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Die Stimme · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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, Seite 2 PIE STIMME Nr. El Vorschlag., der die ÖeMaufbringimg sehr erschweren würde, an die Exekutive zurück2uweisen, die für das Budget die Verantwortung zu tragen habe. Es sei eine Erhöhung des Budgets um zirka 8 bis 10 Prozent, d. i. 40.000 bis 50.000 Pfund nötig. Das von H a r / f e 1 d begründete Minderheitsvotum der Kommission sprach sich gegen die Zurückweisung des Budgets an die Exekutive aus, da dies den Anschein hervorrufen würde, daß das Aktionskomitee sich seiner Aufgabe entziehe, und beantragte eine Erhöhung tmi 10 Prozent, da die Eingänge aus Amerika höher angesetzt werden könnten. Ir*, der darauf folgenden Debatte, die sich vorwiegend mit der Frage der Erhöhung der Einnahmen befaßte, beantragte Twcrsky, es möge aus dem A C. ein Fünferkomitee gebildet werden, das alle drei Monate Zusammentritt und gemeinsam mit der Exekutive die Verteilung des Budgets vornimmt. Grünbaum stellte den Antrag, daß die Exekutive vorläufig die Verteilung des Budgets vornehme und daß das A. C. erst auf seiner nächsten Sitzung im Frühjahr, wo über die Höhe der Einnahmen sicherere Grundlagen vorhanden wären als jetzt, einen Beschluß Über das Budget fassen soll. Ferner forderte Mereminsky eine Abmachung zwischen der Exekutive und der Hadassah dahingehend, daß diese sich mit einem festen Prozentsatz des gesamten Budgets für ihre Arbeit in Palästina begnüge. Die Hadassah werde so für die Gesamtarbeit ln Palästina Interesse haben und mit Energie an der Aufbringung des Gesamtbudgets mitarbeiten. Dies werde auch zu einer organisch besseren Verbindung mit der Hadassah führen. Für das jetzige Jahr könnte der Hadassah-Posten um 10.000 Pfund ermäßigt werden. Nachdem das Budget nochmals die Kommission passiert halle, wurde die Budgetdebatte in der letzten Sitzung des A. C.-Plenums zu Ende geführt Für die Exekutive spiachen Miß Szold, die u. a. die Zusicherung gab, daß auch bei einer von Dizengoff beantragten Verminderung der für das Budget vorgesehenen Beträge um 20.000 Pfund (gegen die sich Grünbaum ausgesprochen hatte) die Lehrer in Palästina nicht za Schaden kommen werden. Rednerin besprach dann die bisherigen Keren- Hajessod-Eingänge und legte dabei dar, die Schätzung des Keren-'Hajessod-Direktoriums im vorigen Jahre habe sich bis auf Amerika und Polen in allen Ländern als richtig erwiesen.- Die Abweichungen in den Ländern betragen kaum wenige Prozente, die ihren Ausgleich in den anderen Ländern finden. Nur in Amerika und Polen wurden die angenommenen Beträge nicht erreicht, aber nicht wiegen allzu vorsichtiger Budgetierung, die dann um so geringere Eingänge bewirkt, sondern wegen der i» diesen Ländern herrschenden inneren Differenzen. Der Vorschlag Grünbaums, das Hadassah-Budget um 10 Prozent zu kürzen und diesen Betrag Kolonisationszwecken zuzuweisen, bedeute ftir das Kolonisationswerk kaum einen Ziegel Das Gefängnis in Akko Von Dr. Martha Hofmaim. Zwei Gefängnisse sah ich in Palästina: das eine an der Bahnstrecke, zwischen Chederah und Benjaminah — langgestreckte, ebenerdige Betonzellen, glatt getüncht, vergittert. Ich sah es nur von außen, im Vorübergleiten des Zuges. Das zweite lernte Ich näher kennen. Es war gegen Ende meines Aufenthaltes im Lande, ich war fast von dem unseligen Ereignis, dem Autounfalle an der Brücke zwischen Haifa und Akko, hergestellt. •Nicht völlig, allerdings. Aber ich war wieder ein Mensch mit Bewegungsfreiheit. Damals lud mich das Gericht, das solange gezögert, zur Konfrontation mit dem schu'digcn Chauffeur Achmed Burnus nach Akko. Es