Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1928)
- Date
- 1928-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 80 Seite 7 DIE STIMME /essel und Tische Sa^ongarnituran und tlnsalaiebal tflcfct ADLER, VII., APOLLOO. 18 «„.«*,• „ nötig. Und noch ein drittes dazu: Etwas von Dichtung, Anekdotenstimmung. Auch jetzt, wo unser Ziel der Verwirklichung entgegengeht und wir uns im Stadium der nüchterencn Wahrheit befinden, wo aber aus lauter Liebe zur Wanrhcit itu Erregung immer größere Dimensionen annimmt, tut Dichtung not, etwas von Pinelischer Anekdotenkunst und Kampfesart: „Milchamah b* Schalom“ . . . Möge er die vöilige Verwirklichung unseres heiligen Ideales mit Gottes Hilfe erleben.'4 Kronprinz Rudolf über den Antisemitismus. Einen interessanten Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus in Oesterreich und Ungarn gibt ein Brief des Kronprinzen Rudolf an seinen Pester Leibpubimsten Futtaky, der jetzt von der Tochter des Journalisten im «Pester Lloyd* veröffentlicht wird. Das aus Laxenburg vom 9. Juni 1884 datierte Schreiben lautet: Lieber Futtaky! Besten Dank für Ihren Brief vom 4. Ich bitte, nicht vor dem 16. nach Wien zu kommen, da bas dahin meine Zeit sehr in Anspruch genommen ist Was die bewußte Antisemiten-An-gelegen-foeit betrifft, habe ich reiflich darüber nachgedacht und halte jedwede direkte Gegenmaßregel von meiner Seite für inopportun. Wer sich entschuJd'gt, beschuldigt sich! Die gebildete» Klassen kennen mich und meine Ansichten und die unteren Schichten würden in einem feierlichen Dementi nur eine Bestärkung ihrer Ansicht sehen. Ich will persönlich nicht in die Arena dieses so ekelhaften Kampfes treten und bei dem Charakter dieser Hetze läßt es sich erwarten, daß sie selbst eine Entgegnung dazu benützen würden, meinen Namen noch mehr in ihre Debatten hinein zuzi eben. Falls Sie es aber für gut finden, einen Artikel in einem Pester Journal dnrücken zu lassen, der zwar nicht im geringsten meine Kenntnisnahme der Sache verratend, doch hi-nweisen würde auf die Richtung meiner politischen Ansichten, Bildung, Studien usw. usw. und daran die Lächerlichkeit deduzieren. würde, mich als Antisemiten auszuspielen, bitte ich Sie, dies zu tun. Wenn später derlei Verleumdungen noch zunehmen, sollten, ließe sich immerhin energischer auftreten, doch der Schritt müßte wohlerwogen werden, dtenn e i n Antisemrt ist an mancher maßgebenden Stelle noch lieber gesehen, a 1 s e i n a u f- . geklärter, toleranter Liberaler. Mit den herzlichsten Grüßen Ihr •; ' Rudolf. Der Brief nimmt offenbar Bezug auf .die vielfach verbreitete Meinung, Kronprinz Rudolf sei Antisemit gewesen. Dies weist der Kronprinz energisch zurück und macht dabei die interessante Schlußbemerkung, welche sich auf die habsburgischen Hofkre'se bezieht. Sie zeigt, daß der Antisemitismus von diesen Kreisen gefördert wurde und daß daher die Behauptung, der habsburgische Hof sei ein Gegner dieses Systems der politischen Verhetzung gewesen, unrichtig ist. Die Drahtzieher des beginnenden Antisemitismus in Oesterreich wußten, daß sie sich auf die «maßgebenden Kreise* verlassen konnten. Kleine Nachrichten Der vor kurzem in Konstantinopel verstorbene jüdische Kaufmann Samuel Hazan hinterließ sein gesamtes Vermögen von 100.000 türkischen Pfund für jüdische Wohlfahrtseinrichtungen in Konstantinopel. * Die Baccalaureatsprüfungen (Absch'iußexamen) an den rumänischen M ttelschulen haben für die