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Die Stimme · 1928-08-23 · Heft 34 (23.8.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 34 (23.8.1928)
Date
1928-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. U DIE STIMME Seite 3 Der von der Konferenz gewählte Exekutiv- Ausschuß des Palästina-Komitees setzt sich aus den folgenden Persönlichkeiten zusammen: Eduard Bernstein, Dr. Brfcitscheid, Reichskanzler Hermann Müller und Reichspräsident Paul Loche (Deutschland), Emile Vandervelde, Senator de Rrouckcrc und Camille Huysmans (Belgien), George Lansbury, Colonel Josiah Wedgwood und Artur Henderson (England), Jean L o n g u c t, Leon Blum, Rcnaudel (Frankreich), Turati (Italien), S h i p li a k o f f (Vereinigte Staaten), der Präsident der Internationalen Gewerkschaften Oudcgcest (Holland), Tschernow und Zeretclli (Georgien). Sitz des Komitees wird Brüssel sein. Als Sekretäre werden fungieren Picrard und Jarblum. Wie der an dem Kongreß der Internationale teilnehmende Vertreter der Poale-Zion-Organisation, Ing. Kaplansky, den Vertretern der jüdischen Presse mitteilte, wird das Komitee zunächst mehrere informative Publikationen über die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina herausgeben; wenn die Mittel es erlauben, wird das Komitee auch Besuche sozialistischer Führer in Palästina arrangieren, damit diese die Lage im Lande kennenlemen. Die Internationale über das Palästina-Mandat. Lord Olivier, der vor dem Kongreß der Zweiten Internationale den Bericht der Kolonienkommisslon erstattete und die Resolution zugunsten der Kolonialländer und -Völker einbrachte, erklärte in einem Referat, Palästina sei in die Resolution betreffend die Kolonien nicht cingeschlossen, weil Palästina nicht Kolorrfalland ist. Es bestehe mit bezug auf dieses Land ein Mandat, welches g enügende Garantien zum Schutze für die Rechte der Bevölkerung bietet. Palästina-Fragen auf der sozialistischen Frauenkonferenz. im Rahmen des Kongresses der Zweiten Internationale fand in Brüssel eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen statt, auf welcher Frau Meiersoo, die Vertreterin der palästinensischen sozialistischen Frauen, ein ausführliches Referat über Frauen- und Kinderfürsorge unter der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas hielt Sie schilderte das Kinderpflegen und -erziehungswesen in den Arbeiterkolonien, hauptsächlich in den Kwqzoth, und forderte die sozialistischen Frauenorganisationen in den verschiedenen Ländern auf, diesem Erziehungswerk die verdiente Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ein Pro-Palästina-Komitee der sozialistischen Studentenschaft Unter dem Vorsitz von Emiie Vandervelde wurde in Brüssel im Anschluß an den Kongreß der Zweiten Internationale auch ein internationaler Kongreß sozialistischer Studenten abgehalten, welcher 132 Delegierte aus 10 Ländern, Frauen wird hervorgehoben, wie sehr sie sich darum bemüht haben, welch große Opfer sie gebracht, um ihre Kinder dem Studium au-zu führen. Ja selbst die großen, ganz großen Geldmagnaten und Wohltäter größten Stils, wie Mordechai Meisl, Jakob Bassevi Edler von Treuenberg, der 1620 als erster Jude in den Adelsstand des heil. röm. Reiches erhoben wurde, der kaiserliche Hoffaktor Simon Löbl Kuh, sie alle danken das Lob der Orabschrlft ihrem Mäzenatentum für jüdische Lehre und Gelehrte, doch die Juden waren in ihrem Streben nach Wissen nicht einseitig; hier liegen auch Gelehrte wie David Gans, der als Historiograph, Mathematiker uod Astronom einen guten Namen hat, hier Josef Salomo del Medigo, der kandiotische Gelehrte und Philosoph, hier ruhen Amte aus allen Jahrhunderten und Orten, so Abba Mari Chalfan, die Italiener Menachem Mazzerato aus Rovigno und Jehuda Leon aus Mantua, der deutsche Arzt Salman Emrich und sein Sohn, der Arzt Moses Emrich, hier ruhen auch die ersten hebräischen Buchdrucker in deutschen Landen, die Gersoniden, die unendlich viel für die Verbreitung der Lehre geleistet. Neben diesen Daten über Einzelpersonen geben uns die Grabsteine auch reichen Aufschluß über das Gemeindeleben, über den Zusammenhang der Juden Prags mit den Brüdern in weiter Ferne, vornehmlich im Heiligen Lande. Eine ganze Reihe von Vereinen des 16. bis 18. Jahrhunderts erstehen vor uns, der innige Zusammenhang mit Erez Israel wird durch Auswanderer (gefördert, deren Nachkommen dann häufig als palästinensische Sendboten vorübergehend ihre alte Heimat aufsuchen. Man darf ruhig behaupten, daß es kaum eine Familie innerhalb der Judenschaft Europas gibt, deren Stammbaum nicht .irgendwie nach Prag abzweigt. Der Prager Judenfriedhof ist das geblieben, was dereinst die Prager Kekilla war, eine oder besser «die» Mutter in Israel und von den vielen Tausenden und Abertausenden ihrer Kinder wird es als Erleichterung empfunden werden zu hören, daß für absehbare Zeit kein frevelhafter Versuch mehr unternommen wird, ihn zu zerstören. Hoffentlich ist die Zeit nicht ferne, in der man architektonische Juwelen, historische Kleinodien auch wertet, wenn sie dem Judentum als Heiligtum gelten. isJSirnMtmMtmlitiMiaaimm Idf al ■>:<U CI -^üläk. ICI? ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON 66.fr.77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN darunter Delegierte des zionistisch-sozialistischen Sttidcntenverbandes, beiwohnten. Im Rahmen der Behandlung der Kolonialfragen wurde das Palästina-Problem einer besonderen Betrachtung unterzogen. Der Kongreß beschloß, aus seiner Mitte eine Kommission zur Unterstützung und Förderung der jüdischen Arbeiterschaft und des jüdischen Arbeiterwerks in Palästina zu schaffen und die internationale sozialistische studentische Jugend aufzufordern, das jüdische Arbeiterwerk in Palästina zu unterstützen. Die Weltkonferenz dos Misrachi in Danzig wurde am 19. August in Anwesenheit von zirka 150 Delegierten aus Palästina, fast allen europäischen Ländern und Amerika (dessen Delegation besonders stark ist) eröffnet. Vertreter des Freistaates Danzig und der jüdischen Gemeinde der Stadt begrüßten die Konferenz bei* der Eröffnungssitzung, der u. a. der Dauziger Oberkommissär des Völkerbundes beiwohnte. Unter den zahlreichen schriftlichen und tclcgraohiscben Begrüßungs-Kundgebungen sind die des Jerusalemer Oberrabbiners Kook, der Zionistischen Exekutive, zahlreicher zionistischer Organisationen usw. hervorzuheben. Der Rechenschaftsbericht wurde vom Präsidenten der Misrachi-Weltorganisation, Rabbi M. Berganisationcu „Hapocl Hamisrachi“, „Zcirc Misrachi“ und eine Trauerfeicr in der Synagoge in Mattenbuden abhielt. Der Tagung ging eine Konferenz der Misrachi- Jugend voran, au der über 30 Delegierte aus verschiedenen Ländern teilnahmcn, und zwar Vertreter der Organisationen „Hapoel Hamisrachi“, „Zeire Misrichi“ und „Hechaluz Hamisrachi“. Die erste Sitzung der Jugendkonferenz war dem Andenken des vor kurzem in Palästina verstorbenen Mitgliedes der Misrachizentrale S. Ch. Landau gewidmet, für den die Wehkonferenz am 20. August oinc Trauerfeier in der Synagoge in Wattenbuden abhielt. Im Zusammenhänge init der Weltkonferenz hat eine Abordnung, bestehend aus Rabbiner Scgalowitsch und dem Präsidenten der Datiziger Zionistischen Organisation Dr. S e ga 11, dem 0b er komm issär des Völkerbundes in Danzig, H$rfn Van Hammel, einen Besuch abgestattet und mit ihrp eine längere Unterhaltung über die Ziele des Misrachi und des Zionismus gepflogen. Es Wurden die Fragen des Palästina-Mandates, der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina und der speziellen Misrachi-Aufgaben eingehend besprochen, Der Präsident der Misrachi-Weltorganisation, Rabbi At Berlin, äußerte sich zu Vertretern der Presse eingehend über die Aufgaben der Konferenz und erklärte dabei unter anderem folgendes: . <■- 'V KT* <;>***, r V-\ . r* jK'va " Bar Jude, der die Mittel für den amerikanischen Unab- ,cg IuvJstciUo: Lnaim Salomon, auf dessen tarnen eine amerikanische Nafloifal-Unlversltät in Washington errichtet werden soll. Salomon ist der Held eines Romans, der jetzt Im New Yorker „Vorwärts“ erscheint „Die Konferenz wird sieb unter anderem auch über <8e allgemeinen zionistischen Pro*blerne auszusprechen haben. Misrachi steht in Opposition''zu der jetzigen zionistischen Leitung; es ist dies eine sachliche Oopositon, wir müssen deshalb mit durchaus konkreten Forderungen zu dem zukünftigen Zionistenkongreß kommen. Die Konferenz wird diese Forderungen formulieren.“ Auf die Frage, wie sich Misrachi zu der Erweiterung der Jewish Agency stellt, erwiderte Rabbi Berlin: „Der Misrachi hofft, daß die als Folge der Erweiterung der Jewish Agency hiuzukommenden neuen intellektuellen und materiellen Kräfte der zionistischen Bcwegung großen Nutzen bringen werden, Misrachi will aber darauf hinarbeiten, daß das demokratische Prinzip, das bis jetzt in der Zionistischen Organisation vorherrschend war, nicht verdrängt werde. Der Aufbau Palästinas darf nicht von den Meinungen und Launen einzelnor abhängig sein; über die Form der Siedlung haben nur Zionisten zu bestimmen. Die jetzige Leitung der Zionistischen Organisation hat die Bewegung in einen Zustand versetzt, daß die R c 11 u n g in der Schaffung der erweiterten Jewish Agency besteht.