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Die Stimme · 1928-08-02 · Heft 31 (2.8.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 31 (2.8.1928)
Date
1928-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 31 Eine weitere Resolution befaßt sich mit der Sicherung der hebräischen Sprache und Kultur, Worauf cs weiter heißt: «Das Aktionskomitee erklärt demgemäß, daß die Anerkennung der in den vorstehenden fünf Punkten niedergelegten Grundsätze der jüdischen Arbeit, der hebräischen Sprache, des nationalen Bodens, des Selbstbestimmungsrechtes der Siedler und der ständig wachsenden Einwanderung unabänderliche Grundlage für die Errichtung der Agency und für die Aufstellung ihres Arbeitsplanes ist. Indem das Aktionskomitee auf die vorstehenden Punkte besondere Aufmerksamkeit lenkt, erklärt es, daß der Bericht der Kommission in seinen allgemeinen Umrissen von wesentlicher Bedeutung für die Aufstellung eines A. beitsprogrammes der Jewish Agency ist. C. Der von der Kommission erwogene Plan der Errichtung eines I n s 111 u t e s für Industrie-, Pflanzungs- und Handelskredite mit einem Kapital von 750.000 bis i,000.000 Pfund sollte mit möglichster Beschleunigung ausgeführt werden. D. Das Aktionskomitee beschließt, daß unter Fortsetzung der begonnenen Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency gemäß den Beschlüssen des XIV. und XV. Kongresses und den vorstehenden Resolutionen unverzüglich die erforderlichen Schritte unternommen werden sollen. Die Exekutive wird aufgefordert, die Verhandlungen mit den Jüdischen Gemeinschaften der verschiedenen Länder energisch fortzusetzen und sobald als möglich zum Abschluß zu bringen.» Der Berichterstatter verlas hierauf die von <fen einzelnen Fraktionen zur Abstimmung gestellten Amendements, beziehungsweise Minderheitsvoten, darunter ein Mißtrauensvotum der radikalen Zionisten, das bei der Abstimmung gegen vier Stimmen der Radikalen und Revisionisten, bei Stimmenthaltung der Poale Zion, abgelehnt wurde. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde ein Antrag der Revisionisten auf Abkehr von derjewish- Agency-Politik abgelehnt. Amendements der Poale Z i o a und der Arbeitspartei cH i t a c h d u t h», die ach unter anderem auf erhöhte Sicherung des nationalen Bodenprinzips bezogen, wurden mit 26 gegen 13, beziehungsweise 24 gegen 16 Stimmen ab gelehnt. Es gelangte sodann die obenzitierte Mehrheitsresolution zur Abstimmung und wurde mit 41 gegen 4 Stimmen (der Radikalen und Revisionisten) angenommen. Nach der Sabbatpause behandelte das A. C.-Plenum in einer Nachtsitziavg vom 29. auf den 29. Juli die Frage der Uebertragung der Universitätsgebäude in Jerusalem auf das Kuratorium der Universität. Der Vorschlag der Exekutive lautet: a) Das Direktorium des Keren Kajemeth wird ersucht, d)er Universität die Pacht an den UniversitätsgrundstücRen zu einer nominellen Rente für einen Zeitraum von 999 Jahren tu gewähren. b) Die Exekutive wird autorisiert, nach erfolgter Gewährung der Pacht seitens dei K. K. L. alle Rechte an den Baulichkeiten auf die Universität zu übertragen, sobald die Zusammensetzung des Kuratoriums regelrecht erfolgt ist, und es hierdurch der letzteren vtu ermöglichen, Kuschane für di* Gebäude zu erlangen. Dieser Antrag wurde angenommen; ferner gelangte der Antrag Ussischkin zur Annahme, durch den. das A. C. das Direktorium des K. K. L. beauftragt, in seinen Vertrag mit dem Kuratorium einen Passu6 aufzunehmen des Inhalts, daß, wenn in irgendeinem Zeitpunkte das Kuratorium der Universität verlangen sollte, den Boden der Universität für a ndere als die Zwecke der Universität zu verwenden, dies nur mit