Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053784--0507-3055789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 81 nt«? (tnifff U1C 51 lWHIB» Sette 8 es gilt alle Kräfte anzuspannen, damit das angenommene Budget auch gedeckt wird. In Amerika ist gegenwärtig die Situation schwierig, das amerikanische Mitglied der Exekutive wird sicherlich alles tun, damit die amerikanische Organisation ein Machtfaktor im Zionismus bleibt. Das A. C. wird eine Depesche an die amerikanischen Brüder richten, um sie aufzufordern, zu der alten Sicherheit und Kraft im Zionismus zurückzukelren. Wir hoffen, daß die nächste in Jerusalem stattfi roden de A. C-Sitzung eine bessere und glücklichere Lage vorfinden wird. Leschanah habaah bijeruschalajimi» Dizengoff dankte unter starkem Beifall der A. C.-Mitglieder dem Präsidenten M o t z k i n für reine mustergültige und hingebungsvolle Amtsführung. Er dankte auch der Exekutive für ihre Mitarbeit und die Aufklärung der A. C.-Mitglieder. Nach 2 Uhr nachts schloß die denkwürdige A. C.- Session. * Die Beschlüsse des „Kleinen Kongresses“ In den Berichten über den Verlauf der A.-C.-Tagung haben wir die Beschlüsse and Resolutionen, welche das Ergebnis der Beratungen formulieren, ferner auch das Budget bereits mitgeteilt, darunter die Jewish-Agency-Resolution in vollem Wortlaut; wir haben zu dieser Resolution nur eine Ergänzung beizufügen: In dem Punkte B 1, der die Stellungnahme betreffs des Jüdischen Nationalfonds festlegt, soll es richtig heißen: „Die Zionistische Organisation anerkennt den K. K. L. als alleiniges Instrument der Bodenpolitik in Palästina. Demgemäß und entsprechend dem von den zionistischen Kongressen wfederholt festgestellten Prinzip der Auslösung des Bodens als Volksbesitz müssen alle aus öffentlichen Geldern der Jewish Agency zu erwerbenden Ländereien ins Gemeineigentum des jüdischen Volkes übergehen und allen Prinzipien des K. K. 1L, was Eigentum der Böden und. ihre Vergebung au die Siedler betrifft, unterworfen werden. Um die I ntegrität des K. K. L. zu wahren, soll der Erwerb von Böden aus zwei verschiedenen Fonds ausgeschlossen sein.“ Tra nachfolgenden geben wir heute die auf die Einwanderung bezüglichen Anträge Suprasky und Mereminsky wieder, die von prinzipieller Bedeutung sind, da sie die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung energisch bekämpfen. Sic lauten: Aendernng der Einwanderungsbestimmungen von 1925. Das Actions-Comite protestiert nachdrücklichst gegen die Einwanderungsbestimmungen und -Verordnungen der palästinensischen Regierung und die Art ihrer Durchführung in Konsulaten und den Häfen Palästinas sowie in Palästina selbst Die administrative Praxis der palästinensischen Regierung auf dem Gebiete der Einwanderung kommando ungeheure Sandsäcke abladen, tief gebeugt, mit matten Gebärden. Ich mußte meine Blicke abwenden, der Anblick tat weh. Ich habe es nicht wieder gesehen, das Gefangenenhaus von Akko, und hätte es nie zu sehen gewünscht In «The King's Court» (Beth Hadin), dem Gerichtshof von Akko, fand einige Tage später das Verhör in arabischer Sprache, von Ben Jehuda verdolmetscht, statt. Auch wurden zugleich streikende Arbeiter der Zündholzfabrik verhört, die Räume überfüllt, Kefija und Chaluzmütze begegneten einander wieder. In einem anderen Zimmer galt die Gerichtsverhandlung gleichfalls einem Autounfall, diesmal durch einen jüdischen Chauffeur. Es war schwül in den Räumen trotz der dicken Mauern, das ungewohnte der Umgebung, die beschworene Erinnerung an die Katastrophe, meine eigene Schwäche machte mich benommen, mein Bruder und mein Rechtsanwalt mußten mich aufrecht halten. Gleichzeitig wurden an diesem Tage die beiden Chauffeure wegen Fahrlässigkeit schuldig befunden. Also wäre es gerecht, das Gericht von Akko, das Juden und Araber Ins Gefängnis wirft, in