Angehörigen der Minderheiten, insbesondere für die jüdischen Schüler, katastrophale Ergebnisse gehabt. Ungefähr 75 Prozent aller jüdischen Schüler, die sich in den verschiedenen Städten Rumäniens dieser Prüfung unterzogen haben, fielen durch. Demnächst beginnt in S i n g a p o r e unter dem Titel «The Jevvish Standard* ein Monatsjournal für jüdische Interessen zu erscheinen. Das Blatt, das von Ellis M. Bassous, dem Herausgeber der «Buy-ers and Seilers Exchange*, redigiert wird, wird den Interessen des Judentums und des Zionismus in den Straits Settlements (Englandkolonie in H'nterindien) gewidmet sein. * In der letzten Sitzung des Board of Deputier der britischen Juden wurde mitgeteilt, daß in Verhandlungen mit dem Präsidenten des American Jewish Comniittee Louis Marshall übereingekommen wurde, in Zukunft in allen Fragen auf dom Gebiete des internationalen jüdischen Rechts- und Interessenschutzes, die ein gemeinsames Interesse berühren oder konforme Aktionen betreffen, siel'1 voiho» zu verständigen De Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde hat in ihrer letzten Sitzung eine Million Mark für den Bau ener Altersversorgung»- a ii s t a 11 und 5 2 0.0 0 0 Mark für den Bau einer Mädchenschule bewilligt. Ferner wurde unter anderem eine Subvention für den H e c h a 1 u z bewilligt. Neue Zigaretten der Tabakregie Einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, bringt die Tabakregie eine Damenzigarette mit rotem Seidenbelag in den Verschleiß. Diese Zigarette, «Asta», zum Preise von 8 g per StQck, ist in apfelblütenfarbigen Kappenschachteln ä 25 Stück verpackt. Die Innenseite des Deckels ziert ein Bild vom Strandbad in Kritzendorf. Um Zigarettensorten englischer als auch amerikanischer Geschmacksrichtung — bisher als Importfabrikate nur in Spezialitätengeschäften erhältlich — den Liebhabern dieser Typs auch im allgemeinen Verschleiß der Tabakfabriken zugänglich zu machen, bringt die Tabakregie als weitere Neuerung 4 Sorten solcher Zigaretten eigener Erzeugung auf den Markt. Der englische Typ ist durch die Zigarette «Jam», zum Preise von 10 g, und die «Pearl», zum.Preise von 8 g per Stück, vertreten. Die «Jam» ist in silberfarbigen Klappschachtein zu 20 Stück, die «Pearl» in gelben Schuberkartons & 20 Stück verpackt. Zum amerikanischen Typ gehören die Zigarette «Smart», zum Preise von 10 g, und «Jonny», zum Preise von 8 g per Stück. Die «Smart» ist in goldweißen Schuberkarton zu 20 Stück und die «Jonny in Aluminiumfolien eingehüllt, zu 20 Stück in Manschetten verpackt. Die Namen dieser Zigaretten wurden entsprechend dem Raucherkreise, für den sie bestimmt sind, gewählt. ... (Entgeltlich.) Die neugegmindete litauisch-faschistische Organisation «■p:.9erner Wolf», die vor kurzem in Pren bei Kowno antijtidi sehe.Ausschreitungen inszeniert hat, hat in den, letzten Tagen die Judenschaft des Städtchens J a n ischok (Kreis Schaulen) in unerhörter Weise terrorisiert und mißhandelt. Mehr als 30 jüdische Bürger, auch Frau en,.. erlitten Verletzungen. De Polizei ist untätig. Einige Exzedlenten wurden von der Polizei wegen «Ruhestörung» bestraft * Die ungarische Regierung hat die Autonomie der «Rabbi Mer Baal N e s s» -Büchsen abgeschafft und fiinf Richard Hehzötf,ll,kleine Ptarrg. 