Zustimmung des Direktoriums des K. K. L. geschehen kann. Ferner wurde angenommen: Soloweitschiks Antrag: «Das A. C. ersucht die Exekutive, unverzüglich Schritte zu ergreifen, damit die tatsächliche Zusammensetzung des Universitätskuratoriums mit den Bestimmungen der provisorischen Verfassung hinsichtlich Gesamtzahl und Zusammensetzung derselben in Einklang gebracht werden»; der Antrag Berlin: «Das A. C. beschließt, das Eigenatumsrecht der Gebäude der Universität solle auf den Namen der Zionistischen Organisation übertragen wenden und erst nachdem das Kuratorium gemäß den Beschlüssen der zionistischen Kongresse reorganisiert wird, über die Uebergabe der Gebäude an das Kuratorium zu verhandeln.» Der weitere Teil der Nachtsitzung wurde als vertraulich erklärt. Dort spielten sich die eingangs berichteten Vorgänge ab, die zur Demission der Exekutive führten. * Ein politisches Komitee der Revisionisten Die vom 21. bis 26. Juli in Berlin stattgefundene Tagung des Zentralkomitees der Zibnisteu-Revisionisten hat unter anderem beschlossen, in London eine politische Kommission zu schaffen, welche die von den allgemeinen Konferenzen der Revisionisten beschlossenen Grundsätze für die politische Tätigkeit der Union der Revisionisten zur Durchführung bringen soll. Ferner hat die Konferenz beschlossen, in London ein ständiges Bureau der palästinensischen Rechtsschutzgesellschaft „Sechuthenu“ 'zu errichten. * Felix Warburg Aber die Siedlungsmethoden Nach seiner Rückkehr von Europa hat Felix M. Warburg dem New Yorker Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur ausführliche Darlegungen über die Grundlinien des Berichtes der Jewish-Agency-Komm i s s i o n gemacht. Ueber die von der /Kommission vertretenen Prinzipien der Kolonisation sagte Warburg dabei u. a.: „Die Kommission war von dem Gefühl geleitet, daß g esunde Geschäftsprinzipien empfohlen werden müssen; Jeder faire G&chäftsmann wird zugeben, daß dies das einzige Verfahren ist, das in Anwendung zu kommen hat Eine Konsolidierung müsse jeder weiteren Arbeit vorangehen. In der Angelegenheit der Finzelverträge hatte die Kommission das Beispiel der jüdischen Kolonien in Rußland vor Augen, wo jeder Kolonist für alles, was er enrhält, die persönliche Verantwortung übernimmt. Es ist undonkbar, daß die Agency mit Körperschaften zu tun haben sollte, deren Verantwortung von einer Gemeinschaft getragen wird, die unter Umständen auseinandergel?en und ein Chaos zurücklassen könne. Die Siedler solleh auf einem Boden angesiedelt werden, der sie auch ernähren kann. Wir wollen es so einrichten, daß die Siedler sich zu Rückzahlungen der erhaltenen Werte verpflichten; dies kann aber nur auf der Basis des wirklichen produktiven Wertes des Gebotenen geschehen, mifr Ausschluß aller für die notwendige Vorbereitung gemachten, sowie'anderer Ausgaben, die nicht direkt in dem Wert des Bodens eingeschlossen sind.“ Herrliche Garten-Tennisplätze unter schattigen Bäumen mitten im Grünen 36er und 87er Linie in nächster Nähe 8 Stunden samt Trainer pro Person S 15*—! Während der Monate Juli und August noch einige ermäßigte Einzelstunden zu vergeben I Erstklassige Trainer XIX., Kahlenbergerstraße 46 Tel. Ä12-6-85 Die jüdische Politik in Polen Hin GespräÖh mit Dep. Zwi Heller Derder zionistischen Arbeitspartei „Hitachduth“ angehöfige jüdische Sejmdeputierte Zwi Heller, der vor einigen Tagen in Wien weilte, hatte die Liebenswürdigkeit, einem unserer Mitarbeiter über die jüdisch-politischen Verhältnisse in Polen die nachfolgenden Mitteilungen zu machen. Das Verhältnis der jüdischem Abgeordneten und der jüdfi&ch-en Bevölkerung zu der Regierung ist seit den Maiereignissen