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Die Stimme · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 DIE STIMME Seite 7 ANTISEMITENSPIEGEL Die Geburt einer Tochter RUTH-SULAMITH Der gebildete Kleinbauer In Ungarn geschieht Jetzt alles vom Gestchtsjmnlrt des Rassenschnlzes und auch die Kulturförderung unter der bäuerlichen Bevölkerung geht von diesen Gesichtspunkten aus. Um sich ein Bild davon zu machen, wie diese Schaffung neuer Intelligenzen unter den ungarischen Bauern geartet ist, kann man aus ihrer Literatur ersehen. Das Bauernorgan „Das ungarische Dorf“ sorgt dafür, daß auch der kleinste Bauer und Landarbeiter der Segnungen moderner Wissenschaften teilhaftig werde. Zu den modernsten Wissenschaften gehört die Kenntnis von Rassenschutz. Und ein Kleinbauer aus einem vergessenen Dorfwinkel Ungarns. Johann Polgar, hat sich in dieser Wissenschaft sogar bis zum Artikelschreiber auf geschwungen; denn er belehrt in einem größeren Aufsatz unter dem Titel „Was ist Rassenschutz“ seine Berufskollegen, indem erschreibt: „Ich selbst habe gesehen, wie im Krieg die Kaftanluden gekommen sind, Ungarn überfluteten und heute bereits hochwohlgeborene Herreu sind. Sie lassen ihre Kinder Schulen besuchen, damit meine Rasse nach 50 Jahren bei ihnen als Lohndiener angestellt werde. Die Juden denken auch beute noch nach ihren alten Gesetzen. Mit ihren Organisationen umspannen sie die ganze Welt Auch heute noch lernen und lehren sie aus dem Buch Moses und dem neuzeitigen Talmud (!). daß der rächende Gott ihnen die ganze Erde geschenkt habe, mit allem, was auf Ihr ist. den Städten, Häusern, Brunnen, Oelbäutnen, Weinbergen und allen Völkern.“ Man sieht, dieser Kleinbauer ist schon ein ganzer Gelehrter geworden. Man merkt, er hat die „Weisen von Zion“ in der kleinen Volksausgabe nicht ohne Erfolg gelesen und die Juden haben nichts zu lachen, wenn die Saat solcher Lehre wieder einmal aufgebt. Der Herausgeber und oberste Leiter der Redaktion dieses bäuerlichen Wochenblattes ist Julius Gömbös. Gömbös Einer der gefährlichsten Antisemiten unserer Zeit ist ohne Zweifel der ungarische Rassenschützler Julius Gömbös. Er ist nicht Antisemit aus Ueberzeugung. Für ihn ist der sogenannte Rassenschutz bloß eine Präge der Taktik, um stets an der Macht zu bleiben, auch wenn er faktisch nach außenhin sichtbar kein öffentliches Amt bekleidet, das die Macht bedeutet. Vor kurzem erst konnten wir melden, daß Julius Gömbös unmittelbar näch dem Freundschaftsvertrag mit den Ungarn und Italien eine Faszisten- P a r t e i in Ungarn gründete, und gleich daran ging, durch publizistische Propaganda in Italien dafür zu agitieren, nicht etwa, daß sich die ungarischen Faszisten den italienischen anpassen, indem sie bloß nationale Politik betreiben, sondern daß auch der italienische Faszismus den Antisemitismus als Hauptpunkt seines Programms auf seine Fahne schreibe. Heute berichten wir an anderer Stelle, wie Gömbös in Ungarn lebt, den rüdesten kulturlosesten Antisemitismus unter die Bauernschaft trägt, udn sie für den großen furchtbaren Feldzug gegen das Judentum präpariert. Nun kommt aus Ungarn die Nachricht, daß derselbe Julius Gömbös, der schon einmal eine förmliche Diktatur in Ungarn geübt hat, mit seinem ganzen Anhang in die Regierungspartei eingetreten ist und einen wichtigen Posten in der Regierung antreten soll. Er soll Staatssekretär im Kriegsministerium werden. Ist das der Anfang einer neuen aktiveren antisemitischen Aera inn Ungarn? Die jüdische öffentliche Meinung Ungarns ist Jedenfalls außerordentlich beunruhigt über diese Erscheinung, umsomehr, als andere Symptome auf eine neuerliche Wen-, düng zum Schlechteren hindeuten. Der antisemitische Propagandafilm Eines dieser Symptome ist die sonderbare Art, wie sich der ungarische Nationalfilm im Auslande zu präsentieren gedenkt In Ungarn besteht ein nationaler Filmindustriefonds, der von offiziellen Regierungskreisen zur Förderung des ungarischen Films ins Leben gerufen wurde. Dieser Fonds beschloß nun, ein Fllmstück herzustellen, das gewissermaßen als ungarischer Repräsentationsfilm berufen ist, für die ungarische Filmindustrie im Ausland