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Die Stimme · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seft« 4 DIE 9TIMME Nr. 30 schon so oft auch die Geschichte der palästinensischen Kolonisation gezeigt h /»jötzf muß mit größter Offenheit -gehandelt werden; wer litt Innern nicht ganz dafür ist, muß offen und klar dagegen stimmen. Die Vertreter des MlsfäChi, Rabbi Berlin und Dr. F e d e f b u s c h, hielten die Entscheidung ihrer Fraktion weiterhin offen. Die Generaldebatte war damit beendet und Sonntag nachts hielt Dr. W e i?. m a n n das Schlußwort (dieses tragen wir in der nächsten Nummer nach). Es wurden drei KoimnlMtoften eingesetzt, welche Montag und Dienstag berieten. Der Kommission für Politik und Jew i s h - A g e n c y, die u. a. auch Ober Aenderung des Ressorts zu beraten hat, gehören an: Allgemeine Zionisten: Blumeftfeld, Fischmann, Goldatein, Hindes, Reich, Herrmann, Brodetzki, Feiwel, Thon und üssischkin; Misraehi: Nurock, Federbusch; Hitachduth: Hellmann, Kaplan; Poale Zion: Ben Gu-rion, Locker, Radikale: Solowejtschik; Revisionisten: Großmann. Der Palästina- und Budgetkommission gehören an: Allgemeine Zionisten: Bileskl, Schalit, Farchy, Landsberg, Goldbloom, Lewite, Mossinsohn, Rabalski, Supraski und Dizengoff; Misraehi: Rabbi Berlin, Lazarus Barth, Schapiro; Hitachduth: Twersky, Tartakower; Poale Zion: Hartzfeid, Kaplansky; Radikale: Grünbaum; Revisionisten: Großmann. Der Anleihe-Kommission gehören an: Bernhardt, Klee, Kahan, Schramek, Rufeisen, Ruppin, Halpern, Schocken; Misraehi: Rabbi Berlin, Nurock, Farbstein; Hitachduth: Sprinzak, Melzer; Poale Zion: Mereminsky, Rubaschow; Radikale: Solowejtschik; Revisionisten: Lichtheim. Nach den bisherigen Erörterungen in der Debatte dürfte der Vorschlag der Exekutive bezüglich der Jewish-Agency die überwiegende Mehrheit des Aktionskomitees für sich finden. Beim „Kleinen Kongreß" Von Michael. L Dk moderne zionistische Bewegung und Organisation haben schon eine respektable Geschichte. Dabei geht es ihnen wie dem Einzelmenschen: stets kehren sie gerne zu ihren ersten Neigungen zurück, somit auch zu den Schauplätzen ihrer früheren Taten und Tagungen. Diesmal trat das Aktionskomitee zum «Kleinen Kongreße in Berlin zusammen, und zwar im Logenheim der Bne Brith, nur ein paar Minuten vom Zoo, jenem Knotenpunkt des Verkehrs von Berlin-West; jetzt freüich, da die große Welt in die Sommerfrischen entfloh, ist der Trubel stark gedämpft. Schon 1912, unmittelbar nach Enbauung des Logen- Iteims, hat hier eine denkwürdige AC-Sitzung stattgefunden. Denkwürdig, doch nicht einträchtig. Dies mag den Friedfertigen unter unseren Freunden, die der innere Zwist zur Verzweiflung treibt, etwas Trost bringen. Es kann wohl kaum anders sein, als daß unsere Sache durch kampfliche Auseinandersetzung — auch in den eigenen Reihen — sich vorwärts ringt. Auch damals galt es, den rechten Weg zu finden, wie das Palästinawerk am besten au fördern sei. Auf der einen Seite stand verärgert W o 1 f f s o h n, dem man kurz zuvor am X. Kongreß die Präsidentschaft entwunden, der. aber um so zäher die Kolonialbank festhielt. Und auf der anderen Seite die neue kollegiale Leitung unter Warbürg, die ihr Programm des praktisch-synthetischen Zionismus durchführen wollte, aber den Bankkredit von Wolffsohn, der das «Bänke! von Melamdmu noch verspottete, gesperrt fand. Eine unmöglich scheinende