Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1928)
- Date
- 1928-08-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME ¥!<fr. 32 anderem .^:c; die Stellungnahme der Union zum Palästinaaufban. Der Minister-Resident von Tunis. Luden Saint, hat ein Dekret unterzeichnet, nach welchem der Oberrabbiner von Souesse. Josef Ottc*. zum zeitweiligen Oberrabbiner voti Tunis bestellt ist. Der nette Oberrabbincr von Tunis wurde 186! geboren und ist ein direkter Nachkomme des Gaon David Oucz, eines der berühmtesten Talmudisten von Nordafrika. Eine größere Zahl jüdischer Landwirte in der B«t k o w i n a. die durch wirtschaftlichen Zusammenbruch im Gefolgv* des Krieges nicht mehr die Möglichkeit haben, in der Bukowina zu ihrem Beruf zuriiekzukehren, sollen — wie seitens des I. C. A.-Bureaus in Paris mitgeteilt wird, in Frankreich auf der f. C. A. gehörenden Ländereien angesfedelt werden. * Za Mitgliedern der französischen Ehrenlegion worden ernannt Professor Netter, Mitglied der Medizinischen Akademie und Angehöriger der Familie des verstorbenen hervorragenden Führers des französischen Judentums. Oberrabbiner Charles Netter, und der Rabbiner der Pariser jüdischen Gemeinde, Jacques Cohen, der im Kriege als Feldrabinner gedient hat und von dessen* zwei im Felde gestandenen Söhnen der eine gefallen fst. Oesterreich Der ausgebeutete „Ratenjud“ Von Robert Schreier. Der Ratenhandel steht bei uns stark in Blüte, ist er doch in dem sanierten Oesterreich die einzige Möglichkeit, die dem ausgepowerten Mittelstand, dem ärmsten Proletariat zur Verfügung steht, um überhaupt noch unerläßliche Bedarfsgegenstände erstehen 5öu können. Rateohändler und Kundschaft sind einander meist spinnefeind, denn der eine fühlt sich durch den anderen immer benachteiligt oder betrogen. Und daß ein Großteil der Ratenhändler Juden sind, ist beileibe kein Grund, die Sympathien für dieses Gewerbe bei der Bevölkerung sonderlich zu erhöhen. Der «Ra» tenjud» ist ein eigenes Kapitel in der Chronik des Wiener Lokalantisemitismus geworden. Es ist nicht zu leugnen, daß Ratenagenten vieäfach, um nur überhaupt ein Geschäft zu machen, den Leuten minderwertiges Zeug aufschwatzen, das sie oftmals gar nicht brauchen können. Wäsche, Möbel, Radioapparate, Grammophone, Fahrräder und Bücher, die die Ersteher nicht einmal lesen können, alles ist beim «Ralf er» zu haben. Man muß sich oft wundem, wie rücksichtslos die Leichtgläubigkeit und Dummheit der armen Leute ausgenützt wird. Aber — und das kann nicht deutlich genug gesagt werden: Es sind nicht nur Juden, die dieses Gewerbe mißbrauchen. Wer Gelegenheit hat, bei einem Gerichte — man suche sich ein solches an der Peripherie der Großstadt zu seinen Studien aus — in Ratengeschäfte näher hineinzuleuchten, der wird gerade zu dem gegenteiligen Schluß kommen müssen. In 90 Prozent der Fälle ist nicht die Kundschaft der Betrogene, sondern der Ratenhändler, und diese betrogemen Ratenhändler, sie sind fast ausschließlich Juden. Ungeheuer groß ist die Zahl der Kundschaften, die auf Kredit Waren kaufen, die sie bestimmt nicht zahlen können. Vielfach wandern die Gegenstände sofort ins Versatzamt. Betrugsanzeigen haben nach der derzeitigen Praxis, wenn nicht die betrügerische Absicht beim Kauf haargenau nachgewiesen werden kann, wenig Aussicht auf Erfolg. In den meisten Fällen geht schon nach der zweiten oder dritten Rate dem Käufer der Atem aus. ln vielen Fällen ist es plötzliche Arbeitslosigkeit, in vielen Fällen auch Böswilligkeit, die weiteren Zahlungen verhindern. Kommt der Ratenkassier ins Haus, so läßt man sich verleugnen oder, was noch beliebter ist, man wirft den «Ratenjud» hinaus. Daß ein derartiges Hinauskomplimentieren nicht streng nach den Regeln, die Knigge für den Umgang mit Menschen aufgestelit hat, vor sich geht, wird man wohl gerne glauben. Was bleibt dem Ratenhändler jetzt anderes übrig, als den für ihn wahrlich sehr dornenvollen Weg des Prozesses zu betreten? Terminverlust ist längst eingetreten, also wird der ganze noch aushaftende Befrag eingeklagt. Auf dem Gerichtsformular der Mahnklage