Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 88 Plg STAUNE Seite 7 Agunofh, acrwte andere flmtfdn Ptito, soSlea Icrflttg «»• gefaßt und di« Not d«r Jflditohea Pros deo Rabbinern «ad der öffentlichen jüdischen Meitmng. lebhaft zam Bewußtsein gebracht werden, anstatt daß eie latst ta den Responsea einzelner Rabbiner vergraben ist Dieser oberste Gerichtshof, dem die größten ta!tnndische& Koryphäen der Gegenwart angehört hatten, sollte vor die Aufgabe gestellt werden, die oben dargelegten Schwierigkeiten z« lösen. — Und er hätte Mut und Autorität gefunden, es 2a tun, zumal die ganze öffentliche Meinung ht der Judenschaft auf seiner Seite gewesen wäre. Bekanntlich brach bei der Wiederherstellung Polens die „Österreichische Orientation“ zusammen und alle ihre Anhänger wurden für Jahre kaltgcstellt. Als anfangs 1923 das Blatt gewendet hatte, und lener Mann anfangs Mai 1923 ins Ministerium berufen wurde, — lag er auf dem Totenbette. Aus dem ganzen Plan ist nichts geworden. Jetzt sitzt an seiner Stelle ein sehr braver Mann, der vor mehr als 30 Jahre« eine Sammlung polnischer Sprichwörter heraasgegeben hat, dann aber lange Jahre französischer Korrespondent des Bankhauses Natanson war, dessen Chef getauft und darum sehr einflußreich Ist. Der ehemalige Korrespondent hat von Judentum und jüdischen Dingen nicht die leiseste Ahnung, kann nicht einmal jiddisch lesen ... Die Sache der Agunoth liegt im Argen, ebenso verhält es sich mit den anderen jüdischen Frauen, die das Schicksal mit dem Eherecht in Konflikt bringt Landau erhebt daher seine warnende Stimme, mit großem Nachdruck. Wird er gehört werden? Die Hochachtung vor seiner Stellung und seinem Werk wird wenigstens die Fanatiker abhalten, ihn zu verketzern und die Gleichgültigen, ihn totzuschweigen. Der Kaddfoch der Tochter Das Verdangen vieler jüdischer Töchter, nach ihren ohne männlichen Nachkommen verstorbenen Eltern im Trauerjahr und an Jahrzeitstogen während des öffentlichen Gottesdienstes Kaddlsch sagen zu dürfen, beschäftigt seit einiger Zeit wieder häufiger die jüdischen Frauenvereine dies Westens und zum Teil auch des Ostens, die sich die Gewinnung der jüdischen Frau flirr das religiöse und nationale Leiben zur Aufgabe stellen. Die Frage des «Kaddisch der Tochter» ist so alt wie die Einrichtung des Kaddisohgebetes selbst, das seinen Ursprung in einer taimudisehen Erzählung über Rabbi Akiba hat. Wiederholt hatten in der nachtahnudischen Zeit jüdische Gelehrte und Rabbinatskoltegien zu dieser vom Gesichtspunkte der Steilung der Frau in der jüdischen Gemeinde nicht unwichtigen Frage Stellung nehmen müssen. Der intransigente dogmatische Standpunkt der Rabbdner hat die meisten von ihnen zu ablehnenden Entscheidungen geführt, aber es gab aweh einsichtsvolle und weitblickende Ausnahmen. So weist der Monorer Oberrabbiner Dr. Isak Pfeifer in einer Stellungnahme zu diesem Problem auf ein interessantes Prfizedenz des berühmten Rabbiners von Koblenz und später Worms, Rabbi Jais Chajjim Bacbarach, in seinem 1699 in Frankfurt a. Main unter dem Tfitel «Chawoth Jair» erschienenen Entscheidungen hin. In der Entscheidung Nr. 222 schreibt Rabbi Bacha- Dk Mfefeoiczer JOdtocte Gemeinde kt tonte ohne Zwei- M nicht trar die größte, Müdem auch die bedeutendste jüdische Provmzgemernde in Ungarn und ihre jüdischen Ku4Kuranstalten sind mustergültig. Sie besitzt eine eigene Öffentliehe Volksschule flttr Knaben und Mädchen mit secJtzefht Klassen, eine Taimud-Tftorah-ScbtHe mit fünf Lehrkräften, eine Bürgerschule für Knaben tmd Mädchen und überdies eine höhere Mächenschule mit 26 Lehrkräften. Seit 1926 kommt diese Gemeinde auch für die Kosten der Erhaltung eines Mädchen- 1 y z e tt m s auf, das in einem eigenen, mit