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Die Stimme · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seste ö PfE STIMME Ni 30* das Schatzamt dem Opfer des Justizirrtums eine Entschädigung von 5000 Pfund zuerkannt hat. Wie allgemein bekannt, war Oskar Slater, der aus Deutschland nach England eingewandert war, itn Jahre 1909 des Raubmordes an der 82jährigen Greisin Marion O i 1 d r i s t fiir schuldig erklärt und zum Tode verurteilt, jedoch auf Grund einer Massenpetition am Tage vor seiner Hinrichtung zu lebenslänglichem Kerker begnadigt worden. Der unter dem Vorsitz von Lord Guthrie abgehandelte Prozeß war ein reiner I n d i z 1 e n p r o z e ß, bei dem nichts Positives für die Schuld Slaters vorgebracht werden konnte; die Aussagen der 60 Zeugen zur Identifizierung Slaters mit dem mutmaßlichen Mörder waren sehr verschwommen. Die Kronzeugin, ein Dienstmädchen, ging nach dem Prozeß rasch nach Amerika, von wo Slater sich freiwillig zum Prozeß begeben hatte. Diese Kronzeugin weigerte sich, zur Rcvisionsverbandlung zu erscheinen. Die nunmehr durchgeführte Revision ist ein Sieg der öffentlichen Meinung Englands, die unter der Führung des berühmten Schriftstellers Conan Doyle, einer Reihe hervorragender Juristen und anderer führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in England im Laufe des letzten Jahrzehnts immer wieder gegen das Urteil ankämpftc und schließlich das Parlament zur Annahme eines Gesetzes zwang, das die Einsetzung des Appellationsverfahrens ermöglichte Das „jüdische Paradies" ir Sibirien Der größte Bluff der jüdischen Massenkolonisatioii enthüllt ln der Ukraine und in der Krim ist eine geschlossene jüdische Landansiedlung nicht mehr möglich, wie bereits offiziell zugegeben wird. (Siehe unseren Bericht in Nr. 28. — Die Red.) Die Lage in den bestehenden Kolonien ist im allgemeinen ungünstig, das heurige Ernicjalir ist in den meisten Siedlungen als verloren anzusehen. Die schlechte Wirtschaftslage hat eine neue Erscheinung, die allerdings schon lange vorausuisehen war, manifestiert: Die Feindschaft tier autochthonen Umgebung. Auf die jüdische Kolonie Nadioznaja (Distrikt Mariupol, Ukraine) wurde von den Bauern aus der Umgebung ein organisierter Ueberfall verübt. Die Bauern erschienen mit Sensen und Sicheln und wollten das Getreide wegschaüen; als sie von den jüdischen Kolonisten daran gehindert wurden, wandten sie sich gegen diese. Die Behörden konnten die Ruhe wieder hersteilen und die Bauern werden sich wegen Raubes und Landfriedensbruches zu verantworten haben. Man darf ähnliche Nachrichten aus anderen Orten gerade jetzt, zur Zeit der Mißernte, mit einiger Sicherheit erwarten. Nun hat die russische Regierung das neue «Paradies im Fernen Osten» entdeckt und mit den skrupelloses li Mitteln der Reklame ausposaunen lassen, sie werde in den nächsten fünf Jahren 100.000 jüdische Familien im Rayon von Bir-Bidschan in Sibirien ansiedeln können; dabei wurde auch das Märchen von der jüdischen Republik wieder hervorgeholt Wie es nun in Wirklichkeit in dem sibirischen Paradies aussieht, darüber gibt der sehr vorsichtig abgefaßte Bericht Zeugnis, den der jüdische Kommunist M creschin nach seiner zusammen mit dem Landwirtmm mm Wrnm. : ' 'y-:: ■ ■<< ViÄ- :;Ä'Ä mm mimi BIS! man iül 7&M tm i wmimsm So sieht der „Kampf gegen den jüdischen Klerikalismus“ in Rußland aus: Das Innere einer Syuagoge in Moskau, die in einen Arbeiterklub umgewandelt wurde. Im Hintergrund aut dein Orou Kodesch ein riesiges Lenin-Bild. schaftsexperten Brtik durchgeführten zweimonatigen Untersuchung des Siedlungsrayons von Bir-Bidschan in der letzten Sitzung der offiziellen jüdischen Kolonisationsgesellschaft «Ozet» erstattet hat. Er sagte: ln den nächsten fünf Jahren wird man höchstens 10.000 jüdische Familien in diesem Rayon ansiedeln können, davon mindestens 2000 als Handwerker, an denen es in der Gegend des Amur mangelt. (Daraus macht die offizielle Reklame schon einen großen Handwerkersiedlungsplan für 20.000 jüdische Kleinhandwerkerl) Das gesamte Ansiedlungswerk wird in einem mäßigen Tempo geführt werden müssen. Viel