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Die Stimme · 1928-08-23 · Heft 34 (23.8.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 34 (23.8.1928)
Date
1928-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 OTC STIMME Nf. 94 Genera’s Gri cro-rieff unzählige jüdische Bürger ermordet, Frauen .-vhänd'et und erschlagen, Bethäuser ausgeplündert und angv^'-indet und andere ähnliche «Heldentaten» vollbracht haben. Dieses «edle Paar» wurde vom Sowjetgericht angeklagt und kein Anwalt der Stadt und des ganzen Kreises wollte sich dazu lverge-ben, für diese Wutdurstigen Bestien in die Schranken zu treten. Dies blieb dem jüdischen Anwalt Abraham Feldstein Vorbehalten. Das große Gerichtsgebäude war von Tausenden belagert und etwa 700 Personen, zumeist Juden, drängten sich in dem VerhamUungssaale zusammen, um dem mit Spannung erwarteten Prozeß zu foigen. Zahlreich Zeugen, die die Verbrechen der Angeklagten nach ihrer eigenen Wahrnehmung schilderten, bestätigten und ergänzten die Anklage mit furchtbaren Einzelheiten, worauf der Staatsanwalt die Verurteilung der Massenmörder forderte. Die Rede des Staatsanwaltes machte tiefen Eindruck und es schien einfach ein zynisches Unterfangen, die Mordtaten dieser entmenschten Rohlinge noch entschuldigen zu wollen. Aber dieses Kunststück leistete sich der Anwalt Feldstein. Er hielt eine historisch, psychologisch und sozialkritisch belegte Advokatenrede, appellierte an den Gerichtshof, sich von der Stimmungf des Auditoriums nicht verleiten zu lassen, zumal «jüdische Tränen nichts anderes als der Ausdruck des nationalen Chauvinismus sind und forderte für beide Angeklagten den Freispruch. Das Gericht scherte, sich allerdings nicht viel um die schmierige Dialektik des Pogrormstenverteidigers und verurteilte die zwei Bösewichte zum Tod durch Erschießen. Der «Ruhm» des Feldstein ließ seinen Kollegen Brotteki nicht ruhen und er ließ cs sich nicht nehmen, in einem Prozeß zu agieren, in dem zwei Studenten der Charkower Universität, Liaschenko und M i k u s c h e, wegen antisemitischer Beleidigungen und Exzesse gegen ihren jüdischen Kollegen Schub in vor Gericht standen. Herr Brodski nahm die antisemitischen Akademiker, die «Verwirklicher des russischen Sozialismus», unter seine Fittiche und suchte das Gericht zu überzeugen, daß die feinen Revolutionssöhnchen mit dem jüdischen Kollegen nur ihren lieben «Spaß» haben wollten und daß sie im übrigen Opfer gehässiger «jüdischer Intrigen und Hetzereien» geworden seien. Diese adivokatorischen Faseleien waren dem Gericht scheinbar doch zu dumm und die angeklagten antisemitischen Studenten wurden, trotzdem aufgebotenen «Scharfsinn» des jüdischen Verteidigers, zu zehn Monaten Festungshaft verurteilt. jüdische Pioniere in den Dschungeln In der amerikanischen Monatsschrift «Menorah» beschreibt John W. Vändercook seine Reise zu den Btfscfanegern in Holländiseh-Guianä (Südamerika) und schildert, - wie er auf -die Ueberreste einer einst großen und reichen jüdischen Siedlung in den Dschungeln gestoßen1 ist. Diese Siedlung, die noch heute unter der dortigen Bevölkerung unter dem Namen Yaddo Savannah •— Savenne der Juden — bekannt ist, wurde im 17. Jahrhundert von spanischen und portugiesischen Flüchtlingen gegründet, die von Holland aus als Kolonisten nach Südamerika kamen. Hier drangen sie bis nach Paramaribo an der nördlichen Küste von Südamerikavor und gründeten dort im Jahre 1644 ihre erste Siedlung. Paramaribo würde .kaum ein JabT später von seinen englischen Bewohnern, den eigentlichen Begründern, verlassen, die sich für den amerikanischen Bürgerkrieg anwerben ließen. So blieben die Juden allein in Paramaribo. Sie kultivierten den Boden, pflanzten, säten und