Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 DIE STIMME ——*% S«Ute r den andere-Ansprach erheben. Das Verbrechen der Exekutive besteht In Ihrer Existenz. Wir haben nichts Heroisches geschaffen, aber unsere Pflicht voll erfüllt Wir haben alles getan, um den Jischuw vor dem Albdruck der Arbeitslosigkeit zu befreien. Seien Sie jetzt offen und haben Sie den Muf, unseren Platz einzunehmen!» Inzwischen war Präsident Weizmann in der politischen Kommission zum erstenmal seit ihrem Zusammentreten — erschienen und erklärte dort er könne sich nicht mit einer unklaren Resolution begnügen, er wolle ein Dokument vor sich sehen, in welchem er unzweideutig einen Ausdruck des Vertrauens sowie eine Ermutigung zu einer Aussicht versprechenden Fortführung der Verhandlungen mit den Nichtzionisten erblicken könne. Nach ihm legten die Führer der einzelnen Fraktionen und Gruppen ihre Ansichten dar, und da zeigte es sich, daß die Rede Sachers im Plenum die Situation verschärft hatte; die Ablehnung des Standpunktes, den Sacher deklariert hatte, verdichtete sich in den Darlegungen, der Poalc-Zion zur Forderung der Demission Sachers. Präsident W c i z m a n n erklärte sich jedoch mit Sacher solidarisch und damit war der Sturm auf die Palästina-Exekutive für diesmal Im wesentlichen abgeschlagen. Es kam nun darauf an, die einigende Formel für die Jewish- Agency-Eesolution zu finden; zu diesem Zwecke tagte am 26. JuH die politische Kommission In Permanenz, wobei die Mitglieder der Exekutive zumeist anwesend waren. Das Plenum des A. C. trat erst am 27. Juli nachmittags wieder zu einer Sitzung zusammen. Bei dieser referierte namens der Exekutive Felix R o s e n b 1 ü t h über das Kontrollamt Er zitierte die betreffenden Kongreßbeschlüsse und wies darauf hin, daß cs sich hier nicht, wie bei einem Rechnungshof, nur um eine Sachkontrolle handelt, sondern auch um eine Zweckkontrolle. Der Kontrolleur oder die Kontrolleure sollen direkt dem Kongreß verantwortlich sein und vollständig unabhängig von der Exekutive und dem A. C. All dies zeige, welche Bedeutung diesem Amt zugeschrieben wird und mit welcher Unabhängigkeit man es ausstatten wollte. Dem tatsächlichen Sinn der Kongreßbeschlüssc entspreche es, wenn dieses Amt als Ehrenamt errichtet werde. Exekutivgewalt kommt diesem Amt nicht zu. Es kann selbständig •keine Beamte entlassen, es kann nur Urteile fällen, aber sie nicht selbst Vollstreckern Es hat Bericht zu erstatten an die Exekutive, an das A. C. und den Kongreß. Ucber die budgetäre Frage wie auch die für dieses Amt vorgesehenen Personen soll in einer dngesetzen Kommission gesprochen werden. Nach kurzer Debatte wurden die meisten Punkte des Vorschlages angenommen, der Punkt 5, welcher bestimmt, daß das Kontrollamt ein Ehrenamt sein soll, wurde der Kommission überwiesen. Sodann kam die Frage der Sondersammlungen zur Behandlung. Die Vorschläge der Exekutive, welche Jm Hinblick auf den Keren Haiessod Koordinierung der Sammlungen erzielen und die Priorität der zentralen Fonds festgclegt wissen wollen, wurden einer Neunerkommission überwiesen. Ferner wurden weitere Organisationsfragen behandelt. Auf Vorschlag der Exekutive wurde eine Kommission gewählt, die gemeinsam mit der Exekutive eine En qu e te veranstalten soll, um Fragen der zionistischen Organisation und Propaganda