Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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■ S»te 4 «ndP-oIen; diesen Bestrebungen werden aber seHens der T, r it n b a n m-Gruppe Schwierigkeiten entgegengesetzt (!) Herr Tigcl erwiderte, Depntierter Grän bäum hebe während seines Aufenthaltes in Amerika als aufrichtiger Freund Polens gesprochen und gewirkt. Der Premier erklärte zum Schluß, er werde über die Angelegenheit der Zusammenarbeit zwischen, den Juden in Polen and in Amerika im kommenden Ministerrat referieren. In den letzten Tagen hat das Zentralkomitee der zionistischen Organisation Polens im Zusammenhang mit der Berliner Tagung des Zionistischen Aktionskomitees eine Reibe von Kundgebungen veranstaltet, in denen den Beschlüssen des Aktionskomitees Ober die Paläs tinaarbeit auf breiter jüdischer Basis »gestimmt wird. Pabei *eüte der President der Organisation Leon Le vi te u» a. mit, daß die demnächst stattfindende Konferenz der Zionisten von ganz Polen sich auch mit der Schaffung eines polnischen Pe« - Palästina - Komitees belassen werde. Der alte Prager Jtsdenfriedhof tnrter Denkm^lsctmtz genommen Wie jetzt aus Prag gemeldet wird, ist die Gefahr, daß der berühmte alte Jadenfriedhot .den neuen Stadtregulienmgsptftncn zum Opfer falle, beseitigt, ln dem von der StadtregoHemngskommissioa veröffentlichten Dekret war der alte Jndenfriedhof durch eine Auslassung in der Abschrift nicht in den unter Denkmalschutz stehenden Orten angeführt; tatsächlich steht er aber u n t e„r Denkmalechitz und wird daher von der in Aussicht genommenen Aetenlerwng nicht berührt werden. * Dar Weftvertjand der jüdischen Jugend, - dte einzige jüdische Jugendvereinigung, die dem um den .TOHcerbabd gruppierten Weltbund d h r; J u g e n d a ngescfalossen ist, hat am 5. August in Straßburg setnen zweiten Kongreß eröffnet, der unter dem Präsidfcua voa Achte Palliare tagte. Der Verband zählt gegenwärtig 23 Qruppen und 12 assoziierte Tor e ine (In Buenos Aires, Santiago, Marseille, Straßbng, Törin, Luxemburg, Rabat, Tanger, Hamadan, Lissabon, Mooastir, Klausenburg). Der Verband hat ein eigenes Organ in französischer Sprache, „Chalom“, <jqs in mehr als 3000 Exemplaren erscheint. In seiner bemerkenswerten Eröffnungsrede erörterte der Präsident des Verbandes PaMiöre <fie Ziele und Aufgaben dieser seit drei Jahren bestehenden Organisation; er führte u. a. aus: Unser Verband siebt in dem Judentum nicht allein eine Konfession, sondern er stützt sich auf das Grund- Prinzip der Einheit des jüdisch eh Volkes. Die große Geschichte des Judentums ist nie unterbrochen worden, sondern setzt sich als Volksgeschichte bis in untere Tage fort. Wir wollen dieser Geschichte neue gehaltvolle Seiten hinzufügen. Während des Kongresses von 1926 .wurde hauptsächlich über unsere Stellung zum Zionismus debattiert Aber ebenso wie man das Judentum nicht erschöpft, wenn man es als nur religiöse Gemeinschaft anspricht, ebensowenig wird man ihm gerecht; wenn man es mit Zionismus indentifiziert; die hundertjährigen Aspirationen des Judentums auf Wiedererrichtung seines Nationalheims auf dem Boden seiner Väter sind mehr als eine parteiisch gebundene Aspiration. Untere Organisation ist etwas von der Zionistischen Organisation ganz Verschiedenes; unsere Mitglieder sind auch keineswegs verpflichtet, der zionistischen Organisation anzngebören. Was aber den Aufbau des Jüdischen Natkmalheims in Palästina betrifft, so machen es uns unsere Auffassung vom Judentum und unsere Einstellung zu den gegenwärtigen jüdischen Problemen zü einer Pflicht des Gewissens, diesem Wiederaufbau unsere Kräfte za weihen. Deshalb haben wir die Arbeit für den K e r e n K a j e m e t h in den Kreis unserer Tätigkeiten gezogen. Das Zentralkomitee lädt in diesemSinne denKongreß ein, über Mittel zu beraten, wie sich der Verband aktiv und fruchtbar für den Aufbau Palästinas betätigen kann. Unsere Union wird die Gründung eines jüdischen Hauses in Jerusalem!ins Auge fassen, um damit unsere Verbundenheit mit dem Boden unserer Väter zu dokumentieren.