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Die Stimme · 1928-08-30 · Heft 35 (30.8.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 35 (30.8.1928)
Date
1928-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 85 nti? (nttttit? 1/lC SllMRIE 3&&3 verließen 25 Delegierte des Poel Hamisnachi unter Protest die Konferenz, woraufhin die Plenarsitzung unterbrochen wundeln der Schlußsitzung erklärten <ße. Vertreter des WefEveröandes des Poel Hamisrachi, aus Protest gegen alte Resolutionen zu stimmen. Die Konferenz des liberalen Judentums Nach dreitätiger Beratung ist die zweite Konferenz des Weltwerb andes für religiös-liberales Judentum geschlossen worden. Die programmatische Eröffnungsrede des Präsidenten der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Heinrich Stern gipfelte in dem Satz, daß die liberalen Juden die innige Verbundenheit mit ganz Israel, den Gedanken der jüdischen Gemeinschaft niemals verleugnet haben, und in der Forderung, diese Gemeinschaft nicht zu zersplittern, sondern ihr einen Inhalt zu geben, der fester zusammenschließt Was aber dieser Inhalt sein soll, das hat die Konferenz trotz vieler oft gedankenreicher Referate und Rede:; nicht klar umschreiben können. Gleich zu Beginn der Tagung betonte einer der Vorsitzenden, Leo Well (Pittsburg), daß der Verband für das liberale Judentum in der Frage des Zionismus Neutralität wahrt und daß darum diese Frage nicht erörtert werden würde. Mit dieser Einschränkung, die ein zentrales Problem des Judentums ausschließt, hat sich die Konferenz sofort ihr Urteil gesprochen und sich in je,ne Zone der Gefahr begeben, die Dr. Leo B a e c k in seinem wertvollen Generalreferat «Die Botschaft des liberalen Judentums an die Juden von heute» in folgender Weise charakterisierte: «Die Gefahr des Liberalismus ist, daß er sich in die Weite verflüchtigt, daß er in einen vagen Universal!smus, in eine verschwommene Humanität verfliegt und daß er so das Bewußtsein des Eigenen und Charakteristischen, de Sicherheit des bestimmten Bodens einbüßt,... diaß er sich mit dem Allgemeinen und Ideelien zufrieden gibt und sich des Einzelnen, des Gebotes enthoben meint.» Daher hat denn auch der Satz, den der greise Ehrenpräsident des liberalen Verbandes Claude G. Montefiöre in seinem Referat «Die Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben» prägte, indem er sagte: «Das liberale Judentum ist die einzige Chance für das Judentum und für das religiöse Leben der Juden des Westen», selbst in seiner Anwendung auf das rein Religiöse mehr als bedingte Gültigkeit. Der 70jährige Clattde Montefiore, Präsident des Verbandes für das liberale Judentum. As *? 1; va - ‘ ’l für den Ackerbau bestimmt wurden, sich als Ackerbauer binsen 6 Wochen (!) auszuweisen hätten; im Weigerungsfälle müßten sie das Land verlassen. Die langjährige Abstinenz von dieser Arbeit und der kurze Zeitraum umzulernen, machten die Juden hoffnungslos. Mitte Juni 1783 befand sich Kaiser Josef II. in Czernowitz. Vergebens bemühten sich die Judenvorsteher beim Kaiser um Aufhebung dieses unmenschlichen Erlasses. In den letzten Julitagen 1783 mußten 255jüdischeFamilien das Land verlassen. (2. Ausweisung von Juden in der Bukowina). Unter den Abgeschafften gab es auch solche, die sich zwar dem Ackerbau widmen wolten, aber keine Mittel hatten, um Vieh und Geräte anzuschaffen. Auch in anderer Hinsicht wurden die jüdischen Kolonisten benachteiligt. Während der Wiener Hof die Ansiedlungen der Deutschen, Magyaren, Lippowaner usw. sehr begünstigte — den christlichen Siedlern wurde der Boden als Eigentum gegeben — wurden die jüdischen Kolonisten stiefmütterlich behandelt Ihre Zahl sank daher allmählich. Die Aoker-baugründe wurden ihnen nicht als Eigentum, sondern nur pachtweise auf 20 Jahre gegeben. Sie konnten dieselben erst dann als Eigentümer erlangen, falls sie zum Christentume über* treten würden. Dadurch wurde die