gründlich prüfen und eventuell zur Beratung dieser Probleme eine Konferenz einberufen soll. Des weiteren wurde die Exekutive ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Präsidium des A. C. Ort und Zeitpunkt des im Sommer 1929 fälligen XVI. Kongresses zu bestimmen; die Vorbereitungen sollen so früh als möglich in Angriff genommen werden. Die politische Kommission bat Indessen die Einigungsformel gefunden, der sich alle Fraktionen und Gruppen bis auf die Radikalen and Revisionisten anschlossen. Demgemäß schritt das Aktionskomitee, von dessen 52 Mitgliedern 48 anwesend waren, zur-Abstimmung über die Resolutionen. Kurt Blumenfeld verlas die von der überwältigenden Mehrheit der politischen Kommission vorgeschlagene Resolution; sie besagt: A. Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation drückt den Mitgliedern der Joint Palestiue Survey Commission für die von ihnen geleistete wertvolle Arbeit seinen besonderen Dank aus und begrüßt den Im Bericht zum Ausdruck gekommenen Wunsch zur Zusammenarbeit aller Kreise des jüdischen Volkes beim Aufbau des jüdischen nationalen Heimes ln Palästina ln der Erwartung, daß eine solche Zusammenarbeit zu der erwünschten Beschleunigung und Stärkung des palästinensischen Aufbauwerkes führen wird. Das Aktionskomitee konstatiert mit Befriedigung, daß die Kommission in Uebereinstimmung mit der Stellungnahme der Zionistischen Organisation, eine Reihe von poütischen Forderungen aufgestellt hat, die sich au! die Verpflichtung der palästinensischen Administration und der Mandatarmacht beziehen, für die Schaffung solcher administrativer und wirtschaftlicher Bedingungen im Lande Sorge zu tragen, die die Errichtung des Jüdischen nationalen Heimes slcherstelien. B. Im Hinblick auf die wirtschal tliehen Empfehlungen der Kommission erklärt das Aktionskomitee, daß der Bericht kl einigen wesentlichen Punkten der Notwendigkeit, gewisse wirtschaftliche Methoden mit den spezifischen Aufgaben und Bedingungen der Aufbauarbeit in Palästina in Uebereinstimmung zu bringen, nicht hinreichend Rechnung trägt. B (1). Die Zionistische Organisation hat stets für den Jüdischen Nationalfonds als alleiniges Instrument der Bodenpolitik in Palästina betrachtet. Demgemäß und entsprechend dem von den zionistischen Kongressen wiederholt festgesetzten Prinzip der Auslösung des Bodens als Voiksbesitz müssen alle ans öffentlichen Geldern der Jewish Agency zu erwerbenden Ländereien ins Gemeineigentum des jüdischen Volkes übergeben und allen Prinzipien des Jüdischen Nationalfonds, was Eigentum der Böden und ihre Vergebung an die Siedler betrifft, unterworfen werden. Die Zir ' tische Organisation hat stets auch den privaten odenerwerb und die Förderung der Ansiedlung von Siedlern mit eigenen Mitteln als wichtig anerkannt. Ein diesem Zwecke dienendes Institut soll indes nicht laufend aus öffentlichen Mitteln unterhalten, sondern lediglich durch einmalige finanzielle Maßnahmen aktionsfähig gemacht werden. B (2). Das Akfonskomitee verweist auf das der zionistischen Kolonisationsarbeit zugrunde gelegte Prinzip der Freiheit des Siedlers in der Bestimmung der sozialen Form seiner Wirtschaft und erklärt demgemäß, daß auch in Zukunft den Siedlern das Recht gewahrt werden muß, ihre Wirtschaftsform — Kwuzah, Moschaw oder andere Siedlungsform — zu