“ Auf dem Kongreß wurde eine Reihe von Referaten fibor Jüdische Jugend- und Erziehungsprobleme gehalten. Die-zionistische Organisation von Straßburg gab clem Kougseß zu Ehren einen Empfang, bei dem auch die f r a iizösische Regierung durch den Präfekten des Niederrheingebietes vertreten war. fai Verlaufe des Kongresses wurde vom Präsidenten mttgeteiit, daß die Verhandlungen mit dem Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands zu einem vorläufigen Abkotnmen geführt haben, nach dten die beiden Verbände darangehen, unter absoluter gegenseitiger Achtung der Richtlinien jeder Gesellschaft in Sachen der Religion und des Zionismus eine Föderation za schaffen, die möglichst alle großen Organisatlonen der jüdischen Jugend umfassen soll. Die Vertreter der verbundenen Gesellschaften werden für. Ende 1928 eine möglichst zahlreich besuchte Zusammenkunft der Führer der verschiedenen Verbände der jüdischen Jugend vorbereiteu. Eine „Kulturtat“. In der Nacht vom 6. zum 7. August haben unerkanut gebliebene Täter an die Türen des Konservatoriums, in welchem der Kongreß der jüdischen Jugend abgehälten wird, mit Teeranstrich zwei riesige Hakenkreuze gemalt. Die Behörden haben eine U n t e r s u c b u n g zur (j&r Täter PIE STIMME Berufsumschichtung bei den Juden in New York (Von unserem Nawyorker S. E-BericMerstatter.) Unter den Joden von Newyork vollzieht sich in den letzten Jahren unauffällig, ohne Direktive von außen, jedoch unter dem Zwang der geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse eine Berufsumschich tuug, die für die weitere Entwicklung des Judentums in Amerika von großer Bedeutung ist. Noch bis vor wenig Jahren galt die Nadelindustrie als die Haupterwerbstätigkeit der eingewanderten Juden, die ja lätsäcblich die Schneiderei in aöen ihren Formen als Großindustrie nach Amerika brachten und sie dort als wichtigen wirtschaftlichen Faktor zur Blüte brachten. Heute sind in der Nadefcndustrie die Juden nicht mehr die Alleinherrscher; sie mußten einzelne Positionen an andere Einwanderengpuppen abgeben, hingegen haben die Juden selbst in verschiedene andere Erwerbsgebiete Eingang gefunden, in denen vor wenigen Jahren noch kaum ein Jude beschäftigt war. :.Und da ist es wieder interessant, zu beobachten, welchen Erwerbszweigen und Arbeitsgebieten sich die Juden 'von Newyork in den letzten zehn Jahren m größeren Massen zugewendet haben. Nehmen wir zunächst das Baugewerbe in allen seinen Arbeitszweigen. Vor zehn Jahnen konnte man — wie ein Ausweis dieser Gewerkschaft von Amerika ausdrücklich hervorhebt, kbkien Juden im Bau^:werbe finden, und die Zahl der jikfitehen Arbeiter in etnzeinen Zweigen des Baugewerbes warnso gering, daß sie als Faktor gar nicht in Betracht kameh und die jüdischen Gewerkschaft» sie überhaupt nicht hi Evidenz hielten. In den letzten zehn Jahren jedoch ist ihre Zahl ungeheuer angewachsen. In manchen Spezialgebieten, wie zum Beispiel bei den Bautischlern und ZirÄmermalern gibt es einzelne Gewerkschaftsdistrikte, ‘deren Mitglieder fast ausschließlich Juden sind, aber auch in anderen Distrikten ist die Zahl der jüdischen Tischler Und Zinwnermaier eine respektable. Ungefähr 9000 Installateure sind in der Gewerkschaft von Newyork registriert, von denen nicht weniger als 2000 jüdische Arbeiter sind. Noch größer ist ihre Zahl unter den nichtorg-anisierten Ar- Herrliche Garsen-Tennlspläfze unter schattigen-Bäumen mitten im Grünen 86er und 37er Linie in nächster Nähe 8 Stunden samt Trainer" pro Person S 18*—! Während der Monate Jtill und August noch einige ermäßigte Einzelstunden zu vergeben! Erstklassige Trainer XIX., Kahlenbergerstraße 46 Tel. A12-6-85 beitem. Die Weinen Unternehmer im Installationsgewerbe, die zumeist allein oder mit einem Gehilfen arbeiten, sind zumeist Juden. In der Gewerkschaft der Tischler von Newyork sind 50.000 jüdische Arbeiter verzeichnet. Dasselbe gilt verhältnismäßig auch für Cleveland, Detroit und Chicago, den Industriezentren von Amerika. Die Tischlerei ist im übrigen bei den Juden kein fremdes Gewerbe. 