Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1928)
- Date
- 1928-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ljv. b. h. Preis 35 Groschen Zelten g vom Verleger verwudet Journal expedte par föcfitear ▲boanementpretee; Für Oesterreich: Monatl S \JSO, riertelj. S 420, ganz]. 16.— / Deutschland: MonatL Goldmark l.—. viertel). Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19^- / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—> vierteljährlich Dinar 40.— Jtidisdke Zeitung Encfladfieit feden Donnerslad AedoJUlon und Jldminlsteialioii: Wien, I., dliBuAensi!ehiiKine V — fTelepfk. 7Ö-3-SS Polen: MonatL Zloty 2.30, vierteil. Zksty 6.50 / Ungarn: MonatL Pengö 1.50, viertel). Pengö 420 / Rumänien: MonatL Lei 45.--, viertel]. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, vierteij. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Übriges Anhand: MonatL Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 9. August 1928 (23. Ah 5688) Nummer 32 Rückschau An der Krise vorüber Die zionistische Exekutive bleibt im Amt — Erhöhtes Budget für Palästina ~ Der „Kleine Kongreß*' beendet (.Von unserem Berliner M. G.-Berichterstatter.) Von Michael. Die Beratungen des Zionistischen Aktions-Komitees zu Berlin sind zu Ende. Nun müssen wir prüfen, was sie uns gebracht haben. (Trotz aller Stürme dieser Tagung und trotzdem uns die Demission der Leitung nur knapp erspart blieb, darf man schließlich sagen: unser Haus ist bestell*. Der Bericht der Survey-Commission wurde im Wesen unter Wahrung der zum Schutz der zionistischen Prinzipien nötigen Sicherheiten dankend angenommen. Hiemit erscheint die Linie eingehalten, die vom Kongreß vor fünf Jahrfcn gewiesen und seither immer wieder bestätigt worden ist Die geradezu erdrückende Mehrheit, welche sich diesmal für das Bündnis mit den nichtzionistischen Palästinafreunden erklärt hat, stellt eine hoeftbedeutsame Tatsache dar, an der niemand i.ntrad außerhalb unserer Reihen wird Vorbeigehen können, also auch nicht die bisherige Opposition. Das Budget für das kommende Finanzjahr wurde vom A. C. ordnungsmäßig beschlossen. Durch die Forderung nach 2000 Zertifikaten an die Palästinaregierung wurde eine Lanze für die neue Alija, den Herzenswunsch der ganzen Bewegung, gebrochen. Das Direktorium des Keren Kajemeth konnte durch die Zuwahl Suchowietzkys, des wackeren «Scheich von Magdiel», glücklich ergänzt werden, die Exekutive selbst durch die wertvolle Kraft Brodetzkys. Der wichtigste Beschluß der Tagung betraf zweifellos den Report der Expertenkommission. Die Umstände aber, unter denen dieser Beschluß zustandekam, und noch mehr die Ereignisse, welche sich unmittelbar daran knüpften, waren wohl geeignet, das Ansehen der Zionistischen Organisation herabzusetzen und das -— leider — gerade in dem kritischen Moment, da wir uns mit den «Anderen» in der erweiterten Agency zu gemeinsamer Arbeit zusammensetzen sollen und wo unsere Geschlossenheit dringender nötig ist als je zuvo:. Schon das wütende Sturmlaufen vieler Delegierter gegen den Report, gegen seine Verfasser und deren Hintermänner aus dem Lager der nichtzionistischr.n Palästinafreunde und nicht zuletzt gegen den «Verräter» Weizmann und dessen Mitarbeiter in der Exekutive, kontrastierte merkwürdig damit, daß die meisten dieser Opponenten wenige Stunden später für eben diesen Report oder doch