war ein heißer Chamsin-Tag. Chamsin — das ist der Wüsienwmd, der fünfzigmal im Jahre (arab. chamsin fünfzig) eintreten soll. Kein angenehmer Wind, wie der von Meer oder Carmel. Ein Wind, der Glutwellen in die Köpfe treibt, der schlaff macht. Heißer Chamsin also — Pleonasmus! An solch einem Tage sollte ich die Strecke wieder fahren, die mir zehn Wochen vorher zum Verhängnis geworden war. Ich durfte mich nicht dagegen sträuben. Der Tatbestand mußte geklärt werden, jenes Dunkel, das zu so vielen Gerüchten Anlaß gegeben. Mein Bruder, der Maler, der aus Kairo herübergeeilt war, um mich heimzubringen, ferner mein Advokat Dr. W. aus Haifa, schließlich der jüdische Gendarrneriekommandant von Akko, damals eben frisch hieherversetzt, Sohn des großen Ben Jehuda — sie alle sprachen mir zu. Der letztere setzte sich selbst an den Volant, sicher und mit Vermeidung aller Tücken des Weges brachte er uns, der Küste entlang, nach Akr ko, der mittelalterlichen ^uneinnehmbaren Festung» an der schon so viele gescheitert. Arabische Jungen reiten auf schlanken Pferden tief in das Meerwasser und tummeln dort ihre jungen Tiere. Freudiges Wiehern schnaubt durch die Luft. Die heißen Titre beglückt das Bad. Dattelpalmen ragen aus der versandeten, versumpften Kischon-Mündung. Herrliche, hohe Stänvme, wie die der Sinai-Halbinsel, so stehen sie hier in dichten Gruppen. Oasen im Bau, aber eine Zerstörung des Hadassah-Werkes, das einen so plötzlichen Abstrich nicht vertrage. Nachdem Kaplansky beantragt hatte, durch höhere Ansetzung der Einnahmen und durch Herabsetzung dei für die Tilgung des Defizits eingesetzten Beträge um nur 12.000 Pfund eine Erhöhung des Budgets um 42.000 Pfund vorzunehmen, wurde ein vereinigter Antrag D i z e n - goff-Kaplansky-Twersky zur Abstimmung gebracht, der eine Erhöhung in diesem Ausmaße vorsieht. wobei es der E x e k u t i v e überlassen ble*bL ob sie «üe wr Tilgung des Defizits vorgesehene Summe ermäßigen will oder bloß mit erhöhten Einnahmen rechnet Dieser Vorschlag wurde mitl8gegen$St?mmen angenommen. Dazu gab im Namen der Exekutiv* Van Vrlesland folgende Erklärung ab: «Die Exekutive spricht die Hoffnung aus, daB es gelingen werde, durch die vereinigten Anstrengungen aller Mitglieder des A. C. und aller Keren- Hajessod-Arbelter Im Zusammenwirken mit der Exekutive die Einnahmen zu erhöhen. Die Exekutive wird aber die vom A C. beschlossene Erhöhung des vorgeschlagenen Budgets nur Insoweit ausführen, als die Einnahmen es ihr gestatten werden.» Der angenommene Budgetentwurf für das Jahr 5659 balanziert mit einem Betrage von 559.200 Pfund. Er weist folgende Einnahmen auf: Aus Amerika werden Einnahmen in Höhe von 180.000 Pfund (gegen 247.000 Pfund im Jahre 5688), au6 allen anderen Ländern 240.000 Pfund (wie im Vorjahre) veranschlagt. Aus Rückzahlung von Anleihen werden 7000 Pfund, von der Hadassah-Frauenorganisatlon 100.200 Pfund erwartet Dazu kommt eine Summe von 240.000 Pfund, um die sich das Budget erhöht und die in der Hauptsache aus erhöhten amerikanischen Leistungen gedeckt werden soll. Die Gesamteinnahme beziftert sich demnach auf 569.200 Pfund. An Ausgaben sind vorgesehen: Landwirtschaftliche Kolonisation 115.000 Pfund, Versuchsstation 10.000 Pfund, Handel und Industrie 5700 Pfund, Arbeit einschließlich Tarbuth-Defizit und Solei Bpneh 14.200 Pfund, Immigration 15.655 Pfund. Erziehung 60.300 Pfund (auf Antrag Rabbi Berlin, Dizengvff und Grünbaum wurde der Budgetposten als «gepanzert», d. h. in jedem Falle unkürzbar, erklärt), Misrachi, rehg. Erziehung und relig. Angelegenheiten 4000 Pfund, Technikum 1500 Pfund, Gesundheitswesen: Hadassah 90.200 Pfund, Kupath Cholim (durch Hadassah) lÖ.'OOO Pfund, Kupath Cholim 3400 Pfund, Kupath Choliin-Defizit 1000 Pfund, Waad Habriuth 850 Pfund, besondere Ausgaben 2000 Pfund, Verwaltung 18.