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Die Stimme · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seffce 6 DIE STIMME Nr. 88 Atich die Bevölkerungsbewegung, die Zahl der in Nahatal uniergcbrachten. nicht landwirtschaftlichen Arbeiter und deren Familien (Bau- und Bewässernngsarheitcr z. B.). die gegenseti'ige Hilfeleistung nach Arbeitstagen, Hilfeempfängerti etc. wird in der Statistik festgehalten. Und es ist ein besonders charakteristischer Zug, daß alle diese Statistiken im — Schulunterricht zustande kommen, daß also das Nützliche mit dem Erziehlichen sinnvoll verknüpft wind. Fügen wir noch hfnzJjj. daß der „Moschaw** Nahakil nach sechs Jahren seines Bestandes völlig a«f eigenen Füßen stehen mußte, daß alle Subventionen des zioiisfischen Aufbaufonds von damals an amfhörten und daß auf jeden Siedler im Jahre 1927 an öffentlichen Abgaben unfreiwilliger un-d freiwilliger Art (für Steuern und Kulturzwecke) die für einen jungen Bauern gar nicht geringe Summe von 45 äg. Pfund im Durchschnitt entfiel, so wird man begreifen, was Nahalal bedeutet als Leistung und als Beispiel. Zur Frage der gesetzgebenden Versammlung ln letzter Zeit hat sich die Presse Palästinas vielfach mit der vom siebenten arabischen Kongreß geforderten gesetzgebenden Versammlung beschäftigt und insbesondere in der Wochenschrift des „Hapoel hazair“ sind mehrfach Stimmen laut geworden, welche verlangten, daß der Jisehub zu der arabischen Forderung eine aktive und positive Stellung einnehmen möge. Die Jerusalemer Gruppe des „Hapoel hazair“ berief nun für den 28. Juli eine öffentliche Versammlung ein, auf deren Tagesordnung die Frage der gesetzgebenden Versammlung stand. Referenten waren Dr. Hugo Bergmann und Dr. Abraham Katzenellsohn. Dr. Bergmann wies darauf hin, daß Palästina vor dem Kriege ein konstitutionell regiertes Land war, und daß sofort nach dem Kriege die Araber Versuche machten, die parlamentarische Tradition, die durch den Krieg unterbrochen worden war. wieder aufzunehmen, indem der von Feisul einberufene syrische Nationalkongreß eine Verfassung »ach modernen Grundsätzen beschloß. Fs wäre verhängnisvoll für uns, wenn wir uns dem Verlangen der Araber nach einer gesetzgebenden Versammlung entgegensetzen würden und sie uns erst abzwingen ließen, während wir heute, wenn wir den Arabern entgegenkommen und uns selbst ihre Forderung zu eigen machen, durchsetzen können, daß unsere Rechte und Ansprüche nicht durch die gesetzgebende Versammlung geschmälert werden. Redner verlangte von der Exekutive den sofortigen Beginn von Verhandlungen mit den Arabern. Der zweite Referent Dr. A. Katzenellsohu erinnere daran, daß der Jischub vor einigen Jahren, als die Araber agresslv wurden und Erfolg nach Erfolg errangen, zu jeder Konzession bereit war: Jabotinski selbst mußte unter dem Druck der schweren politischen Lage das Weißbuch unterzeichnen. Der Fall darf nicht wiederkehren, daß wir durch unsere fndolenz und Kurzsichtigkeit in der arabischen Frage es erst zu schweren politischen Verwicklungen kommen lassen, unter deren Druck wir dann jede Konzession zu machen bereit sein müssen. Wir müssen die Initiative in der Frage an uns nehmen. Das Unglück ist, daß keine einzige unserer politischen Gruppen eine klare Stellung zu der Frage einnimmt, mH einziger Ausnahme der Revisionisten, weiche die Frage mit der Waffe entscheiden wollen. Wedgwood erweist unserer Sache einen schlechten Dienst indem er die Revisionisten ip ihrer Stellung bestärkt. Redner wies darauf hin, daß wir in