80 bis 90 Prozent der jüdischen ^ischler^iji Amerika haben dieses Gewerbe bereits in der ^Jten Heimat betrieben und sich in Amerika sehr rasch den neuen Arbeitsbedingungen und den Erfordernissen auf technischem Gebiete sowie in bezug auf den Geschmack angepqßt. Sie gehören zu. den Arbeitern, die man auch für die fernste Arbeit gebrauchen kann. Aber außer diesen jüdischenqualifizierten Facharbeitern gibt es auch eine sehr große Zahl mchtregistrierter Hilfsarbeiter in der Tischlerei, die sich, dadurch auszeichnen, daß sie verhältnismäßig rasch jn die Reihe der qualifizierten Arbeiter sich hinaufanbeiten.. Nicht gering ist auch die Zahl der Juden, die sich auf diesem Gebiete selbständig machen und mit Erfolg arbeiten konnten, und es gibt heute im Baugewerbe und besonders in der Tischlerei in Amerika eine ganz beträchtliche Zahl führen der jüdischer T i schier f i r m e n, deren Chefs als gewöhnliche Tischlerarbeiter ihre Karriere in Amerika begonnen haben. Aber auch in dieser Branche, und in dieser vielleicht noch mehr als in vielen anderen, erweist sich die Maschine als Mord- 11. mstrument gegen die kleinen Existenzen. Eine Maschine von minimaler Leistungsfähigkeit ersetzt 25 Arbeiterhände. Die Rationalisierung, die heute die gesamte Industrie Amerikas beherrscht, hat auch die von der Maschine verschonten Arbeiterexistenzen dezimiert. Es geht daher diesen jüdischen Arbeitern nur zeitweilig verhältnismäßig gut, sie sind von so vielen äußeren Bedingungen abhängig, so daß auch aus diesem Gewehbe sich eine Abwanderung'! n‘ andere Erwei-bagfebiete bemerkbar macht. Beachtenswert ist clas Anwachsen der Zahl jüdischer Arbeiter in der M e t a 1H n d u s t ri e. Vor zehn Jahren noch war ein jüdischer Maschinist eine Seltenheit. In den großen Maschinenfabriken, aber auch in arideren Metall? Warenfabriken wurde ein jüdischer Maschinenschlosser wie ein Wunder angesehen, und es kam wiederholt vor, was S. Schwarz hn «Vorwärts» erzählt, daß, als er vor einigen Jahren in Porttamd in eine Lokomotivffabrik als Maschinenarbeiter. eintrat, dort a^ßer ihm nur noch ein Jude beschäftigt war, der sich aber fnidit als Jude, setxkffl ate TschecJic ffr. m amgab, weil die übrigen 3000 Arbeiter es überhaupt nicht glauben wollten, daß ein Jude außer dem Hausieren, dem Schneide rgewenbe und höchstens noch dem Schusteruod Tischlergewbnbe noch ein anderes auszuüben verstünde. Heute aber gibt es bereits viele tausende jüdische Maschinisten und Hilfsarbeiter in den vielen einschlägigen Fahrt, ken. Besonders stark jedoch sind die Joden unter den Autoschlossern und Mechanikern vertreten. 20.000 Jaden sind te Newyork alleia als Taxichauffeure beschäftigt Auch in Newyork wie in anderen Städten haben Menschen, die es auf keinem anderen Erwerbsgebiet zu etwas bringen konnten, oder in ihrem Hauptberuf Saisonarbeiter sind, die nur au gewissen Jahres» Zeiten Beschäftigung finden, und schließlich solche, die auch früher als Kutscher und Fuhrwerker ihr Leben fristeten, zum Chauffeurberuf Zuflucht genommen. Er ist in Newyork kein leichter Beruf. Und auch dte Entlohnung ist keime glänzende, es sei denn, daß es dem einen oder anderen gelingt, sich zuni selbständigen Taxiuntemebmer emporzaschwingen. Viele jüdische Chauffeure kommen desh«&b vorwärts, weil sie als frühere Schlosser oder Hilfsarbeiter in der