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Die Stimme · 1928-08-23 · Heft 34 (23.8.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 34 (23.8.1928)
Date
1928-08-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 DIE STIMME Seite 7 ken sie sich auf die Beaufsichtigung der Arbeit oder die Verwaltung. Viele von ihnen haben überdies von der zweiten Oencration alle Gelegenheiten wahrgenommen, um wieder Kauflcute und Intellektuelle zu werden. Gerade als Gegengewicht gegen diese Tendenz sind die zionistischen Siedlungen gegründet worden: zuerst, in Form der Kwuzoth, die kommunistischen Siedlungen; dann in einer Form, die den individuellen Interessen größere Rechnung trägt, die M o s c h vie O v d i m. Aber das Grundprinzip Ist bei beiden ungefähr das gleiche. Der gemeinschaftliche Bodenbesitz, das Verbot der Gehälter, die genossenschaftliche Arbeitsweise, die von einem gemäßigten Individualismus bis zu einem radikalen Kommunismus geht, sind nichts als Mittel zum Zweck. Dieser Zweck ist die Schaffung von freien Kolonien auf f r c i e in B o d e n, in denen es weder Ausbeuter noch Ausgebeutete, weder Herren noch Angestellte, sondern nur Arbeiter gibt, denen ihr ganzer Arbeitsertrag, von dem sie lediglich im allgemeinen Interesse gewisse Leistungen abgeben müssen, ungeschmälert zufließt. Das kinderreichste Land (Von unserem E. D.-Korrespondenten in Jerusalem.) Viele Leute wird es überraschen, zu hören, daß nach den letzten Statistiken das heilige Land wohl an der Spitze der kinderreichen Staaten der Welt steht Im Jahre 1925 wurden in ihm auf je 10.000 Einwohner 493 Kinder geboren, während selbst in dem kinderreichen Aegypten, das einen viel geringeren Prozentsatz europäischer Bevölkerung hat, in demselben Jahre auf die gleiche Einwohnerzahl nur 428 Neugeburten kamen und in dem ebenfalls kinderreichen Rußland nur 409. Diese Geburtenziffer Palästinas ist fast dreimal so groß wie die Schwedens, in dem nur 175 Kinder auf je 10.000 Einwohner geboren wurden, und mehr als zweieinhalbmal so groß wie die Englands, des Mandatars des Heiligen Landes. Auch wenn man die als typisch kinderreich bekannten Länder Italien und Japan mit ihren 275, bezw. 338 Neugeburten auf je 10.000 Einwohner zum Vergleich heranzieht, bleibt das heilige Land noch immer weit an der Spitze. Diese hohe Ziffer ist nicht etwa ein einmaliges Zufallsprodukt, sondern sie war in dem vorangegangenen Jahr noch höher und im folgenden, 1926, erreichte sie mit 534 Geburten auf je 10.000 Einwohner den GipfeL Erst im Jahre 1927 fiel sie ein wenig, auf 504 pro 10.000. In der Hauptsache sind die Mohammedaner für diesen Rekord verantwortlich, die im letzten Jahre 561 Neugeburten auf je 10.000 Einwohner hatten, hinter denen die Christen mit 389 und die Juden mit 351 pro 1 0.0 00 weit Zurückbleiben. Dieser Vorsprung der Jünger des Propheten liegt nicht etwa daran, daß es ihnen erlaubt ist, mehrere Frauen zu halten. Denn praktisch macht nur ein ganz verschwindend kleiner Bruchteil von ihnen davon Gebrauch. Der „Feilach“, der Pächter oder Kleinbauer, kann sich nämlich aus finanziellen Gründen nicht mehr als eine Ehegattin leisten und der reiche „Effendi“ in den Städten tut es nicht, weil er schon den Wunsch hat, als Europäer zu gelten. Eher erklärt sich dieser große Kindersegen daraus, daß der Araber nach wie vor seinen ganzen Ehrgeiz darein setzt, möglichst viel Söhne zu haben und daß die modernen Mittel gegen das Kinderkriegen außerdem dem Durchschnittsmohammedaner noch unbekannt sind. Aber der größte Teil dieser Geburten wird durch die außerordentlich starke Sterblichkeit ausgeglichen. Im Jahre 1927 machte die Zahl der Todesfälle unter den Mohammedanern mehr als zwei Drittel der Geburten aus, bei den Christen dagegen nur wenig mehr als die Hälfte und bei den Juden nur unbedeutend mehr als ein