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Die Stimme · 1928-08-02 · Heft 31 (2.8.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 31 (2.8.1928)
Date
1928-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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üol&JfJlf"“*«* Preis 35 Groschen SURwg vom VtritKGP veracnd Journal expedK par fidHnv Abonntfmentpreise: Für Oesterreich: Monati. S 1JSO, viertel]. S 420, ganz]. 16.— / Deutschland: Monati. Goldmarfc 1.—, viertel). Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc' 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdiscfie Zeitung Ersdielntf fetten Donnertiof ttedafttion vmd Administration: Wien, I., 2HauAensfdn^osM V — Telepft. 70-3-S4 Polen: Monati. Zloty 2.30, viertel). Zloty 6.50 / Ungarn: Monartl. Pengö 1.50, vierteil. Pengö 420 / Rumänien: Monati. Lei 45.—, viertelj* Lei 125.— / Bulgarien: Monati. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monati. Belga 2.—, viertel). Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monati. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 2. August 1928 (16. Ab 5688) Nummer 31 JliPB Einigung in der Jewish Agency-Frage — Mißtrauensantrag der Arbeiterparteien und des Misrachi gegen Sacher — Die Exekutive mit Sacher solidarisch — Verworrene Situation (Von unserem Berliner G. M.-Berichters tarier) Nachdem durch die Einigung über die Jewish Agency-Resolution eine drohende Krise vermieden worden war, brach sie plötzlich in der Nacht vom 28. auf den 29. Jujl offen aus. In dieser Sitzung gab Präsident Weizmann zusammen mit der gesamten Exekutive die Dem i s s i o n. Die Vertreter der Poäle Zion, der Hitachduth und des Misrachi hatten ein Mißtrauensvotum gegen das Mitglied der Palästina-Exekutive Harry Sacher eingebracht. Nach einer Erklärung des Kongreßanwaltes Dr. G r o hem a n q, daß das Aktionskomitee nicht das Recht habe, einem einzelnen Mitgliede der Exekutive ein Mißtrauensvotum zu erteilen, wurde eine stürmische Debatte abgeführt, in der das Plenum des A. C. mit einer Mehrheit von 24 gegen 18 Stimmen den Standpunkt vertrat, daß ihm« das Recht zustehe, einen solchen Mißtrauensantrag zu behandeln. Der Mißtrauensantrag, weicher von 8 Mitgliedern des Misrachi, 6 PoaJe Zion, 6 Delegierten der Hitachduht sowie den Herren Suprasky und Mossinsohn unterschrieben war, wurde im Plenum verlesen; hierauf erklärte Harry Sacher, daß er seine Demission gebe und Dr. Weizmann gab im Namen der gesamten Exekutive die Erklärung Ab, daß diese mit Sacher solidarisch sei und ebenfalls zurücktrete. Die Mitglieder der Exekutive verließen, Dr. Weizmann an d)er Spitze, den Saal. Die politische Kommission trat sofort zusammen. Auch das Plenum, des A. C. tagte ununterbrochen. Es wurde beschlossen, die Demissionserklärung der Exekutive nicht znr Kenntnis zu nehmen. Dieser Beschluß wurde Dr. Weizmann übermittelt und an ihn das Ersuchen gerichtet, zusammen mit der ganzen Exekutive einschließlich Sachers hn Amte zu bleiben. Dr. Weizmann erklärte, dies nur tun zu können, wenn das Mißtrauensvotum gegen Sacher zurückgezogen wird. Die Parteien, welche dieses Mißtrauensvotum eingebracht batten, Weigerten sich, dies zu tun, und so hielt die Exekutive ihre Demission aufrecht. Am 29. Juli tagte die politische Kommission in Permanenz. Der Gedanke, eine Exekutive, bestehend aus: U s s 1 s c h k i n als Präsident, Dr. R u p p i n, Deputierter Griinbaum, Kaplansky, Rabbi Berlin und Sprinzak auf Grundlage einer breiten Koalition zu bilden, wobei die Revisionisten (deren Führer Jabotinsky übrigens bereits