Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 THE STIMME Nr. Bt Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Sommerwareu jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt »ns, unsere bekannt billigen Preise noch um ein Erkleckliches zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört niedrigen Preisen zn decken. Wir veranstalten daher ab Montag, den 2. Juli, einen Sommerrättmungsverkauf mit großen Sensationen. Schon ein Blick in unsere Schaufenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort zur Schau gestellten Sommerwaren jeder Art wird Ihnen zeige«, daß unsere Leistungflfähigkeit unerreichbar ist. Sie müssen, bevor Sie Ihren Urlaub antreten, Ihre Garderobe vervollständigen, für Str.and und Land bekommen Sie alles bei uns. Besuchen Sie uns unverbindlich, lassen Sie sich unsere reichhaltige Auswahl in feinsten Seidenwaren in den alicmeuesten Dessins, Etamine, Voile. Regenmäntel, Strick- und Wirkwaren, Badeartikeln, Wäsche, Modewaren usw. zeigen! 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WISSEN / KUNST / LITERATUR Nänie (Aus Anlaß von Morris Rosenfeids fünftem Todestage) Vor genau fünf Jahren starb in New York Morris Rosenfeld im 61. Lebensjahr. Lange vorher war sein Weltruhm erloschen, der thn kurze ZeSt allenthalben als den Repräsentanten neuer jüdischer Dichtung hatte gelten lassen. Im Jahre 1898 übertrug der englisch-jüdfecbe Literaturhistoriker Wiener Rosenfelds ein Jahr vorher erschienene Gedichtsammlung «Das Liederbuch» ins Englische und umgab die Gedichte mit einem begeistert hinweisenden historischen Abschluß über jiddische Sprache und Literatur, schilderte darin den Lebenslauf des jüdischen Shoparbeiters, der in glühenden Versen das jüdische Elend des jüdischen Arbeitsmannes besungen, und rückte den bös dahin unbekannten Dichter des «Liederbuches» ins helle Licht der Beachtung. Im Jahre 1900 folgte eine deutsche Uebertragung Rosenfeldscher Gedichte durch Berthoid F e i w e 1 unter dem Titel «Lieder des Ghetto», <ße sehr viel dazu beitrug, den Dichter bekannt zu machen. Kaum ein Dutzend Jahre aber währte die Geltung dieses Dichters; erschien später in einem New Yorker Blatt em Gedicht von ihm, so fragte man sich verwundert: «Ja, lebt denn Morris Rosenfeld noch?» Heute, fünf Jahre nach seinem leiblichen Tode, ist er fast ganz vergessen. Dieses rasche Versinken unter der Schwelle volk- Dcben Koltnrbewußtseins bat seinen Grand stets darin, daß das Werk dessen, den so tragisches Schicksal ereilt, röcht die Kraft besaß, seinem Volke oder der Menschheit za geben, was beide zur UeberWindung ihrer ewigen Furcht vor dem Vergehen bedürfen: die Empfindungen und Stimmungen, die ihr Leben bejahen, ihm die Perspektive der Dauer geben. Unter allen Schöpfungen der Kunst vermag dies vielleicht die Lyrik im stärksten' Maße und unter allen Völkern ist am häufigsten das Lied in die Unsterblichkeit übergegangen. Um bei der neuen jiddischen Dichtung zu bleiben: zahlreiche Lieder von Ehrenkranz, Warszawski, auch von Reisen sind Volksgut geworden; Rosenfeids Lyrik wurde rasch welk. Er kam aus einem Fischerdorf in Polen nach London, wo er seine ersten Gedichte schuf, später nach New York, wo er im Jäher 1S86 zam erstenmal gedruckt wurde. Daß er sich schwer durchsetzen konnte (seine ersten Gedichtsammlungen, «Die Glocke», im Jahre 1888, und «Die Blumenkette», zwei Jahre später erschienen, fanden werag Beachtung und er mußte, nrn nicht von der Not zur Strcbke gebracht zu werden, nach Art der jüdischen «Singer» von Stadt zu Stadt wandern und seine Gedichte in Kaffeehäusern und Schenken vortragen), dieses Schicksal teilt Rosenfeld mit vielen Dichtern gemein; daß seine Geltung von so kurzer Dauer war, liegt daran, daß seine Dichtung nie über die gewissermaßen äußerliche Stimmung herauskanu Roseniekl sang von der jüdischen Not, der sozialen wie der seelischen, doch er erfaßte ihre beiden Arten nur äußerlich; er malte die jüdische Zukunft, den «jüdischen Mai», in Oeldruckmanler. Eingängige Form, die stark von Heine beeinflußt war, ließ seine Lieder ins Ohr dringen; doch sie drangen nicht weiter. Bestes Kennzeichen: es gibt fast keine Vertonung eines Rosenfeldschen Gedichtes. Gepackt hat in Rosenfelds Dichtung^ seine Fähigkeit, den bitteren Kampf gegen die Sturmflut des sozialen Elends, zu dem sich noch die jüdische Heimatlosigkeit kn wörtlichen wie im sozialen Sinne gesellt, unmittelbar wie er ihn selbst erlebt hatte, wiederzugeben; diese Fähigkeit gab ihm Gedichte wie «Mein Kind», «Die Maschine», In denen etwas wie echte Melodie ist. Seine Grenze lag dort, wo das Erlebnis zu allgemeiner Gültigkeit za gesatlen ist. Deshalb flaut in allen Gedichten, wo uns manchmal überraschend ein grimmiges Pathos anspriogt, solcher Anlauf rasch ab, deshalb vermag Rosenfeld der Natur nirgends beizukommen and hilft