“ Einbürgerungsschikanen gegen die Juden in der Slovakei und in Karpathorußland Aus Prag wird berichtet: Die Verwaltungsbehörden, ja selbst der Oberste Vcrwaltungsgerichtshof der Tschechoslowakei, befolgen eine Praxis, die die Einbürgerung eines Großteils der Bevölkerung der östlichen Tschechoslowakei behindert und in erster Linie die Juden sc häft der Slowakei und Karpathorußland trifft. Man verlangt z. B. den Nachweis, daß die Vorfahren schon am 10. Juli 1871 in der betreffenden Gemeinde ansässig waren. Von der 600.000 Köpfe zählenden karpathorussischcn Bevölkerung können 50 Prozent nicht die Staatsbürgerschaft erwerben, wobei die Juden mit ihren erhöhten kulturellen Bedürfnissen am meisten betroffen sind. InBercgsaz, wo 2800 Juden leben, wurden bis auf 26 a 11e Gesuche um Einbürgerung abgewiesen. Die Stadtvertretung der karpathorussischcn Hauptstadt U z h o r o d und der ostslowakischen Stadt Kaschau haben den Präsidenten Masaryk im Hinblick auf den zehnjährigen Bestand der Republik gebeten, daß diesem Zustand ein Ende gemacht werde. Chajes-Ehrungeo in Italien Aus Triest wird uns geschrieben: Die italienische Judenschaft verleiht der tiefen Trauer um den allzu früh verstorbenen Wiener Oberrabbiner Dr, Z, P. Chaj&s in den verschiedensten Formen Ansdruck und versteht es, ihre Verehrung Ctrsjes’ für alle Zeiten zu verewigen. Dr. Ghajes hat bekanntlich eine Anzahl von Jahren als Lehrer, Erzieher und rabb imscher Führer der Juden in Italien gewirkt, und sich um die Wiedererweckung jüdischen Geistes im Leben der italienischen Juden unendliche Verdienste erworben. Es ist bereits berichtet worden, dafi sich ein Komitee gebildet hat, welches sich zur Aufgab« stellt, die gesammelten Schriften Chajes’ sowohl die in hebräischer, wie auch in italienischer Sprache verfaßten Arboiten herauszugeben. Die zu diesem Zwecke eingcicitetc Sammlung bat schon bisher einen großen Em folg aufzuweisen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß di« Mittel zur Herausgabe der Werke Chajes* binnen kurzer Frist vollständig aufgebracht sein werden, In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Kultusgemeiude von Triest berichtete das Präsidium, daß die Marmortafel zum ewigen Andenken an Dr. Chajes, der in den Jahren 1912 bis 1918 Oberrabbiner der Triester jüdischen Gemeinde war, bereits im Herbst dieses Jahres währond der hohen Feiertage im Festsaal des Gemeindehauses angebracht und feierlich enthüllt werden wird. Die Gedenktafel wird als ein bildhauerisches Kunstwerk gepriesen. Die Arbeit wurde von dem Triester Bildhauer Ruggero Rovan ausgeführt. Die Gedenktafel weist im Basrelief medaillonförmig das Brustbild des großen Totest auf, um welches sich das in italienischer und hebräischer Sprache verfaßte Epigraph wie ein Kranz der Verdienste windet. Für die Enthüllungsfcicr wird ein großes Programm ausgearbeitet, und mau denkt daran, auch auswärtige Gäste, u. a. auch Vertreter der Wiener Kultusgemeinde und des Wiener Rabbincrseminars, an welchem Dr. Chajes sein Diplom erhalten hat, einzuladen. Jüdische Anwälte* die russische Pogromisten verteidigen Die jüdische Bevölkerung der Ukraine ist von maßloser Erbitterung -über das würdelose Verhalten zweier angesehener jüdischer Rechtsanwälte erfüllt, die in letzter Zeit vor den ukrainischen Sowjetgerichten die Verteidigung angoklagter Pogromisten und antisemitischer Mordbuben übernommen haben. Es sind dies die Anwälte Abüam Feld, stein aus Tscherkas und Bxodski au; P-nrfcow, dfe wegen dieser beispiellose« Gefühlsroheit von d r ganzen Bevölkerung geächtet wurden und von Juden und Nichtjuden j in gleicher Weise boykottiert werden. Denn die Arisfltrcht^ daß die Anwälte lediglich ihre berufliche Pflicht erfifflt haben und daß sic als «Internationalisten*' auch den vertierten Judenmördern «neutral» gegenübertreten wollen, wirkt hiw besonders abstoßend. Der Fall, der in der ganzen jüdischen Öffentlichkeit der Ukraine großes Aufsehen erregt hat, sei im folgenden kurz geschildert. Au>f der Anklagebank des Charkow er Krcisgerichtes — erzählt der Korrespondent des Moskauer jüdischen Blattes «Eines» — sitzen die zwei Schwerverbrecher Bondaxofi Vater md Sohn, die während der Judenscbtächtecexen des

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