aus Berlin abgereist Ist) erklärten, sie würden wohl nicht ln diese Exekutive eintreten, ihr jedoch ihre Unterstützung gewähren, konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, d)a die Hitachduth mangels eines gemeinsamen Programmes die Beteiligung ablehnte. Es bestehen zurzeit drei Möglichkeiten: entweder das Mißtrauensvotum gegen Sacher wird von den 22 Aktionskomiteemltglfederu zurückgezogen, oder sie übernehmen die Bildung einer neuen Exekutive. Erklären sie sich jedoch dazu nicht bereit oder fähig, so würden die Gruppen um Weizmann eine feste Vollmacht zur Bildung einer neuen Exekutive erhalten. Diese würde aus denselben Mitgliedern wie die bisherige bestehen. In keiner der drei skizzierten Richtungen sind bisher Entscheidungen gefallen. In letzter Stunde verlautet, daß Weizmann sich bereit erklärt habe, die Agency-Politik gemäß den Aufträgen einer neuen Exekutive bis zum nächsten Kongreß, der eine endgültige Regelung der ganzen Angelegenheit bringen soU, weiterzuführen. Im Augenblick wird die Lage als äußerst verworren angesehen. V * ' Beim „KleinettiiRmgreß^ Von Michael Einigung und neue Krise Selten hat eine zionistische Tagung einen so spannenden Verlauf genommen und solche schroffe überraschende Wandlungen gebnacht, wie der kleine Kongreß in Berlin. Die erste Woche der Beratungen war fa-st restlos dem Berichte der Survey Commission gewidmet. Begreiflicherweise hatte er durch die Stellen, welche den von den Zionistenkongressen geforderten Sicherheiten widersprachen, eine verstärkte Opposition ausgelöst. Aber über alle Hindernisse hinweg gelang es der Führung unter Weizmann und Sokolow und der Fürsprache von Männern wie Brodetzky, Lipsky, Blumenfeld und nicht zuletzt Kuppin, alle ideologischen Bedenken zu überwinden und zu einem fast einmütigen Beschluß zu gelangen. Mat 41 Stimmen gegen 4, welche von den Radikalen und Revisionisten gestellt wurden, und bei 3 Stimmenthaltungen der Poale Zion wurde der Report als Grundlage der gemeinsamen Arbeit mit . den nichtzionistischen Palästanafreunden angenommen. Zugleich aber nahm man Vorschläge zur Aendemng dieses Reports in einer Fassung an, welche bei aller höflichen Würde sachlich weit über dae Empfehlungen der Exekutive binausgehen und die zionistischen Herzenswünsche in puritanischer Unverblümtheit statuieren. Schon konnte man frohlocken, daß der kleine Kongreß den Ausweg ans der uns nun schon seit fünf Jahren drückenden Organisationskrise gefunden habe. Nach dieser denkwürdigen Einigung der Zionisten hätte man hoffen und eVwarten dürfen, daß die nichtzionistischen Palästinafreunde unseren Wünschen endgültig zustiimmen werden und daß die erweiterte Agency, von gemeinsamen Grundsätzen getragen, den «anderen» — Arabern, Mandatsmaoht und Völkerbund — in eindrucksvoller Geschlossenheit macht- und wirkungsvoll gegensübertreten werde! Ein Land, ein Volk und eine Repräsentanz! Und nun, im letzten Moment fällt ein bitterer Wermutstropfen in den vollen Becher unserer Freude. Eine neue schwere Krise ist ausgebrpehen und — wahrlich — nach der Einigung hi sacbtioh-ddeologisdiea Fragen, demütigend genug über Dinge vorwiegend persönlicher Natur. Eine künstliche Mehrheit, welche mir durch die Abreise von Delegierten der Landsmannschaften möglich wurde, sprach dem Mitglied der Palästina-Exekutive Harry Sacher ihr Mißtrauen aus und die ganze Exekutive, die sich mit ihrem Kollegen identifizierte, trat zurück. Den Anstoß zu dieser neuen Krise gab die Linke. Sacher verfolgte zwar keine eigene Politik, sondern jene der vom Kongreß eingesetzten