Palästina mit einem natürlichen arabischen Zuwachs von 20.000 Menschen jährlich zu rechnen haben, also in 10 Jahren eine Million Araber in Palästina wohngp werden. Wir wollen diese Wirklichkeit nicht sehen. KatzenelJsohn sprach sich jedoch gegen eine gesetzgebende Versammlung aus, deren natürliche Folge ein verantwortliches Ministerium wäre. Heute aber sind weder Juden noch Araber in Palästina fähig sich selbst zu verwalten. Dies zeigen nicht zum mindesten die jüdischen Stadtverwaltungen, Dagegen sei eine beratende Versammlung dringend erwünscht, welche keine Beschlüsse fassen, aber eine autoritative Meinung über das Budget und über Gesetzesvorschläge abzugehen hätte, Er wies darauf hin, daß z. B. die Regierung >m neuen Budget die ganze Last der Landesverteidigung auf die palästinensischen Steuerzahler überwälzt«, ©hne daß sie jemand zu fragen brauchte, daß Palästina für (Jrenzsclmtz, Polizei und Gefängnisse 600,000 Pfund auszugeben haben werde und nur 300.0Q0 Pfund für Landwirtsehaft, Gesundheitswesen und Unterricht. In einer beratenden Körperschaft würden sich die Vertreter der jüdischen und der arabischen Steuerzahler in vielen Punkten zu gemeinsamer Stellungnahme zusammenflndcu, und cs wäre Gelegenheit geboten, den arabischen Volksvertretern die Vorteile der jüdischen Einwanderung in konkreter Diskussion vor Augen zu führen. Auch die Fragen der Einwanderung sollen der Beratung dieser Körperschaft untersteht In der Diskussion sprach ein Vertreter der Revisionisten, Herr Ubano», ferner Rabbi Binjarnin der aasführte, daß die ganze Fragestellung: Mehrheit oder Minderheit in Palästina unsinnig sei. Der Brith Schojlom, welcher auf eine Verständigung mit den Arabern hiuarbeite, wolle keineswegs das zionistische ideal verkleinern. Aber wir können unser Ziel nur mit den Arabern zusammen and nicht gegen sie erreichen. Der Versammlung dürften bald andere, demselben Gegenstände gewidmete Versammlungen folgen. 1 Miszellen Die am 30. August beginnende 51. Session des Völkerbundrates, wird sich y. a. auch mit Mandats- und Minderheitenfragen beschäftige«. Der Rat wird den Bericht der ständigen Mandatskommission über ihre 13. Session, die vom 12. bis 29. Juni d. J. stattgefunden hat, und in der auch das Palästina- Mai? d a t behandelt wurde, zu bestätigen haben. # Nacli einer Meldung aus Haifa will die Royal Dutch, nachdem der projektierte Ausbau des Hafens durchgeführt werden soll, dort eine große Petroleumraffinerie errichten. Die Gesellschaft hat bereits umfangreiches Gelände in unmittelbarer Nähe des Hafens angekauft * Am 30. Juli fand airf dem Karmel die feierliche Eröffnung des von der palästinensischen Arbeiterkrankenkasse errichteten ersten Sanatoriums für Mütter und K-inder statt, das den Namen des verstorbenen poalc-zionistischen Führers Ber Boröchow trägt. * Die Palästinaregierung hat der Jaiffaer Handelskommer offiziell mitgeteilt, daß die Verlegung des palästinensischen Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel - Aviv, die geplant war, auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Achtung! Infolge direkter Bezüge von Lederarten wie Chevreaux, Schlangenhäute, Eidechse usw. ist es uns möglich, Schuhe in feinerem Genre, konkurrenzlos in Ausführung und Preis zu bringen. Die Firma «Schuh-Dom», IL, Taborstraße 8a, ist bekannt für moderne, gediegen gearbeitete Schuhe und streng seriöse Preise. Bally-Schuhe in Wochen-Kalender A“|2g8t | Gedenktage SN rrenn 16 Donnerstag 184& — Prof, Gabriel Ltpomonn, NobolproiotrAgei für Physik (wirkt a« der Soibonne), ln Hollerieh (Lax mbatir) gebeten. 