Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1928)
- Date
- 1928-08-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dh ti fdniA jDorri Wien« 11.« Taftorsita/k Jtv. Sa Jn^odeme iclfcuftc aus ieafem JITatfertaf tfedUetfeiuf ausge/itflv* Jtur setidse Preise erhalten wollen, zweckdienlich ist, einerlei, o«b sie orthodox oder unreligiös sind. Schon das kleine Kind maß erfahren, daß wir Jaden alseiaor Familie entstammend gelten, also eine Familie bilden; und daß man nie seiner Familienzugeh^Tigkeit entrinnen kann, Ist selbstverständlich. Um dann, vor dem Kinde alle Werte und Schönheiten des Judentums ausbreiten zu können, ist die möglichst frühzeitige Erler^un^; der lebenbenden hebräischen Sprache abgeneigt. Auch die orthodoxen Gegner dieser Methode werden zugeben müssen, daß ein hebräisch sprechendes Kind Gebeten und Religionsunterricht mehr Verständnis entgegen ^ringen und sie nicht als unangenehmen Zwang empfinden wird. Je älter uud reifer die Kinder werden, um so weniger .werden wir ihnen verbergen dürfen, daß es auch anderp Ansichten als unsere gibt Wir dürfen, ia, wir müssen z. Ekden denkenden halbwüchsigen Menschen auch mit der Bibelkritik bekannt machen. Geben wir sie ihnen an die Hand,; s<y werden sie erkennen, daß keine Kritik den hohen ethischen und geistigen Wert unserer Urschriften za verringern vermag. So erzogene Kinder werden nie dem Judentum zu entrinnen versuchen, darum fort mit a11 er einseitigen Ges i ttiMuiKg.sex^iethun^i Siegfried Aboie«. Zum 70. Geburtstage des Btxndespräskienten Doktor Hainisch?: Dar Vorstand der Israelitischen Kuhiusgemeinde Wien hat an den Herrn Bundespräsidenten Dir. Michael Hai misch aus Anlaß des 70. Geburtstages eine künstlerisch' aosgeführte Adresse gelangen lassen, deren Text wie folgt lautetr «Hochverehrter Herr BundespräsideatJ Der 70. Geburtstag, den Säe, hochverehrter Herr Bundespräsident, am 15. August d. J. begehen, gibt der Vertretung der Wiener Judenschafft, der Israebschen Kultusgemeinde, erwünschten Anlaß, Sie auf das Ehrerbietigste za begrüßen und m beglückwünschen. Dieser Glückwunsch güt nicht nur Ihrer hohen Persönlichkeit, vielmehr auch unserem geliebten Vatertande, dem Säe nunmehr seit dem Bestände unserer Bundesverfassung als verfassungsgeanäß frei gewähltes Staatsoberhaupt mit jener Würde vosstehen, me Ihnen dSeVereftrung und Liebe des österreichischen VoSpes ohne Parteiunterschied gesichert bat. ’ Verehrter* Hört Buitdespräskietifl Den Vertretern der Wiener Judensohaft ist Treue zum Staate und seinem Oberhaupte heilige, religiöse Pffiobt und altbewährte Tradition, Ihnen gegenüber, der Sie wiederholt;Gelegenheit genommen haben, unserer Gemeinde fei freudigen und traurigen Anlässen Ihr warmes Interesse za bekunden, ist es uns auch Herzensbedürfnis, Sie unserer tiefen Verehrung und unseres dauernden Dankes zu versichern. Empfangen Sie, hochverehrter Herr Bundespräsident, wiederholt unsere, ergebenen herzlichsten Wünsche für Ihr Wohlergehen, für das Ihrer hochgeschätzten, Faanüie sowie jener allverehrten Frau, die Sie mit berechtigtein Stolze «Mutter*4 nennen.