Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 81 DIE STIMME Seite 5 raSiaMflaKUVIiaaiHH lafacuHs^isscaiafcilCliJi nrif~iiiniirimniM 2WISCHEN RETERSPLAT2 UNO TUCHLAUBeN TELEPHON «0-0-T7 1 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN Jüdisch© Fragen bei der internationalen Studentenkonferenz Das Weltstudcntenwerk «International. Student Service» in Gen f, Ober dessen Tätigkeit wir schon ^mehrfach berichtet haben, wird vom 4. bis 12. August & J.tselne siebente Jaihrestaguog in Chartfes (Frankreich) abhaiten. Es ist diesmal, den statutarischen Bestimmungen gemäß, eine sogenannte M i t a r b e i t e rko nf e ren z, die nur auf jene Delegierte beschränkt ist, die bereits mit den Zielen und der Arbeit des Welt^tudentenwerkes vertraut sind.,. F£r nächste* Jahr ist wieder (wie im Vorjahre) eine allgemeine große Konferenz vorgesehen. Das «International Student Service», das sich zur Aufgabe gestellt hat, in allen Ländern den Studenten ohne Rücksicht auf deren Rasse, Nationalität und Glaubensbekenntnis, moralisch und materiell, unparteiisch und selbstlos zu. helfen, hat zu seiner Tagung; nach Chartres mit dem Eintreffen von Vertretern von zirka 35Nationen zu rechnen. Als Vertreter der jüdischen Studenten werden bei der Konferenz erscheinen: die Herren A. Ceijtlin und Elch. Lewin aus Warschau, Leo Steinig aus Genf, Jules Stone aus Oxford, Sam. Cohen und Silin a n für die anderen englischen Universitäten und Alexander Teich aus Wien. Den Ehrenvorsitz über $e Tagung in Chartres hat der französische Minister und Mitglied der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit des Völkerbundes Prof. M. Pain 1 eve übernommen. Die Tagung wird sich auch mit der Frage des Antisemitismus befassen. Ein diesbezüglicher Beschluß wurde bei der vorjährigen Tagung in Schiers gefaßt, ln einigen.Kommissionen wird über Nothilfe (F1 ü c h tli n gs s tud eaj ten, China), Förderung studentischer S e 1 b s tb i H e u. .a. m. verhandelt werden. Aiuch das Projekt eines internationalen S t udentensanatorinms in der Schweiz xarird nochmals zur Behandlung kommen. * Im Heibst des vergangenen Jahres wurden weite Flächen im Fürstentum Liechtenstein und. in der, Schweiz Vom Rhein überschwemmt Die Studentenschaft der? Schweizer Hochschulen hat einen Aufruf an die Studentenfchgjt Europas erlassen, ihr bei den Aufräumungs- und Aufbauarbeiten »m Ueberschwemmungsgebiete zu helfen. Auch d^r Jüdische Hochsch ulausschußin Wien hat eine Einladung erhalten" und sofort die Organisierung einer f ^ei jyiUigen Gru jrpe.?füdf&'fter S*tli di n t.eh Wi.<|*tiV veranlaßt, die in den nächsten Tagen in die Studertteijaibeitskolonjen nach dem Bergeil (Kanton Graubünden) abgeÜen wird. * *< Kleine Nachrichten . Vor kurzem• verstarb in Berlin kn Alter , von 78 Jahren. Dr. Arthur Kahn, ein Vorkämpfer für das. gesetzestreue Judentum, der vor, mehreren Jahren die Berliner Chewra Kadischa wäederbegründet hat. und später zu deren Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden gewählt wurde. Dr. Arthur Kahn war auch ein feinsinniger Schriftsteller; er veröffentlichte auch vielgelesene jüdische Dorfgeschichten. ' ,, ' ♦ ]m Alter von 82 Jahren verstarb in Padua Senator Romanin Jacur,' der 40 Jahre lang dem italienischen Parlament angehörte und nach dem Kriege zum S e n'ator gewählt worden war, Senator Jacur war