ein positives geworden und zwar aus zwei Gründen: Erstens weil die arotiseth forsche Partei, der historische Gegner der Pilsudski-Rc gieruing, naturgemäß auch unser Gegner ist, und zweitens, weil wir hoffte#, daß in der neuen Aera unsere P os t u 1 a t e erfülltwenden würden. Unsere Ablehnung des Budgets sollte keineswegs bedeuten, daß wir in das gegnerische Läger übergegangen sind, sie solltr nur ein kräftiger Ausdruck d-er Unzufriedenheit über die Nichterfüllung unserer Postulate sein, weil ja ohne befriedigende'Lösung der J u d e n f r a g e, die eine Grumgfordernng der jüdischen Parlamentsvertretung sein muß, auch keine Gesundung des Landes ein treten kann. Unsere Forderungen bewegen sich in drei Richtungen: Die nationale Judenschaft verlangt die Abstellung gewisser Maßnahmen und Tendenzen, die gegen den organisierten Zionismus, die alle Assimilation und das Moschkotuim unterstützen. Ferner verlangen wir diie Anerkennung unserer Forderung auf L egalislerung und Subventionierung unseres Schulwesens und Ausbau der Organe der jüdischen Autonomie0'und drittens das Awfhören des wirtschaftlichem Antisemitismus. Ais der Premierminister Barrel seinerzeit den wirtschaftlichen Antisemitismus als schädlich für das Land erklärte, hofften wir, daß nunmehr ein Abbau jener Bestimmungen einsetzen werde, die ihren Ursprung im Wirtschaftsantisemitismus haften, wobei im erster Linie an eine Steuerreform gedacht ’war, da sich das herrschende Steuersystem gegen cfie städtische, somit jüdische Bevölkerung richtete. Auch unsere Forderung nach Arbeit, nach Einstellung jüdischer Kräfte in staatliche und kommunale Unternehmungen und Aemter und Berücksichtigung der Juden bei der Agrarreform fand keine Erfüllung. Natürlich steht die jüdische Vertretung auf dem Standpunkt der Parlament arischen Demokratie. Innerhalb des jüdisch e n K 1 u bs, der diese Postulate einheitlich zu vertteten hat, haben sich in der letzten Zeit gewisse ‘Parteiungen hera/usgeblldet, die noch in persönlichem Antagonismus Nahrung finden. Diese ^i^eneciiiaftlichen Kämpfe sind für den Zionismus von großem Nachteil. Beide Gruppen, sowohl die sich um Ör. Reich, als auch die sich um Dep. Grün b a u m scharen, werden a/uif eine Sprengung des Klubs gedrängt Dabei werden leider Argumente angewiendet, die vollständig der Wirklichkeit widersprechen. Es wird ein künstlicher provinzieller Patriotismus gezüchtet und immer wieder auf den Gegensatz zwischen «galizischer Mentalität», und «Warschauer Radikalismus» hingewiesen, der in Wirklichkeit gar nicht besteht; die zionistische Arbeitspartei «Hitachdufh», der ich angehöre, vertritt z. B. unabhängig vöri jedem provinziellen Patriotismus eine einheitliche Politik und strebt daher die Einheitlichkeit des' ParlamentskSubs an. Der Zwiespalt Lm zionistischen llager wird van der Aguda und den Assfcmilanten weidlich ausgenützt, ebenso, wie in Kongreßpolen sich die Bundisten die Kompromittierung des Zionismus zuduitze machen. Die allgemeine Lage d e s Z i o n i s m u s, die durch, die eWig-en Parteikämpfe stark in Mitleidenschaft gezogen ist, h'ät sich in der letzten Zeit merklich gebesserte Die Hebräisienmg hat wesentliche Fortschritte gerhach.t. Eine, wenn auch kleine, aber qualitativ hochwertige Gruppe von Chaluzim wartet auf den Ruf zur Emigration und benützt diese Zeit zur gründlichen Vorbereitung für Palästina. Mit großem Interesse verfolgt man in Polen die Beratungen zur Erweiterung der Jewish Agency. Mit kleinen Ausnahmen war die Stimmungwohlwollend;; das Ergebnis der Londoner Vereinbarungen hat aber ein gewisses Befremden und manche Resolutionen haben lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Man