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Die Stimme · 1928-08-30 · Heft 35 (30.8.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 35 (30.8.1928)
Date
1928-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 BK STIMME 1*. 95 WA am VaaV ' ~v .V*T um iw innen zu roch Antisemiten ist der reine fdeai;smus ein Greuel. Idealisten sind weder als Huligans. Pogromhelden riech sonst wie als willenlose Herde za benützen. Noch weniger sind sie moralisch befähigt, den jüdischen iieafismns, der sich im Zionismus and in der Lieoe zum neuerwachten Palästina kundgibt, za erfassen. Und rite traditionelle j id-'sche Dankbarkeit wahren, selbstlosen Freunden gegenüber, welcher Rasse oder Religion sie auch aogendren mögen, hat den antisemitischen Gcfü hl sroh fingen stets lVoß Anlaß zu Wutausbrüchen oder blöder Satire gegeben. Das jüdische Volk ehrt seinen unsterblichen Freund Lord B a I f o i: r anläßlich dessen 80. Geburtstages durch die Pflanzung eines Baifour-Waldes m Palästina, das durch die historische Balfour-Deklaration die Möglichkeit erlangte, als jüdische Nationalheimstätte wieder aufgebaut zu werden. Dem Antisemiten ist aber eine solche Geste zu hoch, zu ethisch und daher unfaßbar. eCmrentul*, das zweitgrößte Blatt in Rumänien, weiß mit dieser sonderbaren Art der Danke s'oezcugimg nichts anderes arrzu-fangen, als sie in einem Artikel wutschnaubend zu verulken und als Mittel zur Verhetzung der rumänischen Bevölkerung zu benutzen: «Ma t kann nicht leugnen, daß die Juden originelle Phantasie haben. Die Phantasie mag originell sein, aber der Geist der Rasse — sdwrfsinnig wie immer — hat auch diesmal den Profit nicht außeracht gelassen. Die naiven Arier, deren Einbildungskraft in den Wolken auf den Flügeln der Träume herumirrt, begnügen sich mit Büsten, Statuen, manchmal mit kunstvollen Bildern. Aber das alles ist totes Kapital, in Manmor, Kupfer oder bemalte Leinwand gesperrtes Geld, zur Bewunderung für einige Kenner oder zur Nachahmung für geniale Fälscher. Der Nutzen ist gleich Null. Aber ein Wald?! Welch’ ein Ausbeutungsobjekt...:» Und dann zum Schluß: «Die Juden sind nicht aar scharfsinnig, sondern auch praktisch. Wenn unsere Ebnenden Männer dasselbe praktische Empfinden hätten, wäre die Bevölkerung unseres Landes nicht gezwungen, für 1000 Kilogramm Holz, das nur 900 Kilogramm wiegt, 1800 Lei zu bezahlen .. > Gegen solche Beschränktheit und solchen Mangel an Verständnis für das erhabene, selbstlose, opferwillige Dankesempfinden kämpft , man mit Anfklärungsbemühungcn vergebens. Da hilft dem „Currentul" gegenüber auch der Hinweis darauf nicht, daß gerade in Rumänien Juden wiederholt bloß in der Hoffnung, daß den jüdischen Bürgern des Staates volle Gerechtigkeit werden würde, ungeheure Vermögen für allgemeine rumänische Wohlfahrts- und Knkurzwecke gestiftet haben. Diese Juden haben eine noch nicht bestehende Dankesschuld antizipiert Vorläufig ist diese Schuld noch gar nicht geboren worden. Das jüdische Volk aber weiß, was es dem großen britischen Staatsmann schuldet, und weiß, daß er den schönsten und dauerndsten Lohn darin erblickt, wenn die Juden das Palästina, wie es Balfour vorgezeichnet hat, wirklich auch zu einer blühenden jüdischen Nationalheimstätte entwickeln. Was versteht aber efa Antisemit von Dankbarkeit und Edelmut?! «Seelische Vereinigung» Es ist klar, daß Hetzartikel in einem so einflußreichen Blatt, wie es der „Currentul“ ist, die Bemühungen einzelner weniger rumänischen Intellektueller, die, von einigen 'Assimilanten unterstützt, die Herbeiführung der sogenannten „Unirea sufletasca“, der seelischen Vereinigung aller Nationen und Konfessionen, in