1888 — Ing. M. UHsisrhVin!.n t)nbrowno (ftotr. Mehüew) geboren, 30 — 17 Freitag 1862 — de» bekannte KiarlcrTlrlaoJ« and -pldagoge .'alias Epcteln in Agram geboren. w* 1 - N Rosch-chodoeeh 18 Samstag * - n Haft »tob: enaanhi, onamehi 19 Sonntag 184$ — der -foter dor PoldstlnakolO' nloatlon' Boren Edraond de Rothschild In Paris geboren. 3 - 3 20 Montag 1915 — doi Entdecker doo Salraroon Prof. Pool Ehrlich ln Ba4 Homberg gestorben. 21 Dienstag 5 - n 22 Mittwoch 1800 — der Oelohrte nnd Dichter Samnel Dorid Lniatto In Triest geboren. 6 - 1 großer Auswahl!!! Neue HerbstmodeUe teilweise schou fertiggestellt!!! DIE JÜDISCHE FRAU Jüdische Ehtfragen Von Sigma. &♦) Es ist besonders zu betonen, daß die Weisen des Talmud Verordnungen getroffen haben, um die Rechte der Frau vor der Hartherzigkeit des Mannes zu schützen. In gewissen Fällen wurde die Formel geprägt: „Wer sich eine Frau antraut, tut. dies nur im Sinne der Rabbanan (rabb. Gerichtshof). Nun haben die Rabbanan in diesem Falle seine Kidduschin (Trauung) rückwirkend als ungültig erklärt.* Das ist zwar eine sehr verwickelte und vielfach diskutierte Frage, aber auf jeden Fall sehen wir, daß die Wel- (SiBnBBHaaaiBBBIPEBBaBaBBfaaBBBHBBBaBBBaaBa j Seriös „HANSA“ I BPMi WIEN, IM PRANZ JOSEFS-KAI13 g TELEPHON 75-409 B Diskret Hauser» Büros, IWWeWÄl Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen 8 Prompt UnterwenigenTagen beste Resultate ■SHMHHBM Eigene Kreditabteilung nur für 8 g große Transaktionen i «■■■■■■■■■BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBISBBI sen des Talmud in gewissen Fällen dem Gerichtshof die Macht übertrugen, die Ehe als vom Anbeginn ungültig, als null und nichtig zu erklären, und die Frau vom Ehebande zu befreien. Autoritäten aus dem R Jahrhundert und sogar Chaebam Zewi, 17. Jahrhundert, haben sich gelegentlich auf diesen Qrundsatz berufen. Leider aber wurde er nicht weiter ausgehaut. Dieser Qrundsatz war imstande, auch ein anderes gewaltiges Unreeht abzuwehren, das der Frau auf Qrund das in der Mischnab kodifizierten Rechtes geschieht. Wird nämlich der Mann unheilbar geisteskrank, so kann er der Frau den Scheidebrief nicht gehen, da dazu volles Mares Bewußtsein auf Seite des Mannes erforderlich ist (Jehamoth Hes). Wird es aber die Frau, so kann der Mann, ohne sieh zu scheiden, sich wieder verheiraten, wenn er die Einwilligung von 100 Rabbinern erbringt, da e§ sieb hier nur darum handelt, das Verbot der Bigamie, das erst aus dem U. Jahrhundert stammt, zu überschreiten, wozu die Erlaubnis von 100 Rabbinern genügt, Wo es sich aber darum handelt, ein biblisches Verbot aufzuheben, keine Macht auf Erden hiezu befugt ist, — es sei denn, daß man jenen bisher nicht aufgebauteu talmudischen Grundsatz von der Rückwirkenden Annullierung der Trauung anwendet, — Man sieht, daß das jüdische Eherecht eine Menge schwerwiegender Unzulänglichkeiten aufweist, die/aber durch die Lehren eben dieses Eherechtes behoben werden können, Wenn nur eine Körperschaft oder eine Autorität sich fände, dl den Mut und die Entschlossenheit hätte, diese Lehren anzuwenden, Das Gesagte gibt eine leichte Vorstellung von den schwerwiegenden Problemen, die der Verfasser in seinem Buche unerschrocken und im Vollgefühl seiner Verantwortung ausohneidet, aber folgender Umstand verdient hervorgehoben zu werden: Die ganze sogenannte Reformbewegung, die um die Mitte des vorigen Jahrhuuderts aus- *). Siebe „Die Stimme“ Nr. 26. ging, hatte alle diese Fragen