit von 3 bis 6 Uhr nachmittags (Sonntag von 10 bis 12 Uhr vormittags) im Sekretariat ent-’ gegengenommen. . Der Ausspeisungsverein «Ohel Rachel», II. Bezirk,1 Kleine Pfarrgasse Nr. 8, welcher täglich 100 bis 120' vom Schicksal schwer betroffene Menschen ausspeist, i wird durch die bevorstehenden hohen Fei»?rtage und das1 darauffolgende Sukkoth-Fest von schwere Aufgaben gestellt.: Daher stellt die Vereinsleitung an die jüci.isdic Oeffe.nhchkeit die Bitte, durch Spende n den armen, vom Hunger Gequälten wenigstens in den Fest- und Freudstagen den Genuß eines Stückchen Fleisches zu ermögliche»». Jeder spende nach Möglichkeit. Posterlagscheine werden auf Verlangen zugeschickt. Elternverein «Tarbuth» (an der hebräischen Schule, Wien, XX., Othmangasse 40). Die Einschreibungen in die hebräischen Kurse für Kinder und Erwachsene an dieser Schule, welche von Frau Ester Schwarz geleitet werden, finden täglich, mit Ausnahme von Fre'tag wd Samstag, von 4 bis 7 Uhr nachmittags statt. Sonntag von 10 bis 12 -Uhr vormittags. Die Jüdische Volksbibliothck «Zion» befindet sich ah 25. August 1928 im neuen Lokale, II., Kleine Mohrengasse 3. Bibliotheksstunden täglich von V21 bis '/20 Uhr abends, Sonntag von >/211 bis x/n\ Uhr nachmittags. Erste Spezialwerkstätte für /esse! und TIscfti Salongarnlturen und BinznlmöbelstUck« ADLER, VII., APOLLOG. 18 H