den modernsten Lehrmitteln ausgestatteten, dreistöckigen Gebäude wi(angebracht ist. Das neue jüdische L©hrertrmensemin ar wird den Charakter einer jüdischen Landeslehranstalt haben und durch eine offizielle Stellenvermittlung dafür Sorge tragen, daß die Absolventinnen Posten erhalten. Eine jüdische Aerztin im 16. Jahrhundert Seitdem am 30. Jänner 1455 der damals 15 Jahre alte König Ladislaus Posfchumus den Ratmarnien und Bürgern der Stadt Breslau «aw<f ihre redliche Bitte» das Recht verbrieft hatte, «der Jüdischheit ihre Wohnungen in Breslau zukünftig nimmermehr zu gönnen und zu gestatten für ewige Zeiten», hören wir jahrzehntelang nichts mehr von einem auch nur vorübergehenden Aufenthalt von Juden in Breslau. Erst Im dritten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts sprechen die archivaüschen Nachrichten wieder gelegentlich von der Anwesenheit jüdischer Kaufleute in Breslau; aber auch damals war ihnen ein ständiger Aufenthalt in der Stadt durchaus nooh untersagt Dagegen suchte der städtische Rat den Besuch der regelmäßig stattfindenden Märkte besonders durch polnische Juden in jeder Weise zu erleichtern und zu fördern; denn man hatte erkannt, daß die «vornehmsten Herrschaften aus der Cron Polan die Juden aUhie in Mergkten vor yhre Factores, Einkewffer und getreue Diener gebrauchten», wie es in einem Schreiben des Rates aus dem Jahre 1537 wörtlich heißt. ln diesem Zusammenhang verdient eine Aufzeichnung erwähnt zu werden, die sich im sogenannten Liber Proscriptionum des Breslauer Stadtarchivs (J. 120, 1) findet. An der betreffenden Stelle erfahren wir, daß am 1. Februar 1534 die Jüdin Salomea, «welche alhie gearzneyt», aus der Stadt Breslau verwiesen wird, «mit Bevel, das sy zwischen den Merckten, so wol als andere Juden mul Das in dfrer fascBief „P luvlusM der kleinste Badeapparat der Welt! Patente in allen Kulturgtaaten- Ermöglicht rasohes Badeu Im Sommer und Winter, tu Haute, auf AutflUgen nsv. (Gewicht zirka 250 g), Pürlleilkurea and Bäder yorzügiich 1 UaeatbehrUch für Jedermann l «motzt TOUkorumen ein Badezimmer I Eint Wohltat fft» jede Familie! im Sommer Erfrlwhung, Im Winter Reifheit und fieaundung des Körper*. ■»trcls 9 «»*- versendet Allein er,enger „DIM , Wien, II., oi>. Donausfr. IT rach: «Ein ungewöhnlicher, seltsame* Fall ereignete sich in Amsterdam und ist dort allgemein bekannt Ein Vater stamb »und da er keinen Sohn hinterließ, bestimmte er letztwillig, daß während des Trauerjahres in seinem Hause täglich zehn Männer «lernen» mögen und seine Tochter nach Abschluß des Lernens und des darauffolgenden Gottesdienstes Kaddisch sagen soll. Weder der Rabbiner noch die Vorsteher der Gemeinde haben die Ausführung dieser testamentarischen Verfüg u n g v e r h i n d e r t. Gegen eine solche Handlung gibt es wohl keine entscheidende Beweisstelle; sind doch auch die Frauen verpflichtet, den Namen Gottes zu heiligen (das ist der wesentlich« Inhalt des Kaddischgebetes), ebenso wahr ist es, daß, obgleich in der Geschichte vom Rabbi Akiba, welche als Quelle des Kaddischsagens der Tramemden anzusehen ist, von einem Sohn die Rede ist, die Auffassung richtig ist, daß das Kaddischgebet, auch wenn es von der Tochter gesprochen wird, von Nutzen ist und der abgeschiedenen Seele Freude bereitet; ist sie doch sein JQnd. Nichtsdestoweniger....» Trotz dieser fast modernen Auffassung kommt Rabbi Bacharaeh aus dogmatischen Bedenken und obgleich die Amsterdamer Rabbiner seinerzeit sicher nach jeder Richtung einwandfrei waren, offenbar aus Angst, nicht als Reformer in Verruf zu kommen* zu einem ablehnenden Standpunkt. H. T. Pag erste jüdische Lehrerinnenaeminar Der Vorstand dar jüdischen Gemeinde von MUkotcz beschloß, ein jüdisches