* Das Sommerlager des Bundes jüdischer Uttngwanderei- Alljährlich veranstaltet <fie Ortsgruppe Wien des Bundes jüdischer Jiungwanderan ihr Sommerlager, wobei sie es als unumgängliches. Prinzip an sieht, jedes Jahr in einer anderen Gegend zu kampieren. So hatten . wir nntn unser fünftes Sommerlager in Egg am Faakersee und es war nach den Lagern in Zell am See,. Trotfaiaoh, Theben a. d. Donau diesmal das alierschönste. Nach Beendigung der Wiener Vorbereitungen fuhren anfangs J.uB zwölf Wanderer, die sogenannten Pioniere, nach Egg am Fpakersee ah. Ihre Aufgabe war es, den Lagerplatz zu bestimmen, Zelte ■aüfzustellen, eine Küche zu bauen, kurz, aus;dem Nichts einen Ort zu schaffen, auf dem die Bürger der Lagerrepubüik einen Monat ihres Lebens zuihringen sollten. Eine Anzahl von Zelten verschiedenster Größen bildeten die Wohn- und Sohiafstäften für die mehr als vierzig Wandere«, Knaben und Mädchen. Eine komfortable Küche, drei lange Tische mit dazugehörigen Bänken, beides gleicherweise nach oben mit Dachpappe als Schutz vor Regen «gedeckt, gaben dem Lagerplatz sein Gesicht; eine Apotheke,(Holzbauten, als Magazine verwendet, und schließlich auf erhöhtem Platze, neben kleineren Wimpeln webend, die große blau-weißgelbe Farbe vervollständigten das äußere Bild. Täglich versehen vier bis fünf Leute den sogenannten Dienst, der DLenstleiter und seine drei oder vier ausübenden Organe. Ihre Aufgabe ist es, zu kochen, die Ordnung im Lager zu wahren und die Gesamtaufsicht zu führen. Die sonstigen Funktionen im Lager waren für;die, ganze Zeit auf die Lagerinsassen so. verteilt, daß jeden einzelne seine, ihm augemessene Aufgabe hatte. So gab.es den Postmeister, den Lagerkassier, den Lagerbader, den Lagerphotograpben, den Sekretär, den Magazinaufseher und dergleichen. Außerdem noch den sogenannten «Chapmeister», dessen Aufgabe es war, aße Gegenstände, die er herrenlos hemmliegen sah, au «chapen» und nur gegen Erlag von zehn Groschen für den Keren Kajemeth wieder auszufolgen. Schließlich hatte noch jedes Zelt seine Zeltaufsicht, die für die Gutmütig im Zelt zu sorgen hatte. f Um halb sieben Uhr früh ertönte zum erstenmal der Gong. Binnen fünf Minuten hatte alles die Zelte verlassen und sammelte sich zum allgemeinen Antreten. Dann wurde bis knapp vor acht Uhr geturnt und Jiu-Jitsu getrieben. Stufet acht sJnri bereits a0e gfewasetett, taste* MC, nid eilen zum PrQhstQcksfech. Bis Mittag ofcfiegen dam» dte ynen Arbeiten oder ste gehen unter der Führung eines Reiferen, wenn sie für diesmal nichts zu tim haben, spazieren oder in den herrlichen See schwimmen. Spiel und Sport vertreibt ihnen Wobei die Zeit bis zum Mittagessen, nach dem halbstündige .Mittagsrast folgt. ..Vor? zwei bis vier Uhr ist Lagerschule. Sie umfaßt Kurse über <üe verschiedensten Gebiete, Diskussionen, Debatten und dergleichen. Nach vier Uhr öffnet der Lagergrerster sein Gesohafi1, bei dem es besonders lebhaft rageht. Um halb fünf wind die Jause eingenommen, dann kann jeder machen, was ec will Rudterpartien, Faltbootfahrten, kleinere Ausflüge, Geländespiele und dergleichen weiden abgehalten. oder aber das ganze Lager veranstaltet ein großes Orchejätetfcoffzert mit afen möglichen und unmöglichen Instrumenten. Um acht Uhr wird genachtmahlt und nachher finden dann Lagerfeuer, Srngafrende, Vorlesungen oder gemeinsame Spaziergänge statt, die aber spätestens um «ehn-Ulr beendet sein müssen. G. F. V ereinsnachrichten Wohtätigkeftskonzert in Bad Haft. Am 20. August wttrite In Bad HalL wie uns von dort berichtet wird, zugunsten armer Kuxbedürftiger ein WclilbVtiskeitsfconzert vcratiamtaRet, dessen Programm von d&m Wiener Oberkantor Heurn Gersoa MarguJIes, deäi Schauspieler Josef Koll c r und der Konzertpiantstfei Grete Koller bestritten wurde. Obertemtor MarguHes brachte ln Arien aus Hatevys «Jüdin» und SFuccinls «Tosca» eine wenig bekannte Nuance seiner augezeichneten Gesarfgskuost. Fräulein Grefe Kotier spielte virtuos Moschkowski tmd RaChmaninoS; Herr Josef Koller spielte in einer von ihm tmd Tartaroga verfaßten Komödie «Der Gewohnheitsdieb» drei Roßen roft scharfer C harak terisienung und trefflichem Humor. Das überaus zahlreiche Pnbtöktmi zollte den Darbietungen /reichen Beifall. ERFOLGREICH werden Neuralgie, Gicht, Rheuma, Ischias, Verdanngsstörungen behandelt hn TherapeutlschoD Institut, Wien, ll* Anastatlungsstr. 