nicht gegen ihn stimmten. In ihrer Opposition blieben bis zur Abstimmung nur das Häuflein der Radikalen und Revisionist konsequent. Den Revisionisten freilich kann man nur die Konsequenz Ihrer schroff ablehnenden Haltung gegen Weidmann zutoilügen, denn ansonst hätten sie allen Grund gehabt, freudig einem Report zuzustimmen, der mit seinen heftigen Vorwürfen gegen die Mandatmacht na * mit seiner Kritik der bisnun beim Palästinaaufbau bevorzugten kollektivistischen Methoden sozusagen ein revisionistisches Programm formuliert hat Und gar erst das Husarenstückchen des Mißtrauensantrages gegen Sacher! Man wende nicht ein, daß zwischen diesem Antrag und dem Beschluß für die erweiterte Agency kein Zusammenhang bestehe. Wie kam es zu jenem Antrag? Hier rächte sich, daß die Anreger des Antrages von der Linken zwei Seelen in ihrer Brust bergen. Sie möchten stramme Revolutiinäre sein und ihre sozialen Sonderwünsche der zionistischen Gesamtorganisation aufzwingen und sind d-'ch, mehr als irgendein anderer, auf das schnöde Geld und den guten Willen der «Burganim», i n der Organisation und auch darüber hinaus, angewiesen. Ach, wie schwer fällt es da, zwischen volkstümlich-radikalen Retep und der harten Wirklichkeit eine Brücke zu schlagen! Weil Der demonstrative Vorstoß der Arbeiterparteien und des «Misrachi* gegen das Mitglied der Palästinaexekutive Harry Sacher, der dazu führte, daß die gesamte Exekutive der zionistischen Organisation sich mit Sacher, gegen den das von 22 Aktionskomiteemitgliedern unterschriebene Mißtrauensvotum gerichtet war, solidarisch erklärte und ihre Demission gab, brach rasch zusammen, da es dieser Oppositon nicht gelang, eine Exekutive zu bikten« In der politischen Kommission gaben die Unterzeichner der Mißtrauensdeklaration gegen Sacher die Erklärung ab, sie seien wegen der Kürze der Zeit nicht in der Lage, eine Exekutive zu bilden. Darauf nahm das Plenum des Aktionskomitees in einer eigens einberufenen vertraulichen Nachtsitzung über Antrag der politischen Kommission (Refent Rabbiner Nurok) folgenden Antrag an: also die Vertreter des arbeitenden Erez Israel, wenn sie den beschleunigten Aufbau des Landes nicht verhindern wollten, trotz allen Lärmes unmöglich gegen den Report stimmen konnten, hätten sie sich gern durch Sachers Skalp als unerbittlich legitimiert Und da Weizmann diesen Preis für die Stimmen der Linken ausschiug, machten sie sich wenigstens nach der Annahme des Reports durch den Mißtrauensantrag LurL Und ihnen gesellte sich als kurioser Weggenosse der MisrachL Der Erfolg war durchschlagend: die ganze Exekutive, die sich pflichtgemäß mit ihrem brüskierten Kollegen solidarisierte, traf zurück. Die Antragsteller aber waren unfähig und deklarierten sich als unfähig, eine neue Exekutive zu bilden. Es hätte ja auch den höchsten Widersinn ergeben, an die Spitze einer Exekutive, welche die Erweiterung der Agency als Hauptaufgabe durchzuführen hat ausgerechnet in UssAschkin einen Mann zu steHcn, der oll die Jahre hindurch nicht müde wurde, den Erweiferiingsplnn mit mannhafter Erbittemg zu verneinen. Am besten jedoch erhellt die Unüberlegtheit jenes Mißtrauensanstrages daraus, daß man schließlich die alte Exekutive .noch bitten mußte, sh möge bleiben, und daß die Träger und Verkünder des Mißtrauens diese Bitte zum Teil ausdrücklich unterstützten, wie der Misnacfoi, oder