Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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**~**L- * c DTE STIMME Nr. 81 anderen Fragen politische, natioflaMruftuMlte, soziale and wirtschaftliche Sicherungen des zionistischen Endziels vorhanden seien. Hierauf sprach das Mitglied der PaJästina- Exekuti'T Harry Sacher. Der ungewöhnlich scharfe Ton sctner Rede, in der er davon sprach, man wolle sich hinter dem Bericht verstecken, um die Jewish Agency zu zerstören, und cs als Verbrechen bezcichnete, dagegen zu stimmen, brachte sofort eine verschärfte Stimmung hervor. Nach ihm sprach Louis L i p s k y, der zunächst feststellte, daß die zionistische Organisation Amerikas atts der letzten Konvention verstärkt hervorgegangen sei, Und dann darlegte, daß die Beschlüsse der Körnmission von Partnern gefaßt wurden, die zu ernster Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation entschlossen seien. Sodann hielt Präsident Welzmann sein mit Spannung erwartetes Schlußwort. Er sagte unter anderem; «Mir wurde der Vorwurf des Defai tismus gemacht. Wh soll man diese Logik verstehen, wo ich von Land zu Land gehe, um Arbeit zu tun? Ich kann meinen Gegnern nur raten, es mir nachzutun. Fünf schwere Jahre der Agency- Politik liegen hinter mir und nicht zum erstenmal wurde mir das schöne Wort «Verräter» augerufen. Die heutige Debatte hat ein Analogon in den Geschehnissen des Jahres 1919; damals schon belegte man mich mit dem Titel jedes Führers: «Verräter». Seit 30 Jahren, fuhr Wcizman fort, bemüht sich die zionistische Organisation, die anderen Kreise heranzuziehen. Ich handelte in diesem Sinne und hatte Erfolg. Melohett ist nur em Fall unter vielen. Es gab aber Kreise, die man nicht in die Organisation hineinbringen konnte; auch zu diesen mußte eine Brücke gebaut werden. Den Herren von der Linken aber sage ich: Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse geschlossen, iamit Sie Ihre Gesinnung rein erhalten können. Und heute diese Haltung! Für mich wäre es eine seelische und körperliche Befreiung, die Ketten los zu werden. Es sind heilige Ketten, aber sie drücken. Aber solange ich <fie Führerschaft inne habe, bin ich von einer heiligen Unruhe gepeitscht, die Arbeit fortzusetzen. Ich bewundere jene, die mit pharisäischen Formeln sich über diese Fragen hinwegousetzen versuchen, wo es sich doch um fünf bis sechs Jahre Stehenbleiben oder Vorwärtsschreiten handelt. Denen, die glauben, den Puls der Masee zu fühlen, ruße ich zu: Wenn Ihr mit der Ablehnung der Agency zur Masse kämet, sie würde euch zerfleischen. Manches ist an dem Bericht auszusetzen, er ist das Resultat einer unbeeinflußten Expertise. Ich habe nie den Bericht als Ultimatum aufgefaßt. Die Bemerkung, betreffend Keren Kajemeth,, ist keineswegs eine Instruktion an die Exekutive. Gedacht ist an die Schaffung einer Landfeservc, gedacht ist auch an die C h a 1 u z-Kolon i sation, nie aber an eine Kritisches Geschlecht Vom K. J. Silman (Jerusalem). Am Tage vor der Aufführung des «Ewigen Juden» vom Pi-ns-ki durch die «Habimaih» im Jerusalem für die Schüler erzählte ich meinen Sohü/lem die Geschichte des Bauern aus dem Gahl, der nicht in den Krieg Judas gegen die Römer ziehen wiolllte und dem Engel sah, der ihn von der Zerstörung des Tempels im Kenntnis setzte, und einen zweiten, der ihm die Geburt des Messias meldete, und der Metnachem bett Chiskirjabu (Pinskii im seinem Stück sagt: ZidÖdjaihu) heißt Ich erzählte ihnen auch den ganzen Inhalt dies Pinskisdhen Stückes. Ganz erfüllt von der Begeisterung, in die mich das Spiel der Habimah versetzt hatte, wollte ich diese meine Begeisterung auch meinen Schülern mitteiten, <und in ihnen das Verlangen nach