ernteten, bauten Häuser auf und errichteten herrliche Gotteshäuser. Fünf Jahre lang waren diese Juden sich selbst überlassen und ausschließlich auf ihre eigene Energie und Findigkeff angewiesen. Nach fünf Jahren schwerer Arbeit, im Jahre 1650, erschien, ermuntert von den Erfolgen der portugiesischen Juden, Lord W i 11 o u g h b y of Parham, ausgerüstet mit entsprechender Mannschaft und ..erforderlichem Material aus England, und machte sich daran, eine neue englische Kolonie zu gründen. Dreizehn Jahre später, im Jahre 1163, erhielten Willoughby und «ein Kompagnon Lawrence Hyde, ein Sohn des Lord Clarendon, von Karl II. einen Charter, durch welchen die Kolonie als englischer Besitz deklariert wurde. Der Charter entbleit auch die Bestimmung, daß die in Surinam — dem heutigen Willoughbyland — wohnenden Juden oder Juden, die später sich in diesem Lande niederlassen sollten, unter britischer Herrschaft die gleichen Re elfte und Sicherheiten genießen, wie E,ng 1 änd e r. Ferner wurde den Juden das Privilegium eingeräumt, eigene Z i v i 1 g e r i c li t s h ö f e zu errichten. Die Verfassung sicherte ihnen auch das Recht zu, beweglichen und unbeweglichen Besitz letztwillig zu vermachen, Ehen efnzugehen, Gottesdienste einzurichten, und ihre internen Angelegenheiten im Sinne ihrer eigenen Gesetze zu führen. Als dann die Kolonie an Holland fiel, be- MpHen die Juden die ihnen ursprünglich von den Engländern zugesicherten Privilegien auch unter holländischer Herrschaft. Streng orth. Gefiügelhandlung unter Aufsicht der Adas Jsroel Zu jeder Tageszeit frisch gebratenes 6a»sl Ungarisches Mast gef lüget von bester Qualität Emanuel Schlesinger II., Große Schiffgaeee 5 Tel. R 40-5-90 In der Zeit zwischen 1664 und 1680 haben die Juden Paramaribo verlassen. Was sie dazu bewogen hat, Ist heute nicht mehr festzustellen. Sie siedelten sich auf einer weiter nördlich gelegenen Stelle der Irtsel Savannah an. Diese Insel gehörte Samuel Nassy, einem der ersten brasilianisch-jüdischen Pioniere jener Gegend, der auch zu den Begütertsten von ganz Guiana gehörte. Dieser Samuel Nassy schien offenbar schon damals von einem Judenstaat( zu träumen, denn er stellte sich an die Spitze seiner jüdischen Brüder und führte sie selbst von Paramaribo stromaufwärts auf seine Insel, die von jener Zeit an den Namen: Yaddo Savannah, Savanne der Juden, erhielt. Und wieder: begann hier der Kampf gegen den Dschungel. Die schwere, oft blutige Arbeit war voh Erfolg begleitet. Yaddo Savannah wurde ein blühendes Kulturland. Nach fünf Jahren errichteten die Juden den «Kahal Kadosch Berachah wcschallotn*, die heilige Gemeinde des Segens und Friedens, und gleichzeitig die erste Synagoge auf amerikanischem Boden. Am 8. Cheschwan 5566, das ist am 1Z. Oktober 1685, wurde diese Synagoge, mitten in einem großen Park gelegen, von dem aus London bc-rufenen Rabbi David Pardo eingeweiht. In der Mitte des 18. Jahrhunderts war diese jüdische Gemeinde in Savannah auf 10.000 Seelen angewachsen. Savannah wurde ein wichtiges Handelszentrum. Die erfolgreiche Pionierarbeit der'Juden hat auch andere Siedlungen zur Folge gehabt. Das Eindringen der Weißen machte schließlich die Buschleute rebetlisch. Die Juden organisierten eine Schutzmiliz unter dem Kommando der Nassy und Pardo. Yaddo Sarvannah wurde regelrecht befestigt, aber schließlich maßten die Juden trotz ihrer Tapferkeit und' Heldenmutes auf Befehl der holländischen Regierung den Kartipf einstel'Ien. Krankheiten dezimierten die Bevölkerung. Zwischendurch blühte wieder Paramaribo auf und die luden zogen wieder zurück. Heute finden sich noch in Paramaribo und anderen Punkten Guyanas Nachkommen jener ersten jüdischen Pioniere. Sie haben sich wohi zum größten