Bedingung stellte damals der grollende Alte: Die Sieger sollten für die verlangten Kredite persönlich die Haftung übernehmen. Und sie nahmen es, Mann für Mann, Führer und Delegierte, voll Opfermut auf sich — hier im Logenheim — und gewannen mit dem Bankschlüssel freie Bahn nach Erez Israel, zum Mandat- Diesen fernen Kampfstunden nachsinnend, trete ich durch das Portal des Hauses Kleiststraße 10 und durch den baumumschatteten Vorhof In das Logenheim ein. Wahrlich, rin würdiger Rahmen für eine ernsten jüdischen Dingen gewidmete Tagung! Die Marmorstatue Mosche Rabbenus leuchtet aus dem Halbdunkel der edlen Halle, von der sich eine breite Stiege nach den oberen Stockwerken schwingt. Das Aktionskomitee hat bloß die Parterreräume beansprucht und das Plenum versammelt sich in dem großen, parkettierten, mit Kronleuchtern und Holzverkleidung geschmückten Saal, der durch fünf mächtige Fenster freundlich in den inneren Gartenhof schaut. H. So wie der Schauplatz ist auch der Apparat der Tagung dem altgedienten Zionisten wohlvertraut. Laut Statut ist die Oeffentlichkdt von den AC-Sitzungen grundsätzlich ausgeschlossen und nur die Vollversammlung darf den oder jenen Gast aulassen. Mozkin aber, der vielerprobte Kongreßpräsident, der auch diese Tagung leitet, hat Uebenbiick genug, um — der Entscheidung dies Plenums vorgreifend — einer Anzahl verläßlicher Zionisten durch Zubilligung von Gastkarten den fiebernd ersehnten Zutritt zu erschließen. Ein kleiner Beamtenstab unter Dr. Lauterbach sorgt für die technischen Agenden. Jeder Delegierte und auch mancher Gast bekommt die traditionelle Mappe, dickgefüllt mit den Berichten der Exekutive und ihrer Fonds, nebst der Tagesordnung. Doch alles andere Material verschwindet an Aktualität vor der -blauen, 182 Seiten starken Broschüre mit der denkwürdigen Aufschrift: «Report of the Joint Palestine Survey Commission». Denn das ist die Pandorabitchse, die den kondensierten Zündstoff enthält, parat» sich in der Debatte zu entladen. Neben diesem offizielle« Material flattern, obschon in bescheidenerem Ausmaß als beim Kongreß, die hektographterten und gedruckten Denkschriften aller zionistischen Gruppen auf »welche mit ihren Sonderwünschen das Gehör der AC-Mitglieder erreichen und ihre Hilfe erobern möchten; voran das Memorandum des Weltmerkas der Chäluzim, das leidenschaftlich gegen die weitere Drosselung der Alia protestiert Und in zwei Zimmerchen des Logenheims waltet Dr. Sußmann von der «Ziko». Von einem. Papierwall umringt, steht er mit seiner Vervlelfältigungsmaschine bereit, waimmer die Sitzung bringen mag, in täglichen Bulletins aufzunehmen und in alle Welt auszusenden. 111. Tribüne und Apparat sind gestellt. Auch an den Akteuren fehlt es nicht. Kaum eine von den Hauptpersonen Ist auagcbHeben. Nicht die Beschwerden weiter Fahrt, nicht die Lockung wohlverdienter Muße zu schwüler Sommerzeit konnten von der Erfüllung dieser zionistischen Pflicht fernhalten. Unsere erwählten Führer Weiztnann und Sokolow, repräsentativ von Kopf bis Fuß, halten lächelnd Jour und drücken all die Hände, die sich ihnen — von «Freund» und «Feind» — entgegenstrecken. Von Efez Israel ist Üssischkin da, der massige Paladin de3 Keren Kajemeth, und neben ihn schreitet das Direktöfenpaar des Bruderfonds Keren Hajessod in so harmonischer Eintracht daher, daß sich ein Witzbold das «Pat und Patachon» nicht verkneifen kann. Aus