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Die Stimme · 1928-08-30 · Heft 35 (30.8.1928) · page 9

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Nr. 85 me cnuüc Uffc olURliE Söffe 9 WISSEN / KUNST / LITERATUR Gruß ans jiddische Staats* theater Von Emst Toller Eines Tages fragte mich Radek: «Haben Sie schon das Jiddische Staatstheater besucht? Gehen Sie bald hin, es ist eines der besten Theater, die wir in Rußland haben.» Ich ging einmal hin und ich ging wieder hin — 3Üe Stücke des Repertoires sah ich mir an. Der Leiter des Jiddischen Staatstheaters heißt Granowsky, eines der stärksten Regietalente, denen ich begegnet bin. Nichts von falscher Romantik findet man in diesem Theater, dessen kollektive Geschlossenheit selbst im russischen Bühnenleben auffällt. Die szenischen Gestalten: Juden, die leben wollen wie ihre Väter und Vorväter lebten, zwischen Talmud and Schacher, werden erfaßt vom Tempo, vom Maschinenzwang der Zeit, wehren sich und müssen ihr dennoch gehorchen. Gegner Granowskys sagen, er verspotte jüdisches Ghettoleben, unterscheide nicht zwischen Erscheinung und Wesen. Das ist nicht richtig. Granowsky läßt, mit den Mitteln bewegter Leiber und Gesten, die Tragik dieser Menschen gleichsam sich überschlagen, daß sie erschrecken und lächeln über die Komik, die sie mitschleppen im Gehäuse des Alltags. «Der alte Gott ist bankrott», heißt es in der «Nacht auf dem Alten Markt.» Wie Realität und Vision, Wort um:. Geste, Licht and Musik sich binden zu theatralischer Einheit, wie die Bewegung eines Schauspielers aufgenommen wird vom Chor der andern, als wenn ein Orchester die isolierte Einzelstimme umbettet, begleitet — ist wunderbar. Die Aufführungen der «Hexe», der «Nacht auf dem Alten Markt» — unvergeßliche Abende. Granowsky wird auch in Europa und Amerika ein bereites Publikum Finden. * Das Gastspiel des Moskauer jiddisch-akademischen Theaters im Wiener Carltheater besinnt Freitag, den 0L August, mit der Aufführung der Komödie «200.000» in der Inszenierung von Alexis Granowsky. Diesem Bühnenstück liegt die berühmte Erzählung von Scholem- Alech e m «Das große Los» zugrunde, die vom Dichter später dramatisiert wurde. Die Musik für die Aufführung der Moskauer stammt von Leo Pulver, der seit mehr als edoean Vierte 1 jahrhundert jüdische Bühnenmusik schreibt. ,Die nächste . Darbietung des Ensembles ist «Die Reise. Benjamins III.», eine Dramatisierung der herrlichen jüdischen Don Quiciir.terie von Mendele M och er Sforlw. Als letztes Stück seines Wiener Gastspielreperto-rs bringt das jiddisch-akademischen Theater «Die Hexe», ein Spiel nach Abraham Goldfaden. Es wäre sehr wertvoll, wenn die Gäste auch ihre berühmte Aufführung von Perez* Groteske «Die Nacht auf dem alten Markt» in Wien zur Darstellung bringen würden. Neuerscheinungen mi den verschiedenen Gebietet! des Judentums in der «Encyclopaedia Judaica», insbesondere im bibliographischen Teil, berücksichtigen zu können, an die Verleger und Verfasser jüdischer Werke die Bitte um Zusendung ihrer Veröffentlichungen. Literatur Im Dienet} der Wchl;*!irt. Der bekannte deutsch-jüdische Schriftsteller Arnold Zweig hat eine Novelle «Alter Mann am Stock» 'beendet und sie der Jüdischen Altershilfe