steht vorgedruckt, daß man gegen den Zahlungsbefehl binnen 14 Tagen Widerspruch erheben könne. Mit ungelenker Hand, die weit eher gewohnt ist, den Hammer oder die Ausreibbürste als die Feder zu führen, wird also auf die Rückseite gemalt: «Ich erhebe Wiederspruch» (das «ie» ist fast ausnahmslos anzutreffen). Es muß «also eine Verhandlung anberaumt werden. Der Ratenhändler entsendet meistens seinen Anwalt, was wieder eine arge «moralisches» Belastung für das Judentum darstellt, denn zumeist ist es wieder ein Jude, der dem Ratenhändler zu seinem Rechte verhelfen soll. «Sind Sie den Betrag schuldig?» fragt dr Richter den Beklagten, worauf dieser ebenso prompt erwidert: «Ja». «Warum erheben Sic dann überhaupt Widerspruch, das verursacht Ihnen doch mir. unnötige Kosten?» fragte der Richter weiter. Antwort: «Wen Ich nicht sortd zaW*t» fleaim; Ich bin jetzt arbeitslos, oder ein Kind ist Im Spital,» so lauten ungefähr die Antworten, Und wenn dann der Richter das Einzige, was er ln einem solchen Fall sagen kann, sagt: «Ich habe nicht danach zu fragen, ob Sie ea zahlen körmen, sondern ob Sie es schuldig sind,» dann beginnt die Stimmung schon sehr kritisch zu werden. Der Richter rät ai einem Ausgleich, der Kläger oder sein Anwalt sind auch bereit, darauf einzugehen.. Ueber die Höhe der Ratenzahlungen wird gefeilscht. Nicht der Kläger macht die Konzessionen, der Beklagte Ist der Herr des Streites, 4 er schreibt vor: «Soviel zahl ich, wann S’ des net wollen, kriagn S’ überhaupt nix!» Basta. Und hört er dann noch, daß er auch Kosten zu bezahlen hat, dann wird er überhaupt böse und ist zu keinen Ausgleichs- Verhandlungen mehr bereit Was kann der Kläger in einem solchen Falle anderes tun, als ein Urteil zu begehren? Das muß der Richter auch sprechen: «Im Namen der Republik! ... ist schuldig ... samt Zinsen und Kosten binnen 14 Tagen bei Exekution zu bezahlen.» Der Verurteilte ist unversöhnlich, tief gekränkt in seinem Rechtsgefühl. Und da entfährt ihm mei6t das Wort, das ihm / r allzu leicht auf der Zunge sitzt: «Jud», manchmal mit, manchmal ohne Epitethon omans. Richter, Kläger und Anwalt wollen es nicht hören. Wer Ist aber in Wahrheit der Verurteilte, wer bezahlt die Zeche dieses Rechtsstreites? Ist eine derartige Exekution jemals erfolgreich? Der Ratenhändler verliert seine Ware, muß die Kosten für die Verhandlung und die Exekution bezahlen und verliert noch dank der fürsorglichen Tätigkeit seines Prozeßgegners alle anderen Kundschaften in der Umgebung. Ja, es ist so<?ar schon vorgekommen, daß sich einzelne dieser Leute zusammengetan und ein regelrechtes Komplott gegen Ratemhändler geschmiedet haben. «Wir werden ihm einen Bam aufstellen,» heißt der fachtechnische Ausdruck dafür. Mehrere, die miteinander Im Einverständnis sind, nehmen bei ihm Ware und zahlen prinzipiell nichts. Da es natürlich fast ausgeschlossen ist, die betrügerische Absicht naebzuweisen, hat der «Ratenjud» das Nachsehen. n""r.THANSA‘:i ■ M Wien, i.. franz josefs-kai 13 £ J TELEPHON 75-409 £ £ P*s**re* Häuser, Büros, | ■ ■■■■■■■ Wohnungen, Hypotheken, | | Verwaltungen £ ■ Prompt Unter wenigenTagen beste Resultate w 5 HHHHI Eigene Kreditabteilung nur für £ ■ große Transaktionen ■ Geht der Prozeß in e i n e r Verhandlung ab und verliert der Ratenhändler rasch sein Geld, so kann er noch von Glück reden. Meist wenden aber die Kunden* die mit dem Armenreqht leicht prozessieren können/ das beliebte Mittel der Mängelrüge an. Nach dem Ratengesetz kann die Ware bis zur Bezahlung der letzten Rate bemängelt werden. Also wendet man bei der Verhandlung einen Mangel ein, der sich merkwürdigerweise immer erst dann herausstettt, wenn es zum Bezahlen kömmt Nun muß ein Sach verständigen beweis auf detnRükken des Ratenhändlers geführt werden. Das kostet wieder eine oder mehrere Verhandlungen — oft wird eine Unzahl von Zeugen geführt — und die ganz mutwillig hervorgerufenen Spesen, die der Kläger dadurch hat, gehen natürlich aus seinem Saok. Man sieht: «Schwer zu sein ein Ratenhändler». Das Risiko des Geschäftes beträgt mehr als hundert Prozent Was Wunder