Drittel. Daher kommt es, daß die Bevölkerungsverraehrung der Juden, obwohl sic von allen Bevölkerungsgruppen des heiligen Landes am wenigsten Kinder bekommen, nach Abzug der Sterbefälle prozentual fast ebenso groß ist wie die der Mohammedaner und größer als die der Christen. Uebrigens ist der jährliche Nettozuwachs der Juden in Palästina wohl größer als in irgend einem europäischen Lande. In. der jüdischen Gemeinde Jaffa-Tel-Aviv werden ebenso viele Kinder geboren, wie in der fünfmal so großen jüdischen Gemeinde in Wien. Die Ursache der großen Geburtenziffer ist der starke Anteil der orientalischen und orthodoxen Juden au der jüdischen Bevölkerung des Landes, die Ursache der geringen Sterblichkeit die mit'ganz geringen Mitteln unter der Leitung des Berliner Kinderarztes Dr. Grüufelder ganz ausgezeichnet organisierte Säuglingsfürsorge der zionistischen Sanitätsorganisation „Hadassah“, von der beinahe alle neugeborenen jüdischen Kinder erfaßt werden, ferner aber auch die andere Einstellung zum Problem der unehelichen Kinder, die allgemein den größten Prozentsatz der Säuglingssterblichkeit verursachen, hier aber, da die Frage der Paternität im Gegensatz zu anderen Ländern keine Schwierigkeiten macht, wesentlich weniger zu Ihr beitragen. Miszellen Lord Mclchett (Sir Alfred A'(>nd) spendete 5 00 Guineen für die Errichtung eines Klubs der ehemaligen jüdischen Legionäre in Palästina. * Die Keren Hu^sod-Einkünfte im Monat Juli d. J. betragen insgesamt 4 0.6 8 6 Pfund. Dazu haben die Vereinigten Staate u mehr als die Hälfte, nämlich 21.000 Pfund, beigetragen. (Im Juni d. J. war aus den Vereinigten Staaten keinerlei Betrag eingegangen, so daß die Gesamtsumme der Eingänge in diesem Monat nur 36.190 Pfand betrogen. (Die Red.) Anf eine Anregung der aus der Ukraine stammenden Juden in Palästina hin, befaßt sich die Leitung des Jüdischen Nationaifonds mit dem Plan der Errichtung eines Waldesin Palästina zum Gedenken an die Tausende Juden, die in dem Unglücksjahr 1919 bei den Pogromen in der Ukraine hingeschlachtet worden sind. Der Wald soll auf Nationalfondsboden errichtet werden. ♦ Die italienische Schiffslinie „Lloyd-Triestino“ wird von Mitte September an einen regulären Schiffsverkehr mit Palästina eröffnen, der durch die beiden Dampfer „Giannicolo“ und „Bucovina“ aufrechterhalten werden wird. Die Dampfer werden alle zwei Wochen die folgende Route absolvieren: Triest, Brindisi, Jaffa, Haifa, Beirut, Alexandria, Beirut, Haifa, Jaffa, Brindisi, Triest. 4 Der sephardische Oberrabbiner von Jerusilem, Jacob M e i r, zugleich Präsident des dortigen Oberrabbinats, wurde wegen seines Briefes an Lord PJumer, in welchem er die Nichtanerkennung der vom Gesetz ge- JÜDISCHE Gemeindevorstand oder V ereinsvorstand? Die „Union deutschösterreichischer Juden', ein Verein von einigen hundert Mitgliedern, gibt in ihrem Mitteilungsblatt bekannt, daß sie unentwegt gegen die „Umwandlung“ der Kultusgemeinde in eine Volksgenieiiide sei. Es gibt in Wien mehr als 200.000 Juden, davoii etwa 45.000 Kultuswähler (wäre das Wahlrecht nicht von der bisherigen Majorität des Kultusvorstandes künstlich beschränkt worden, so müßten es mindestens 100.000 sein) und sie werden sich, wenn sie am 2. Dezember zur Neuwahl des Kultusvorstandes schreiten, selbst darüber ein Urteil bilden, was es für eine Bewandtnis mit der Kultusgemeinde bat, was der Begriff „Volksgemeinde“ bedeutet. Dazu braucht die Kultuswählerschaft nur ihren gesunden jüdischen Verstand, dazu bedarf sie keiner Belehrung durch einen Vereinsvorstand oder durch dessen Pressebeamten. Man müßte, weiß Gott, sehr gering von der politischen Reife der Wiener Jndenschaft denken, wollte man annchmen, daß sie kontrolllos die mehr als fragwürdigen Anschauungen eines Vereines akzeptiert, der — hoch genommen — ein Viertel Prozent der Juden Wiens an sich zu ziehen vermochte. flh«KS f&eeefi fiam «Sasa* Väasclacd? der kleinste Badeapparat der Welt! Patente in allen Kaltoretaaten. Ermöglicht rasches Badeu Im Sommer und Winter, zu Hause, auf Ausflügen nsw. (Gewicht zirka 250?). Für Huilkuron und B&der rorzüglich t Unentbehrlich für jedermann t Ersetzt vollkommen oin Badezimmer! Eino Wohltat for jede Familie 1 Im Sommer Erfrischung, Im Winter Reinheit und Gesundung des Körpere. Preis S TI®*— versendet Alleinersenger „D!M \ Wien, H., Ob. Donausfr. 