zweimal in verschiedenen Perioden Unterstaatssekretär 'für öffentliche Arbeiten und auch Stellvertreter des Innenministers. Er war eine unbestrittene Autorität in Fragen-der Agrikultur und hat sieb auch große Verdienste um die7 Ausgestaltung der italienischen Handelsflotte erworben. ‘Senator Jacur war ein tief religiöser, traditionstreuer Jude. ■ ■ *■ - Ein in Libau stationierter jüdischer Sökiat,' Salman L i n de 1, hat einen zweiten jüdischen Soldaten, Jacob 0 r b e, durch Gewehrschüsse getöfet,vund darauf Selbstmord durch Erschießen verübt.’ Die Ursache dieser grauenvollen Tat ist. nicht bekannt.! « Auf die gemeinsame Eingabe des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogen-Gemeinden, Halberstadt, und der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., bat der Reichsfinanzminister wie in den letzten Jahren, eine Zollermäßigung für.Palmen und Myrthen für das Laubhütten fest eiutreten lassen. . ■ * r ' Bei der vom Handelsdepartement der Vereinigten Staaten im Jahre 1926 durchgeführten Volkszählung wurde auch das religiöse Bekenntnis berücksichtigt. Bei dieser Zählung wurde festgestellt, daß in den Vereinigten Staaten 4,078.357 Juden leben, die sich auf 2948 Kongregationen verteilen. Der Wert der Synagogengebäude samt ihrer Einrichtung wird mit 100,890.669 Dollar beziffert, 553 Kongregationen unterhalten Sabbat h-Scb ulen, die von 69.439 Schülern frequentiert werden; 631 Kongregationen unterhalten jüdische Wochenimgsschu- 1 e n mit einer Gesamtschülerzahl von 70:429? , . * Ortanb h M für öffentliche und fix Angestellte sowie deren Angehörige Der Rabbfnatsassesor von Tstyiopol Joschna Hescftei Frenkel, der als einfacher Soldat in der polnischen Armee dient, wurde wegen Gehorsamsverweigerung zu vier Monaten Gefängnis verttrteilt. Er weigerte sich, dem von seinem Vorgesetzten an ihn ergangenen Befehl, sich seinen Bart abnehmen zu lassen, zn gehorchen. Die itn Jahre 1786 von dem jüdischen Bankier Philipp Samson begründete Realschule ln Wolfenbüttel, als Samsonschule überaus populär, ist zufolge des durch die Inflation verursachten Verlustes ihres einst großen Vermögens in Gefahr, einzugehen und appelliert an die deutsch-jüdische Oeffcntlichkeit um Beihilfen. * Die an der Universität zu Padna studierenden jüdischen jungen Leute aus Ungarn, die wegen des Numeros clausus ihr Vaterland verlassen mußten, veranstalteten ihrem Kollegen Dr. Ladislaus Roboz, der sein Doktordiplom an der Clinica medica ln Padua „summa cum laude“ erworben hat, ein Festbankett. Glückwünsche für den Ausgezeichneten \vt l’dcri an den Straßenecken von Padua affichfert. * Der Verband hebräischer Lehrer., in Palästina gab zu Ehren der in Palästina zn Besuc^ weilenden 31 Lehrer aus der Tschechoslowakei ein Bankett.* Es sprachen Vertreter jüdischer Institutionen, die die Gäste in Palästina willkommen hießen. Der tschechoslowakische Konsul betonte in seiner Antwortrede, daß <fie. Tschechoslowakei die jüdische Arbeit io Palästina mit warmer Sy m- I gab Prot PeterboJe der Bewunderung für das jüdische pathte verfolge. Namen» der tncbecbosfowakiscbm Lehrer J KokmisatioflswetA; Ausdruck. Pauschalpreis inkl. Fahrt in 5 Teilzahlungen abzüglich eventueller Visum- und Fahrtbegünstigungen einschließlich erstklassiger Logis, Verpflegung, unbeschränkter Bädergebrauch samt Zelt, Kurtaxe etc. ftelseantritt