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Die Stimme · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 80 Die STIMME Seite 5 „SITMAR“ U<liH MiiHllH m sttvisl Mertttlml Eillinie» nach PiIIiHm, Griechen- Und,KonsteMlnopet / Rundfahrten Itu MUtalmetr Billige Semmerfahrtea wöchentlich mit den Luxusdampfe)o AuskOnKei „Mtmar“, Wien, I«, Körnfnerrfng 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon Nr. 85-00, Lord Balfour (Za seinem 80. Geburtstag am 25. JnH.) ■•/.'Sin; ,•>». ' Theodor Heral äußerte in »einen Tagebüchern, daß diejenigen jüdischen Staatsmänner, die sich um die Verwirklichung des Zionismus bemühen, dadurch viel eher als durch ihre sonstigen Taten in die Unsterblichkeit eiroziehen werden. Bei Lord BaiMour, dessen Bedeutung für die ewgfLrsohe Politik nicht verkleinert werden karon und dessen Name in der Geschichte sdhon Ihrettialber stets ehrenvcÄJ genannt werdet wird, trifft dennoch dieses Wort Herds zu. Der Name Balfouir wird noch viel mehr als durch die Taten seines Trägers für England, durch seine Verknüpfung mit dam «Charter» für das jüdische Volk unsterblich werden. Alls englischer Politiker ist Balfour einer der typischesten Repräsentanten derjenigen Oberschicht *des Landes, die quasi den politischen Instinkt und die K-unst des Regierens ererbt hat Er gehört zu der altberühmten Familie S a 1 i sb u ry-Cecil, die schon seit Jahrhunderten dom Lande Staatsmänner größten Formats gestellt hat. Wie viele von ihnen, hat auch er einen weit über die Politik hinausreichenden Horizont. Balfour beschäftigte sich von Jugend auf nicht nur mit Politik und dem bis ins hohe Alter betriebenen Sport, sondern er ist auch ein angesehener philosophischer Schriftsteller. Seinem scharfen, zergliedernden Geist ist es eine Erholung, gerade die «reine» Philosophie, besonders Erkenntnistheorie und Logik, zu betreiben. Auch hierin konservativ, wie als Politiker, ist es kein Wunder, daß er trotz aller Freundschaft und Anerkennung fiür Bergson der «intuitiven» Richtung in der Philosophie nicht folgen kann, sondern fest auf dem Boden von Rationalismus und Empirie steht, was ja für Englands Philosophen eine alte Tradition ist. Und dennoch: gerade dieser konservative, nüchterne, feal denkende Mann hat am frühesten das richtige Urteil über eine Bewegung abgegeben, die seinerzeit nur von wenigen Politikern anders denn als eine phantastiscti-utopische angesehen wurde. Schui 1906 verstand er, daß Uganda nicht Zion sek und die potentielle Kraft, die im jüdischen Volke zum Aufbau der Heimstätte aufgespeichert istK nahm er, der skeptischkritische Geist, nach einem bloßen Gespräch mit We*znianm, der Ihm sagte: «In jedem jüdischen Kleknstädtohen des Ostens leben Tausende, die so denken wie ich» schon als gegeben an. Er fühlte nämlich, daß aus' Weidmann tatsächlich diese Kraft spreche, und spürte als Philosoph daran das Ueberpersönliche, Generelle. Freilich waren auch gerade diejenigen Politiker, mit denen Balfour arbeitete, geeignet, sein Verständnis für unsere Sache zu fördern. Disraeli (den Balfour als i Sekretär Salisburys, seines Onkels* von 50 Jahren auf den Berliner Kongreß begleitete), der bekanntlich in seiner Jugend zionistische Romane schrieb, und ein starkes jüdisches Selbstgefühl stolz zur Schau trug, wird hier wohl noch kaum zu nennen sein. Wohl aber seine Kollegen Salisbury, Charoberlain usw., die Herzl Uganda amboten, ferner während des Krieges Lloyd- George, Simrts u. a. Wenn man von der PoKWk Englands sagt, «sie denkt im Kontinenten», so kann man von dem jüdischen Volke sagen: «es denkt in Jahrtausenden». WeH