anbaufähigen Boden gibt es nicht, aber ausgedehntes Sumpfland, welches erst urbar gemacht werden muß, wozu vorderhand eine Million Rubel erforderlich ist. Auch gibt es viel für Anbau nicht in Betracht kommendes B e r g I a n d. Auf dem vorhandenen trockenen Boden könnte man höchstens 25.000 Familien ansiedeln. Mit primitivem Ackergerät kann man dort wenig ausrichten. Gute Aussichten b^iehen vorläufig nur für Handwerker, Heimarbeiter und Taglöhner. Die Arbeit in den Wäldern wird gut bezahlt. Die Arbeit in Bir-Bkl$chan erfordert weit mehr Mittel als anfangs angenommen wurde. Die Vertreter vop Agro-Jolnt, Dr. Josef Rosen und Advokat J. Grower, die dieser Sitzung von Ozet beiwohnten, stellten im Verlaufe der Aussprache fest, daß der Bericht Mereschins geeignet sei, die Hoffnungen, die man an Bir-Bidschan geknüpft hat, gehörig herabzustimmen. J. Grower rechnete aus, da' laut Mereschins Bericht die Seßhaftmachung einer Familie in Bir-Bidschan mindestens 4000 Rübe' kosten würde. Daß die Siedlungsanlage in Bir-Bidschan untauglich ist, beweisen die Berichte über die Rückwände- SIEEM. HDRIMIEHL, 6 oBfleisciihauerei Zentrale iX, Berggasse 19, Tel. 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Der Professor am Dropsie-College zu Philadelphia, Dr. Salomon Z e i 11 i n, der gegenwärtig in Moskau weilt, und in den Romanoff-Archiven Quellenstudien zur Geschichte der Juden in Rußland betreibt, hatte eine Unterredung mit dem Kommissär für Volksunterricht der Sowjet-Union, Lunatscharsky, Prof. Zeitlin wies auf die Unterdrückung der hebräischen Sprache und der hebräischen Schulen in der Sowjet-Union hin, wie s in dem Memorandum der Geheimkonferenz hebräischer Lehrer und Kulturfunktionäre an Maxim Gorki in so erschütternden Tönen geschildert worden ist. Unterrichtsminister Lunatscharsky erwiderte: Die Regierung erhebt keinerlei Einwand gegen die Pflege der hebräischen Sprache und die Einrichtung von hebräischen Schulen in den Ländern der Sowjet-Union. Im Gegenteil: Sie wird jeden von Juden ausgehenden Versuch, Schulen zum Studium des Hebräischen einzurichten, unterstützen. Sollte von jüdischer Seite eine Initiative zur Einrichtung von Schulen für hebräische Sprache ergriffen werden, werde ich dieses Unternehmen unterstützen. Ara herrlichen Meeresstrand von Grado seinen Urlaub zu verbringen, war bisher nur Menschen mit gefüllter Brieftasche möglich. Durch de ganz neuartige, nach amerikanischem Vorbild geschaffene Aktion des Internationalen Reisebüros F. GrigolonäCo. erscheint dieses Ziel auch Minderbemittelten leicht erreichbar. Schon bei einer Anzahlung von 150 SchiH ng und vier Monatsraten k 30 Schilling können 14 herrliche Urlaubstage und bei 155 Schilling Akontozahlung sowie vier Monatsraten k 75 Schilling 2 8 glückliche Ferialtage an den Fluten der Adria, einschließlich aller Auslagen, verbracht werden. (Entgeltlich.) Hindenburg Über die Juden. Der deutsche Reichspräsident Feldmarschall Hindenburg bat die Reaktion und ihre antisemitischen Ausbeuter, deren Kandidat er bei der Präsidentenwahl Im Jahre 1925 war, stark enttäuscht, denn er wurde, nicht „ihr" Präsident, sondern, nach besten Kräften, Präsident der deutschen Republik. Der greise Marschall hat sich deshalb auch die offene oder versteckte Feindschaft der antisemitischen Reaktion zugezogen; sie wird sicher durch das Interview vergrößert werden, das Hindenburg einer amerikanisch-jüdischen Journalistin, Mirjam S t e r n e r, über seine Stellung zu den Juden gewährte und das wir hier im wesentlichen wiedergeben. Die Interviewerin fragte: „Exzellenz, es ist ein allgemeiner Eindruck, der bei vielen Juden in verschiedenen Ländern vorherrscht, daß die Juden als Rasse nicht viel Gunst in Ihreji Augen finden. Ist dies richtig?