Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1928)
- Date
- 1928-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. $4 DIE STIMME zionistische Landesorganisation Oesterreichs saadie Doktor Hainisch ein Glückwunschschreiben, in dem es n. a. beffit: „Die Juden Oesterreichs, <fie oft Gelegenheit hatten, die unentwegte Gerechtigkeit und die Herzensgüte Ew. Exzellenz kennen zu lernen, wissen sich zu besonderem Dank verpflichtet.“ Vereinsnachrichten Das Protokoll des XV. Zionistenkongresses ist An Sekretariat des Zionistischen Landeskomitees bereits erhältlich. Preis: Gebunden in Halbleinen S 10.70, gebunden in Ganzleinen S 17.40. Die zionistische Franengnippe Leopoldstadt eröffnet ihre hebräischen Knrse für Knaben und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren im Vereinslokale, IL, Zirkusgasse 33, Montag, den 3. September, um 3 Uhr nachmittags. Einschreibungen täglich (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag) von 3 Ms 4 Uhr nachmittags/ Brith Hanoar Hamisrach! (Wien, IL, Praterstrafie 43). Sämtliche Kurse, und zwar Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene, Gemara, Tenach, Mischnaloth und jüdische Geschichte, nehmen am L September Ihren Anfang. Anmeldungen für sämtliche Kurse täglich von 8 bis 10 Uhr abends. Wehe des ludet»! Die Juden der agflsewfltecK verseuchten Länder batten auch bisher keinen Grund, sich über aftza entgegenkommende Behandlung bei Gericht zu beklagen, wenn es sich um die Verfolgung eines Antisemiten oder antisemitischer Banden bandelte, aber immerhin konnten die .luden, wenn die Parteilichkeit des Richters klar zutage lag, sich auf ein Gesetz berufen, und ihr Recht bei höheren Instanzen suchen. Die rumänischen Antisemiten sind gewitzter als ihre.Gesinnungsgenossen in anderen Ländern; sie sind vorbeugend und schaffen sich im Gesetz selbst die Handhabe für legale Ungleichheit der Bürger- Um für alle Zukunft den Pogromantisemiten einen Freibrief für ihre Ausschreitungen gegen die Juden im Gesetze zu sichern, hat die Pariaitnentsfcomtnission für die Schaffung des neuen Strafgesetzbuches beschlossen, in dem Gesetzartikel über die strafbaren Manifestationen die folgende Ergänzung einzaschaiten: „Ereignet sich anläßlich eines Zusammenstoßes ein Mord oder eine andere strafbare Handlung, ohne daß die Schuldigen festzustellen *n\ren, so werden alle an dem Zn^amme-fls-toS Beteiligte« bestraft.“ Der Bukarester „Cnrierul Israelit“ hegieftet diese Meldung mit dem Ausruf „Webe den Juden!“ Diese Textierung bedeutet unter anderem, daß bei antisemitischen Ausschreitungen, nach denen die Identität der Täter gewöhnlich nicht festgestellt werden kann, die blutig geschlagenen Juden und die Opfer derP ogrom’e bestraft werden müssen. Diese neue Bestimmung bedeutet: Wehe den Juden in allen Fällen! Und doppelt wehe, wed sie nicht nur eingescblagene Köpfe davontragen werden, sondern auch noch bestraft werden, wenn sie nicht In der Lage sein werden, unzweifelhaft nachzuweisen, von wem sie die Schläge bekommen haben. mttHAHKUM „ZM SCHARM«“ ALBERT HARDT WIEN l„ FREISINGERGASSE 1 (Mw BaMmwarirt) Original englische Damenmäntel- und Herrenmodestoffe werden konnte, daß z. & Ja der Aeea des Ford-Aatteesnltismus fast alle antisemitische« Zentren ha Europa (fie Mittel für ihre unsauberen Geschäfte aus der nahezu unversiegbaren