Teil mit der eingeborenen Bevölkerung vermischt. Ihre dunkle Hautfarbe beweist es, und obgleich sie auch sonst vieles von ihrer jüdischen Eigenart eingebüßt haben, erzählen sie gerne'dem Reisenden von den Ruhmestaten ihrer Vorfahren und bekennen sich stolz zum Judentum. I Herrliche Garten-Tennisplätze unter schattigen Bäumen mitten im Grünen 86er und 37er Linie in nächster Nähe sstuiKien samt Trainer pro Person S 15*—! Während der Monate Juli und August noch; einige ermäßigte EKitzelstuvtdeit zu vergeben! Erstklassige Trainer | XIX., Kahlenbergerstraße 46 Tel. A12-6-35 Kleine Nachrichten In der Sitzung des Aufsichtsrates der Berliner Volksbank „IVRIA“ e. Gmb. HL, die dieser Tage stattfand, wurde die Bilanz per 30. luni 1928 vorgelegt. Darnach beträgt die Zahl der Genossenschafter 230, davon sind 150 bereits Kunden der Volksbank. Die Einzahlungen auf die gezeichneten Anteile übersteigen jetzt bereits den Betrag von 80-000 Mark. Bisher wurden zirka 200.000 Mark Wechsel diskontiert. •* Jn New York verstarb der bekannte jüdische Philantrop Nathan Lamport, Präsident des Kuratoriums des den Namen Rabbi Jizchak Elchanans tragenden Rabbinerseminars. Nathan Lamport stiftete größere Summen für jüdische religiöse und Wohlfahrtszwecke und war überaus aktiv in der Arbeit für den Palästinaaufbau. Seine beiden Söhne, Samuel Charles Lamport und A. Matthes Lamport, sind im jüdischen sozialen Leben und jm Palästinawerk hervorragend tätig. * In Wien ist 7ljährig der weltberühmte Astronom Professor Samuel Oppenheim, Ordinarius für mathematische Astronomie an der Wiener Universität, gestorben. ♦ In dem westmährischen Städtchen O 1 i s c h a n vernichtete eine Feuersbrunst die dortige 80 0 Jahre alte Sy n a g o g e, einen Holzbau, der das älteste jüdische Baudenkmal in Mähren darstcllte. Olischan besitzt einen vor mehr als 1000 Jahren angelegten jüdischen Friedhof. Die jüdische Gemeinde dieses Ortes, die noch vor 100 Jahren die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachte, hat sich schon vor Jahrzehnten aufgelöst. (Die Red.) * In Triest fand soeben der zweite ordentliche Kongreß des italienischen, jüdischen Emigranten- H i 1 f s k o m i t e e s unter dem Vorsitz von Advokat Angelo S u 11 a in statt. Die Konferenz beschäftigte sich nach einem Referat ihres Generalsekretärs Fano mit der zukünftigen Arbeit im Interesse der jüdischen Auswanderer nach U e b e r s e e, die italienische Häfen berühren. ♦ Der in New York verstorbene Ahron Nomber« hat sein Vermögen, das aus 3 M i 11 1 o u e »i Dollar bestand, vleleh christlichen und Jüdischen Wohltätigkeits-Instituten vermacht. Davon gehen sofort 7 5 0.000 Dollar an jüdische Anstalten, 600.000,Dollar an christliche Organisationen; der Rest wird erst nach dem Tode der Frau des Erblassers verteilt. ♦ Dem Präsidenten der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, wurde das englische Bürgerrecht verliehen. f ♦ Der Oberrabbiner der Judensch^ft des arabischen Staates Yemen, Rabbi Yichye H a 1 e v i, richtete einen Appell an die Juden Palästinas, unter denen sich viele Ycrflcniten. befinden, den Juden von Yemen, die schwere materielle N o t zu leiden haben, zu Hilfe zu kommen. In dem Appell heißt es, daß Yemen durch Dürre, Heuschrcckenschwärmc, Epidemien und die Nachwirkungen des Krieges, die der Imam des südarabischen Staates Yemen mit seinen Nachbarn geführt hat, wirtschaftlich zugrundegerichtet, ist und daß besonders die Judenschaft der Hungersnot p r e i s g e g e b e n ist ♦ Die in Bratislava erscheinende „Jüdische Volkszeitung“ feiert im September 1928 das Fest des zehnjährigen Bestandes. Die Redaktion der Zeitung, die der jüdisch-nationalen Bewegung dient, bereitet aus diesem Anlaß eine