sich mit fremdem Vorbild (die «Elul-Melodien» z. B. sind eine versifizierte Entlehnung von Mendele Mocber Sforim). Dieses Manko im allgemein gültigen Gestalten bringt es wohl mit sich, daß Rosenfeld fast immer nach Vorbildern arbeitete. Seine ersten Gedichte waren von Heine (der stets sein Vor- Vorbikl blieb) und von Frug, einer der stärksten liryschen Begabungen des vorigen Jahrhundert, bis heute in Rußland hochgeschätzt, beeinflußt; später wurde er durch P c r e z zu Balladen- und Legendendichtungen angeregt; das Vorbild ersetzte eben den Mangel des Weltbildes. Vielleicht ist das der GrumJ dafür, daß den Grund ungetrübtesten Genuß Rosenleids jiddische Uebertragung der Zionkten von Jebuda Halevi gibt Eine gewisse satirische Begabung zeichnete Rose meid seit je aas; durch sie gelangen ihm in der Zeitschrift «Asmodai», welche er von 1894 an durch knappe zwei Jahre selbst herausgab, einige gut pointierte Verulkungen der seit je geistig tiefstehenden jüdisch-amerikanischen Presse; in den letzten Jahren seines Lebens lieferten ihm kleine satirische Gedichte und Prosastücke in den New Yorker Blättern eia kärgliches Brot Von wirklich bleibendem Einfluß ist die sprachliche Sette der Dichtungen Rosenfelds. Ihre Sprache ist leicht flüssig und hat — wo sie nicht von der handwerklichen Not des am Brot Schreibenden zum bequemen Klischee gedrängt wird — eine gewisse edle Linie. An ihr hat die nachfolgende Generation jiddischer Lyriker viel gelernt Die dichterische Erscheinung wurde tragisch rasch zum historischen Schemen. Siegfried Schmitz, Moscheh Ziffer. Efo junger palästinensischer Bildhauer. Wer sich die Mühe nimmt in der noch immer viel zu wenig bekannten Kunstschule des österreichischen Museums die Arbeiten der Zöglinge und Absolventen näher anzuseben, findet unter ihnen eine Reihe von Plastiken in verschiedenem Material, deren eigentümlich beherrschte Monumentalität auffällt Es sind Werke eines jungen jüdischen Menschen, der, heute nicht viel über die Fünfundzwanzig, seine ersten künstlerischen Impulse in E r e z Israel erhielt. Im Jahre 1919 ging der damals 17jährige Moscheh Ziffer aus seiner Geburtsstadt Przemysl als Piouier nach Palästina. Dort arbeitete er längere Zeit in einem Steinbruch in der Nähe von Haifa und irgendwie formte sich ihm der Kalkstein seiner Arbeitsstätte zur Gestalt und zu Gestalten. Der Drang nach der Form verließ ihn nicht, auch als er später Gärtner in Beth Alfa wurde. Seit 1926 ist Ziffer — mit einer kurzen Unterbrechung, während der er abermals i1W6ÜÜW0008Ü0Ü90Q06Ü000Ü! JKaty- Wien 1., stzaßeJlr.22 Die ßeste und. billigste £infcaufs~ quelle 7 in Palästina war und dort einige seiner Arbeiten ansstefUe — Schüler der BUdbauerklasse von Prot Steinhof am österreichischen Museum und hat vor kurzem diesen Kursus absolviert. Moscheh Ziffer: Büste des Oberrabbiners Dr. Chajes s. A. Zitters Lehrer, einer der ausgezeichnetsten Künstlet, die in Oesterreich wirken, legt auf die zielbewußte Schulung des Formgedächtnisses besonderen Wert und läßt seine Schüler vielfach frei ohne Modell arbeiten. Unter dieser Leitung hat Ziffer rasch künstlerische Reife erlangt und seine Plastiken in Holz, Sandstein, Granit und Marmor haben eine eigenartig übernatürliche Natürlichkeit. Sie stellen zumeist Frauen dar und es ist, als ob das Geheimnis des Wachstums; welches alle Natur, in der Pflanze am sinnfälligstem in allen höheren Lebewesen immer dunkler werdend, sich dem jungen Künstler immer von neuem im Frauenkörper offenbarte. Und so scheinen seine Figuren wie ein Ringen um die Enthüllung dieses Geheimnisses. Ziffer hat seine künstlerischen Studien mit der Hilfe des verewigten Oberrabbiners Dr. C h a j e s, der so vielen so viel Gutes tat, absolviert. Diesem seinem Schützer und Berater hat er eine Büste geweiht, in der abermals das geheimnisvolle Wunder der Erneuerung, des ewigen Wachstums, künstlerischen Ausdruck findet. Auge, Stirn und Mund sprechen von der Hingabe an die ewige Erneuerung, gleichsam Symbol des Wirkens des Dahingegangenen für sein Volk, das an dieser ewigen Erneuerung stärksten geistigen Anteil hat. Auf Moscheh Ziffer sei nachdrücklichst auferksam gemacht. E. G. F. Moscheh Ziffer: Kopf einer Schlafenden. (Palästinensischer Kalkstein.) Kfintlerisclie Imionmaterei in orthodoxen Synagogen Die Klausenburger orthodoxe Sym&aee, welche vor einigen Monaten von rumänischen studentischen Huligans geschändet und deren Gesamteinrichtung demoliert und geplündert wurde, soll uach einem Beschluß des Vorstandes der orthodoxen Gemeinde adaptiert und frisch gemalt werden, ps verdient verzeichnet zu werden, daß der Kultusvbrstand der orthodoxen Gemeinde von Klausenburg, die zünden konservativsten Gemeinden selbst der ungarischen Orthodoxie zählt, den Beschluß faßte, diese Innenroalerei dem bekannten akademischen Maler Benjamin