der Aufführung erwecken. Idi wußte, daß es in dieser Aufführung ein für Schüler nicht passendes Moment gibt (im Stück selbst gibt es kein solches), und zwar die Szene mit der Tänzerin aut der Straße, die den Propheten zu überreden sucht. Damüber sprach ich mit meinen Schülern nicht, hingegen wirkte ich aut ,die Darsteller ein, diese Szene für die Scbltöerauffühmung zu streichen. Ich war vom Gelingen der Aufführung und ihrer guten Wirkung auf meine Schüler Überzeugt. Der Theatersaal „Zion“ war überfüllt Etwa 1300 Jerusalemer Kinder, kluge und verständige, nahmen die Plätze im Parterre und auf den Galerien, ein und die Augen vieler von ihnen leuchteten in fieberhafter Erwartung. Nun möchte ich den Inhalt der Gespräche Wiedergaben, die ich mit meinen Schülern am andern Morgen hatte und aus denen ich lernen konnte, daß däese Kinder bei all ihrer Begeisterung und ihrem Entzücken über die künstlerische Darstellung auch Kritik zu üben verstehen, Mängel herausfinden und gar nicht geistlose Bemerkungen über einzelne Details des Stückes und der Darstellung machen, Einzelheiten, die vielleicht unser Auge, das Auge der Erwachsenen, gar nicht bemerkt. Vielleicht ist manches von dem, was ich von meinen Schülern zu hören bekam, auch für die Mitglieder der „Haibimah“ von Wert; heißt es doch in den Sprüchen der Väter: „Von aßen meinen Lehrern habe ich an Geist und Wissen profitiert, am meisten jedoch von meinen SchülernJ“ Verletzung rem Kongfeßbescttffosm. Tu der Anleihefrage wurden riemBche Fortschritte gemacht. Es Ist aber Tatsache, daß wir keine rechte Sicherheit bieten können, wenn Kolonien nach 14jähriger Arbeit keine Rückzahlungen leisten. Eine Landreserve wäre eine Sicherheit. Die Gegner sagen, wir werden die notwendigen Mittel im Volke selbst finden. Sechs Jahre habe ich hn Schützengraben des Geldsaitimeins geblutet; auf die Dauer ist das nicht zn machen. Wäre in dem Bericht die jüdische Arbeit in Frage gestellt worden, ich hätte die Verhandlungen abgebrochen; die Agency ist aber für die Primarien jüdischer Arbeit Ich für mein Teil lehne ein provisorisches Agency-Komitee ab, ich bin für ein D e f i n i t i v u m, Hbeine Agency mit einer Beteiligung von mindestens* sechs Ländern. Wenn man glaubt, daß man mit dem Bericht nur so hemmspringen kann — nein! — es heißt: an nehmen oder ablehnen! Mit einer zweifelhaften Majorität können wir nicht zu Verhandlungen gehen. Der Kongreßbeschluß, betreffend ein dreijähriges Provisorium, steht ans im Wege. Wir. wenden unseren Partner ersuchen, diesem Beschluß nuzustimmen; wenn dies aber nicht angeht, so werden wir den Kongreß ersuchen müssen, diesen Punkt zu revidieren. Die Agency kann eine große Sache werden. Ich erwarte Ihren Beschluß.» Dr. Weizmann verlaß sodann das Gutachten einer juridischen Kommission, wonach zur Erweiterung der Jewish Agency eine Abänderung des Artikels 4 des Mandates nicht notwendig ist. Am 23. und am 24. Juli vormittags tagten die Kommisstonen und die Plenarsitzungen wurden erst wieder am 24. nachmittags auf genommen; inzwischen war es Idar geworden, daß in der politischen Kommission keine Majorität für die von der Exekutive vorgeschlagenen Resolutionen zu erlangen war. Auch der Vorschlag der Exekutive, dem Kongreß zu empfehlen, daß er — wie es Louis Marsh all verlangt hatte — seinen Beschluß, betreffend ein dreijähriges Provisorium der Agency, afoändern solle, wurde leidenschaftlich bekämpft. Die Forderung nach Einsetzung eines provisorischen Agency-Komitee s wurde dann von Weizmann faßen gelassen. Die Bemühungen um eine Formulierung der Resolutionen, der die große Mehrhat des Plenums zustimmen würde, hatten lange keinen Erfolg, bis es schließlich