sie an ein weitgespanntes Denken gewöhnt sind, können die englischen Politiker dies verstehen und dadurch düe Triebkräfte der jüdischen Renaissance richtig einschätzen. Lord Balfour ist derjenige unter ihnen, der sich mehr als jeder andere mk ihr idemtifizi'ert hat. Eir hat es 1925 nicht gescheut, als Siebemundsiebzigjähriger nach Jerusalem 2« kommen, um die Universität zu eröffnen, eine Reise, nicht nur sehr beschwerlich für sein Alter, sondern auch nicht ungefährlich,, da man nicht wissen konnte, wie sich die Araber gegenüber dem Manne, dessen Deklaration sie aufs heftigste befehden, benehmen werden, ob nicht irgendwelcher Mob ihn insultieren würde, was ja später in Syrien tatsächlich geschehen ist. Aber Balfour achtete wie ein junger Chaiuz nicht Mühe und Gefahr und war die zentrale Figur bei der Eröffnung, er war es auch, der die eimidtrucksvolilste Rede hielt. Seine vornehme Geisteshaltumg bei Ihi erschrocken heit im Denken, dfie Ruhe und Klarheit der Diktion bei größter Fülle der Gedanken und Gesichte, die Erkenntnis des Spezifischen und Neuen der Aufgabe, trotz des Ausmalens eines breiten historischen Hintergrundes, der starke Glaube an die völkerverbindende Mission einer Stätte der geistigen Arbeit, wie an ihre eminente praktische Bedeutung für die materielle Wohlfahrt der Menschheit, seone unerschütterliche Zi>- vereicht an das Gelingen des Aufbauwerkes, all das wirkte auf die Hörer und wirkt noch heute auf die Leser dieser Rede als -Offenbarung der großen Persönlichkeit des Sprechers. Vielleicht hat Balfour trotz seiner vielfältigen Tätigkeit doch noch nie eine solche Gelegenheit gehabt, aHl seine Anlagen in harmonischen Einklang zu bringen, wie bei dem Einsetzen für die jüdische Renaissance. Vielleicht' ist es dies, das ihn so stark und so ganz dafür eintreten läßt. Daß er es tut, wird ihm vom jüdischen Volk, das immer dankbar war, nie vergessen werden. Kolonien., Fakultäten,, Straßen, Wälder in Eirez Israel tragen schon heute seinen Namen. Wie erst wiird sein Name späteren Geschlechtern erstrahlen! Die Judehs<Ä^’Englands-hat schon vor einigen Tagen den achtzigsten Geburtstag Badfours festlich begangen,. In allen anderen Ländern werden Feste folgen. An diesen — England ist mit 16.000 Pfund vorangegangen — wird für den. Balifoutr-Wald gesammelt werden. So verknüpft auch dieser Tag Lord 'Sdmh &om Wimn, II.. CTnßovsfraJte Hs. Sa JHHCodeme ^cAufte au« bestem JITolerlaf Gediegenst smsGeföbwi Jflur seriöse Preise Balfour mit einer wichtigen Tat für dll-e Regeneration von Land und Volk. Die größte Ehrung für Balifour wird es aber sein, wenn das jüdische VoJlk seinen Glauben rechtfertigen wird, dem er bei Eröffnung der Universität mit den Worten Ausdruck gab: «Wenn ich die Zeichen der Zeit nicht mißverstanden habe, wenn ich über den Genius des jüdischen Volkes nicht in einem tiefen Irrtum befangen bin, dann ist diesem Experiment ein unausbleiblicher Erfolg beschieden.» b. Die Not der Juden in Marokko Unter den marokkanischen Juden, deren Lage seit je in jeder Hinsicht ungünstig ist, sind die Juden von der Jetzt wieder vielgenannten Stadt Tanger, deren Zahl (unter einer Gesamtbevölkerung von zirka 80.000) 18.000 Seelen beträgt, am stärksten verelendet. Die Not unter ihnen ist furchtbar; es gibt Hunderte von jüdischen Familien, die buchstäblich Hungers sterben. Die Ursache für dieses Eiend liegt im wirtschaftlichen Niedergang der einst blühenden Stadt, der durch die politische und Handelsrivalität der europäischen Mächte hervorgerufen wurde. Das im Jahre 1923 zwischen Spanien, Frankreich und England vereinbarte „Statut