Landeslehrerinnenseminar ins Leben au rillen und den ersten Jahrgang schon im September d. J. zu eröffnen. Die waw Anstalt, die erste ihm Art nicht nur in Ungarn, sondern in Europa überhaupt, wird Qeffentlichkeitsrecht genießen und Lehrerinnen heranbilden, weiche nach Erlangung des Diploms die Befähigung haben werden, m öffentlichen jüdischen Volksschulen die Lehrtätigkeit ln allen Fächern, einschließlich des Religionsunterrichtes und der Anfänge der hebräischen Sprache, auszuüben. Diese Anstalt ist sicherlich berufen, in der Erziehung der jüd&sohen Mädchen einen wichtigen Faktor zu bilden. Gegenwärtig sind (he Jüdischen Volks- und Bürgerschulen in Ungarn gezwungen, Lehrerinnen anzusteßen, die ihre Ausbildung Ui privaten oder christlich-konfessionellen Anstalten genossen haben. Diese ln einem dem jüdischen ganz entgegengesetzten, oft geradezu feindlichen Geiste geleiteten Schulen bieten den jüdischen Kandidatinnen keinerlei Möglichkeit, auch nur die Elementarkenntnisse in der jüdischen Geschichte und der hebräischen Sprache zu erwerbe«. Das sterbende Wiener fudentum Von Dr, Leo Goldhammer, Der katastrophale GeburtenrUakigang, der in den letzten Jahren überall beobachtet wird, hat die Frage der Bevölkeru-ngspolit-i'k, d. j, der Inangriffnahme aller jener Maßnahmen, welche im Endeffekt auf eine Vermehrung der Geburtenziffer gerichtet sind, in den Vordergrund gerückt. Mit Recht hebt der Bevölkerungs-politiker Erich S t o 11 hervor: «Alle Bemühungen um eine Besserung unserer sozialen Verhältnisse uqd des allgemeinen Kulturzustandes werden umsonst sein, wenn wir nicht lernen, den Zuwachs mit der noch möglichen Erweiterung unseres Nahrungsspielrawmes in richtige Beziehung zu setzen.» Die bevölkerungspolitischen Verhältnisse des jüdischen Volkes sind nun derart, daß der Bestand des Judentums gefährdet erscheint, Trotzdem hat sich die jüdische Gemeinschaft nur in sehr wenigen Ländern dazu aufgerafft, zunächst einmal die Verhältnisse, wie sie wirklich liegen, zu studieren und das statistische Material für eventuelle Abhilfswaßnahmen zu sammeln und zu erfassen. Für Oesterreich weisen die Zionisten schon seit Jahren darauf hin, daß, wenn nicht schleunigst eine Aenderung herbeigeführt würde, die Wiener jüdische Großgemeinde in absehbarer Zeit förmlich vom Erdboden verschwunden sein wird, und daß als Vorbereitung für alle dringend notwendig gewordenen Maßnahmen die Schaffung eines statistischenAmtes notwendig sei oder zum mindesten die Ausgestaltung des Matrikelamtes, an dessen Spitze ein ausgezeichneter Fachmann, Amtsleiter Rosenfeld, steht, die durch ein ganz geringfügiges Budget möglich gemacht werden könnte. Auch in Deutschland befindet sich die Statistik in Bezug auf die dortige jüdische Bevölkerung in den ersten Anfängen, aber was dort bereits vorhanden ist, zeigt, welche Gefahren auch dem deutschen Judentum drohen. Sje haben den wissenschaftlichen Sekretär der Ente Speits/- 0mmmast wtrkttätte m, # 6SS8I UH« Tiscns Salongarnlturen und ftlnaalmSbalstOeka ADIEK, VII., APOUQ6.18 V „ Jüdin aihte nicht sein soH, wo sy aber in Merckten alhie were, sich entlieh dies Arzneys enthalten» bei Androhung «baulicher Straffen». Daß man übrigens auch in Breslau während dea 16. Jahrhunderts die Kunst jüdischer Aerzte gelegentlich doch zu schätzen wußte, zeigt die Tatsache, daß im Jahre 1588 zwei jüdische Wundärzte aus Prag zur Heilung dies erkrankten Vitztums Friedrich von Redern, des ersten Präsidenten der schlesischen Kammer, hwizugezogen wurden. Eine «moderne» 107jährige Im Jüdischen Altersheim in New Rochelle (U. S. A.) Ist Mrs. Ida G o 1 d b e r g im Alter von 107 Jahren an einem bösartigen Bronchialkartarrh gestorben. Ihre an ihrem 107. Geburtstag geäußerte Absicht, mindestens 