wählen, wobei verstanden wird, daß jede Siedlungsform den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und der Möglichkeit ökonomischer Selbsterhaltung genügen muß. B (3). Gemäß den Kongreßbeschlüssen betreffend dauernde Verstärkung der Einwanderung erklärt es das Aktionskomitee als wesentlich, daß die Jüdische Einwanderung nach Palästina sowohl durch die Jewish Agency als auch durch die Palästinensische Administration verstärkt und gefördert wird, "und daß Arbeiter-Einwanderer ebenso wie Einwanderer mit eigenen Mitteln die erforderlichen Möglichkeiten erhalten, Ins Land zn kommen und sieb dort niederzulassen. B (4). Das Aktionskomitee erklärt, daß in allen von der Jewish Agency durebgefübrten oder geförderten Arbeiten und Unternehmungen der Grundsatz der jüdischen Arbeit gewahrt bleiben muß. IN SCHUHEN 5Ctü. ANGENSOH UHf VON 'So DlftEKT IN D€ft fABftlK VII. KAIS€ASTftASS€ 46. in STOCMi Wenn der Prophet 'in der Melodie des Kl&ge- — Der Markt war armselig. Zu wenig Verkäufer und zu wertig- Ware zum Verkaufen. — Auf dem Markt sah man mir Frauen einkaufen und auch mir junges. Wenn ets wenigstens auch Fra-uen gegeben hätte, die ihre kleinen Kinder in Säcken auf diem Rücken mittnagen! Wo gibt es noch einen Markt ohne Grüiiwuren? Hat man schon so etwas gesehen? Aber darauf kam gleich stöirmfeclte Antwort: Im Gegenteil, das 'beweist, daß diie Juden damals wirkliche Landlleute waren und jeder istein eigenes Gemüse und seine Grünwaren hatte. — Wir sahen, die alten Männer in Gesellschaft junger Frauen und Mädchen auf den Versammlungspiatz ziehen; war das in jenen Zeiten so üblich? Die jungen Mädchen und Frauen lachten auf der Straße, wie wenn sie zu Hause gewesen wären. Schicht es silch denn, auf der Straße so zu lachen? — Die Bäuerinnen pflegen ihre Arme wegen der Hitze nicht frei zu tragen. Viele junge Frauen und Mädchen dm dem Stück, jedoch hatten entblößte Arme, wie wenn säe nicht Töchter der Hauptstadt eines Wfistenlandes, sondern Pariserinnen oder Jerus^üemerimnen unserer Zeit wären. Während der Belagerung Jerusalems waren so glänzende Kleider überhaupt nicht am Platze. Im allgemeinen war die Kleidung in dem Stück sehr seltsam. — Wie traf es der Bünde, daß er immer seinen Platz neben dem Prophet fand? — Das Verhalten zu dem Bünden und der armen Frau war zu grobschlächtig, nicht wie es dem Geiste des Juden entspricht In unserer Thora steht geschrieben; »,Du sollst vor den Blinden kein Hindernis setzen“. In dem Stück aber wurde er hin- und hergestoßen. — Das Lachen und der ausgelassene Tanz paßte wenig zu dem Moment unmittelbar vor der Zerstörung Jerusalems. — Die Bewohner der Orte machen dem Propheten Vorwürfe, warum er nicht in den Krieg gezogen ist Weshalb sind sie selbst daheim? — Es waren nur Frauen, Greise und Invalide zu Hause geblieben, bemerkt ein anderer Schüler als Antwort auf diese Frage. — Der Prophet hat Wasser getrunken, ohne vorher den Segemsspnuch gesagt zu haben. — Er war ja entblößten Hauptes, wie konnte er da den Segensspruch sagen?! — Mitunter war der Gang des Greises zu jugendlich. — Die Alten sprachen überhaupt immer in einer bestimmten Reihenfolge. Erst sprach der Greils Nr. 1, nach ihm kam Nr. 2 und diesem folgte Nr. 3, und dann wieder von vorne, 1, 2, 3. — Der Stil war nicht sonderlich altertümlich. — Eine — wendet ein