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Die Stimme · 1928-08-23 · Heft 34 (23.8.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 34 (23.8.1928)
Date
1928-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr, U go der notwendigen Aufbanarbeit mitzawftkett, Das so- '"iwrmH“ ^Kompromiß“, das von der Majori tätspartci vorgescfelageti worden war, wurde geschlossen, obwohl die Zionisten wußten, daß cs sic Mandate kosten würde (was auch wirklich eintrat), daß cs unpopulär sei nitd Unzufriedenheit auslösen werde; cs wurde vom damaligen zionistischen Landeskomitee geschlossen aus der Uebcrzeugting Iteraas, daß die der Wiener jüdischen Gemeinde o ntnittelbar drohende Gefahr abgewendet werden muß. Die Erhaltung der Wiener jüdischen Gemeinde war und ist den Zionisten, eben aus ihrer jüdischen Einstellung, jedes Opfer wert. Und daß die Wiener Gemeinde bis heut« erhalten werden konnte, ist das Verdienst ihrer zionistischen Mandatare, beL leibe nicht des Vereinsvorstandes der „Union deutschösterreichischer Juden“. Die Zionisten im Wiener Knltusvorstand haben in schweren, nervenzerriütenden Kämpfen der Majorität immer wieder jene Stfitzungsmaßnahmen abgerungen, die znr Erhaltung der Knltusgemelnde notwendig waren. Wäre es nach den Maximen der Majorität gegangen, so wäre die Wiener jüdische Gemeinde ein Schatten ihrer selbst. Heute hat sich aus äußeren und inneren Umständen heraus (Wirtschaftsnot, Massenflncht, steigendes Defizit, politische Untennhrieniügsbestrebungen) die Lage so gestaltet, daß es mit Aagenblicksmaßnahmen nicht mehr gabt. Den Bestand der Wiener jüdischen Gemeinde za sichern, bedarf es des Einsatzes aller jüdischen Kräfte; die sind nicht kn V er einsv or stan d von 40 Mandeln deutschösterreicbfscher Israeliten za finden. Daher ist es Sache der jüdischen Bevölkerung Wiens, zn-entscheiden, ob sie ihre Gemeinde für die sicherlich nicht allzu helle Zukunft des österreichischen Judentums sichern und za einem Schutz- und Bollwerk ihrer Existenz aasbasen witt. Will sie dies, so kann sie nur die Männer in den Vorstand der Gemeinde entsenden, die mit vollem Herzen and aufrichtiger Liebe zum Judentum die notwendige schwere Arbeit leisten. Wir vertrauen auf den gesunden Verstand der Wiener Juden; er ist stärker als das Salbadern eines um sein Deutschtum besorgten Veteinsvorstandes, der mit erlogenen Schlagworten die Judensebaft Wiens um ihr Recht auf Leben und Lebenswirken bnagen-waB. Amtliche Verlautbarung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Gottesdienst an den hohen Feiertagen Der Vorstand der Wiener Israel. Kidtusgemeinde veranstaltet anläßlich -der diesjährigen hohen Feiertage rra Großen Miu-sikvereinssaal, 1., Dumbagasse 3, Sofien saa l, III., Marxergasse 13, Hotel «Co n t i n e® t a fo, IL, Taborstraße 4, Gottesdienste jene Parteien, welche auf die Lm V. o r j a h r e benetzten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Kar- ' ten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkassa der Israel. Kultusgemeinde, I* Seitenstettengasse 4, 1. Stock, in der Zeit von Sonntag, den 26. August bis Mittwoch, de<n 5. Sep tember 1328 während der Aontsstonden von 9 Uhr voran, bis 1 Uhr nachm, beheben. Die bis dahin unbehoöenen Sitzplätze gelangen ab Donnerstag, den 6. September d. j. zratn allgemeinen Verkauf. Der Vorstand. David Pinski (Zu seinem- 36j6hfteen- SchrtftsteJlerkibiläum.) Von E. 0. Fried. Er ist kefioe Drateeaderseheinnng, der heute füttfuödfürrfzigjährige Mann, welcher jetzt auf eine literarische Tätigkeit von 35 Jahren zurück blickt David Pinski, welcher im Jahre 1872 zu Mohäew am Dmiepr geboren wurde, in seiner Geburtsstadt die Sb Hohe Erziehung im jüdischen Cbcdcr erhielt jedoch schon als zehnjähriger Knabe mtft den Eltern nach Moskau kam and dort allgemeine Bildung sich anzueignen die Möglichkeit fand, hat aus den Großstädten (nach der Vertreibung der Juden aus Moskau kam er, zwanzigjährig, nach Warschau, wo er in Spektois «Hausfreund», dem damaligen Sammelpunkt der jungen jüdischen Literatur, seine ersten literarischen Gel wer suche :machtc, und