gelang, eine Einigung auf eine Formel zu finden, in der ungefähr gesagt wurde, der Bericht der Jewtsh- Agency-Kommission werde als ein Dokument ernstesten Studiums und aufrichtigen Willens zur Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas mit Dank begrüßt; gleichzeitig wurde betont, daß als die Grundlage der Zusammenarbeit die von den letzten Kongressen festgelegten Punkte, wie auch die Anerkennung des Rechtes des Siedlers, sich selbst die Form seiner Wirtschaft zu wählen (Kwuzah-Rechte), zu dienen haben. Schließlich I e h n t e die politische Kommission den Vorschlag der Exekutive, den Kongreß zu ersuchen, seinen Beschluß bezüg- Von der allgemeinen Begeisterung und dem ungeteilten Entzücken der Kinder ist nichts zu sagen. Die Schüler empfingen mich mit Worten des Dankes dafür, daß ich ihnen empfohlen, aicfh das Stück amzuadhen und ihnen vorher den Inhalt erzählt hatte, wodurch auch jene, die in den hinteren Reihen saßen und nicht jedes auf der Bühne gesprochene Wort genau erfassen konnten, dem Stücke mit Verständnis zu folgen vermochten. Auf meine Frage, welche Momente ihnen in dem Stück und in der Darstellung am besten gefallen hätten, antworteten einige: „Alles war sehr schön, die ganze Stunde war herrlich, wir werden dieses Stück niemals vergessen.“ Andere wieder gingen auf Einzelheiten ein und schilderten die Momente, von denen sie am mächtigsten ergriffen wurden, — so der Moment, als die Mutter des Messias an der Mauer erscheint und in (bitteres Weinen ausbrieht, während sie schildert, wie die letzten Mauern des Tempels fielen, oder der Augenblick, da der Prophet auf dem Felsen steht und seine Hände ansbreite L Der Prophet erschien uns wie Jeremias, wir sahen ihn vor uns und dachten an Jeremias, der die Zerstörung mit eigenen Augen gesehen, die ihm vorausgesagt wurde; auch er wurde geschlagen, aber 'sein Auge war auf die Wahrheit gerichtet, die sein Mund verkündet. — Die Szene, in der aMie Leute sich «iederwenfen und unausgesetzt weinen; wir glaubten, im nächsten Augenblick muß die Erde unter der Wucht dieses Weinens sich spalten. Wie konnte doch der Himmel gegenüber all diesen Wehklagen taub bleiben! — Der Anblick, wie das ganze Volk vor der Mutter des Messias stand und das Trostlfied sang. — Der Moment, da die Mutter des Messias die Stufen litoanschnitt und das Licht auf Ihr Gesiebt fiel, und ihr Abbild sieh im Schatten abhob. Das war herrlich! Und einer fügte noch hinzu: Ich werde den Augenblick niemals vergessen, wie efle beide, der Prophet und seine Mutter, an der Mauer -standen; da konnte man so recht den Unterschied zwischen der Gegenwart und der Zukunft empfinden; Sie weint und er tröstet... Reh eines dreijährigen Agency- Provisoriums abzuändern, mit einer Mehrheit ab. Die Exekutive erklärte jedoch, daß sie diese Resolution ablehnen müsse nnd damit war die Krise zum Ausbruch gelangt In dieser Stimmung begann das Plenum die Debatte über den Bericht der Exekutive, betreffend Palästina-Arbeit und -Budget, welche am 25. Juli abgeführt wurde. Das von der Exekutive vorgelegte Palästina-Budget veranschlagt die Vereinigten Staaten diesmal mir mit 18 0.000 Pfund, also erheblich niedriger als im Vorjahr, während die EinnahmsQuote aus den anderen Ländern wie früher mit 240.000 Pfund angesetzt ist. Da die amerikanische Frauenorganisation Hadamal, welche aus dem United PaJestine Appeal auszu treten beabsichtigt, etwa 100.000 Pfund bedarf, so hat die Exekutive ein eingeschränktes Budget vorgeschlagen. Dieses fand besonders bei den palästinensischen Vertretern sowohl der Arbeiterschaft als auch der bürgerlichen Kreise scharfe Kritik, die sich auch auf die Arbeitsmethoden der Palästina-Exekutive