die grell besonnten Zellen und Höfe der alten Zitadelle —?? Russische Volksstämme jüdischen Glaubens in Kalifornien Es dürfte wenig bekannt sein, daß in Kalifornien, und zwar in der Umgebung von LosAngeles, zwei russische Volksstämme nebeneinander leben, die sich Russen jüdischen Glaubens nennen. Es sind dies die «Moloki» und die «Subotniki». Beide stammen aus Rußland und sind vor etwa einem Vierteljahrhundert den Verfolgungen der Behörden des Zaren Nikolaus II. förmlich nach Amerika entkommen. Die «Subotniki» haben noch zu Hause in Rußland den jüdischen Glauben angenommen, aber sich hauptsächlich die Helligkeit des jüdischen Sabbats als Grundlage ihres neuen Glaubens gewählt, und sich auch nach ihm, «Subotniki» oder «Sabbatarier», genannt. Wegen dieses ihren Schrittes wurden ihre Vorväter und Begründer des Glaubens in Rußland unter Nikolaus II. noch schlimmer verfolgt als die Juden; ein Teil räSiBMaKisMiiiaaaal 13 ä ■ Km c m ■ i a, Vm i c i c ZWISCHEN PETERBPLATZ UND TUCHLA* —»N TELEPHON 6*-0.77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN verschließt praktisch die Tore Palästinas vor allen nach Palästina strebenden Schichten des jüdischen Volkes und steht in völligem Widerspruch mit dem Geiste des Palästinomandates und den Bedürfnissen der Arbeit und Wirtschaft Palästinas. Angesichts der erwähnten Tatsachen und der offiziellen Mitteilung der palästinensischen Regierung an die Zionistische Exekutive, daß sie im Begriffe stehe, eine Revision der geltenden Einwanderungsbestimmungen vorzunehmen, beauftragt das A. C. die Exekutive, alle ihr Zur Verfügung stehenden Mittel zu ergreifen, um von der palästinensischen Regierung und der Mandatsregierung au Stelle der Einwanderungsbestimmung,'n von 1925 und der Verordnungen der palästinensischen Regierung von 1927 ein neues Einwanderungsgesetz zu erlangen. Bei ihren Forderungen an die palästinensische Regierung soll die Exekutive die Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Sitzung des Wäad Leumi vom labre 19S5 sowie die grundsätzlichen Beschlüsse des XIIL und XIV. Kongresses bezüglich der Einwanderung beachten. Der Entwurf des neuen Einwanderungsgesetzes soll durch die Exekutive der uächsten Sitzung des A. C. vorgelegt werden, sobald er durch den bei der Exekutive bestehenden Einwanderungsbeirat «usgearbeitet und durch die Exekutive bestätigt worden ist Sofortige Verbesserungen in der Einwanderongspraxis. Gleichzeitig mit den Bemühungen um eine Aenderung der geltenden Einwanderungsbestimmungen von 1925 soll die Exekutive ihre Anstrengungen um Aenderung der Einwanderungspraxis verstärken und beschleunigen. a) Das A. C. beauftragt die Exekutive, von der palästinensischen Regierung und der Mandatsregierung nachdrücklichst eine sofortige Aufhebung der Einwanderungsbestimttmngen, die der Regierung das Recht geben, jüdische Einwanderer aus Palästina auszuweisen, zu verlangen, sowie sicherzustellen, daß sie nach Palästina einwandernde Juden nicht als Fremde behandle, sondern als Bürger, die kraft Rechtens und der historischen Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina ln ihre Heimat zurückkehren. b) Die Exekutive soll sich bemühen, im Einwanderungsdepartement der palästinensischen Regierung ein positives Verhältnis und politische Hilfe für diejenigen Palästina-Einwanderer sicherzustellen, die geeignet sind, die Privatinitiative mit eigenen Mitteln und eigener Anstrengung zu entwickeln, und die beabsichtigen, sich auf eigene Verantwortung im Lande anzusiedeln und von ihrer Betätigung: in Landwirtschaft, Industrie oder Hände! zu leben. c) Die Exekutive soll von der palästinensischen Regierung fordern, daß der für die Einwanderer dieser Kategorie erforderliche Minimalbetrag auf Grund des Vorschlages, der durch das Einwanderungsdepartement der Exekutive gekam in den