Rumänien anstreben, von vornherein zum Scheitern verurteilen. Besonders die Studentenschaft ist, wie es scheint, unbelehrbar oder steckt zu stark im Banne und in der Tasche der sich bereichernden Führer, um überhaupt über diese Frage klar denken zu können. Hiefür spricht der folgende Fall aus Suczawa: Die rumänisch-akademische Verbindung „Junimea“ veranstaltete am 29. Juni einen Ball, zu welchem auch die jüdischen Akademiker, Advokaten, Aerzte usw. geladen wurden. Die geladenen Juden haben, wie gewöhnlich, die ihnen »»gesandten Ehrenkarten gut honoriert; es ist ebenso wahrscheinlich, daß der größte Teil der jüdischen Akademiker es vorgezogen hätte, auf dem Ball überhaupt nicht zu erscheinen. Ihr Entschluß wurde ihnen jedoch durch einen sonderbaren Zwischenfall erleichtert: Am Tage vor Abhaltung des Balles erhielten sämtliche ursprünglich eingetadenen Juden durch die Post eine Visitkarte des Professors G a r b u, auf welcher sie die folgende Liebenswürdigkeit lesen konnten: „Geehrter Herr! Aus Versehen wurden Ihnen eine Einladung zur Veranstaltung der „Junimea“ vom 29. Juni übermittelt. Ich bitte Sie, dies? Einladung als zurückgezogen zu betrachten. Mit Achtung usw.“ Erger, Berger, Schoßberger Vor dem Krieg und auch während des Weltkrieges batten die Ungarn zwei Volksbymnen. Mit der einen wurde jede offizielle Feier eröffnet, mit der zweiten abgeschlossen. Beide Hymnen muten textlich wie auch in der Vertonung trotz der scharf nationalen Note recht europäisch an. Sie sind nicht liebedienerisch, es sind Hymnen au die Heimat und nicht an eine Person. Nach dem Zusammenbruch habeu die Kommunisten unter der Herrschaft Bela Kuns beide Hymnen auf den fndex gesetzt und als die Rassenschützler ans Ruder kamen, kramten sie aus dem antisemitischen Museum für Volksverblödung, der Schatzkammer antisemh tisicher Kultur der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, einen in Text uu4 Ton rüden Gassenhauer aus, und weihten ihn zu ihrer Volkshymne. Das ist das Hohelied: ,/Erger, Berger, Schoßberger, jeder Jude ist em Schuft!“ Diese Volkshymne des blöden Kerls in Ungarn ist womöglich noch stumpfsinniger, widerlicher und abstoßender als das deatsebe „Borkumlied“ gleichen Geistes. Sie kam zur gfeicfcffi Zeit «ad in derselben gesellschaftlichen Abno- 1 spbäre zur Geltung wie das OesHz vom Numerus clausus. Allmählich im Verhältnis der fortschreitenden Konsolidierung der öffentlichen Zustände in Ungarn wurde dieser Kulturdünger wieder zurückgedrängt, die Militärkapellen dürfen dieses Schandlied nicht mehr spielen, die Zigeunerbanden weigern sich gleichfalls, besoffenen Rassenschützlern das „Erger-Berger-Lied“ ins kulturtaube Ohr zu fiedeln, bloß die Studenten und das ganze Gesindel, das vom Antisemitismus lebt, betrachten cs als das wirkliche ungarische Volkslied ,und entblöden sich nicht, es selbst, wenn europäische Gelehrte zu Kongressen, za Studienzwecken aus allen Kulturzentren der Welt nach Ungarn kommen, entblößten Hauptes wie ein ungarisches Weihelied zu singen. So kommt es, daß fortschrittliche Menschen, unter ihnen sogar eine Anzahl Jnden, vor nicht allzu langer Zeit in Debreczen von ungarischen Studenten mit dem ihnen unverständlichen Lied: „Elger, Berger, Schoßiber,ger“ begrüßt wurden, und die Fremden und mit ihnen auch die jüdischen Gäste, in der Meinung, daß es sich um eine Hymne handelt, gleichfalls das Haupt entblößten und dem jedes Kulturempfinden beleidigenden Liede in Habtachtstcilung die Ehre bezeigten. So erging es auch vor wenigen Tagen erst einer Gesellschaft, die über Aufforderung einer jüdischen Persönlichkeit den Plattensee bereiste, und in einem Badeorte, wo ein Empfang stattfand, gleichfaiSs mit dem Lied „Elger, Berger, Schoßberger, jeder Jude ist ein Schuft...