erstreckte, welcher Insbesondere die Vertreter der Poale-Zion Arbelterfeindllchkelt vorwarfen, während von den bürgerlichen Vertretern auf eine Reihe von politischen Fehlern, Vernachlässigung der jüdischen Autonomie usw. hingewiesen wurde. Im Namen der Palästina-Exekutive antwortete Harry Sacher, und seine Rede, die damit begann, daß er erklärte, die Führer der Arbeiter vergiften ihre eigenen Leute und machen es unmöglich, gute Beziehungen zum Ji-schlno zu pflegen, schuf eine offene Kampfstimmung. Sacher sagte u. a.: «Es wurde erklärt, die Arbeitslosigkeit wäre gegen unseren Willen behoben worden. Ziehen Sie welche Schlüsse Sie wollen — Tatsache ist, daß eine Besserung vorhanden ist und diese auch weiter andauern wird. Wir rühmen uns keineswegs unserer Erfolge, wir kleben nicht an unseren Sitzen. Schaffen Sie im Aktionskomitee eine Majorität, und wir ziehen uns zurück. Man wirft uns vor, wir hätten die Einwanderung nicht gefördert, nicht den Handel und die Industrie usw. Ja, haben Sie uns hiezu die Mittel gegeben? Wenn das Kongreßbudget auch ganz aufgebracht worden wäre, auch dann hätten die Mittel hiefür nicht ausgereicht. Wenn wir In der Frage der Jewish Agency verhandeln sollen, so dürfen Sie das Vertrauen in uns nicht untergraben. Das Aktionskomitee wäre im Irrtum, wenn es glauben würde, daß die hier gehaltenen Reden im Namen des ganzen Jischuw gehalten worden sind. Viele dort sind anderer Ansicht, aber diese kommen nicht zum Kongrß und ins Aktionskomitee. Die Arbeiterschaft ist am besten informiert und am besten organisiert, sie hilft auch uns bei unserer Arbeit ini Lande, aber sie verlangt dafür auch ihren Lohn. Die Schwierigkeiten, die der Exekutive bereitet werden, stammen daher, daß sie einen Platz ehmtmmt, auf | Einer wieder sagte: In der Szene des Weinens und Wehklagens weinten alle, die Darsteller und das Publikum. Aie waren wöe ein Bündel miteinander verbunden. Em Schüler meinte; Als der Mantel des Propheten ausetanderschlug, sahen wir, daß er ein Ziegenfell auf dem Leib trug; das war 'das Bild eines wahren Bauern. Eine Schülerin (bemerkte: Als der Prophet erschien, sah ich ein junges Weib mit dichten Haarflechten die Stufen hinaus teigen; Ähre Augen verrieten tiefen Kummer, als säe erzählte, was sie in Ga® gehört hatte. Sie nahm mit ihrer ganzen Seele an dem Los des Propheten teil Eine andere Schülerin meldete sich zu Wort: Der Prophet äst alt, seine Hände zitterten, als er sein Bündel aufraahm, wie konnte er daran denken, in den Krieg zu ziehen? Die Fragestellerin erhielt sofort ihr Tedl: — In Kriegzeäten bleibt auch das Herz der Greise nicht ruhiig, allles rennt, um am Krieg teizn-ehmen; auch als die Engländer kamen, meldeten sich viele alte Juden in Jerusalem freiwillig, auszuziehen» um den Gail zu -befreien. Allmählich flauten die ersten GefüMsausb rflchie San Gespräch ab und ich fragte meine Schüler, ob säe nacht sonst noch irgend etwas zu bemerken und im negativen Sinne zu kiritiisäeren hätten» loh dachte, daß sich kein Einziger finden werde; zu meinem Erstaunen jedoch erhoben söch viele Fänger, deren Zahl im Verlaufe des nun folgenden Gesprächs noch anwuchs. Zunächst wurde die Frage gesteht, welche Bewandtnis es hier mi-t der Bezeichnung „Ewiger Jude“ habe. Wer eigentlich in diesem Stück der „Ewige Jude“ sei-? Der Messias? Der Wand-erprophet? Oder ist diese Bezeichnung nichts anderes als das Symbol für das Judentum im allgemeinen, das von dem Untergang und der Verwesung nicht berührt wird und dem am Tage der Zerstörung auch gleich der Erlöser erstanden iist. Däe Schüler quälten sich um eine Lösung ab, es gab ©inen ziemlichen Widerstreit Dann regnete es förmlich verschiedene kritische Bemerkungen.