kaum angetippt (Holdheim), hat aber keine einzige ernstlich behandelt, geschweige denn gelöst. Der ganze, mitunter äußerst heftige Streit drehte sich um die Orgel und Kürzungen im Gebotbuch und dergleichen. Die paar polnischen Gaonim, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts es durchsetzten, daß ein Scheidebrief auch mit der Post zugestelit werden konnte, anstatt durch einen Boten, wie es der Wortlaut der Mischnah fordert, haben eine weit tiefer greifende und weit nützlichere Reform durchgeführt, als alle deutschen Rabbiner-Doktoren, die um dieselbe Zeit mit ungeheurem Lärm das Almcmor aus der Mitte der Synagoge nach oben versetzten, die Orgel einführten und die Prediger und Kantoren mit Bäffchen und Taiar versahen. Die Wortführer der deutschen Reform waren eben die geistigen Repräsentanten einer zum Wohlstand gelangten Bourgeoisie, deren Ideal es war, sieb der christlichen Bevölkerung in allem anzugleichen, um Gefallen in ihren Augen zu finden und schließlich die bürgerliche Gleichberechtigung zu erlangen. Die Rabbiner des Ostens dagegen standen inmitten des Volkes, kannten seine Nöte und suchten ihnen nach Kräften abzuhelfen. Auch der jetzige jüdisch-religiöse Liberalismus, der in Berlin und London seinen Sitz hat, ist eine Bewegung saturierter Kreise, die keiuc anderen Sorgen haben, als daß der Gottesdienst möglichst kurz und nicht aufregend sei, die Frau das Recht habe, zur Thora aufgerufen zu werdeu, eventuell als Rabbiner zu fungieren. Die jüdische Frauentage, w?e sie hier dargelegt wurde, macht ihnen keine Kopfschmerzen, denn in den Ländern mit pbjigater Zivilehe läßt man auch In konservativen» ja orthodoxen Familien das bürgerliche Gesetzbuch walten. Anders Landau, der einer Ahnenreihe von 13 Geschlechtern polnischer Rabbiner entstammt, die sich allzeit dem jüdischen Volke ln Freud und Leid innig verbunden fühlten. In seiner fürstlichen Residenz zu Johannesburg fühlt er die Not der 18.0QQ Agrinoth In Polen, deren Schicksal und Zukunft ihm ans Herz greift. Dazu ist er, der hervorragende Lyriker und Dramatiker, Kenner des Mensehenhergens genug, ntn zu wissen, daß, sobald in Polen einmal die obligate Zivilehe eingeführt sein und das ansteckende Beispiel Sowjetrnßlands sich ausgewirkt haben wird, das gange Jüdische Eherecbt, weil den wichtigsten Lebensinteressen der Frauen zuwiderlaufend, über Bord geworfen wird und somit ein wichtiger Teil des nationalreligiösen jüdischen Kulturgutes unwiederbringlich verloren geht- Der historischen Wahrheit wegen mag folgendes Wer Erwähnung finden; Im Jahre 1917 trat das Oberste polnische Nationalkomitee in Krakau, welches eine Einigung Polens im Anschluß an die Habsburger-Mouarchie anstrebte, mit einem jüdischen Gelehrten in Verbindung, den es mm künftigen Leiter des jüdischen Gemeinwesens im uenerstandenen Polen ansersehen hatte, Dieser Mann, obwohl kein Rabbiner von Fach, hatte sich seit Jahrzehnten mit dem jüdischen Eherecbt «nd dessen Auswirkungen befaßt. Er entwarf nuu, in Uebereinstimmuug mit den führenden Persönlichkeiten, den Plan, in Poleu die ehemalige Vier-Länder-Synode auflchen zu lassen, die bekanntlich hei der damaligen gesamten Judeuheit in hohem Ansehen stand, so daß ihre Beschlüsse von den Gemeinden anderer Länder als autoritativ behandelt wurden. Ein besonderer Ehe- Gerichtshof, bestehend aus 100 Rabbinern, sollte eingesetzt werden, der in oberster Instanz alle Fragen zu entscheiden hätte. Die Sache der 18.000 unglückU

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