ging dann äm Jahre 1896 nach Berlin, tun die Universität zu beziehen), den Puls der auf steigenden Arbeiterbewegung gespürt. Bezeichnend denn a#ioh das Pseudonym D. Puls, unter welchem er in Warschau und Wilna aufklärende populäre Schriften über naturwisseiiscbaftyohc Themen, später auch Erzählungen md Skizzen, dem jüdischen Aibeäterieben entnommen, veröffentlichte. Der Sozialismus in seiner Wiederspiegeltuig auf das jüdische Leben hri Osten wurde für David Piinskl die Grundlage seiner dichterischen Anschauung und ist es bis heute geblieben. Pinskd sali, wie die spät, aber doch einsetzende modern kapitalistische Entwicklung Rußlands im Leben der ' rassischen Jwdenhert eine neue soziale Schichtung hervor- Jltary-JflUe VHen I.. iRoten türmstwaßeJlr.22 £>ie Beste und ßilligste €inßaufs~ Quelle £infk£its~ preise Austritte aus dem Judentum J u s ti z Beno, 1L März 1884, Stob (Burgenland), verh., V. Margaretengürtel 94. — W i 11 e I s Hans Rudolf, 6. Juli 1922, Wien, ledig, I., Hohenstaufengasse — Zilbers t a j.1 Abrain Wigdor, 27. Juni 1899, Korpccko, verh., IX„ Liechtensterastraßc 151. — Riesenfeld Rosa, 22. Jänner 1898, Bielitz, led., IX, Bindergasse 11. — Wilcsek Friedrich, 7. Juli 1901, Wien, led., DC, Freiheitsplatz 16. — SchönthaJ Gisela, 3. September 1898, Wien, ledig, XVL, Seebockgasse 30. — Prem Grete, geb. Teflheim, 9. April 1897, Wien, verh., Beamtin, I„ Spiegelgasse 23. — Lippert Ilona, geb. Groß, 4. Februar 1904, Komorn, vertu, XV„ Warmsergasse 45. — Hamber Edmund, 25. Jufi 1893, Wien, verh., VfL, Mariahilferstraße 47. — Hamber Margarete, 5. August 1921, Wien, selbe Adresse. — Hamber Liselotte, 21. September 1922, Wien, selbe Adresse. — Hamber Gertrude, L September 1927, Wien, selbe Adresse. — Hamber Maria, geb. Hunatschek, 3. August 1891, Wien, verh., selbe Adresse. — P o-J 1 a k Brunhflde, geb. Müller, 11. August 1901, Wien, ger.. gesell.,. JIL, Siegelgasse 1. rieS, sah das Entstehen eines jüdosobea Arbeiterstandes, aber auch das Versinken einer alten jüdischen Weit, die eine gewisse kulturelle Einheit (besessen hatte. Aus diesen inneren Erschütterungen, die von schweren äußeren begleitet waren, entwickelte sich — krampfhaft und in Zückungen — das, was wir im kulturellen Sinne das moderne jüdische 'Leben zu nennen gewohnt sind, mitten in der großen Masse des Ostens. David Pinski, der bereits nach der ersten Epoche der ostjüdischen Aufklärung za Worte kam, konnte eine brettere, weitere Ausschau gewinnen über die EntwidkhmgsrnögJJchkeiten des jüdischen Lebens. Er sah sie zunächst in der Entwicktang der volkstümlichen kulturellen and sprachlichen Elemente, Damm war er, zusammen mit dem Publizisten Chaim SchitJowski, dpr erste, welcher in der Schweiz kn Anschluß an den ersten Ziomstcnkongrcß zu Basel die erste Konferenz der Freunde der jiddischen Sprache organisierte. Bereits die ersten Erzählungen Pinsku, wfre «iReb Schlojme», «Erow Jom Kdpur» und andere, schlagen neben gewissen aufklärerischen und sozialistischen Akkorden einen Grundton an: den tragischen Untergang der alten jüdischen Genera tfiou, den Pinski stank und mit Wehmut mitemptündet. Und das rein sozialistische Fahrwasser einer platten Aufklärung, wie sie in der Zeit des Entstehens der jüdischen Arbeiterbewegungen beliebt war und vielfach bis heute blieb, batte Pinski bereits verlassen, als er irn Jahre 1899 sein «Ein jüdisches Arbeiterdrama» betiteltes dramatisches Erstlingswerk «Eisik Scheitel» schrieb, welches ihn als dramatischen Dichter bekanatmaebte. Das tragische Grundmotiv in «Efeik Scheltet» ist das Ersticken selbständig schöpferischer Genialität tu der halb kidtsbürgeriiehen, halb proletarischen Niederung rassisch-jüdischen A rbe Her leben s. Will man das Stück dn Tendenzstück nennen, so Ist es ein Stück vergeistigter Tendenz. MH diesem Drama in der Tasche ging David PSnskl nach Amerika, wohin ihn die New Yorker jüdische «Arbeiterzeitung» berief. Dort fand er jüdisches Arbdtorleben m einer freieren Form vor, aber bi keiner besseren. Seine Bemühungen gingen vor allem darauf, die pubKzrfsäisobe Niedrigkeit im New