Geldquelle des Henri Ford erhielten. Seitdem der amerikanische Autokönig aus geschäftlichen Rücksichten den Antisemitismus widerrief, müssen <tic antisemitischen Führer in den einzelnen Ländern in Europa sich nach anderen Geldquellen umschauen, und die große Öffentlichkeit erfährt seither weniger davon, woher diese Mittel zur Erhaltung des Antisemitismus ffießeo. in Rumänien ist dieses Geheimnis in den letzten Tagen Mötzlich gelüftet worden, im antisemitischen Organ „Cnrentnl“ veröffentlicht die „Union christlicher Studenten“ ein Communiqad, in weichem befcanotgegeben wind, daß ein Fräulein Catanal Petr esc« nicht mehr berechtigt sei, für sie Gelder einzubeben, weil der mit ihr bestandene Vertrag gelöst ist. Darauf werden auch die militärischen Einheiten mit der Bitte aufmerksam gemacht, an die Adresse der, genannten Dame keine Gelder mehr zu senden, in Rumänien also liefern die mSfiär rächen Einheiten aus den Groschen der Mannschaft d&e Mittel <tazxl, damit die „Union christlicher Studenten“ die Sddagerbande der antisemitischen Führer bei allen Ausschreitungen gegen die Juden, anstatt zu studieren, sich für Judenpogrome trainieren und. aashlldep. Die nülitäriscbeu Einheiten, die ja angeblich nicht nur für den Grenzschutz, sondern auch für die Aafrechierbaltung der Ordnung bei größeren Ausschreitungen da ße&dgehör derjenigen, gegen die sie kn Bedarfsfälle zaan Schätze der angegriffenen Juden einzuschreiten hätten. Verschärft wird dieser traurige Zustand noch durch die. Tatsache, daß die militärischen Einheiten eine Organisation unterstützen, die, wie bekannt, von der Regierung in atter Form aufgelöst wurde. Die jüdischen Blätter in Rumänien befassen sich in ernstester Weise mit dieser Erscheinung und erwarten vom Ministerrat baldigste Aufklärung und Remedor. Wie sich ein kathofischer Priester von seiner Matura* Masse verabschiedet Die Piaristen in Ungarn genossen früher den Ruf menschenfreundttcber Lehrer. Viele Juden haben im Piaristengymnasium maturiert und schöne Erinnerungen aus dieser Lehrzeit in das Leben mitgenommen. Jetzt ist es anders geworden. Die Professoren der Piaristengymnasien sind der Vorspann für alle extremen antisemitischen Bewegungen geworden, und der Piaristenorden gikt beute alsdie Hochburg des Judenhasses. Taufe oder Pogrom scheint jetzt die Parole in den Ptaristenkonvikten zu sein. Auch in Szegedin gibt es eki altes Präristeagymnastam. Dort wird jetzt mehr Antisemitismus als Wissen verzapft. Als der Ordinarius der 8. Klasse sich nach durchgeführter Matura von seinen Schülern, die er Jahre hindurch bis zur Reifeprüfung geleitet hatte, verabschiedete, hielt er an (fie achzehnjährigen Jungen, unter denen steh auch fünf Juden befanden, eine Rede, in welcher der Lehrer im Priestergewande den Jungen einige Lehren auf den Weg In das ungewisse Leben mit seinen rieten Wechselfallen gab. Und diese Rede klang in die Sätze aas: „Seid anf eurer Hot, Jungen; denn, kaum daß ihr die Schalbank verlasset, grinst und lauert anf euch schon der J n che des Lebens und drängt sich euch mit seinen Lockungen zur Sünde auf Das ist die letzte Lehre, die letzte These, welche die ohnehin nervös gemachte chauvinistische ungarische Jugend aus der Schule mitnimmt. 