115 Jahre alt zu werden, hat sie also nicht mehr ausführon können. Die überaus lebenslustige Greisin, die bis zum letzten Augenblick im vollen Besitz ihrer geistigen Fähigkeiten war und erklärte, sie würde, falls sich ein passender „junger“ Mann für sie fände, gern noch einmal heiraten, hat in den vergangenen Monaten — man sollte cs nicht für möglich halten! — mehrere hundert Heiratsanträge von Männern zwischen 18 (!) und 60 Jahren erhalten, fand aber, daß niemand von diesen Bewerbern für die von ihr ersehnte „Kameradschaftsehe" geeignet sei . . . Nun folgte sie, eine treue Witwe, ihrem ersten Mann, der bereits vor mehr als 50 Jahren gestorben ist«, in die Ewigkeit nach. Eine gemeinnützige jüdische EhevermTtflungsstefle Prof. Dr. Hanauer in Frankfurt a. M. propagiert seit längerer Zeit die Errichtung einer gemeinnützigen jüdischen Ehevermittlungsstelle; zur Förderung dieses Planes hat sich jetzt aus verschiedenen jüdischen Persönlichkeiten Deutschlands ein Komitee gebildet, dem u. a. die Kölner Aerztin Frau Dr. M. Adle r, Kultusvorstand Moritz Bayer (Aschbach), Justizrat Dr, Bla u, Vorsitzender der jüd. Gemeinde Frankfurt a. M„ Landrabbiner Dr. Blum (Emden), Rabb. Dr. D i e n e in a n n (Offenbach), Dr. Ehrenreich (Köln), Rabb. Dr. Haiperson (Breslau), der Vorsitzende der jüd. Gemeinde Breme« M. Markreich, Sanitätsrat Dr. Ries (Stuttgart), Stadt* rabbiner Dr. Unna (Mannheim) angehören. An der Frauengewerbescbule für Weißnähen und Kleider< machen mit Oeffentlichkeltsrecht des Dr. Krüger-Heim, früher «Elisabeth-Heim», Einschreibung täglich von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, exklusive Samstag. Externe 25 S, Internat 15 S pro Monat, Samstag geschlossen. Streng ritueller Haushalt. ... i MH .. nui -J Sektion für Wirtschaft und Statistik beim jüdischen wissenschaftlichen Institut in Berlin, Herrn Israel K or’a 1 n i k, in einer gründlichen Studie («Zum Bevölkerungsproblem der Juden Deutschlands», Qse-Rundschau, Berlin, März 1928) zu dem Schluß veranlaßt, daß die Juden in Deutschland zum Aussterben verurteilt sind, wenn sie sich nicht durch Zuzug aus den ostjüd'ischen Siedlungsgebieten erhalten können, und daß, da der jüdische Unternehmungsgeist und das jüdische Kapital langsam ihre Rolle auszuspielen beginnen, bei der in Vorbereitung befindlichen Neugestaltung der europäischen Wirtschaft das jüdische Element in ihr überflüssig sein wird. Es ist nun interessant, die von Koralnik gebrachten Daten, die sich auf Berlin beziehen, mit denen Wiens zu vergleichen, um sofort zu erkennen, daß die Verhältnisse hier unvergleichlich schlechter sind als in Berbn, und daß die Schlüsse, die Koralnik für Berlin und Deutschland zieht, um so größere Berechtigung für Wien haben, Vergleichen wir die Gebürtig k eit der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung Berlins und Wiens, so ergibt sich Folgendes Bild: Berlin Wien Jahr Juden Gesamtbevölketung Juden Gesamtbevölkerung 1900 . , . . 16,1 26,9 22,17 23,16 1910 .... 12,8 21,7 18,25 22,2 1925 .... 10,2 11,8 15,83 14,8 1926 .... — — 8,69 17,40 1927 .... — — 7,33 16,89 Während also bis zum Jahre 1925 die Verhältnisse in Wien bedeutend besser sowohl bei der jüdischen als auch bei der Gesamtbevölkerung gewesen sind, fiel die Natajität bei der jüdischen Bevölkerung Wiens auf beinahe die Hälfte, während sie bei der Gesamtbevölkerung etwas stieg, im Jahre 1927 fiel sie um weitere 1,3 Prozent bei der jüdischen und um etwa Vz Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Die Nataütät der jüdischen Bevölkerung Wiens ist heute eine viel geringere, als bei irgendeinem Volke der Welt. Vergleicht man die Verhältnisse in bezug auf die Sterblichkeit bei der jüdischen und nichtjitfMwct