Groß-Berlin zur Verfügung gestellt. Die Jüdische AltersJfiife Groß-Berlin, deren Arbeit dem Dichter die Anregung gegeben hat, wird diese Novelle, die nicht im Buchhandel erscheint, ihren Freunden und Mitgliedern überreichen. Das Nachwort schrieb Professor Dr. Albert Einstein. Ein Rom-Stipendium für einen jüdischen Künstler. Dem Bildhauer Arnold Zadikow in München, der bereits im Jahre 1913 mit dem Michael-Hecr-Preis ausgezeichnet wurde, wurde als erstem Stipendiaten der Preußischen Akademie der Künste ein Atelier in der Villa Massimo in R o m zu emjährigem Studienaufenthalt ab L Oktober d. J. «»gewiesen. Von Büchern Jean Richard Bloch: Kurdische Nacht (Uefeertragtmg von Paul Amann. 1928. Rotapfel-Verlag, Zürich-Leipzig). Nach seinem französich-jüdischen Buddenbrooks - Buch «Simler & Co.» folgt Bloch, einer der ernstesten schöpferischen Geister der jüngsten Generation Frankreichs, dem «Izich nach Osten» zum «Austritt einer losge^undenen Seele, die aus Raum und Zeit vorschießt, um ihresgleichen zu begegnen» und träumt eine Nacht in Kurdistan. Die Geschachte von Evanthia und Saad ist irgendwie als orientalisches Märchen erzählt und doch mit der geradezu wissenschaftlichen Exaktheit der besten französischen Kunsttradition gearbeitet. Subtilstes zu gestalten wird versucht und Urgewalt wird gewissermaßen in Seelenlamellen gespalten. I American Expreß Sclmlireparatur Wien, IV., Treltlstraße »Am Kärntner Tor« Telephon: A35-3-44 repaxtert Ihre Schuhe, während Sie warten, Innerhalb 10 Minuten mi technisch vollendeten amerikanischen Maschinen — Billigste Preise. — Bestes Material — Exakte Ausführung Das föcBcft in der ¥n*clacf „P luviu s** der kleinste Badeapparat der Welt! Patente in allen Kulturstaaten Ermöglicht rasches Baden Im Sommer und Winter, zu Hause, auf Ausflügen asw. (Gewicht zirka 250 g). Für Heilkuren and Bäder vorzüglich! Unentbehrlich für Jedermann!. Ersetzt vollkommen ein Badezimmer J Eine Wohltat fftr jede Familie I Im Sommer Erfrlsohung, Im Winter Beinhalt und Gesundung des Körper«. ■»■reis S 18‘- versendet Alleinerzonger „din 4, Wien, H., Ob. Donousfr. 17 _ Wtoxjy&jf. |_J Richard Herzog, II, Kleine Pfarrg. 28 / Tel. 73-4-90 Das geltende Licht des Orients in die feinsten Spektralnuancen zerlegt — eigenartig anziehende Art der Schilderung, die uns immer tiefer in diese «Kurdische Nacht» verstrickt und auch nachher noch lange nicht losläßt. Eine ungewöhnliche, mit der raffinierten Feinheit ihrer Webe gebieterisch fesselnde Epik. 1—te— Georg Lukacs, Moses Heß und die Probleme der Idealistischen Dialektik. (Verlag C. L. Hcrichfeld, Leipzig, 1926.) — Im kommunistischen Manifest urteilen Marx und Engeis über den Kommunistenrabbi Moses Heß, einen der interessantesten und tiefsten Vorläufer des moderneu Zionismus, äußerst abfällig. Es ist daher wiederholt der Versuch gemacht worden, unter anderen von Zlocisti, Koigen, Hammacher, Mehring usw., eine Revision dieses Urteilcs vorzunehmen, und zwar, indem man entweder Heß als den typischen Hegelianer darstellte, oder indem man bei ihm Elemente der Kantschen und Fichteschcn Philosophie nachzuweisen versuchte, die die Verschiedenheit in der Betrachtungsweise Hessens einerseits und von Marx und Engels andererseits