Gefängnissen um, die Angesehensten unter ihnen wurden nach Sibirien und dem Kaukasus verschickt, während etwa 40 Familien mit hundert Köpfen vor 25 Jahren aus Zentralrußland nach Amerika, und zwar direkt nach Kalifornien, das schon damals das Ziel vieler europäischer Desperados war, auswanderten. In Amerika wurden die Subotniki von den dortigen Juden zuroächst als etwas Exotisches betrachtet und bei der Ueberwindung der ersten Ansiedlungsschwierigkeiten reichlich unterstützt. Die Subotniki klagen darüber, daß die Juden sich von ihnen allmählich abwandten, obgleich sie dagegen protestierten, bloß als Sa'bbatarier und nicht als vollwertige Juden, denen alle jüdischen Gesetze heilig seien, betrachtet zu werden. Sie bedauern es sehr, daß sie nicht hebräisch verstehen, weil sie mit Hi-ltfe der hebräischen Gebetsprache sich leichter mit den Juden auch als Volk verschmelzen könnten. Den ersten Sabbatariereinwaroderem folgten im Laufe der letzten 25 Jahre andere kleine Sabbatariergruppen aus Rußland, die sich im Norden der Vereinigten Staaten niederließen. Aber auch diese kommen allmählich nach Kalifornien, weil das dortige Klima dem Klima ihres ehemaligen Wohnungsgebietes in Rußland am besten entspricht. Da die Sabbatarier von ihrer jüdischen Umgebung n i c h t a 1 s vollwertige Juden angesehen werden, und die Juden bekanntlich im allgemeinen keine besonderen Freunde der Proselytenmacherei sind, schwindet die Zahl der in Amerika lebenden Sabbatarier allmählich; sie degenerieren durch Inzucht, soferne sie nicht durch Assimilation an ihre nichtjüdischen Nachbarn wieder zum Christentum zurückkehren. In der letzten Zeit versuchen die Sabbatarier mit den geistesverwandten «Moloki», die gleichfalls aus Rußland in größerer Gruppe ausgewandert sind, eine gegenseitige Auffrischung herbeizuführen. Die «Moloki» glauben wohl an Jesus, hingegen verachten sie den Klerus und die Geistlichkeit in jeder Form- Sie fallen durch ihre langen Bärte und milchweißen Gesichter auf; sie leben fast ausschließlich von Milch und Milchprodukten, woher auch ihre Bezeichnung «Moloki» (Milchesser) stammt. Auch die Moloki haben die Grundsätze des jüdischen Glaubens angenommen, so die Heiligung des Sabbats, .das Gebot der Bemeinsatn mit dem Einwanderungsbeirat ausgearbeitet wurde, festgesetzt wird. d) In allen Fällen der Zurückweisung von Einwande- -angsanträgen soll die Regierung verpflichtet sein, dem Antragsteller schriftlich die Gründe anzugeben. e) Die britischen Konsuln in Warschau, Berlin, New York, Bukarest und Paris sollen von der palästinensischen Regierung sofort die Erlaubnis erhalten, dieser Gruppe von Einwanderern palästinensische Visa zu erteilen, ohne bei •ler Regierung in Jerusalem deswegen anfragcu zu müssen. f) Die palästinensische Regierung soll ersucht werden, sofort ihre Verordnung vom 3. Oktober 1927 aufzuheben, die den Art. 2 der Einwanderungsbestimmungen von 1925 begrenzt und die in der letzten Zeit praktisch eine Trennung der Familien von ihren Ernährern bewirkt hat. g) Die palästinensische Regierung soll in allen Angelegenheiten der Erteilung von Einwanderungserlaubnissen Nansen-Pässe und ähnliche Dokumente wie gewöhnliche Pässe behandeln. h) ZezügHch der jüdischen Touristen, öic sich int Latlde niederlassen wollen, ohne dem Jischuw zur Last zu fallen, soll die Exekutive die Regierung dahin beeinflussen, daß sie den britischen Konsuln in Amerika, Polen, Rumänien, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern Anweisungen gibt, jedem Touristen die Erlangung des Einreisevisums nach Palästina m erleichtern. 