doch 'beschämt verstummten, wie die Linke. Beachten Sie in dieser Nummer tu tu folgende Aufsätze und Berichte: Eine Palästinakonferenz der Nichtzionisten. Der ansgebentete «Ratenjnd». Von Robert Schreier. Das Gefängnis von Akko, Von Dr. Marfiia Hofmann. Russische Volksstämme jüdischen Glaubens. Der «trockene» Sowjetpogrom, Hochzeit im Hause des Großrabbiners von Palästina. Salomon Rosowski. Von Ben-Ztoa J e d 1 d j a h (Jerusalem). Sport, Schach, Rätsel, Humor, zahlreiche IQttstrationen. «Das Aktionskomitee beschließt, die gesamte Exekutive zu ersuchen, kn Amte zu verbleiben.» Für den Antrag stimmten die Allgemeinen Zionisten und der Misrachi, gegen den Antrag zwei Revisionisten. Die Poa 1 e-Zion, die Vertreter der «H i t a c h d u t h» und die Radikalen enthielten sich der Stimme. Damit war die Krise beigelegt und am 30. Juli konnte das Aktionskomitee in drei Sitzungen, welche bis 2 Uhr nachts währten, sein Arbeitspensum erledigen. Zur Verhandlung gelangte zunächst das Budget, das die Exekutive mit etwa“ 527.200 Pfund veranschlagt hatte. Namens der Budgetkommission referierte ihr Vorsitzender Dizengoff; er begründete den Mehrheitsvorschlag der Kommission, den Budget- Weizmana errang so ebnen gewaltigen persönlichen Sieg, indem er alle seine Widersacher im A. C. aufs Knie zwang. Sie mußten ihm, dem Unentbehrlichen, noch dankbar sein, daß er bleib. — Kein wahrer Freund der Demokratie kann düe Gefahren dieses krisenhaften Spiels auf die Dauer übersehen. Denn man muß zu Weizmanäis Gharakfcergröße und zäonistisaher Verläßlichkeit schon das vollste Vertrauen •haben, um angesichts der fortgesetzten Attacken poK feisch-pe rsönlicher Ranküne gegen den Führer die Sorge überwinden zu können, daß er — dem Zug der Zeit folgend — dieses ganzen Pariaimentaiisrmis überdrüssig werde. Doch wir wollen beä den Schattenseiten der Berliner Tagung mäht zu lange verweilen. So unzufrieden man rmt jenen Delegierten sein muß, die sich in taktischen Fragen unüberlegt und von Logik wie von Verantwortungsgefühl wenig beschwert gezeigt haben, so sehr können wir uns der großen Emhedtlichkeft freuen, welche m prinzipiellen Fragen sich bei den Zionisten aller Schattierungen neuerdings bewährte: Gemeint sind damit vor allem die ultimativen Bedingungen für das Zusammengehen mit den „anderem“, die Forderung nach einer neuen <Ahja und nach einem rascheren Aufbau Palästinas, wie säe in einer Erhöhung des Budgets gegenüber dem Vorschlag der Exekutive klar zum Ausdruck kam. Daß in diesen Punkten die Exekutive vom A. C. vorwärts gedrängt werden mußte, braucht uns an der Tatkraft und dem Optimismus der leitenden Männer nicht irremachen. Es ist ja nur natürlich, daß sie. weiche die Verantwortung in erster Reihe zu tragen haben, vorsichtiger sind denn die Delegierten als dos Sprachrohr der zionistischen Masse. An dieser günstigen Wechsel Wirkung zwischen Führern und Geführten läßt sich denn doch der hohe Wert unserer Organisation als einer demokratischen ermessen. Darum wehe den Zionisten, die — von Faktionsgeist besessen, — nicht müde werden, an den Grundlagen der Organisation zu rütteln. Wenn die Berliner Tagng des A. C. die Verirrten zur Einkehr lenkt und zum Respekt vor den Beschlüssen der Mehrheit zurückführt, welche nach außer* die zionistische Gesamtheit darstellt, dann wird dies der köstlichste Erfolg dieser Tagung sein.