herbeiführten. Die vorliegende Arbeit Lukacs, eines Schülers Lenins, ist bemüht, die Bestandteile der Dialektik in den Schriften Heß’ zu zergliedern und den Nachweis zu führen, daß sich Moses Heß, als Kind seiner Zeit, zn den Grundphänomenen der damaligen bürgerlichen Gesellschaft unkritisch verhält und daher niemals über den Standpunkt der „wahren Sozialisten“ hinauskommen konnte. Auch mit dieser Arbeit Lukacs’ halten wir das Problem Heß nicht für gelöst, wenn sie auch viel Material zar Klärung herbeischafft, wofür dem Autor entschieden Dank und Anerkennung gebührt —t. «Das Zeit» (Zeitschrift für die jüdische Jugend. Verlag B. Heller, München). Es liegt nun das achte Heft der Zeitschrift für jüdische Jugend «Das Zeit» vor. Gemäß searaem Programm, .der jüdischen Jugend den von ailen so stark vermißten .guten jüdischen Lesestoff zu bieten, enthält «Das Zelt» eine ganze Reibe interessanter Aufsätze und Erzählungen jüdischen Inhalts. Das Heft wird durch einen kurzen Aufsatz über die Chasaren eröffnet, an den sich die beruhmten Chasarenbriefe des R. Chasdai ihn Schaprut und des; Königs der Chasaren Joseph ansoh,ließen, sicherlich eines der interessantesten Dokumente jüdischer Geschichte. Ein kuxaser Aufsatz mit schönen Illustrationen informiert über ehe Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde Berlin. Dann folgt eän Aufsatz über David Schwarz, den Vorläufer des Grafen Zeppelin, der ein in Zeiten der Zeppelinbauten and Nordpalüüge aktuelles Thema behandelt. Die Erzählung «Lederhenz» von Berthold Auerbach (mit zwei Bädern illustriert), die Fortsetzung der Abenfeuxergeschkhte eines jüdischen Knaben, Abner, ferner Geschichten aus dem Pfadfinderfeben hüben den erzählenden Teil Szenenbild aus Scholeni Alechera «200.000» in der Inszenierung des Moskauer jiddisch-akademischen Theaters, das jetzt In Wien gastiert. mmm iK&fipg -' -4 s- ■ Kunstchronik Perez’ «Die Nacht auf dem alten Markt» wird in Darv4d Hermanns . Inszenierung als eine der nächsten Premieren der ln Warschau gastierenden «Wiilnaer Truppe» in Szene gehen. Gegenwärtig proben die «Wilnaer» O’N e i 11 s Schauspiel «(Die böse Lust»; damit kommt der bekannte amerikanische Dramatiker zum erstenmal auf der jüdischen Bühne zu Wort Ein Film des Moskauer jiddisch-akademischen Theaters. Das unter der Leitung von Alexis Granowsky stehende Moskauer jkldiseli-akademische Theater, über dessen bevorstehendes Wiener Gastspiel wir an anderer Steile berichten, wird, wie wir erfahren, nach Beendigung seiner Wiener und Berliner Gastspiclvcr.pflichtuugen (lin Berlin wurde nach dem großen Erfolg des ersten Gastspiels ein zweites abgeschlossen) h» Frankreich einen Film aus dem jüdischen Leben nach einem Drehbuch des bekannten russisch-jüdischen Erzählers Ilja E'hrenburg fcrtigstdlen. Die Hauptrolle des Films soll der ausgezeichnete Charakterdarsteller des Granowsky-Ensennbles Michaels spielen. Die «Encyclopaedia Judaica»,. Zentralrcdakfion Berliai- Clmjotteniburg, 2., Bismarck«traße 106, richtet, dm wichtige Schach Bogolj ubow- Capablanca-Euwe- Rubinstein Das Ergebnis des großen Schachturniers in Kissingen (Von unserem Sonderberichterstatter.) Das große Turnier in Bad Kissingen, an dem sich außen Aljechin und