Yorker jüdischen Arbeiterleben zu bessern. Zusammen mit Josef Schloßberg gab er edne sozialistische Wochenschrift, «Der Arbeiter», heraus, dann, wieder zusammen mit Schloßberg, eine gute literarische Zeitschrift «Die jüdische Wochenschrift», die sich jedoch nicht hielt. Bis heute setzt Pinski seine Bemühungen um die Hebung des jüdisch-publizistischen Niveaus fort, mit einigem, wenn auch nicht allzu großem Erfolg. Das Werk David Pinskis, das erzählende sowohl wie das dramatische, hat, wie cs der bekannte Kritiker S. Niger in einer Studie über Pinski formuliert, zwei Seiten: Es ist darin der Romantiker Pinski und der Sozialist Pinski feststellbar. Eine scharfe Scheidung ist allerdings nicht durchzuführen, da der Sozialismus Phiskis immer irgendwie mit jüdischer Romantik durchsetzt ist. Der Pinski jedoch, welcher den Zusammenstoß der alten jüdischen Kultur ein heit mit den neuen Strömungen schildert, oder welcher die Zeiten Davids, Salomos, ja sogar in einem kühn entworfenen dramatischen Werke, betitelt «Mirjam von Magdala», die Zeit des Jesus Christus vor uns erstehen faßt, welcher im ersten Stück einer geplanten Tetralogie «Der ewige Jude» der bisher wie ein Schemen durch Sage und Literatur wandelnden Ahasvergestalt wenigstens starkes theatralisches Leben einzuhauchen imstande war, dieser Pinski, der nationale Romantiker, der in einem seiner Dramen — «Der stumme Messias» — die Messiassehnsucht während der gedrücktesten Zeit des Jüdischen Volkes zu gestalten versucht, allerdings mit wenig Glück gestaltet, dieser PSnski weiß alle diese romantischen Elemente manchmal fast unmcrkiioh, aber doch immer deutlich in die modernste Strömung, in das gegenwärtige Leben mit allen seinen Verzweigungen und Nuancen einzuordnen und folgt damit einer Tendenz, in gutem Sinne dichterischen Tendenz, aus der Kontinuität mit dem Leben der vergangenen Generationen zu gestalten. In Plinskis dramatischem Schaffen, welches der quantitativ und qualitativ größte Teil seines dichterischen Werkes ist, nehmen dfe natäonalromamtischen Werke, w$e der Einakterzyklus «König David und seine Frauen», einen breiten Raum ein. Sie sind, bis auf das kühn hingeworfene Eänleitungsstück zur Tetralogie vom «Ewigen Juden», welches bereits erwähnt wurde und das «Der Fremde» betitelt ist, nicht die gelungensten dramatischen Werke des Dichters, aber vielleicht seine interessantesten. In ihnen sulst eine moderne Vermenschlichung jener ans und unserem Begreifen so fernen Zeit. In der dramatischen Form wett stärker und in der dichterischen Konzeption viel mehr konzentriert sind die dramatischen Werke Pinskis, welche das jüdische soziale Problem zum Grundakkord haben. Nebst dem bekanntestem von ihnen, dem «Eisdk Schetftel», ist die treffliche Komödie «Der Ojzer» an erster Stelle zu nennen. Den spezifischen Verwicklungen des jüdischen sozialen Problems in Amerika wind das eigenartige Stück «Jeder mit sajn Gott» gerecht, ln welchem die Ethik Amerikas in ihren Abspiegelungen auf das alte jüdische Ethos eine bedeutende Rolle spielt; da bricht am stärksten die dichterische Tendenz Pinskis hervor: Es ist nicht, wie oft fälschlich behauptet wird, die sozialistische, sondern die jüdischethische Tendenz von der Bindung des Weltgeschehens, mag es nun an Gott oder an den ethischen GnmdwtfBen des Menschen sein. Die interessanteste Gruppe unter den Werken der Pinskischen Dramatik und Erzählungskunst baden jene Werke, welche das Problem der jüdischen Frau behandeln. Pinski hat es in vielen seiner Geschichten, wie der reizenden Erzählung «Das Erwachen», abgewandeR uud vielen seiner Theaterstücke zum Qnmdmotiv gegeben. Er sieht in der jüdischen Frau ein ganz eigenartiges Element Hot sie Ein Rabbiner als Dramatiker: Emil Bernhard (Pseudonyin für den Berliner Rabbiner Dr. Emil Cohn), der mit seinen Dramen „Die Jagd Gottes“ und „Das reißende Lamm“ in Deutschland großen Erfolg batte und, wie wir hören, demnächst mit einem neuen dramatischen Werbe n» einer Berliner Böhne za Worte kommen not WISSEN / KUNST / LITERATUR

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