65/4 v Auskünfte kostenlos Herrenand Damen-lfitiider nach Floß Betefc« JUKhuif a*ch Ceb«rei»fc«ini»*a. Johann Kaclna Wien, VI., Mariahilferstraße 107, TeL B 27-2-38 Der «dFrontgehb; der deafscteiafiomaleti Anßsetniten, Affe cfse Antisemiten tun LodcndorH, er und dfe anderen kleineren Häuptlinge, Führer und Geführte faseln stets gerne vom «Frontgeist», der die Hafcenlcreazter beseelen, müsse and den Juden schon deshalb abginge, weil sie, wie die Verleumdung lautet, wahrend des Krieges hinter der Front die Drückeberger spielten, und vom Froatgelst keine Ahnung hatten. Da konnte man mit Recht neugierig weiden, woher sich der größte Teff dieser Frootgeistheiden eigentlich diesen Geist geholt hat, DauSbe* gibt ans das soeben erschienene Resohstagsbaudbuclv in welchem nicht nur die allgemeinen Personalien, «indem auch Ihne Heldentaten genau verzeichnet sind, wiükommesnen Aufschluß. Da ist zum Beispiel der Dz. GöbfreJs, der in seinem Blatt mit «loderndem Fxontgeist» bramarbasiert. Dieser große Held hat vom Krieg überhaupt nichts gewußt tmd kaum etwas gefrört — er war von I907yib*s 1917 noch Gymnasiast. Auch vom preußische^’ SoldatendriB, den er jetzt unausgesetzt fordert, um gegen Juda gewappnet zs sein, hat er nie etwas verspürt Nicht besser lautet die Heldenkonduite des Gnüntders des «Deutschen Kaunptfbaodes zur Rettung von der Ztensherischaft», des völkischen Abgeordneten Feder, Fern von allen Gefahren der Front, war er die ganze Zeit beim Flug zeugh allen bau beschäftigt Heute ist er einer der lautesten und anidringfrehsten Schreier der. Völkischen, der unausgesetzt nach dem entschwundenen «Frontgeist» sohreit. ÄAuch mit dem großen Grafen R e v en tl o v äst "es um dilfpraktische üefrung des Frontgeistes während des Krieges ‘ nicht besser besteht. So Oft er hätte ■ einrüökeu saßen, wurde er von der Redaktion der «Deutschen Tageszeitung» als unabkömmlich reklamiert. Von liier aus feuerte er schon damals den Frontgeist der; wirklichen Frontsoldaten an, schrieb zahllose Hetzartikel gegen den; Feind, forderte diktatorisch «Diiochbatten» und ließ keinen billigen Frieden zqjj.es sei dmn, daß die Hälfte der feindlichen Gebiete, anme&tert würde. Und heute erfrecht sich dieser Graf Revehtlov$! den Juden Mangel an Frontgeist und völlige Unkenntnis der wirklichen Kriegsfront vorzuwerfen. Ein ähnlicher Patron ist der verantwortliche Redakteur des völkischen Sudelblattes «Frankfurter Beobachter», Leopold Gatter er; er wurde jetzt wegen Beleidigung des Rabbiners Dr. Sätztoerge« und Beschimpfung der Reichsfanben zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, daß Gutterer me Frontsoldat war, sondern den Kjtieg — in der Charta des Gymnasiums mitgemacht hat Wese Liste könnte noch ziemlich lange fortgesetzt werden. Immer sind es die größten Drückeberger, die niemals für ihren angeblichen Patriotismus auch nur das Geringste an Gut und IfCHHAHUBNfi ,.Z8R SCRARMIT AIBERT HARDT WIEN I., FREISINGERGASSE 1 (Eck« Baamaarkf) Original englische Damenmäntel- und Herrenmodestoffe Hebräische Sprach- und Bibelschule der Isreaelitischen Knttasgemrtnde (XX., Othmaingasse 46, Saal I). Die Einschreibungen finden von Montag, den 3. bis einschließlich Donnerstag, den 6. September von 3 bis 7 Uhr nachmittags statt Der Unterricht ist une-utgeItHchw Zionistische Sektion Prater. Der Unterricht m der hebräischen Schule beginnt Montag, den 3. September. Einschreibungen für Kinder vom sedisten Lebensjahr angefangen. (Anfänger