Ueberführung der Juden zum Ackerbaustand illusorisch gemacht. General Enzenberg hatte in konsequenter Durchführung der «Reformen» die Juden von vielen Wirtschaftszweigen verdrängt. Auf demLandedurfte kein Jude wohnen. Die Heiratslizenz machte er von einer Heiratssteuer abhängig. Vor seinem Verlassen der Bukowina arbeitete er eine «Städteordmimg» a<us, in welcher er die Juden des aktiven und passiven Wahlrechtes beraubte. Die erste Wahl in die Gemeindevertretungen der Bukowina ging zum ersten Male ohne die jüdische Bevölkerung vor sich. Wie sehr hatte sich die Lage der moldauischen Juden in den ersten 10 Jahren nach der Okkupation durch Habsburg geändert! =* wiKma i ■! a v. i c i 1 ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON ee-0-77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN Das «Ereignis» der Tagung, daß bei einem Fcstgottesdienst in der Reformsynagoge eine Frau, Miß Lily Montague aus London als Predigerin fungierte, ist wohl von keiner einschneidenden Bedeutung für die Erhaltung des Judentums, und die Haßgesänge, die der Berliner Reformrabbiner Dr. Josef Lehmann in seinem Referat «Einfluß des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit» gegen alles anstimmte, was nicht Reformismus ist, zeigten in geradezu beängstigender Weise die geistigen Schranken, welche ein formaler Modernismus dort aufrichtet, wo es in Wirklichkeit um das Leben selbst gehen müßte. Die Debatten der liberalen Konferenz wurden zu dem alten Streit zwischen Tradition und Reform, der schon so lange und so unfruchtbar geführt wird. Es ist bezeichnend, daß die bei diesem Fragenkomplex naheliegende Stellungnahme zum Begriff «Jüdisches Volkstum», wie sie in konsequenter Weise Rabbiner Dr. Wiener in der Debatte darzulegen suchte, sofort vom Vorsitzenden mit der Bemerkung unterbrochen wurde, daß D a r 1 e g u n g e n über Nationales nicht zu gelassen werden könnten. Schließlich wurde um Sabbath und Sonntag gestritten. Und die drei Sektionen mit den Themen «Gottesdienst», Häusliches Leben», und «Jugend», welche für die Verwirktichung der «Botschaft» des liberalen Judentums gewählt wurden, konnten nur eine einzige positive Erkenntnis feststellen, die im Schlußwort der Tagung folgendermaßen präzisiert wurde: «Wir müssen vor allem die Jugend gewinnen und eine Werbeoffensive für den Gedanken des liberalen Judentums einleiten.» Auf Antrag von Reverend Perlzweig (London) wurde der Vorstand ermächtigt, sobald es die Mittel erlauben., eine Persönlichkeit zu verpflichten, die geeignet ist, in solchen Ländern, weiche es wünschen, neue liberale Organisationen einzurichten; auch soll zu diesem Zwecke ein Fonds geschaffen werden. Es wurde auch beschlossen* eine Zweimonatsschrift für die Wissenschaft des Liberalismus herajuszugeben. Es ist nun wahrlich wenig, wenn eine Idee darauf wartet, daß sie gewünscht wird. Mit dieser geradezu fatalen Behutsamkeit wird auch nie die Jugend gewonnen werden können, die Jugend, der der jüdische Liberalismus nichts zu geben hat. Die neue Leitung, welche die Konferenz gewählt hat und in der die einzelnen Landesvereinigungen vertreten sind, braohfe keine neuen Namen. Diese Leitung setzt sich wie folgt zusammen: Ehrenpräsident ist Claude G. Montefiore, Ehrensekretärin Ltiy Montague; dem Vorstand gehören ferner an: aus Amerika : Rabbi Enelow, Dr. Morgenstern, Doktor A. Simon und A. Leo Weil; aus Deutschland: R. A. Heinrich Stern, Prof. E1 b o g e n und Dr. Sei i gman n; aus England: neben Montefiore noch Rabbi Dr. M af t u c k. Die Konferenz des liberalen Judentums war von Delegierten aus Deutschland, Frankreich, England, Schweden, Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei beschickt. Mit mehr als einem Drittel der Delegierten waren die Vereinigten Staaten vertreten, wo die Reformverbände der Rabbiner und Kongregationen eigentlich mehr formell sich dem Gesamtverbande angeschlossen haben. Die neologen