Metaübranche auch die Reparaturen selbst besorgen können. Interessant ist, daß viele jüdische. Chauffeure eigentlich Studenten sind, die entweder des Tags studieren und in der Nacht als Chauffeure am Votant sitzen, oder umgekehrt — Sie chauffieren sieben bis acht Stunden am Tag und studieren dann die halbe Nacht. In allen alten und neuen jüdischen Geweihen kl Amerika beherrscht die Juden der Drang hach Selbständigkeit, nach Vervollkommnung ihres Fachwissens und der Wunsch, durch Fortschritt auf technischem Gebiet und rationelle Ausnützung des erzielten Fortschrittes ihren Industriezweig fortzuefltwtckehk Kleine Nachrichten Oskar Slater, der, wie berichtet, nunmehr nach 18jähriger Kerkerhaft von einem schottischen Appellationsgericht von der^seioerzeit gegen ihn auf Grund-von Indizien erhobenen Mordanklage fr ei gesprochen wurde, hat, wie die Londoner Blätter meldenn, eine Entschädigung von 8000 Pfund für die durch den Justizirrtum unschuldig verbüßte Haft iugespfochen erhaben. ■'» * In Hamburg fand die zweite Weltkionterenz des Internationalen Bandes der Juden - Christen statt Anwesend waren Vertreter der jodäo-chrlstUchen Bünde ln Amerika, Großbritannien, Deutschland, Holland, Ungarn, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz und hi anderen Ländern. Außer etwa 300 Juden - Christen betätigten sich auch zahlreiche Nichtjuden an den Beratungen. Der .Präsident des juden-christlichen Weltverbandes Sir Le3n L e v I s o n führte den' Vorsitz. Am 15. August beging der in der jüdischen Gelehrtenwelt bekannte Rabbiner von Karlsbad, Dr. Ignaz Zieg- 1 e r, sein 4Öjähriges Altsjubiläum als Rabbiner von Karlsbad. Dr. Ziegler gehört zu den anerkanntesten Predigern. Er ist auch-def Begründer des Karlsbader jüdischen Kürhospütals, welches 500 Unbemittelte auf nehmen kann, sowie des jüdischen Altersversorgung sheimes, das in den nächsten Tagen seiner Bestimmung übergeben wird. In. Zürjich ist der frühere Professor au der Wiener Exportakademle Dr. S. Feilbogen, der. Sich dort ln den letzten Jahren als Herausgeber einer pazifistischen Zeitschrift betätigte, gestorben. Prof. FeWbogen war mit Theodor Herzl gut befreundet. Sein Weggang von Wien erfolgte seinerzeit unter aufsehenerregenden Umständen, nach einer sogenannten* «Hostienaffäre», die sich anläßlich eines Besuches Fedlbogens beim Papst zugetragen haben soU. * In dem Städtchen Loschätz bei Ohnütz brach ia einem als Käserei dienenden alten Hause ein Brand aus, der bald das ganze J u d e n v 1 e r t e 1 ergriff. 16 Häuser sind du Raub “der Flammen geworden, 30 P e r« o n e n wurden verletzt * Bei einem großen Brand ln Bacan (Rumänien) sind die große Synagoge und zehn von Juden bewohnte Häuser v o 11 s t ä n d i g z e r s t ö r t worden. ' Um die zw|i Mandate, welche die Juden in Saloniki nach der neuen Wahlordnung ins griechische Parlament erlangen können, bewerben sich zehn Kandidatcn. Der bisherige Deputierte Bessantschl und der Präsident der 'Bnei-Britt-Loge David Me»täIon kandidieren auf der j üdi s c h e n Li st t, die von den führenden Kreisen der jüdischen Gemeinde und von den Zionisten unterstützt wird; ferner kandidieren je zwei Juden auf der veniselistischen, der antiveniselistischen, der kommunistischen und einer isolierten Liste. * . Im Danzlgck Hafen ankert gegenwärtig ein Dampfer, der den Namen?«-M a x N o r d a u» trägt. Der Dumpfer gehört der Reeder-Firma «Gebrüder Szymanslot», deren Inhaber Juden sind. Er gehört der PolnIscheh Handelsflotte an. # In Warschau verstarb plötzlich im Alter von 42 Jahren, der bekannte Zionist Josef S t e i h b e r g, Mitglied des Zentralrats des Wcltvcrband^s der Zionisten- R e v i si o nd s te n. Er stammte aus der Ukraine, wo er in früheren fjagren in der, Fiuanzwelt und im jüdischen öffentlichen Leiten eine angesehene Rolle gespielt hat