ÖÖ0 Pfund, kleinere Ausgaben und Zinsen 4500 Pfund, Defizitdeckung 70.000 Pfund, Keren-Hajessod- Budget 38.000 Pfund, K.-H.-Zinsen 5500 Pfund, K.-H,- Verpflichtungen 79.245 Pfund, Schulden in London 5000 Pfund, Londoner Budget 15.000 Pfund. Es ergibt sich eine Gesamtausgabensumme von 569.200 Pfund. Das A. C. behandelte ferner sehr eingehend die ähnlich. Wir sind dicht vor der Stadt. Ein gewaltiges steinernes Tor, mittelalterlicher Bau aus der Zeit der KreuzzDge, öffnet sich gegen Osten. Doppelmauern umschließen stark und deichartig gegen das Meer absteigend die arabische Festung. Unten, im Hafen, Gewühl von Fischerbooten, weiße Segel wie Mittagsfalter auf der tiefblauen Bucht, an deren öegenküste das langgestreckte, silbern verdämmernde Haifa liegt, überragt vom waldigen Haupte des Karmel. Jenseits des Tores empfängt dich der bunte, wimmelnde. triebhafte Menschenhaufe der Araberstadt. Die Häuser, sonst eng gereiht, basarhaft überwölbt, treten auseinander, ein Platz öffnet sich geräumig, das arabische Cafe erfüllt ihn zur Hälfte, Dutzende von geflochtenen Tabouretts auf der Straße, darauf sitzend arabische Herren im -roten Tarbusch, die Beine gekreuzt, das metallgeriebene Mokkatäßchen in der Hand balancierend. Meist steht die Nargileh auf dem Bodön daneben, glückhaftes Versunkensein ist in den Mienen der schwelgend Rauchenden. Wir verlassen den Wagen an diesem Platz, denn nun geht es durch ein Gewirr von Gassen und Gäßchen, Basaren und Winkeln, an der herrlichen Möschee Dschezar Paschas vorbei, über die sich schlanke Palmwipfel wiegen, von Minaretts flankiert. Glühender Mittag. Kein Hauch in der Luft. Selbst Chamsin schiene Erlösung. — Wir steigen einen Feldweg mählieh bergauf, wieder uns nähernd der bogenförmig rückkehrenden steinernen Mauer. Ein junger Mann zwischen zwei Polizisten, Ockerfarbene Haut, die Augen trotzig geschlossen, dichte dunkle Brauen drohend darüber. Der weiße Burnus und der Kofiia umhüllen den schmalen Jungen. Widerwillig trabt er zwischen den arabischen Polizisten, die den Knüttel in Händen halten. Ein Gefangener, jedenfalls frisch eingeliefert. Wieder und wieder begegnet uns dieses Bild. Und dann -- ein Hnf tut sich auf, niedere Betonzellen ringsum, ein steinernes Hauptgebäude mit vielen Zimmern und Kammern. Wir sind zur Stelle. Während wir Zivilpersonen warten — der Gendarmeriekommandant hat sich längst in sein Amtslokal begeben —- wird wieder und wieder eir. Einzelner, ein Paar, ein kleiner Trupp Gefangener eingeliefert. Arabisches Proletariat zumeist, Alfjah, über die namens der hiefür eingesetzten Subkommission Suprasky referierte. Nach längerer Debatte, in der von der Exekutive darauf hingewiesen wurde, daß die Frage der Einwanderungszertifikate eng mit der Bereitstellung der nötigen Mittel verbunden sei, wurde, nachdem dieser Punkt im Budget klargesteilt worden war, beschlossen, für das nächste Jahr 1250 Einreisezertifikate für Arbelter-OHm und 750 Reservezertifikate von der Regierung anzuspre^hen. Weiters wurde die Wahl eines Mitgliedes der Exekutive Stelle des wegen beruflicher Ueberlasiung zurückgetretenen Dr. Eder vorgenommen. Am einmütigen Beschluß der politischen Kommission wurde Professor S. Brodetsky (London) in die zionistische Exekutive gewählt. Von den turnusmäßig ausscheidenden drei Direktoren des Keren-Kajemeth (Schocken, B. Katzenelsön und Dr. Hanske) wurden Schocken und Katzenelson wiedergewählt. An Stelle von D. Hantke, der geschäftsführender Direktor des Keren- Hajessod ist, wurde Suchowietzki ins Direktorium neugewählt Die Beschlüsse über das Kontrollamt wurden über Vorschlag der Organisationskommission noch dahin ergänzt, mit Rücksicht darauf, daß es sich nur um eure provisorische Regelung handelt, die bis zum nächsten Kongreß gilt, das Amt eines Kontrollors ein Ehrenamt ist und weder direkt noch indirekt honoriert werden soll. Da über die personellen Fragen noch nicht entschieden werden konnte, weil noch nicht genügende Voraussetzungen Vorlagen, wurde beschlossen, daß die Exekutive der nächsten A C.