anderes Mädchen ein — lachte gerade in dem ernstesten und traurigsten Moment, und wandte ähr Gesicht vorn Publikum alb, damit man es nicht bemerke. Prompt meldete sich eine andere als Verteidigerin: Das Weinen war überaus kunstvoll und man konnte meinen, daß sie alle wirklich weinten. — Dde Mutter des Messias weinte überhaupt nicht, sie sang bloß mit weinerlicher Stimme. — Warum trugen die Leute von Birat Anba nicht wenigstens Schwerter, es war doch Kriegszeit! — Ich bemerkte, wie der Prophet seinen Rücken auf richtete, noch bevor er die Bühne verließ. — Wie konnte man den Buckligen mit einem gefährlichen Auftrag auf die nach: Jerusalem führenden Straßen schicken? — Warum kehrten düe aüsgesandten Boten überhaupt nicht mehr zurück? — Und wie. konnte die Frau, die Mutter des Messias,*1 in jenen unruhigen Tagen von Jerusalem nach Birat Arba gelangen? — Das Hmunterwerfen des Propheten von den Stufen ist eine Grausamkeit sondergleichen. — Aber — erwiderte einer sofort — das Fallen des Propheten von den Stufen war überaus künstlerisch. — Ich sah, daß eine Schauspielerin eine Armbanduhr trug... beteuerte eine Schülerin. — Der Spott; „Sie Ist taub auf enem Fuß und hinkt auf einem Aug“ entspricht nicht dem Geist jener Zelt... — Das Weinen drückte nicht die Trauer des einzelnen natürlich a,us, sondern war ein Weinen im Chor, sozusagen nach einer Zornesmelodie. ledes -Echa erzählt: ,.Binde deine Pflüge los, binde deine Ochsen los, denn in diesem Augenblick wurde das HeShgtum zerstört“, so war das sehr schön, aber dann hätte er auch wieder nach der Melodie der Tikwah 'erzählen müsen: „Binde wieder deinen Pflug an, binde deine Ochsen an, denn in diesem Augenblick wunde der Messias geboren.. Einer der Schüler, die mit besonderer Aufmerksamkeit und nachdenldidi zu lesen pflegen, machte dde Bemerkung: In dem Lied zu Ehren der Mutter des Messias liegt etwas ObrtisfMieis. Die Juden verehren den Mann und seine Lehre und au-cih seinen Vater, aber nicht die Mutter. — Die Mission des Propheten ist ein wenig zu einfarbig. — Man hätte, ofe.das Gesicht der Mutter des Messias durch den Scheinwerfer beleuchtet wurdei, auch den Propheten in das Licht rücken lassen sollen, damit man sehe, welchen Eindruck auf ihn die Mitteilung der Amme gemacht hat, daß der Messias verschwunden sei — Warum ruft die Amme „Erschlaget mich!**? Erschlägt man denn, wenn ein 'solches Unglück geschieht, die Amme? — Erhaben ist diie letzte Szene, wie der Prophet sich auf den Weg macht, den Messias zu suchen. Wäre doch das Licht auf seinem Gesichte ruhen geblieben, als es auf der Bühne dunkel wurde! Und warum wunde sofort Licht gemacht» und wurden uns die Gesichter der Schauspieler gezeigt? — Es war nicht schön, daß wir das Theater ohne die „Tikwah“ zu sängen, verließen. Das waren die Worbe der Schüler. Auf manche Bemerkungen versuchte ich zu antworten. Einzelne meiner Antworten fanden Annahme, andere wieder wurden nicht akzeptiert und die Schüler bemühten sich, recht zu behalten. Aber manche dieser Bemerkungen, denke ich, werden vielleicht für Pinski und die Mitglieder der Bimah Lösungen und Offenbarungen sein. Und ich glaube auch, daß siie, wenn sie diese Schülerbeotbachtungen für richtig halt ’' finsttei; genug sind, um sie zu berücksichtige '. (Aus dem Hebräischen m rsetzt .. i Hirsch Tobias.)