zu werben. Mit der Abfassung des Textbuches für diesen Pronagandafibn wurde nun einer der berüebtigsten Judenfresser in Ungarn, Koloman Zs ab ka, betraut, und Zsabka hat das Vertrauen in seine antisemitische Politik nicht getäuscht Sein Filmstück ist vom Anfang bis zu Ende ein ekliges unwahres Machwerk, das nur abzustoßen vermag, wenn auch immerhin die Gefahr besteht, daß Unwissende diesen Film als lebenswahre Aufnahmen aus dem jüdischen Leben in Ungarn ausehen werden. Koloman Zsabka, der sich als eine Säule des ungarischen Rassenschutzes gebärdet, ist, wie schon sein Name andeutet (Zsabka bedeutet im slawischen Sprachgebrauch „Prösehlein“), viel fremder in Ungarn als die Juden, aber nichtsdestoweniger’wird er zum Vorspann rassenschützierischer antisemitischer Propaganda im Auslände benützt. Rlohard Herzog, II, Kleine Pfarrg. 28 / Tel. 73-4-90 Bekämpfung der Alkoboteeuche mit — reinrassigem Alkohol Man solte meinen, daß die Temperenzler und Antialkoholiker vor allem sich selbst Mäßigung auferlegen und nicht nur den Alkoholrauscb, sondern auch den Blutrausch, selbst wenn es sich um jüdisches Blut handelt, verdammen müßten. Aber selbst diese an sich förderungswürdige Bewegung der „Mäßigung“ und „Enthaltsamkeit“ wird zum Fluch, wenn sie von Menschen beeinflußt wird, die im Judenhaß das Heil der Welt erblicken. Die rumänische Gesellschaft „Temperenzia“ weist in einer Propagandaschrift nach, daß 48 Prozent der Bauernkinder, bevor sie ein Alter von fünf Jahren erreicht haben, sterben, 60 Prozent Verbrechen in den Dörfern von Trunksüchtigen begangen werden, 25 Prozent der Rekruten wegen der Folgen des Alkoholgenusses zurückgewiesen werden, und daß die Bauern jährlich für geistige Getränke 16 Mülarden Lei ausgeben. Das ist ein erschreckendes Jammerbild, und man wünscht der Gesellschaft sicherlich den vollsten Erfolg, wenn sie sich an die Gemeindeämter des Landes mit dem Appell wendet, geschlossen den Kampf gegen den Alkohol zu führen. Aber wie denkt sich der kleine rumänische Temperenzler diesen Kampf? „Vertreibet die jüdischen Schenker und setzet an ihre Stelle reinrassige Schenker.»“ Dann wird es in Rumänien keinen Besoffenen mehr geben! Diese antisemitischen Temperenzler begehen mit dieser Kampf- Haut-Schnelibräunung und Sonnenbrandschutz Creme ,D 1 m“ schützt vor Sonnenbrand und br&nnt die Haut auf natürliche Weise, auch bei Kindern A. FUr braune und normale Hautfarbe, für Kinder und Massage B. ZumUltra-ScbneUbraunenundfürSIonde, behebt Sonnenbrand-Schmerz Tube 8i} Groschen - In jeder Apotheke, Drogerie, Parfümerie und Badeanstalt Olm-Laboratorium, II,, Ob. Donausfraße 17 Nicht zu verwechseln mit „Dlm“ Kampfer - Sauerstoff - Creme gegen Sommersprossen, Wimmer), Röte der Nase, Pickel nsw. zeigen an SAM und ANITTA COHEN Wien, Samstag, 18. Ab 5688 methode bewußte Felonie. Ist ihre Statistik auf Wahrheit aufgebaut, so müssen sie wissen, daß es eine ganze Menge Gemeinden gibt, in denen kein jüdischer Schenker den Bauern das flüssige Gift verabreicht, und daß in diesen Gemeinden die Zahl der Alkoholiker größer ist als in den Gemeinden, in denen ein jüdischer Schenker existiert. Alles, womit man irgendwie auf den dummen Pöbel wirken kann, selbst wenn es theoretisch noch so edel und unterstützungswürdig aussieht, wird eben mißbraucht, um das unwissende Volk zu vergiften und für den Pogrom vorzubereiten. Das ist eine klare Rede Die christliche Liga in Rumänien ist bis jetzt ohne formuliertes Programm herumgelaufen und war gezwungen, programmlos jüdische Häuser zu demolieren, Juden zu verprügeln, Synagogen auszurauben, an jüdischen Kaufleuten Erpressungen zu begehen und andere liebliche Dinge mehr, die das Leben eines Antisemiten lebenswert machen. Da kam der Journalist Miltiade E. Cutava, erlöste die Räuber- und Mörderbande der christlichen Liga von ihren Gewissensbissen, ohne Reglement Verbrechen begehen zu müssen, und schuf das befreiende Programm. Es ist kurz und lautet: 1. Das Alte Testament ist vom Neuen zu sondern. 2. Die Synagogen und Bethäuser sind anzuzünden. 3. Die Häuser der Juden sind ebenfalls zu zerstören und zu verwüsten. 