-Sitzung genaue Personalvorschläge unterbreiten soll. Bis dahin wird die Exekutive, wie sie erklärt einzelne Personen mit verschiedenen Revisionen beauftragen. Mit großer Mehrheit wurde schließlich über Antrag Kaplanskys beschlossen, die nächste A. C.-Sitzung Ende März oder anfangs April 1929 ln Palästina abzuhalten. Die Tagesordnung des «Kleinen Kongresses» war damit erschöpft Präsident M o t z k i n verlas ein Danktelegramm von Lord B a I f o u r für die Glückwünsche des A. C. anläßlich seines 80. Geburtstages und ergriff dann das Wort zu folgender Schlußansprache: «Diese Tagung war, wenn sie auch 2um Teil stürmischen Charakter trug, vom stärksten Willen zur Arbeit beseelt und ist mit Ernst und Würde an die Lösung der schwierigen Probleme und an die Erledigung des großen Materials geschritten. Das A C. hat die zionistische Fahne hochgehalten und hat durch den Verlauf der Tagung bewiesen, daß die zionistische Organisation noch immer die große ideelle Macht im Judentum ist. Uns steht eine große Arbeit bevör; der eine wegen Brotdiebstahl, der andere wegen Gewalttat, ein paar räuberische Beduinen, die ein jüdisches Gehöft überfielen, ein schreiender Halbwüchsiger, der seinen Lehrherrn und Liebhaber tödlich verletzt hat. Ein zerlumptes, weinendes Weib, irgendwo aufgelesen. — Bilder, wie jede Wachstube sie kennt, doch irgendwie greller, krasser — und malerischer. : Ich blicke durch die geöffnete Tür der Wachstube in den Hof. Und da sieht mein Auge ein Bild, das es nie zu sehen gewünscht und davon das Herz mir fast stockte. Ein Appell der Gefangenen, die zu Zwangsarbeit beim Straßenbau geführt werden. Hier eine Riege Araber in Getangenentracht, und dort - - auf der Gegenseite — jüdische Arbeiter, gleichfalls in den Kitteln ChaJuzim unverkennbare Chaluzim, jüdische Burschen und Mädchen, wie man sie überall im Lande bei ihrer auiononien Arbeit findet. Hier aber, angeherrsch* und unter der Knüttelaufsicht dar Polizisten. Es sind sogenannte «Morisin» — bolschewistische Elemente, oder solche, die von der Regierung dafür gehalten werden. Man säumt nicht lange mit der Arretierung, man kennt kein Fackeln. Es war ja qamals ain 1. Mai, so fällt nur e]p bei der Feier der Arbeiterschaft, al6 eine Grippe von Demonstranten von der Regierung verhaftet wurde. Ich habe ihr Mienenspiel nicht gelesen, noch wenigei ihr Fühlen durchschaut, damals im grellen Lichte des Gefangenenhofes von Akko. Es zu erraten fällt nicht allzuschwer. Bei der Heimfahrt nach Haifa sah ich sie an der Chaussee arbeiten? sie hämmerten im Takt auf den spröden Stein, der zerbröckelte, zerbrach. Ein lebendiger Rhythmus klang in diesem Hämmern — nicht dumpfe Ergebenheit, nicht Empörung. Wieder blieb mir, so sehr mein Auge ihn gesucht, ihr Ausdruck unkenntlich. Aber sicher weiß ich, daß einer vor sich hinsummte. «Vielleicht», sprach ich zu mir, «war er arbeitslos. Vielleicht ist ihm auch die Zwangsarbeit an der Regierungsstraße lieber als das. Ja — er tut unter Zwang vielleicht das gleiche, was aus freien Willen zu tun die Regierung ihm früher verwehrte, als sie keine Arbeit gab.» Doch dann begenet uns ein geschlossener Zug jüdischer Burschen und Mädchen, die unter Polizei-

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