Dr. Lasker die stärksten Meister den Gegenwart beteiligten, hat mit dem Siege Bogolj ubows geendet, der damit seine im großen Moskauer Turnier bewiesene hohe Tttumienstärice neuerlich zur Geltung brachte. Er erzielte aus 11 Partien 8 Z ä hl ec (6 Siege, 4 Remis und 1 Niederlage); der Ex-Weltme»ster Capabianca, der sehr ungleichmäßig spielte, wurde mit 7 Punkten (4 Siege, 6 Remis und 1 Niederlage) Zweiter; den dritten and vierten Breis teilen der große Ru feinste in, der 4 Siege erstritt, fünfmal remisierte und zweimal geschlagen wurde, und der jiüngste «Scbaohstem», der Holländer Euwe, der ebenfalls 4 Gewinnpartien, darunter gegen B . und 5 Remis buchen konnte und zweimal geschlagen wurde. Beide erzielten je 6y2 Punkte Niemzowitsch, der diesmal anscheinend nicht in bester Form war, wurde mit 6 Zählern Fünfter, ihm folgt Reti mit 5% Zählern als letzter Preisträger. Ohne Preis endeten Tartakower, Marshall und Yates mit je, 5, Spielmann mit 4)4, Tarrasch mit 4 und Mieses mit 3 Punkten. Das Turnier brachte scharfe und spannende Kämpfe. Im nachstehenden geben war eine interessante, weohselvotie Partie zwischen Capabianca und Niemzowitsch wieder, die in der 10. Runde des Turniers (22. August) gespielt wurde: Halöindiscfee Verteidigung. Weiß: Oapabianca. Schwanz: Niemzowitsch. 1. d2—d4, SgS—f6; 2. c2—c4, e7—e6; 3. Sbl—c3, Cf8-4)4; 4. Ddl— 6. Sgl—f3 3), •*)» 9- @2—-g3, a7—aß; IG. CH—g2, TaÄ-^,75); IL 0—0, Tatf—d3g 12. Dc2—c 1, 0—0°); 13. Del—'hö, Cb4Xc3?)•; 14. b2Xc3, Kg8—h8; 15. Sf3—d2, 16—<fö8); 16. Tfl—bl, e6—e5°>; 17. Sd2—f310), Td7—dß; 18. Dhfi—63 ^), e5—e4; 19. Sf3—d2, Sb8—d7; 20. g3-g412), Sd7—f6; 21. g4Xf5, Cc8Xf5; 22. De3—f4, Dd8—d7; 23. Cg2X*e4 **), Sf6—e4s 24. Sd2Xo4, Td6—g6 ft; 25, Se4-g314), Lf5Xbl; 26. PalXbl15), f7—f5; 27. f2—f3, Dd7—g7lc); 28. a4Xbö, c6Xbö17); 29. ICgl—f2, Dg7—f6; 30. Tbl—dl, K<hS—g8? 31. d4—45, Df6Xc318); 32. dß—d6, Dc3—f6; 33. d6—cCZ, c2—c3; 34. Sg3Xf5!, c3—c215>); 35. Tdl—d6!, Dfö—dS20).; 36. Df4—eö! 21), TfSXfS. Remis22). Eine sehr spannende Partie. A nmerkoogeo: i) Ueblich ist hier c7—cS. Der Textzug ist einfachem und verwandelt das Spiel in eine Art Damengambit. Gegen Bogoijufoow, Tartakower und Rubinstem wendete Nöemzowitsch die Neuerung Lö4Xc3+ an, jedoch ohne Erfolg. — 2) Ein etwas tmvorsiebtiger Zug. Sf3 oder e2—e3 soßte geschehen. — *) Er muß erst den Bauer <44 decken; sonst wäre e2—e4 sehr stark. Schwarz behauptet jetzt den GaahbJtbauer. — 4) Nicht 8. — DXdf6? Wegen 9. aXb, cXb? 10. De4t usw. — 5) Eine originelle und gute Art, den Turm aus der Schußlinie des feindlichen Läufers und ins Gefecht zu bringen. — c) Sonst käme er erst nach vielen Schwierig- Jedes piatttnßleiden schmerzlos' ' Erzeuge für Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orlh< pädische Schuhe. Was auf Grund meiner langjährig erprobte, t-ruxis eingebaute Einlagen, daher von normalen Schuhen nicht zu unterscheiden ist. Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Komme auf Besteliunq Ins Haus HANS VEIGL vorm. Bubenicek Spezlolwerftstätte ittr orthopädische Schuhe IV„ Starhemberggasse 5/7, Parterre c2, d7—dö*); 5. Ccl—g52), d5Xc4L b7—toö; 7. a2—a4, o7—c6; 8. CgöXfö, g7Xf6 —• 0985

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