Festnummer vor. ♦ Auf dem in Paris tagenden Kongreß dps Wo 11verbandes der Studentenschaft (bei dem, da | die Delegationen nach Ländern zusammengesetzt sind,; die jüdischen S t u d e n t e n als 'solche k e i ri e V e rt r etung' haben) brachte die englische Delegation den Antrag ein, die Vertreter der Sf u m ä n i s c h e' n‘ Studentenschaft infolge ihrer feindlichen Haltung gegen Studenten anderer Nationalität' vom Kongreß a tr s z u s c h 1 I e ß e n. Der Antrag Wurde einer Kommission "überwiesen, die entschied, daß sich der Kongreß nur mit i rt t e r h a t i o n a 1 en nicht mit nationalen Fragen zu beschäftigen' habe. Auf , Grund dieser Entscheidung will die englische Delegation , ihren Antrag im Plenum wieder auf nehme»; ♦ . Schalom Schwarzbart veröffentlicht einen Aufruf an alle einstigen, j ü di sc h e n Kriegsteilnehmer in allen Ländern, sich zu einer W e 11 o r g a n i s a t i o n zu- sammenzuscbließen zum Schutze der , angegriffenen Ehre; des Judentums und zur Abwehr antijüdischer Anschläge. Ein Weltkongreß d e r K r i e g s t e i 1 n e h m e r solle sich mit -Fragen des Antisemitismus, des Selbstschutzes, der jüdischen Kolonisation und anderer jüdischer Aafbaefragen befassen. Oesterreich Der Schekel Zionisten! Es ist an der Zeit, daß die Scheketerbeit mit ver- : stärkten Kräften betrieben und auf ihren Höhepunkt I gebracht wird.,:; l Die Schwierigkeiten, mit denen in den letzten beiden Jahren in Palästina zu kämpfen war, werden von Gegnern unserer Bewegung im jüdischen und nichtjüdischen Lager in steigendem Maße ausgebeutet, um böswillige Nachrichten über den Niedergang des Zionismus und seines Werkes auszustreuen. Wir wissen wohl, daß die Kraft und die Größe der Zionistischen Bewegung von der Eifersucht ihrer Gegner nicht berührt wird. Der Zionismus erweist sich heute mehr denn je als stärkste bewegende Kraft hn geistigen Leben des jüdischen Volkes. Auf seinen Ruf foigen Hunderttausende, zu schweren materiellen und persönlichen Opfern bereit. Seine politische Stellung ist fester denn je. Unsere Arbeit in Palästina schreitet, allen Hindernissen zum Trotz, vorwärts. Unser Glaube an den Sieg des Zionismus ist — wenn auch innere divergierende Ansichten bestehen — ungebrochen. Es ist heute bedeutsamer als je, daß wir diese innere Gewißheit auch bekunden und von der Stärke und Geschlossenheit unserer Organisation ein sichtbares Zeugnis ablegen. Ein solches Zeugnis unserer Kraft ist eine erfolgreiche Scheke.larbeit; ihre Verbreitung, Leitung und Durchführung ist eine zionistische Aufgabe von großer Bedeutung und Verantwortung. Daher ergeht der Ruf an alle Zionisten: Verbreitet den Schekel, werbet der zionistischen Idee neue Anhänger, der Organisation neue Mitglieder, helfet, daß die zionistische Organisation als größte im jüdischen Volke ihren Pfatz behaupte und ih immer steigendem Maße alle ihrer Art und' Würde bewußten Volksgenossen an sich ziehe. Wir rufen alle bewußten Juden und Zionisten auf; Kaufet und werbet für den Schekel! Für die LandesschekeUcomniisston: Moses Weinerni. p. Der 70. Geburtstag des Bund es Präsidenten Hainisch gab allen Bevölkerungsschichten der österreichisch«! Republik Anlaß, ihre Sympathien für den ausgezeichneten Mann zu beweisen, der an der Spitze des Staates steht. Die Judenschaft Oesterreichs brachte ebenfalls ln mannigfacher Welse Ihre Ergebenheit für Dr. Hainisch, einem Mann von wahrem Prelheitssinn und echtem demokratischen Empfinden, zufn Ausdruck. Von der Wiener Kultusgemeinde, den übrigen jüdischen Gemeinden der Republik sowie von den; großen jüdischen Orgknisationen Oesterreichs gingen dem Bandpspräsidenten herzliche Glückwünsche zu. Die

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