11 Die „Union deutschösterreichischer Juden" (schon der Name des Vereines ist eine Irreführung, da es keine deutschösterreichischen Juden gibt, sondern nur österreichische Juden) will den Begriff „Volksgemeinde“ als eine Art Wauwau hinstellen, den schwarzen Mann, mit dem man Kinder schreckt. Eine höchst naive Methode, vielleicht bei Kindern wirksam, nicht aber bei reifen Menschen Die Kultusgcmeinde, die das österreichische Gesetz geschaffen hat, braucht nämlich nicht in eine Volksgemeinde „umgewandelt“ zu werden und die bösen Zionisten wollen keine „Umwandlung“ der Kultusgemeinde „entgegen ihrer Bestimmung“ („gegen das Gesetz“ zu sagen, hüten sich die Herren, weil dann die bewußte Irreführung der Wählerschaft zu schnell aufkäme); die Kultusgemeinde ist nämlich ihrem Statut naoh Volksgemeinde und was die Zionisten wollen, ist, daß sie die ihr zustehenden Rechte voll und ganz ausübe, damit sie eine wirkliche organische Zusammenfassung der Judenschaft werde, wie es das Gesetz vorsieht, nicht ein lebloses Formgebilde, an dem die große Masse der Juden kein Interesse bat. Die Kultusgemeinden, wie sie das österreichische Gesetz vorsieht, sind autonome Körperschaften, welche die gesamte Judenheit der betreffenden Orte zusammenfassen; ihre Autonomie erstreckt sich nach dem Gesetz sowohl auf die Kultusangelegenheiten, als auch auf alle jene Verrichtungen und Obliegenheiten, welche die in ihnen zusammengefaßte Judenschaft als solche betreffen. Deshalb ist auch das Prinzip der Einheitlichkeit im Gesetz^ vorgesehen, das in jedem Orte nur eine Kultusgemeinde, also eine einheitliche Zusammenfassung der gesamten Judenschaft kennt. Gegen alle diese Grundsätze verstößt die Art, wie die bisherige Majorität des Wiener Kultusvorstandes die Kultusgemeinde verwaltet, und was die Zionisten wollen, ist: Beseitigung dieser falschen Auslegungen des Kultusgemeindegesetzes. Die Wiener Kultusgemeinderaajorität begünstigt Trennungsbestrebungen in der Wiener jüdischen Gemeinde, und dies kommt in der Verwaltung — sehr zu materiellem und moralischem Schaden der Gemeinde — deutlich zum Ausdruck; wir wollen straffe Zentralisation und Festigung der Einheitsform der Gemeinde. Die vom Gesetz festgeiegte Form der Gemeinde als Organ der gesamten Judenheit des Ortes bedingt die Heranziehung aller Juden zu den Oomeindcametegen- Herren- und Hamen-Kleider nach naH Belebe Zahlen? n»eh Ueberetakemmen. lohann I.«aclmi«a Wien, TI., Marlahllfergtraße 107, Tel. B 27.2-88 schaffenen palästinensischen Gemeindcorganisatiou dem Oberkommissär in seinem Namen sowie im Namen der agudfstischen Spaltungsorganisationen zur Kenntnis brachte, vom Waad Leumi (jüdischen Nationalrat) seines Amtes verlustig erklärt. * Vertreter der Zionistischen Organisation, des Waad Leumi und der hebräischen Lehrerscnaft sprachen beim Leiter des Erziehungsdepartements der Palästina-Regierung vor und gaben ihrer Forderung hach einer Umgestaltung der Erziehungsverordnung im Sinne einer Autonomie des jüdischen Schulwesens Ausdruck. Moslcm i 11 s c li e und christliche Organisationen überreichten Memoranden mit Autonomie -Forderungen für ihre Schulen. heiten, also ein richtig organisiertes Steuersystem, weitgehendes Wahlrecht für alle Schichten der jüdischen Bevölkerung, Führung der Gemeindeverwaltung im Sinne der gesamten Judenschaft; die