28 / Tel.73-4-90 diese Haussammlungen, deren Erträgnis mittellosen frommen Juden Palästinas zufließt, u n t e r staatliche Kontrolle gestellt. ... * Das polnische Unterrichtsministerium hat beschlossen, an der humanistischen Fakultät der Warschauer Universität einen Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Literatur zu schaffen. Es wird dies der erste Lehrstuhl für jüdische Geschichte an europäischen Universitäten sein. Dem Vernehmen nach hat der Unterrichtsminister bereits das Dekret über,die Ernennung von Professor Meir Baiaban zum Dozenten für jüdische Geschichte und Literatur an der Warschauer Universitätvollzogen. Oesterreich Der Schnorrer und der Wachmann Der jüdische Schnorrer ist seit jeher eine ständige Witzblaltfigur, wie der jüdische Heiratsvermittler, Hausierer oder der «kleine Moritz». Zudringlichkeit und Frechheit sind in diesen Anekdoten seine hervorstechendsten Charaktereigenschaften, die in Witzform die absonderlichsten Blüten treiben.. Wer kennt nicht die unzähligen Witze von Rothschild und dem Schnorrer, beispielsweise die beliebte Pointe: «Warum soll ich ihm schenken, wer schenkt mir?» Jedem aufrechten. Juden muß es die Schamröte ins Gesicht peitschen, wenn er Juden über den jüdischen Schnorrer aus vollem Halse lachen hört. Im erneuerten Judentum ist für den jüdischen Schnorrer kein Platz. Jüdische Wohltätigkeit aber, die es geben wird, solange es Juden gibt, sie darf nicht die Auswüchse des jüdischen Schnorrertunis züchten. Und dennoch — in Wien gibt es jetzt mehr hilfesuchende Juden als jemals zuvor, von den abnormal en Verhältnissen während der Flüchtlingsperiode abgesehen. Die Juden not ist unbeschreiblich, die jüdische Selbstmordepidemie wurde in diesem Blatte eingehend besprochen. Personen, die im Fürsorgebetrieb tätig sind, wissen von der Wiener Judennot grauenvolle Tatsachen zu berichten, von denen jede einzelne genügen würde, den ganzen Lügenfeldzug zu entkräften, der von antisemitischen Hetzern gegen die Juden inszeniert wird, die sich angeblich an der Not. des Volkes beireichern. Wieder mußten wir eine neue Tatsache erkennen, gegen die es kein Argument gibt: Das vorbildliche jüdische Wohltätigkeitsinstitut, die «Cliewra K a d i s c h a», deren sich >*Sn3i KORREKTUR von 0 «nd X Beinen durch Verdecksystem (Auflagen in Flor- oder Gummistrümpfen), vollkommen unsichtbar zu tragen, oder wirkliche Heilung durch den patentierten Beinkorrektionsapparat ohne Operation, der schmerzlos und ohne Berufsstörung anzuwendeu ist. Institut für Fußheilbehelfe und Bandagen ANTON BSTÄNDIG, Sanltätshaus SANITAS, Wien, I., Teinfaltstraße Nr. 7 (nächst dem Burgtheatcr). Beratung und Untersuchung in allen Fällen von Fußleiden durch unseren Fußcxpertcn kostenlos. leider ebenfalls der Witzunflat bemächtigt hat, mußte bei der Polizei um Beistellung eines Wache- Organes ansuchen, um des Ansturmes der Hilfesuchenden Herr werden zu können und Ausschreitungen hintanzuhalten. Ist das nicht ein Symptom, das die Judennot in ihrer ganzen Tragik wie mit einem Blitzlicht beleuchtet? Eine jüdische FUrsorgeinstitution muß Polizei gegen jüdische Petenten aufbieten! Sind es Auswüchse des jüdischen Schnorrertums, wenn die Hilfesuchenden randalieren, Scheiben zerschlagen, nicht von der Steile gehen wollen, falls ihr Ansuchen aus Geldmangel nicht erfüllt werden kann? Hat man je gehört, daß der jüdische Schnorrer — und mag er der gewiegteste Fachmann auf diesem Gebiete sein — gewalttätig war? Wirken da nicht andere Komponenten mit, die den demütig Bittenden zum gewalttätig Fordernden werden lassen? Wo anders kann die Erklärung dieser schier unglaublich