90 Prozent afl dessen, was ihnen in den acht Jahren des Gymnasiums ein-, getrichtert worden ist, haben sie schon bei der ersten Kneipe vergessen. Aber dieser letzte Lehrstoff ihres priesterficben Professors bleibt ihr Leitmotiv für das ganze Leben. Es ist der letzte Tropfen Gift, das diese Verführer der Nachkriegsjugend in tfie jugendlichen Seelen träufeln and bis an das Lebensende ihrer Schüler fortwirken lassen. fdkufk Dom Wien, BL,!Ta6or$tva^c Jtr. So Jffodeme fcfiuAe oms fteafem JKaferiaf ä^düe^ensl aus$efiifnt Jfttax seriöse tTrelse i=>?MüpR Er bat sich endlich fierbeigelassen Es kostet gewöhnlich einen ungeheuren 'Aufwand von Geld, Zeit und Mühe, einen Antisemiten, der einen Juden Ih frechster Weise öffentlich beleidigt, vor Gericht zu bringen. Der Antisemit* besonders einer in führender Stellung, weiß das Gericht Monate, ja Jahre hindurch an der Nase herumzufübren und den Vorladungen keine Folge zn leisten, obgleich er stadtbekannt ist. Der deutschnatkmalo Reichstagsabgeordnete Dr. Everling bat bl solcher Vernlkung des Strafgerichtes sicherlich de« Rekord geschlagen, indem es ihm viereinhalb Jahr’e lang gelungen war, sich unter Berufung auf seine Immunität und sonstige persönliche Vorteile dem Beleidigungsprozeß zu entziehen, den der jüdische Rechtsanwalt Dr, G oldst an b wegen gröblicher antisemitischer Beleidigung gegen ihn angestrengt hatte. Nun hat er sich doch , herbeigelassen und die Verhandlung konnte vor. kurzem in Rostock abgehalten werden. Es hat sich dabei wieder herausgestetlt, daß sich der ganze Kraftaufwand zur Stelhmgmachung des Dr. Everling gar nicht gelohnt hat; denn er machte sich erst recht über das Judentum und das Gericht lustig, indem er eine lange antisemitische Rede hielt, um, vom Vorsitzenden „zur Sache“ gerufen, schließlich zu erklären, daß in dom Vorwurf „jüdischer Abstammung“ keine Beleidigung erblickt werden könne, da es sich hier vielmehr um eine rasseopsychologisc’he Feststellung gehandelt habe. Obgleich mehrere Zeugen der Szene erklärtem daß Form und Inhalt der inkriminierten Aeußerung des Geklagten den Eindruck erwecken mußten, daß er die Herabsetzung des Privatklägers beabsichtigt habe, konnte steh der Staatsanwalt in seinem Plädoyer doch zu keinem Strafantrag durchringen. Er teilte die Ansicht des Beklagten und erklärte, keine Beleidigung oder Ebrenkränkang zu erblicken. Nach der bekannten Theorie „wasch* mir den Pelz und mach' mich nicht näß“ beantragte der Staatsanwalt bloß, Everling die durch unentschuldigtes Versäumen einiger Termine entstandenen Kosten aufzuerlegen; der Staatsanwalt hat Recht behalten. <. Welche Geldquefleo haben die Antisemiten? Es s.lnd nicht überall die gleichen Geldquellen, aus denen die antisemitischen Verbände gespeist werden, wenn- «rälpb kn Laute der loteten Jahre wiederholt nacheowteaan Der alte und der neue fffgh- Commissioner Aus U v> n <i o a wird uns berichtet Dfer CSJörkommissär von Palästina, FektroarschaJl Lord Planier, ist in London eingetroffen. (Formell rät Lord Plutner immer noch Oberkommissär, da seine Auatezeit bis Ende Oktober dauert. Die Red.) «Times» veröffentlichen aas Anlaß der Röddcete* von Lord Plumer einen Leitartikel, in welchem es a. a. heißt: «Wir sind Lord Plumer zu hohem Dank verpflichtet. Er hat es verstanden, cfie Verfassung Palästinas als Verständi gungsbasis zwischen den beiden Rassen, die kn Lande wohnen, zu benützen. Sekte Anstrengungen, dem heftigen Lande den