“ begrüßt wurden. Bist ate ein Jude, der aus Ungarn stammt und seinen alten Heimat dienen wollte, indem er ausländischen Freunden die Naturschönhelten Ungarns zeigen wollte, In gerechtem Zorn den Sinn und die Bedeutung dieses schandbaren Machwerks erklärte, wurde es den Ausländern offenbar, daß in Ungarn noch em großes Stück KonsoUdierungsarbeit wird geleistet Werden müssen, um das gesellschaftliche Leben von solchem Unkraut zu befreien. Die Sicherung der jüdischen Arbeit Verhandlungen über die Orangenerntearfoett In Petach Tikwah. Au« Jaffa wird gemeldet: Der stellvertretende Distriktskammlssär bat Vertreter der Kolonisten und der Arbeiterschaft von P e -t a c h T i k w a h zu einer Konferenz eingel&dm, in der über die Sicherung der Beschäftigung jüdisch er Arbeiter bei<ier Orangenernte in Petach Tikwah beraten wurde. Der Kommissär erinnerte an die Ereignisse des vorigen Jahres, da die jüdische Arbeiterschaft gegen die Beschäftigung arabischer Arbeiter durch Kundgebungen Stellung nahm, die bedauerliche Ereignisse im Gefolge haften, und ersuchte die Kolonisten, beim1 Abschluß der Verträge mit den arabischen Obstkäuf e.m diese m verpflichten, bei der Ernte j üdisch e Arbeiter zu beschäftigen.. Die Kolonisten erwiderten, sie würden alles tun, um die arabischen Kaufleute nach dieser Richtung hm zu beeinflussen, sie verfügten aber nicht über Mittel, auf sie einen Zwang auszuüben. Auf Wunsch der Arbeitervertreter wurde schließlich eine aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern ztrsammengesetzte Kommission gebildet, die die Frage der jüdischen Arbeit bei der Ernte in Petach Tikwah zu lösen haben wird. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Palästina. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Nach dien letzten vorliegenden Daten über den Stand der Arbeitslosigkeit in Palästina ist eine weitere beträchtliche Abnahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die Zahl der Arbeitslosen im Juni betrug 1554 und ist damit zum erstenmal wieder auf den Stand , vom Jahre 1925 zurückgegangen, in dem bekanntlich infolge der Hochkonjunktur nur eine geringe Zahl von Arbeitslosen zu verzeichnen war. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist ein deutliches Zeichen für die Konsolidierung der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkte in Palästina und es darf erwartet werden, daß der größte Teil der heute Arbeitslosen mit dem Einsetzen der Emtearbeiten in den Orangengä rien im Spätherbst Beschäftigung finden wird. Auf die einzelnen Orte verteilen sich die Arbeitslosen folgendermaßen: ,T e 1A w i w 529, Haifa 405, Jerusalem 170, Af ul eh 71, an den übrigen Plätzen und Kolonien 80. Dazu kommen noch gegen 300 Arbeitslose in Tel Awlw, die in den Arbeitsbureaus des «Haipoel Hamisrachi» und der Jemeniten registriert sind. Die größte Anzahl der Arbeitslosen findet sich prozentual bei den Bauarbeitern, die 32,2 Prozent aller Arbeitslosen stellen. Danach kommen männliche ungelernte Arbeiter mit 18,9 Prozent, Holzarbeiter mit 6,8 Prozent und weibliche ungelernte Arbeiter mit 6,2 Prozeit. Bureaiuangestellte und Beamte stellen 4,1 Prozent, Metallarbeiter 2,8 Prozent und Bäcker 1,5 Prozent. Die übrigen Berufe sind je mit unter 1 Prozent vertreten. Während der Zeit von Juni 1926 bis April 1928 hat die Zto n i s t iisch e Exekutive aus Mitteln des Keren Hajessod 1 05.7 85 Pfund an Arbeitslosenunterstützung ausgezaMt Gegen die in Wochen-Kalender Ang.