0 Die Exekutive soll sich bei der Regierung eine bestimmte, ausreichende Zahl von Zertifikaten sichern, die ständig zu ihrer Verfügung bJeiben und auf Grund der Beschlüsse der Exekutive in Uebcreinstimmung mit den Bedürfnissen der Einwanderung und Arbeit verteilt werden sollen. k) Die Arbeiter-Einwanderer und Chaluzim, die ohne Geldmittel nach Palästina kommen, sollen von der Zahlung der Kopfsteuer gemäß dem Beschluß des XIV. Kongresses befreit werden- Organisierung der Einwanderung für das Jahr 1928/29. Angesichts der Tatsache, daß sich der wirtschaftliche Zustand im Lande gebessert hat, und angesichts des dringenden Bedürfnisses, eine Reihe von verschiedenen Arbeiten in der Stadt und auf dem Lande, besonders in der neuen Pflanzungswirtschaft, zu ermöglichen und in ihneu jüdische Arbeiter zu beschäftigen, beschließt das A. C.: a) Die Palästina-Exekutive soll eine hinreichende Zahl von Zertifikaten für das kommende halbe Jahr bei sich zur Verfügung halteu und sie nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes und den Bedürfnissen der Einwanderung verteilen. b) Angesichts der Tatsache, daß gegenwärtig 2000 Arbeiter in Siedlungen und städtischen industriellen Unternehmungen angefordert werden, beauftragt das A. C. die Exekutive, von der Regierung dringend 2000 Zertifikate für das kommende Halbjahr (August- März) anzufordern und in folgender Weise zu verteilen; 900 Zertifikate für Chaluzim, 350 für Chaluzoth, die spätestens im Dezember nach Palästina kommen sollen und für die. in den Siedlungen bereits Arbeit vorhanden ist; 250 Zertifikate für Angehörige von Einwohnern Palästinas in arbeitsfähigem Alter, die auf eigene Verantwortung 'und mit eigenen Mitteln ins Land kommen sollen; 200 Zertifikate für industrielle Facharbeiter und Leute mit begrenzten schneidung und anderes mehr. Die Moloki kleiden sich auch heute noch in ihre allrussische Bauern tracht, während die Subotniki sich äußerlich schon völlig amerikanisiert haben, was bald nach ihrer Einwanderung unter dem Einfluß der Juden der amerikanischen Großstädte, an die sie sich so gerne gänzlich angeschlosseti hätten, geschah. Ueberhaupt verstanden es die Subotniki, sich die wirtschaftlichen Methoden der amerikanischen Juden anzu eignen; man sieht sic in der großen Stadt als Hausierer, kleine Händler, Handwerker und auch Fabrikanten. Ueberall zeigen sic, wie sie selbst sagen, «jüdisches Temperament». Hingegen sind die Versuche einzelner unter ihnen, sich als Farmer zu betätigen, völlig fehl geschlagen. Die Bibel der Subotniiki hat nur das alte Testament zum Inhalt, und zwar in russischer Sprache. Hingegen sind ihre Gebetbücher russisch und z u m .T e i 1 h e - bräisch. Ihre Gebete verrichten sic nicht in der Synagoge, sondern im Hause ihres Aeltesten. Der Gottesdienst besteht hauptsächlich aus Gesängen, biblisch-russischen Melodien und Gebeten. Interessant sind die Legenden und Volkslieder dieser Subotniki. Sie erzählen vom alten Ursprung ihres Stammes, ihren Leiden und Verfolgungen in Rußland wegen ihres heiligen Glaubens, von ihrem Martyrium in den sibirischen Schneebergen und Steppen und ihrer abenteuerlichen Reise nach Amerika. In ihren Legenden kehrt immer der Name eines russischen Juden Zacharia wieder, der ihr erster Lehrer gewesen und in Moskau im 15. Jahrhundert gelebt haben soll. Die Bewegung zur Annahme des Judentums habe sich zunächst der Adeligen und Priester bemächtigt, und erst : p iter hat sie auch das Bauernelement ergriffen. Diesen Dauern wurden die Kinder abgenommen und der rus: sch-orthodoxen Kirche überantwortet, während die Eitern vor die Alternative gestellt wurden, entweder bei ihrem neuen judenglauben zu verharren oder ihre Kinder zurückzuerhalten. Und die Subotniki antworteten, wie ihre Tradition versichert: «Kinder sind ein Segen Gottes; werden wir sie verlieren, wird uns Gott ein anderes Land mit anderen Kindern bescheren. Glauben aber gibt es nur einen; vertieren wir diesen einen wahren Glauben, so werden wir niemals einen anderen bekommen.»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.