und Vorgeschrittene.) Täglich, mit Ausnahme Samstag, von 9 .bis 12 Uhr vormittags tmd von 3 bis 9 Uhr nachmittags im Heim, II., Jiuogstraße 8. Der Unterricht 5 Stunden in der Woche, ist unenitgel-Hich. Pädagogischer Leiter Professor Meier Chart in er, Talmud-Thora-Misrachi. Ab 1. September wird der regelmäßige Unterricht wieder aufgenommen, Es wird täglich Unterricht in Bibel, Talmud und Hebräisch für Fortgeschrittene und Anfänger unentgeltlich erteilt Einschreibungen im Misracfri-Bareasu, IL, Praterstraße 43. Jüdischer Kindergarten XII—XV (Wien, XV., Herklotzgasse 21), Die EmsotaeSbiungen in den Kindergarten finden täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags an die Adresse: XV., Herklotzgasse 21, statt Zionistischer Vortrag m Baden. Donnerstag, den 30. August, 8 Uhr abends, findet im großen Saale des Hotels «Goldener Löwe» in Baden bei Wien, Weifburgstraße 1,’ ein Vortrag von 1 Frau De. Martha Hoff mann (Wien) «im Flug durch Palästina» statt ' Hebräische Kurse für Knaben und Mädlchen im Alter von 6 bis 14 Jahren weiden am 3. September um 3 Uhr nachr mittags eröffnet Einschreibun-gen ab 27. August täglich von 3 bis 4 Ubr nachmittags im Lokal IL, Zirkusgasse' Nr. 33. :(Samstag and Sonatag geschlossen.) Leben anfs ^)iel gesetzt haben, aber, baute das Maul aufnißen und tfie Menschheit nicht zur Ruhe kommen lassen, woffieo. Anöseorifische Wttttöerfumde Der AaösesmitismtiS ist mm, wie die hier folgende Gescltidite beweist, schon auf den «Hand» gekommen. Zu &Sen Zetten und ia fast allen Staaten, wo der Antisemitismus . nte Blüte gelangen könnte, bat es antisemitische Hunde- %* schichten gegeben. Antisemitische Führer beliebten es immer und überall, ffiten Hunden jüdische Namen oder einfach den Namen «Jud» zu geben. Antisemitische Hunde wurden mm Angriff auf Juden durch den Zuruf «Jud» dressiert Das waren so antisemitische Heldenstückchen, tmd darin lebte sich auch die ganze Rohheit des antisemitischen Witzes aus. In diese Kategorie gehört auch der Förster aus dun Kreise Landshut in Deutschland, der, wie die Cutter eezäMcn, m seiner Waldeinsamkeit Sehnsucht nach einem gleichgesinnten antisemitischen Gescfiöpf verspürte tr.d seinen Hunden den Antisemitismus foeizubringeh t/ach-, fHe, Es klang stets wie Jägerlatein, wiemr. dieser wackere Förster sich vor seinen Wirtshauskumpanen brüstete, daß seine Hunde bereits komplette Antisemiten seien. Um es zu beweisen, legte er auf eine B-tnk ein Stück trockenes und ein mit Fleisch belegtes Brot, und erklärte den Hunden, wlbrend «* auf das trockene Brot zeigte: «Das ist von Quasten 1» und, auf das belegte Brot zeigend: «Das ist von Jr.denb Und in der Tat ließen die «arischen» Hunde das Euf mit dem Fleisch liegen, schüttelten sich entsetzt und trabten mit dem trockenen Brot ab. Auch ähnliche Experimente mit «jüdischen» und «christlichen» Würstchen gelaiK gea voökommen. Die ganze antisemitische Sippe ist stolz auf diese antisemitischen Wunderhunde und ihren Herrn, de« Förster. Sie sollten sich aber doch nicht mit dem platonischen Lob allein begnügen; es wäre wirklich angezeigt, diesen hakenkteuzierischen Antisemitenhunde von Lamdshut an Stelle ihrer zweibeinigen Genossen in Menschengestalt die Führerschaft alter Antisemiten zu übertragen. Sie würden es beileibe nicht schlechter machen, als ihre zweibeinigen gesinnungsgenössischen Maulhelden, im Gegenteil — sie sind anständiger als die Antisemitenführer, denn diese nehmen insgeheim von den Juden die fettesten Bissen und beben sie dann feige an. werkstätte für /essel und Tische Salonflwmltiirvn und BlnsnlmdbelRlUckn ADLER, VII., APOLLOG. 18 KaifertUr. 12