bisherige Majorität der Wiener Kultusgemeinde hat fast zwei Drittel der mündigen jüdischen Bevölkerung Wiens ihres Wahlrechtes unter nichtigen Vorwänden beraubt, hat das Steuersystem auf Begünstigung der Reichen zugeschnitten, läßt in ihrer Verwaltung die Wünsche großer Teile der Wiener Judenschaft nach jüdischen Erziehungsmöglichkeiten für die Kinder unberücksichtigt, macht von den ihr gesetzlich zustehenden Rechten auf selbständige Führung einer produktiven, sozialen Fürsorge keinen Gebrauch, läßt jede Möglichkeit, der spezifisch jüdischen Not in Wien zu steuern, absichtlich außer Acht, tut nichts, um der Flucht aus dem Judentum zu begegnen. AU’ das sind Aufgaben einer gemeindlichen Organisationsform und eine solche ist nach dem Gesetz die Kultusgemeinde. Diese Aufgaben wünschen die Zionisten erfüllt, dadurch wird die jüdische Gemeinde zur Volksgemeinde, d. h. zur wirklichen organischen Zusammenfassung der gesamten Judenschaft, wie sie das Kultusgemeindengesetz vorgesehen hat. Die Kultusgemeinde i s t eben Volksgemeinde, die Wiener Juden wissen es nur nicht, weil es die Majorität des Kultusvorstandes nicht wahrhaben wiil. Nun müssen sich die Wiener Juden fragen, warum eigentlich die Herren von der Vorstandsmajorität diese gröbliche Vernachlässigung der ihnen vom Gesetz auf-, erlegten Pflicht betreiben, und warum sic das Kultusgemeindegesetz falsch interpretieren. Die Antwort lautet: ein paar schlecht assimilierte Israeliten wollen mit aller Gewalt verhindern, daß man die österreichischen Juden als das nehme, was sie sind, als eine Bevölkerungsschichte besonderer Eigenart, spezifischer Lebensform, eigener Bedürfnisse. Die ganze Welt weiß das bereits, nur die Wiener Juden dürfen es nicht wissen; denn sonst sehen die paar „deutschösterreichischen“ Juden (die übrigen 200.000 sind eben einfach Juden ohne epitheton ornans a non ornando) ihr Deutschtum gefährdet und —- ihren Kultusvorstehersitz. Aus diesem Grunde wird versucht, der jüdischen Bevölkerung Wiens vorzumachen, der Begriff „Volksgemeinde“ sei ungesetzlich, umstürzlerisch, gefährlich oder gar — antisemitisch. Aus diesem Grunde hat vor mehreren Wochen die „Union deutschösterreichischer Juden“ in einer öffentlichen Vereinsversammlung das Schlagwort vom „Unding einer Volksgemeinde“ auf ebenso schwache Füße gestellt, wie den in derselben Versammlung geleisteten Rütlischwur, aus dem „Schandvertrag von St. Germam“, der den nationalen und religiösen Minderheiten im Staate staatliche und gemeindliche Subventionen für ihre religiösen und kulturellen Bedürfnisse zuspricht, keine Rechte in Anspruch zu nehmen. Die Not hat mit dem Schwindel vom „Schandvertrag“ wenige Tage nach der erwähnten Vereinsversammlung aufgeräumt, und die Majorität des Kultusvorstandes hat den Weg beschritten, den die Zionisten jahrelang als einzig gangbaren bezeichneten. D i e Not der Wiener jüdischen Gemeinde wird auch mit dem neuen Schlagwort vom „Unding der Volksgemeinde“ aufräumen, auch diesmal gegen den Willen der diversen Vereinsvorstände. Denn die Not der Wiener jüdischen Gemeinde Ist groß. Das Defizit wächst, das finanzielle Fundament wankt. Palliativmaßnahmen genügen nicht mehr, der Bau muß gründlich renoviert werden. Im Jahre 1924, als es galt, zunächst die Schrecken von Krieg und Nachkrieg, von denen auch die Wiener jüdische Gemeinde schwer heimgesuebt. worden war, endgültig zu überwinden, die finanzielle Stabilisierung in die Wege zu leiten, den Bestand der Gemeinde zu erhalten, damals haben die Zionisten, die vier Jahre vorher 13 Mann stark in den Vorstand eingezogen waren, zur Sicherung des Bestandes der Wiener jüdischen Gemeinde ihre Bereitwilligkeit erklärt, werkstätte für /ersel und Tische] Salongarnltiiren wnd IliiiilmöbdlilOclM APLKB, VII., APOU.OG. 18

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