schon nach Anzahlung gewährleistet Auskünfte und Prospekte durch die Generalvertretung des internationalen Reisebüros F. GRIGOLON & CO. WICH, I., KOHLMAHKT 8 (Eingang Wällnerstraße) Telephon 69-4-1? F Zum Kapitel „Oesterreichs Swnmeiirlschen-Aiißsemitlsnnis“. Unter der Einwirkung der Hitze treibt der Sommerfrischenantisemitismus merkwürdige. Blasen. Wenn In C z e g 1 e d in Ungarn das Schwimmbad nur an bestimmten Taigen der Woche für Juden benützbar ist, weshalb die jüdische Bevölkerung der Stadt darangehee will, ein eigenes Bad zu bauen, so ist das nur ein drolliges Kapitel des In Ungarn durch‘ das ganze Jahr herrschenden Antisemitismus; die sommerlichen ’ Spielarten51 des österreichischen Antisemitismus dagegen sind so .schmierig, daß sie entsprechend behandelt werden müssen. In Krumpendorf* wird von einer Pensionsinhaberin wohl die Gnade geübt,; daß sip Juden,aufnimmt, weil man mit Reinrassigkeit nicht gar gute Geschäfte macht, dagegen aber fbbrt sie sepajjaitc MitiagsJaf ei Iür A,t 1 (ft'lfcnd NichtarIet. [Eine bodenlose Frechheit leistet sjch das gutkäthollsche VStift G ö 11 w e i g: die Wälder des Stiftbs dürfen von den Sommergästen in Furth, Kleinwien oder Päudorf nur gegen Erlag einer Gebühr von 2"S betreten werden; dafür erhält $dmfk 3)om Wien, H., JaßoisIro^lcJlr. Sex JVToderne ieftufi© aus ßesfem JfZefeiiaf gediegerastf aus^cfüünt Jlin seijjdse Sweise man vom Waldamtstift Göttweig ausgestellte Erlau b n i sscheine, auf deiien der Vermerk steht: „Jnden erhalten grundsätzlich keinen Erlaubnisschein". Gegenüber diesen Impertinenzen der rassischen Sommerfrischen-Verwaltungen odeieinzelner Pensionsinhaber, Gastwirte n. dgl., gibt qs nur eine Methode: Sommerfrischen, wo auch hur ein Falt rassischer Frechheit bekanr^ wurße, streng zu meide rre< i! Laßt Hm ertrinken, den In einem Budapester Blatt regt sich eia Leser ans der Donaustadt W a 1* e n über folgende*Erlebnis auf: In Walzen ist das Donaubett ziemlich seicht, die Strömung ungefährlich und so pflegen die Waizner,^besonders aber die Jugend, in der Donau frei zu baden, Do,ch gibt es eine Stelle, an welcher vor nicht langer Zeit Sqyndaushebungen erfolgt und in den auf solche Weise entstandenen Qruben Abgründe entstanden sind, die das Baden an dieser Stelle gefährlich machen. Vor einigen Tagen promenierte der Briefschreiber am Donauufer. und hörte plötzlich gellende Hilferufe aas dem Wasser. Ein etwa 14jähriger jfunge machte krampfhafte Bemühungen, sich an der Oberfläche zu halten. Er mußte jeden . Augenblick untergeben Der Korrespondent des Blattes Ist kein Schwimmer und so rannte er entsetzt zu einer Gruppe von Männern, die als gute Schwimmer bekannt sind, and bat sie händeringend, den armen Jungen, den in der nächsten Sekunde der Abgrund zu verschlingen drohte, zu retten. Unwirsch wies einer aus dieser Gruppe den Mann, der um Hilfe für einen Ertrinkenden bat, ab, lachte über den zappelnden Sterbenden auf dem Wasser und meinte, als der Junge gesunken war und nicht mehr auftauchte» mit sichtlicher Schadenfreude: „Es Ist kein Schade um ihn, laßt ihn ertrinken, den Judeububeul“ Die Polizei, die alarmiert wurde, machte alle Anstrengungen, wenigstens die Leiche des Ertrunkenen zu jbergec, was jedoch nicht gelang. Aber noch am selben;Abend stellte es sich heraus, daß der Verunglückte gar kein „Judenbub“, sondern