von Tanger“ hätte hier Abhilfe schaffen sollen. Schou im Jahre 1925 begann aber Spanien an den Vereinbarungen zu rütteln. Es wollte Tanger vollständig für sich erhalten. Die Juden von Tanger wären darüber nicht sehr erbaut gewesen, denn das spanische Regiment ln der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts liegt ihnen noch in allen Gliedern. Hier sei ti. a. nur an den J u s t i zm o r d im Jahre 1863 erinnert, als zehn J u d e n des Tangergebietes auf spanischen Befehl verhaftet und zwei von ihnen In Tanger öffentlich hlngericbtet wurden, unter der lügnerischen Anschuldigung, einen Spanier ermordet zu haben. Die übrigen acht verdankten ihre Rettung nur dem Einschreiten Sir Moses Monte- Urlaub ln Grade für öffentliche und fix Angestellte sowie deren Angehörige Pauschalpreis inkl. Fahrt in 5 Teilzahlungen abzüglich eventueller Visum- und Fahrtbegünstigungen einschließlich erstklassiger Logis, Verpflegung, unbeschränkter Bädergebrauch samt Zelt, Kurtaxe etc. Reiseantritt schon nach Anzahlung gewährleistet Auskünfte und Prospekte durch die Generalvertretung des internationalen Reisebüros F. GRIGOLON & CO. WIEN, k, KOHLMARKT 8 (Eingang Wallnerstraße) Telephon 69-4-17 Wmi mm mm?; . •» ,*.3: *3 Die Not der Juden in Marokko: Jüdisches Arbeiter-Ehepaar in Tanger. zm '■•■mSSSSSsSo Hü wmmm mm y&Xv.-ys.w.- mm tlÜÜI mim % .• y ,, y-r'i ’k-. ’ x ' ...■ \ W8& fiores. Zum Glück wurden die Aspirationen Spaniens nicht verwirklicht. Vor kurzem wurden nun, was als politisches Ereignis ersten Ranges gewertet wird, Italien in die internationale Verwaltungskommission für Tanger aufgenommen. Dies bedeutet, daß von nun an die italienischen Staatsangehörigen, die inn Tanger bereits in großer Zahl ansässig sind, dieselben Privilegien wie Franzosen, Engländer und Spanier genießen werden. Gerade in den Italienern aber wird den elenden jüdischeu Massen in Tanger eine Konkurrenz entstehen, weil die italienischen Kolonisten und Hilfsarbeiter ziemlich dasselbe Gebiet für ihren Kampf ums Dasein auszubeuten gezwungen sind. Oskar Slater frelgesprochön Das Appellationsgericht ln Edinburg hat nunmehr in der Revisionssache des jüdischen Einwanderers Oskar Slater sein Urteil bekanntgegeben. Das Gericht hat das im Jahre 1909 gefällte Urteil über Slater, auf Grund dessen er 19 Jahre im Kerker verbringen mußte, für nichtig erklärt In der Begründung wird betont, daß bei der entscheidenden Sitzung der Jury, die das Urteil gegen Slater ausspracb, weniger das vorhandene Material, als das während der Gerichtsverhandlung von Slater sich ergebende sehr ungünstige Lebensbild entscheidend war. Die damalige Instruktion der Jury seitens des Gerichtsvorsitzenden wird ln der Begründung als eine „Irreführung des Rechtes“ bezeichnet Nach Verkünden des freisprechenden Urteiles erklärte der Anwalt Slaters, daß auf Grund dieser Entscheidung Slater entschädigt werden müsse. Diese Entschädigung hängt vom Schatzamt ab. Wie verlautet, wird Slater eine Entschädigung von 8000 Pfund fordern, mit dem Hinweis darauf, daß erst jüngst in einem Falle, wo es sich um ein nach drei Jahren aufgehobenes Fehlurteil handelte, mniltlWIWmuillHltllfl«lliHIIUniiHiilllHIIMHWIIII84IIHtllililtti||tHUi)fllHttiliHIIIIIII!1l||IHIIIHHIitl«MMmia Vergessen Sie nicht bevor Sie eine Urlaubsreise antreten, eine Reisegepäck -Versicherung bei der Nordstern Allgemeine Versicherangs A. G. Wien, I., Wlppungerstr. I«, Tal. 612 67 abzuschließen eilUBiHIMIHHttilHeillMBMBHIgtHttlUlüMHi BUItlilttlttttlilUliliiüMlttllllltlBaMBIIWBiM—MWlilliBllftHI 408472

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