-Sept. 1928 Gedenktage |f* 1 30 Donnerstag 1011 — dar Philologe and Philosoph Theodor Oomperi in Boden Itel Wien geeterben 14 — “p 31 Freitag 18*4 — Ferdinand Loeoolle Ira Dnetl KO fallen 15 — 18 September 1 Samstag 188> — der Bibliograph A. Aoher In Venedig gestorben 16tB Haftarah: Kamt ori 2 Sonntag 1706 — Emanalpotton der Jaden in den Niederiondeo 1870 — der hebr&toehe Nerolllet Darld Schernoteln in Paria gestorben 1004 — der berttbmte Handelereehtler Hermann Stanb in Berlin gestörten 17 — p 3 Montag 18. Ziel 5869 (1600) — der hohe Rabbi Löw ln Prag gestorben i8 - 4 Dienstag 19 - 8’ S Mittwoch 1764 — Henriette Her* in Berlin geboren 1791 — der Komponist Oiaeeme Meyerbeer ln Berlin geboren n - 1 [ manchen Kreisen herrschende Ueberschätzung der Hilfe, welche die Palästina-Regierung zur Linderung der Arbeitslosigkeit gewährt hat, wendet sich das letzte Pressebulletin der palästinensischen Arbeiterorganisation (Kapai-Nach richten) mit folgenden aufschlußreichen Daten: Laut Aufstellung des Arbeitszentrums der Histadruth hat die Regierung zwecks Beschäftigung jüdischer Arbeiter im Jahre 1928 Arbeiten für insgesamt 65.0.00 Pfund durchführen lassen, davon für 6000 Pfund Aufforstungsarbeiten aus dem landwirtschaftlichen Budget, das insgesamt 55.000 Pfund beträgt und aus dein Juden nicht den geringsten Nutzen ziehen, während 14.000 Pfund vom Regierungsbudget für kommunale Verwaltungen stammen^ Somit wurden also nur 45.000 Pfund dem Regierungsbudget für öffentliche Arbeiten, das insgesamt 373.000 Pfund 'beträgt, entnommen, und also nur 1 2 Prozent für Beschäftigung jüdischer Arbeiter verwendet Der Boden als Volksbesitz Eine Kundgebung Usslschkins. Der Varsätzende des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds Ing. M. Ussischkin (der vor wenigen Tagen, wäe wir mitteilten, sein 65. Lebensjahr vollendet hat — Die Red.) hat nach der letzten Alktionskomiteesitzimg folgende Kundgebung der öeffentlicbkeit übergeben: «Im Zusammenhang mit dem Bericht der Joint Palestine Survey Conwnfssdon (SachverständJgen-Kommlssion der Jewfsh Agency) hat sich das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation in seiner Tagung u. a. auch sehr eingehend mit den Problemen der Bodenpolitik in Palästina und speziell mit der Frage des Keren Kajemeth Leisrael. beschäftigt. Als Resultat dieser Beratungen winde vom Aktionskomitee einstimmig ein Beschluß gefaßt (die vier Mitglieder, die dagegen gestimmt haben, sind nicht gegen das Prinzip des K. K. L„ welches ln der Resolution zum Ausdruck gebracht wurde, sondern sie haben als Gegner der Jewish Agency überhaupt ausnahmslos gegen alle mit derselben im Zusammenhang stehenden Beschlüsse gestimmt), wonach die Zionistische Organisation den K. K. L. als alleiniges Instrument der jüdischen Bodenpolitik in Palästina anerkennt. Das Aktionskomitee hat die von den zionistischen Kongressen und Konferenzen wiederholt angenommenen Richtlinien der Bodenpolitik und das von dem 14. und 15. Zionistenkongreß als Bedingung für die Verhandlungen mit den Nicht- Zionisten wegen der Erweiterung der Jewish Agency festgestellte Prinzip der Auslösung des Bodens als Volksbesitz nochmals bestätigt. Dementsprechend wurde vom Aktionskomitee die These aufgestellt, daß alle aus den öffentlichen Geldern der Jewish Agency zu erwerbenden Ländereien bis Gemeineigentum des jüdischen Volkes überzugehen haben, wobei die zwei Prinzipien, die das Wesen des K. K. L.-Systoms darstellen, gewahrt werden müssen, nämlich: das Obereigentum des jüdischen Volkes Uber die durch Ihn erworbenen Ländereien und die Vergebung der Böden an die Siedler nicht In Eigentum, sondern in EvfcfMcfcL PALÄSTINA

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