Exekutive, aber als Schatzmeister der Organisation hatte er ln Jerusalem die harte Pflicht, die Kongreßbeschtüsse strenger Sparsamkeit den Arbeitern gegenüber durchzuftthren. Nicht genug daran, schleuderte er in Berlin die scharfe Kritik der Linken mit erbitterten Sarkasmen zurüok. Das war mannhaft, es diente vielleicht auch einem erziehlichen Zweck, aber es war wenig taktisch gehandelt. Die Linke antwortete sogleich mit der Zumutung an Weizmann, sie werde nur dann für den Report stimmen, wenn Sacher ausgeschifft werde. Weizmann hatte sich dessen, in Wahrung der Autorität unserer Gesamtorganisation, strikte geweigert, Das zionistische Verantwortungsgefühl der Linken wair dann auoh stark genug, wie die Hitachduth entweder für den Report zu stimmen oder doch wenigstens nicht gegen ihn. So ward der Mdßtrauensantrag der linken gegen Sacher begreiflich. Daß der Misrachi dabei mitlief, geschah wohl aus alter Gewohnheit, hinter dem übertriebenen Fraktionsgeist des andern Flügels nicht zmrückaubleiben. Entschuldbar aber ist der Antrag und Beschluß für keinen ZRuüsten, der dafür die Hand hob. Denn die Antragsteller müßten voraussehen, welchen Schlag sie — aus politischer Ranküne — dem zionistischen Gesamfinferesse und dem Palästina-Aufbauwerk versetzen. Sie haben damit verraten, daß Faiktionsinteressen und persönliche Gereiztheit auch in unseren Reihen eine verhängnisvolle Rolle spielen. Und die mächtige Wirkung, welche der frühere Beschluß über den Report in nahe Aussicht stellte, scheint durch dieses Mißtrauensvotum gegen Sacher und damit gegen die ganze Exekutive unter Weizmanns Führung aufs 'schwerste bedroht. Mit der Zerstörung der zionistischen Erinbertsfront wäre natürlich auch die größere jüdische Front gegenüber den Völkern für lange hinaus zertrümmert. Trotzdem oder gerade wegen der Widerainmgkeit dieser Situation halten wir zähe an der Hoffnung fest, daß alle noch beim kleinen Kongreß versammelten Delegierten und daß vor allem die Träger jenes Mißtrauensvotums Einkehr halten und in letzter Stunde sich.auf die unabweisliche Pflicht der Einigung besinnen und eine kräftige, von zionistischer Autorität getragene Exekutive unter Führung Weizmanns wiederherstelten. Der Kampf um die Agency-Resolutioneu Die Debatte, weiche sich an die von der zionistischöl Exekutive vorgdegten Resolutionen zum Bericht der Jewish- AgeocjMConunisdon entwickelt hatte, kam in der Nachtsttzang vom 22. Jtufi zxtm Abschluß, hei deren Beginn an den alten Vorkämpfer des Zionismus S. Pineies ein Glückwunschtelegramm anläßlich seines 85. Geburtstages beschlossen wurde. Sodann hielten die Mitglieder der Exekutive das Schlußwort vor der Uebecweisung der Resolutionen an <fie politische Kommission (über deren Zusammensetzung wir bereits in der vorigen Nummer berichtet haben. Die Red.). Sokolow, der als erster namens der Exekutive sprach, wies darauf hin, daß durch die Vorschläge des Jewisb- Agency-Berichtes keine Schwächung, sondern eine Stärkung des Jüdischen Nationalfands beabsichtigt sei, sowie daß sowoW in den Fragen der Siedl rnigsform als auch in den Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze u. Berichte: Die Schabsei rühren sich! KritischesGeschlecht. Von K.S 2 Im an (Jerusalem). Rabbiner Dr. David Feuchtwang. (Aus Anlaß seines 25jährigen Amtsjubiläums in Wien.) Wie bauen wir ln Palästina? Von Ing. S. Reiser (Jerusalem). Nänie. (Zum 5. Todestage von Morris RosenfeW.) Von Siegfried Schmitz. Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche ühtstratiooen. 4

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