Juden Ungarns beteiligten sich aus prinzipiellen Gründen nicht an der Konferenz; sie entsandten einen «Beobachter». Oie zionistische Opposition in Amerika Mack ans dem Komitee des United Palestlne Appeal ausgetreten. Richter Julian W. Mack, der Führer der zionistischen Opposition ln den Vereinigten Staaten, hat, wie aus New York gemeldet wird, sein Amt als Ehrenvorsitzender des United Palestine Appeal nledergelegt und ist aus dem Komitee des Appeal ausget-reten. Dieser Schritt Macks hängt mit den Vorgängen auf der letzten Jahreskonferenz der amerikanichen Zionisten zusammen, wo die Versuche, eine Verständigung mit der Opposition zu finden, an deren Gegnerschaft gegen die Person Li p s k y s scheiterten, der dann von der überwältigenden Majorität der Jahreskonferenz mit demonstrativer Einmütigkeit zum Präsidenten der zionistischen Föderation wiedergewä'hlt wurde. Die ^Opposition hat hierauf, wie bereits berichtet, einen «Verband zur Reorganisierung der zionistischen Organisation in U. S. A.» begründet, der offenbar die zionistische Arbeit g‘e s o n d e r t von der offiziellen Zeitung führen will. Die Zwangssonntagsruhe in Litauen Aus Kowno wird uns berichtet: Ungeachtet verschiedener bisher im Inland wie im Ausland gegebenen Versprechungen hat die litauische Regierung auf die Interpellation der jüdischen Abgeordneten betreffend Abänderung der Z wangssonritagsruhe-Vorschrllten in dem Sinne, daß den jüdischen Geschäftsinhabern gestattet werden solle, ihre Läden an den Sonntagen einige Stunden offen zu halten, einen ablehnenden Bescheid erteilt. Das Zwangssonntagsruhegesetz hat für die Judönscbaft der litauischen Städte katastrophale wirtschaftliche Folgen, da sie durch dasselbe gezwungen ist, zwei Tage in der Woche, an den Sabbath- und an den Sonntagen, zu feiern, und ferner, weil der Sonntag derjenige Tag in der Woche ist, an dem die Landbewohner zur Besorgung der Einkäufe in die Städte kommen. Der akademische Rassenhaß. Internationale Studentenkongresse über den Numerus clausus. Auf dem Kongreß der Internationalen Studentenhilfc, über den wir an der Spitze unseres Blattes berichten, wurde die Lage der jüdischen Studentenschaft in den Ländern Osteuropas eingehend erörtert. Im Laufe der Debatte erklärte der indische Delegierte Data, er hätte es für unmöglich gehalten, daß im 20. Jahrhundert der Rassenhaß gegen die jüdischen Studenten in so erschreckender Form Raum finden könnte. Die Tagung befaßte sich auch mit Hilfsmaßnahmen für die bulgarische Studentenschaft, für chinesisch c und Negerstudenten sowie mit der Errichtung eines Studenten Sanatoriums in der Schweiz. — Dem Exekutivkomitee der Studentenhilfe für das nächste Studienjahr, das auf dem Kongresse gewählt wurde, gehört H a B mnen durch Sie sparen Geld, Zeit und Mühe Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Gästen in de* Rosch Haschanah-Festnummer der „Stimme“ die am 13. September 1928 erscheint. Zionisten bedienen sich für diese Oratulationen ausschließlich ihres Organs: BMEBmBWBBBBBBBBBBBMEeBBEBBiBaWWEBBWWaBWWMMaBBMB „Die Stimme“ Sichern Sie sich bei dem zu gewärtigenden Gratulationseinlauf durch sofortiges Aus füllen und Einsenden untenstehenden Bestellscheines eine günstige Placierung. Der Preis für das Einheitsinserat, 20 mm hoch, beträgt Schilling 5'— Für das Ausland: entsprechender Gegenwert. Muster: DR. KARL WERNER U. FRAU II., Hdnesitaße Nr. 4 gratulieren allen Verwandten. Freuden u. Bekannten zum NEUEN JAHRE! .. Hier ausschneiden __ Bestellschein An die Administration «Die Stimme» Wien, I., Rauhensteingasse 1 Ich bestelle für die Rosch Haschanah-Nummer det! «Stimme» .Neujahrsgratulation(en) zum Preise von und sende diesen Betrag gleichzeitig mit diesem Bestellschein ein. Text (sehr deutlich ausrüllcr:; Name: .... Adresse: ... ..........den ...r_. 1928 aoqooaoaooeoeoooooeooooooooosooooaoeettt

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