“ Hindenburg schien überrascht und erwiderte in bedächtigem Ton: „Es schmerzt mich wirklich, dies zu hören. Ich kann es nicht verstehen. Es gibt absolut nichts in meiner Vergangenheit, weder in meinem militärischen noch in meinem Privatleben, das diese Ansicht Ihrer Glaubensgenossen rechtfertigen würde. Die kaiserlichen militärischen Regeln und Bestimmungen, die für die Juden unseres Landes ungünstig waren, sind nicht von mir aufgestellt worden. Als ein Mann, der dem militärischen Oberbefehl unterstand, hatte ich mich natürlich nach diesen Gesetzen zu richten. Aber seien Sie versichert, daß ich niemals irgendwelche Ausnahmegesetze gegen irgendein Element unserer Bevölkerung gebilligt habe. Das Vorurteil gegen die Juden, das während des Kaiserreichs allgemein in militärischen Kreisen herrschte, ist wahrscheinlich verantwortlich für den Eindruck, den man von mir hat. Dieser Eindruck ist unberechtigt, und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dazu beitrageu könnten, dies Mißverständnis zu zerstreuen.“ Nach einer Zwischenbemerkung der Interviewerin fuhr der Reichspräsident fort: „Ich kenne die guten Eigenschaften Ihrer Rasse. Erst vor wenigen Tagen unterhielt ich mich mit jenem ausgezeichneten Engländer, einem Ihrer Glaubensgenossen, Lord R e a d i n g. Er ist ein großer Geist, und er verdient all die Ehren, mit denen die Engländer ihn überhäuft haben. Die Juden haben der Menschheit e‘inige ihrer größten Geister geschenkt. Deutschland ist stolz darauf, einen Gelehrten von dem Format Prof. Einsteins zu seinen Bürgern ztf zählen. Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, daß Ihre Stammesgenossen in Deutschland einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung der deutschen Kultur haben. Man bestreitet die Makellosigkeit meines Charakters, wenn man mich einer gegnerischen Ansicht gegen irgendeine rassische oder religiöse Gemeinschaft verdächtigt.“ Hindenburg kam nun auf den Palästina-Aufbau zu sprechen und meinte, daß die jüdische Begeisterungsfähigkeit der Chaluzim, gepaart mit deutscher Gründlichkeit, den besten Erfolg verspreche. Darauf bemerkte er: „Wohl unterrichtet über die vielfachen Fähigkeiten der jüdischen Rasse, vertraut mit Ihrer Geschichte und ständig in Kontakt mit ihren hervorragenden Vertretern, würdige ich vollauf die Rolle, welche die Juden in Deutschland und auf der ganzen Erde Spielen im Dienste des Fortschrittes der Menschheit auf dem Wege zu einer besseren W e 1 t.“ Nachdem er dann noch über die Beziehungen Deutschlands zu Amerika gesprochen hatte, griff er das eigentliche Thema wieder auf: „Nein,“ sagte er, „es ist kein Platz für Unduldsamkeit und Vorurteile mehr, wenn ein dauernder Friede in der Welt hersesiaUA werden soll“ Samuel Pinelos 85 Jahre alt Am 13. Juli konnte der bekannte Vorkämpfer des Zionismus und Mitarbeiter Theodor Herzls, Samuel P i n e I e s, der weit über die Grenzen seiner rumänischen Heimat bekannt ist, in vollster geistiger Frische, seinen 85. Geburtstag feiern. Ueberall ln Rumänien wurden dem greisen Kämpen der jüdischeu Renaissance begeisterte Ehrungen zuteil und es kamen ihm zahllose Glückwünsche zu. Im nachfolgenden geben wir eine Würdigung des Jubilars aus der berufenen Feder des Radautzer Oberrabbiners Dr. J Nacht wieder, in der cs u. a. heißt: „Ich erinnere mich mit Freuden an die schönen Tage unseres Zusanunenarbeitens. Schöne herrliche Zeit des Kampfes, zugleich schöne herrliche Zeit des Friedens. Denn beides war und ist Pinelcs, ein Mann des Kampfes und des Friedens. Im Gegensatz zu seinem berühmten Vater, der mit seiner talmudfsch-krftischen Schrift „Darko schel Thora“ als unversöhnlicher Rufer im Gelehrtenstreite auftrat, war und ist Samuel Pineies ein Zionsstreiter, der seit Jahren gegen die Assimilation kämpft, aber Immer mit den Waffen des Friedens, der Versöhnung zugänglich. Auf allen zionistischen Landeskongressen war er uns ein Symbol des liebevollen Einvernehmens. So oft die Wogen der Erregung hoch gingen, wußte er sie durch eine schöne Anekdote oder eine passende I.ebenserlnnerung zu glätten. Ob sie wirklich Lebenserinnerung war? Jedenfalls wußte er sie so zu erzählen, daß sie diesen Eindruck hervorrief. Man lauschte, klatschte Beifall und Friede, versöhnende Stimmung kehrte wieder ein. Der „ewige Pineies“ wird er genannt. Auch der Pineies „ohne Nerven“. Wir Zionisten haben beides ab fr^iin iriüü fCTMMBSaEB«. KBLJ

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