dann, wenn der Ratenhändler dieses Risiko in die Preise einkalkuliert und wenn dadurch Auswüchse des Ratenhandels entstehen. Ein Ratenhändler treibt Wucher, hunderte verlieren täglich ihr Geld. Es ist hier wie überall: «Den Ratenjuden werdn ma’s zagen!» Berl Waldmann gestorben Die Wiener zionistische Organisation hat aim 1. August einen ihrer eifrigsten und -bewährtesten Mitarbeiter, Herrn Berl Waldmann verloren, der im 70. Lebensjahre verstorben ist. Der Verstorbene, der aus Gzortkow (Galizien) zu Kriegsbeginn »ach Wien übersiedelt war, gehörte noch dem vorherzlischen Cnowewe-Zionlsmus an; seit dem Auftreten des politischen Zionismus zählte er zu den ergebensten Mitarbeitern desselben. Die zionistische Bezirkssekfcion Brigittenau hatte in ihm eine verläßliche Stütze. Unter seinen acht Kindern, die sämtlich aktiv unserer Idee dienen, war der eine, Bendow, sein Stolz, weil er unter Jabotinsky als Legionär für die Befreiung Erez-Israeis mitkämpfte. Unter ihnen sind über ihren zionistischen Wlrkungskreifl weit hinaufl bekannt der Wiener Rechtsanwalt Dr. Israel Waldmann und der in Berlin lebende Publizist Moses W a i d m a n n, Die Liebe und Achtung, deren der Verstorbene sich erfreute, kam bei seiner Bcstattnug in reichem Maße zum Ausdruck. Das zionistische Landeskomitee , war durch seine Präsidenten Dr. Goldhainmer und Wochen-Kalender August 1928 Gedenktage an irem 9 Donnerstag 1881 — der blind« Dichter Ulerenym*« Lern ln Ntkoisbug g«b«i«n. 2S - J3 10 Freitag IT04 — der Begrtlnder der jüdischen Llterstnrirltseosehaft Dr. Leopold Zu* in D«t»«td geMtee. 24 — “131 11 Samstag 25 - na Haftersh: anijeh eeeroh 12 Sonntag 2# - 13 13 Montag Ig3l — der Komponist nnd Mastk- Theoretiker Salomen Jadeseehn 1» Brests* geboren 1872 — der Chemiker and Nobe'prei»- triger Professor Richard Wlllet&dter ln Kwlerahe geboren. 27 - O 14 Dienstag 28 - ns 15 Mittwoch 1887 — der dlniieb-jttdleobe Dichtes Meyer Aren Oeldscnmldt ln Kopenhagen gesi erben. ' 29-03 Herrn Prof. Rath vertreten. Die zionistische Bezirkssektion Brigittenau war'fast vollzählig erschienen. Von dem Verblichenen nahmen die Herren Löbel Taubes, Schönfeld und Biel und im Namen der Familienangehörigen sein Sohn Moses Wald mann, der Redakteur der Berliner «Jüdischen Rundschau» rührenden Abschied. Todesfall. Freitag, den 3. d. M., verschied plötzlich während seines Uriaubsaufenthaites in Krakau Ing. Jlzchak Eisig Wachsmann aus Jerusalem. Der Verblichene war Mitbegründer der Wiener Hltachduth und eines der Mitglieder des im ersten Nachkriegsjahre in Wien entstandenen Waad Aliah, der die große III. Allah geleitet hat. Seit mehr als zwei Jahren stand er als Architekt in Diensten der palästinensischen Regierung. Die Hitachdut Hanoar B’hungarla (Jugendsektdon der Zion, Vereinigung für Ungarn), ist der einzige jüdische .Iugendverband in Ungarn. Es arbeiten derzeit 55 Gruppen in 22 ugnarischen Ortschaften; die Leitung, deren Sitz in Budapest ist, steht im engsten Kontakt mit sämtlichen Gruppen und leitet ihre kulturelle, praktische, Palätinna- ArbeiL Seit Juni d. J. hat der Verband ein eigenes Organ «Cheruch». Vom 18. bis 20. August d. J. hält der Verband sdine Jahrestagung in Buadapest ab. Bisher liegen zirka 300 Anmeldungen aus Ungarn sowie zahlreiche aus dem Auslande vor. Auskünfte über Unterkunft, Verpflegung usw. erteilt das vorbereitende Komitee der Tagung (Adresse: Hitachdut Hanuar B’burtgaria, Budapest VL Kiraly u. 36). Achtung I Infolge direkter Bezüge von Lederarten wtfe Chevreaux, Schlangenhäute, Eidechse usw. ist es uns möglich, Schuhe in feinerem Genre, konkurrenzlos in Austfühtugn und Preis zu bringen. Die Firma «Schuh-Dora», IL, Taborstraße 8a* ist bekannt für moderne, gediegen gearbeitete Schuhe und sträng seriöse Preise. Bally-Schuhe in große r Auswahl fl Neue Hcrbstmodelle teilweise schon fertöggcstclltü Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Sommerwaren jeder Art gründlich zn räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen Preise noch um ein Erkleckliches zu reduzieren. 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