klingenden Tatsache gesucht werden, als in der grenzenlosen Not, die unter der jüdischen Bevölkerung herrscht? Man scheue nicht die Mühe und sehe sich einmal den Betrieb in der Seitenstettengasse an, wenn der Wachmann in voller Dienstausrüstung die Bittsteller einzeln vorläßt und dann wieder hinausführt, sobald der Beamte wegen der Unmöglichkeit, in allen Fällen zu helfen, ihm zuruft: «Herr Wachmann, der Herr ist abgewiesen, Herr Wachmann, die Frau ist fertig!» Es war gewiß kein leichter Entschluß für den Vorstand der «Chewra Kadischa», Polizei in ihre Amtsräume zu rufen. Daß es dennoch geschehen mußte, ist das traurige Zeichen unserer Zeit. Der Wachmann, der in der Sprechstunde eines jüdischen Wohltätigkeitsvereines Dienst tun muß, wird dem jüdischen Chronisten unserer Zeit reichlich Stoff für seine Studien bieten. Robert S c h re ie r. Bernhard Jahr gestorben Am 13. Juli verstarb in Wien nach schwerer KrankheJ einer der ältesten und besten Vorkämpfer des nationaler Gedankens, Bernhard J a h r. Von berühmten Rabbinerr abstammend, selbst großer Talmudist, in der Haskala um neueren, modernen jüdischen und weltlichen Literatur bewanderter Kaufmann, schloß er sich in seiner frühesten Jugend, trotz gegnerischem Milieus, der Chowesve Zion-Be wegung an und wurde Mitbegründer des großen Chowewt Zion Vereines „Tikwath Zion“ in Lemberg, dessen Präsi dent er dreißig Jahre lang war. Nach dem Auftreten Herzl: schloß er sich diesem mit großer Begeisterung an unt setzte seine ausgezeichnete Rednergabe für die Verbreitung des zionistischen Gedankens ein. Als streng religiöse) Jude arbeitete Jahr seit Gründung der Misrachi an dcssei Aufbau und Ausgestaltung mit großen Erfolge mit. Am An fang des Krieges kam er nach Wien, wo er in der zionistischen Partei und ihrem misrachistischen Flügel eifrigs tätig war. Auch hier übte seine glänzende Beredsamkei große Wirkung Seine letzte Rede hielt Jahr bei der Chajcs- Trauerversammlung der Misrachi. Am 15. Juli( wurde do überall hochgeschätzte Mann unter zahlreicher Beteiligung aller jüdischen Kreise Wiens zu Grabe getragen. In dei Synagoge in der Hetzgasse hielten die Rabbiner B a b a c (Kalisch) und H o r o w 11 z (Wien) warme Nachrufe. An Friedhof nahmen für die zionistischen misrachistischen Organisationen die Herren M. D. Groß, Isak Tumim und J. S. Retter schmerzlichen Abschied von dem wertvoller Menschen und Mitstreiter. Vereinsnachrichten Die zionistische Arbeitsgemeinschaft Mariafiilf-Neufta; veranstaltete im Verein mit der Zionistische; Frauengruppe Mariahilf-Ncubau am 3. Jul 1928 ein Gartenfest, das, durch gute Vorträge und den Tan; im prächtig beleuchteten Garten belebt, einen glänzendei Verlauf nahm. Dank der rührigen Tätigkeit der Mitgliede war das Fist ein schöner Erfolg zionistischer Arbeit. Be sonderer Dank gebührt den Damen Rosl Kohn, Dir. Gutt mann, Dr, Infeld, Sinnreich. Katz sowie den Herren Dir Guttinann, Greif, Mehler. Haut-Sciifielibräunung and Sonaenbrsndschutz - Creme ,D 1 m“ schützt vor Sonnenbrand und brftnnt die Hant auf natürliche Weise, auch bei Kindern A, Für braune und normale Hautfarbe, für Kinder und Massage B. Zum Ultra-Schnellbrannen und für Blonde, behebt Sonnenbrand-Schmerz Tube 80 Oroschen - ln jeder Apotheke, Drogerie, Parfümerie und Badeanstalt Olm-laborstorlsm. II., 0 h. PonaustraBe 17 Nicht zti verwechseln mit „Dim“ Kampfer Sauerstolf - Creme gegen Sommersprossen, Wimmert, Röte der Nase, Pickel usw.