das einzige Kind einer armen ehr istliehen Arbeiterin war. Schade um dieses Opfer eines jungen Lebens. Vielleicht aber ist es besser für ihn, denn er wäre, wahrscheinlich in die Lebensschale des Mannes geraten, der ihn nicht rettne wollte, weil er in ihm einen ,yJudenbuben** wähnte. Pogrom auf jüdische Kinderseeten Abgrundtief und tausendfarbig ist die Verworfenheit ides Antisemiten. Besonders unheilvoll aber tobt; sich der ’ Judenhaß aas, wenn er einen. Jugendbildner, einen Lehrer oder eine Lehrerin, kleiner Schulkinder beherrscht, und jdem Antisemiten unschuldige, ahnungslose Judenkinder : ausgeliefert sind. Da geht es dem kleinen Judenkind so, wie es den jüdischen Vülksschülem in d^ ‘; polnischen Judenstädtchen ergeht, wo katholische Lehrer, erfüllt von bodenlosem Antisemitismus, auf die. Volksschulklassen-los-.' gelassen wurden, in denen ,90 Prozent jüdische Kinder den Segnungen der Erziehung teilhaftig werden sollen. Wie das {geschieht, erfährt man.aus einer,Interpellation, djp der jü- 'dische Sejmklub kürzlich an den Unterrichtsminister gerichtet hat. Abgesehen davon, daß die jüdischen Kinder, gezwungen werden, katholisch-kirchliche Gesänge und Gebete! aaswendig zu lernen and mit den die Minderheit bildenden, katholischen Kindern mitznsingen, und die Judenkinder bestraft werden, wenn sie unter Berufung auf das Verbot ihrer Religion sich weigern, in der Zeichenstunde Gott als einen alten Mann mit langem Bart darzustellen, werden Kindervorstellungen veranstaltet, in denen den jüdischen Schülern und Schülerinnen die verächtlichsten Rollen und Posen aufgezwungen werden. Die Zensuren in . den Aufgabenheften der jüdischen Schüler begleiten die Lehrer mit antisemitischen Beschimpfungen gegen das Judentum; überdies werden die Kinder gezwungen, diese Zensuren ihren Eltern vorzulegen und von ihnen bestätigen zu lassen. Damit wird die Beschimpfung der Juden gewissermaßen auf die ganze Judengasse ausgedehnt. Es sollen nicht wir die kleinen unschuldigen Kinder, sondern auch Ihre Eltern und erwachsenen Verwandten, die ganze Judengemeinde erfahren, wie die Lehrer, die in solchen Städten zum überwiegenden Teil ans jüdischen Stenergeldern bezahlt werden, über ihre Brotgeber denken. Führen die Kinder Klagen über solche sadistische Gemeinheiten, so werden sie von den Lehrern im besten Falle beschimpft, wenn nicht empfindlich gestraft. Bei solcher Auffassung des Lehrberufes ist es schon fast nebensächlich, daß die Klassen, in denen fast ausschließlich jüdische Schüler unterrichtet werden, . vom hygieni-. sehen Gesichtspunkt in stärflicher Weise vernachlässigt sind, die Fußböden gesprungen, feucht und das ganze Lehrzimraer gesundheitsschädlich ist. Der jüdische Sejmklub fordert eine strenge Untersuchung, beziehungsweise die Errichtung eigener jüdischer Schulen. Die Antwort des Unterrichtsmlnisters steht noch aus. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOCX)UXXXXXXXXXXX»OOC< m PlofllnOielden sctal® enfbonei. Erzeuge für Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orthopädische Schabe. Was auf Grund meiner langjährig erprobten Praxis eingebaute Einlagen, daher von normalen Schuhen nicht zu unterscheiden ist. Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Komm« Auf Bestellung Ins Haus- HANS VEIGL vorn. 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