erwartet deshalb gespannt die Ereignisse der kommenden Aktionskomitees!tzung in Berlin. Wieder ein Friedhofsschändungsversuch in Deutschland r ’ In der vorigen Woche hat in Köln ein Beamter der Wach- und SchließgeselJschaft eine Rotte junger Burschen gestellt, die die Mauer des jüdischen Friedhofes in Köln- Ehre n f e ld Übersteigen wollten. Es kam zu einem Handgemenge, v/obfei der Wächter von seiner Schlogwafflfe Gebrauch machen mußte. Erst als er mit der Schußwaffe drohte, ließen die Burschen von ihm ab und ergriffen unerkannt die Flucht. Nach den Aussagen des Beamten warfen die Burschen " mit Hak e n kreuze n geschmückt und hatten sich* zum' Teil mit H a m d w e r k zeug gut versehen. (Bekanntlich wurde vor einiger Zeit der Friedhof in Köln-Deckst&n zum Teil verwüstet, ohne dtaß es bis Jetzt gelang, der Täter habhaft zu werden. Die Red.) .Vor wenigen Tagen wurde an der vor kurzem eibauten - kleinen Tempelhalle auf dem alten Jüdischen, Friedhof aim Bonner Tor m Köln der Davidstern abgeschlagen. Auch von diesen Tätern f|hlt jede Spur. Balfours 80. Geburtstag wurde in gafiz England feierlich begangen. Am 25. JuH faiw eine Sitzung des britischen Kabinettsrates statt, in der Lorä Balfour vom Premierminister Baldwin herzlich beglückwünscht wurde: Die vielen Freunde, die sioh Balfour in beiden Häusern des Parlaments erworben hat, machten ihm als Geburtstagsgabe ein Auto zum Geschenk. Der K ö n i £ und die Königin von England sowie sämtliche Mitglieder der königlichen Familie haben als' die ersten Lord Balfour m seinem 80. Geburtstag gratuliert. Am Geburtstage liefen viele hunderte Telegramme aus allen Weltteilen im Hause Lord Balfours ein, darunter Glückwünsche der englischen zionistischen Föderation und des Anglo-Palestinian-Club. Das Exekutivkomitee des Jüdischen Nationalfon d s sandte ein Glückwunschtelegramm, in welchem dem Jubilar mitgeteitt wurde, daß die Aktion für Pflanzung eines Balfour - W a 1 d e s von 150.000 Bäumen in Palätina dank den Bemühungen des Balfour-Wald-Komitees unter der Präsidentschaft von Major H. L N a t h a n glücküch b ee n d e t ist. Lord Balfour erwiderte: «Ich bin hocherfreut, zu hören, daß der mit meinem Namen verbundene Aufforstumgspian Erfolg gehabt hat.» Das in .Berlin versammelte Aktionskomitee der zionistischen Organisation hat in seiner Sitzung vom 24. Juli, dem sechsten Jahrestag der Ratifikation des Palästinamandates, unter großen Akklamationen beschlossen, Lord Balfour zu seinem 80. Geburtstag telegraphisch zu beglückwünschen. In Wien veranstaltete dias Zionistische Landeskomitee aus Anlaß des Balfour-Tages am 24. Juli eine Fes t- Sitzung, zu der außer den Mitgliedern der zionistischen Parteileitung Oesterreichs und den Präsidien der Fonds sämtliche Mandatare erschienen waren. Der Präsident der österreichischen Organisation Dr. Goldhammer würdigte in knapper, eindrucksvoller Rede Balfour als dien hingebungsvollen Freund der zionistischen Idee der Wiederherstellung des jüdischen Staates. Diesen Politiker der kühlen Vernunft hat die menschliche Größe, die in der zionistischen Idee liegt, zu ihrem leidenschaftlichen Verfechter gemacht; darin liegt der beste Beweis, daß unsere Arbeit eine Wirkung in die gesamte Menschheit übt und den Weg der Völkerversöhnung beschleunigt. Die Versammlung beschloß die Absendung eines Glückwunschtelegrammes an den Jubilar. Mit Liedervorträgen von Opernsänger Tisch, der, feinsinnig begleitet won Herrn Dzimitrowski, zwei Lieder von Engel und eine Arie aus Händels «Josua» ausgezeichnet aura Vorträge brachte, schloß die Festsitzung.

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