4. Den Juden sind alle Gebetbücher, aus denen so viele Ungesetzmäßigkeiten gelernt werden, wegzunehmen. 5. Auflösung der religiösen Gemeinschaft der Juden. 6. Den Juden ist alles Bargeld und aller Schmuck zu konfiszieren. Dieses Programm mag den Antisemiten eine Erleichterung bieten, aber für die Juden Rumäniens ist es wahrhaftig gleichgültig, ob sie ohne antisemitisches Programm oder auf Grund irgend eines bestimmten Punktes des judenfresserischen Statuts an ihrem Leben und au Hab und Gut bedroht sind. ■■ m PALÄSTINA Lord Plumers Abschied Aus Jerusalem wird berichtet: Feldmarschall Lord Pltuner, der in diesen Tagen aus seinem Amte als Oberkommissär von Palästina scheidet, empfing am 27. Juli den Repräsentanten der Zionistischen Palästinaexekutive Colonel F. H. K i s h, als die Vertreter des Rabbinates die Oberrabbiner K o o k und Jacob M e i r, als die Vertreter des Nationalfonds David Y e 11 i n und Dr. T h o n. Die Abordnung überreichte Lord Plumer zur Erinnerung an seihe Amtstätigkeit in Palästina ein kunstvoll ausgestattetes Album mit Bildern aus Palästina. Lord Plumer sagte in seiner Dankansprache, er sei glücklich darüber, daß die drei Jahre seiner Amtstätigkeit in Palästina Jahre des Friedens gewesen seien. Am 31. August hat Lord Plumer Jerusalem verlassen und reist Uber Aegypten nach England. Die Regierungsbeamten, die Konsuln der fremden Mächte, die Oberhäupter aller religiösen Gemeinden und zahlreiche Notabein des Landes nahmen auf dem Bahnhof von dem Oberkommissär Abschied. Vor seiner Abreise richtete Lord Plumer eine A bs c h 1 e d s k u n d g e b u n g an die Bevölkerung Palä- Lord PJuiuers Nachfolger: Der neue High-Comissioner für Palästina, Sir John Robert Chancellor, der im November dieses Jahres sein Amt antritt. r l*Ni 1 \ ' "'WA “***rv* * ’ ' stinas, in der er ihr für die ihm während seiner Amtsperiode geleistete loyale Unterstützung dankt und versichert, Lady Plumer und er hätten drei .glückliche Jahre in Palästina verbracht, an die sie stets mit Freude zurückdenken werden; sie werden an dem Wohle des Landes und seiner Bevölkerung stets das tiefste Interesse nehmen. Leichtes Erdbeben in Jerusalem Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Am 5. August morgens wurde in der Stadt ein leichtes Erdbeben verspürt, das einige Sekunden dauerte. Schaden wurde nicht angerichtet. Die Bedeutung des Palästinamandates Soeben ist der zweite Teil des vom Vizepräsidenten der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, D. F. W. Van Rees, verfaßten Werkes über die internationalen Mandate erschienen. Ein besonderes Kapitel ist Palästina gewidmet. Darin weist der Verfasser darauf hin, daß die Balfour- Deklaration die Mandatarmacht Palästinas verpflichtet, in Palästina ein anderes Verwaltungssystem als in den übrigen früher türkischen Territorien zur Geltugn zu bringen. In Palästina gilt es nicht allein, die Interessen der arabischen Bevölkerung, sondern auch die des jüdischen Volkes wahrzunehmen, welches’ im Sinne der Balfour-Deklaration einen Teil der Bevölkerung Palästinas bildet. Dieser Dualismus hat seine Schwierigkeiten. Beim Ausarbeiten der Mandatsbestimmungen hielt man es deswegen für notwendig, der Mandatarmacht volle Rechte der Gesetzgebung und Verwaltung (full powers of legislation and of administration) zu geben, obwohl laut Absatz 4 des Artikels 22 des Völkerbundsstatuts eine Mandatarmacht nur die Funktionen des Ratgebers und Förderers auszuüben hat. Der Verfasser weist auf Grund von autoritativen Interpretierungen des Mandats nach, daß zwischen dem Palästina- Mandat utid dem Völkerbundsstatut kein Widerspruch besteht. Er zitiert die auf den Aufbau des Jüdischen Nationalheims Bezug habenden Bestimmungen und meint, sowohl die Administration wie auch das jüdische Volk müßten viel Klugheit, Takt und B i 11 i g k e i t s g e f ü li J bei der Verwirklichung des Jüdischen Nationalhcims in einem heute .überwiegend arabischen Lande an den Tag legen. Der Verfasser schließt: „Wenn auch anfangs mancherlei Reibungen bestanden, so werkstätte für /esse! und Tische Salonnarnituren und einxalmdbelsUIcka ADLER, VII., APOLLOG. 18 „

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