Frieden zn bewahren, waren von Erfolg gekrönt und es gelang ihm in seiner Amtszeit, die feindselige Haltung der Araber gegenüber dem Mandat in eine freundschaftliche Mitwirkung za verwandeln. Durch seine taktvollen Bemühungen war es möglich, Juden and Araber zts versöhnen.» Dean Artikel folgt eine Würdigung des netten Oberkommissärs Lord Robert Chancellor. «Man kann erwarten» — schreiben «Times» — «daß es dem neuen Oberkomnrissär gelingen wird, die Arbeit Lord Plumers in seinem Geiste fortzusetzen. Er hat alle Eigenschaften, die nötig sind, um den Ausgleich zwischen Juden und Arabern zu fördern und es darf mit Recht gehofft wenden, daß der Friede in diesem Telle der Welt nicht gestört wird.» Die arabische Exekutive über ein pariamentarisches Regime in Palästina Aus Jerusalem, wird uns berichtet: Die neue arabische Exekutive zeigt in der letzten Zeit eine bemerkenswerte Aktivität Sie hat ehe Gelegenheit des Abschieds von Lord Plumer dazu benützt, dem Oberkommissär ein ausführliches Memorandum zu überreichen, und dazu durch ihren Sekretär eine ausführliche Erklärung abgegeben, m der cs u. a. heißt, Palästina sei für ein parlamentarisches Regime nicht weniger geeignet, als seine Nachbarländer. Was die internationalen Verpflichtungen von England angelte, so sei nicht zu befürdStea, daß dfb Euteressen 'der Juden durch' rin parlamentarisches Regime betroffen würden. Die Araber wollen ln Frieden mit den Juden lebe«, wenn die Jaden in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht di»e Grenze der Araber nicht überschreiten. Die Methode, den Jaden ein besonderes Vorrecht vor den anderen Landeseinwohnem zu geben, werde vor allem die Jaden selbst in eine schwierige Lage bringen. Das jüdische Volk habe einen Irrtem begangen, als es in ein so kleines and armes Land wie Palästina in Massen einwanderte. Das habe auch za der schweren Wirtschaftskrise der jüdischen Bevölkerung und zu der wirtschaftlichen Notlage des ganzen Landes geführt, wie es Colone! Symes in Genf dargelegt habe. Das Memorandum der Exekutive selbst enthält unter Bezugnahme anf die Regierungsverhältnisse in den Nachbarländern und (fie Versprechungen der Entente während des Krieges die Forderung auf Erfüllung des Versprechens, eine gewählte Regierung i-n Palästina einzusetzen. Die Schatzkammern des Königs Salomo entdeckt? Es besteht (fie hohe WafamcheinlicWkeit, daß demnächst an Aitertmnsfond von größter Bedeutung an den Tag gefördert werden wird, der nicht nur wissenschaftlichen, sondern! auch beträchtlichen materiellen Wert darstedien kann. Es handelt sich um nichts anderes, wie um die Schatzkammern des Königs Salomo, die sich etwa zehn Kilometer von Jerusalem entfernt bei den Ruinen von Mizpah befinden. Der Leipziger Archäologe Professor Akt hat auf (fie Bedeutung (fieser Ruinen tofcigewiesen und nunmehr sind von einer amerikanischen Forschungsexpeditioa* die unter der Leitung des Professors W. F. Bades von der. Universität California steht, wichtige Anhaltspunkte dafür ©efunden worden, daß die Theorie Professor ARs richtig ist. Die Grabungen der amertkamsi hen Expedition in Mizpefc haben eine Mauer von großem Umfang zutage gefördert, ERFOLGREICH p werden Neuralgie, Gicht, Rheuma, Ischias, Verdaaogestörungen behandelt im Therapeutischen inatitat, Wie«, II., Avaatetlanfaatr. 65/4 Auskünfte kostenlos;