Amerika ist rmt seinen langen Beinen Upsky befbeigeeilt; man sieht ihm den heißen Streit um seine Person nicht an, weder die erlittene Demütigung, noch -den schließllchen Triumph Herrliche Garten-TennlsplSlze unter schattigen Bäumen mitten im Grünen 36er und 37er Linie in nächster Nähe 8 stunden samt Trainer p?o Person S 13*—! Während der Monate Juli und August noch einige ermäßigte Einzelstunden zu vergeben! Erstklassige Trainer XIX., Kahlenbergerstraße 46 Tel. A12-6-35 — jeder Zoll ein trockener, kampfgestählter Yankee. Die Arbeitervertreter aus Palästina und chuz laarez, welche nach ihrer Art schon seit Tagen gründlich vorberaten haben, stehen auf einem Haufen um Dr. Rtipp'n geschart. Angesichts des ihnen so unfreundlichen Expertenberichtes haben sie die taktischen Finessen auseinanderstrebehder Fraktionsinteressen abgetan und sich eng aneinandergeschlossen. Jetzt verteilt gar Berl Locker blutrote Nelken imter die Genossen. Doch auch paar Msrechi stecken sich scherzend dergleichen an: «Was sich Hebt, neckt sich». Recht stark — wie immer — ist Polen vertreten. Denn dem Radikalen Grünbaum dürfen Levite und Dr. Reich das Feld nicht tiberlassen und »ie alle maß wieder Farbstein, der Kultuipräsident von Warschau, überwachen. Die AC-Sitzung ist aber keine jüdische Reinkultur. Der gutgekleidete, wohlgenährte Brünette dort mit den feurigen Augen, der von Gruppe zu Gruppe rückt, ist Dönmet Asis, der bekannte Dichter des Dramas «Trtimpeldor», ein Araber, aus Haifa, der — in Berlin lebend — die Botschaft semitischer Verbrüderung predigt. Aus <fer freundlch-en Begrüßung, die ihm von allen zuteil wird, läßt sich schließen, daß seine Botschaft auf-jüdischer Seite offene Herzen findet. IV. Und nun der Auftakt zur Tagung selbst! Da sie nämlich Donnerstag abends begann, setzte ihr der Sabbat bald ein vorläufiges Ziel. Und doch Ist in der Debatte dieser knappen Frist die Entwicklung der Dinge schon vorgezeichneti Was gesprochen wurde, gibt der offizielle Bericht gewiß treulich wieder. Hier nur ein paar Randnoten! Weizinanns Hinleitungsredc war — nach Inhalt und Vortragsart — noch nonchalanter als mau es sonst von ihm gewohnt ist. Aber die Kenner wissen schon, daß er nur die anderen «auslaufen* läßt, uni sich dann — durch ihre AngrJfie gereizt •— wie ein Löwe auf sie zu stürzen. Er selbst betont, daß er nicht viel Neues zu »agc-n habe. Dennoch horcht man auf, als er zum Beweis für den politischen Einfluß unserer Exekutive auf die englische Regierung die Verhandlungen uni Palästinas neuen Fachkommissär skizziert; und bald raunt man siel« in den Couloirs ergänzende Daten zu, die geeignet sind, Welzmanns Andeutungen zu bekräftigen. Auch für den Expertenbericht ccliauifiert sich Weizinann nicht besonders. Das Prinzip der erweiterten Agency stehe durch Kongreßbeschluß fest; sie biete -- neben der verstärkten Regierungshilfe deu einzigen Ausweg, die nötigen Mittel für deu Aufbau Palästinas und eine neue Einwanderung zu schaffen. Der Expertenbericht könne ia voij der Agency, wenn sic zustande kommt, geändert werden und die AC-Sitzung möge nur getrost, doch in würdiger Art, die gewünschten Aenderungen iormulicren uud dar Exekutive auftragen. Nachdem auch Sokolow, ohne großen rednerischen Aufwand, in die gleiche Kerbe geschlagen, wird ein Änderungsvorschlag der Exekutive selbst verteilt und Rosenbfüth bemühte sich, diese bescheidenen Forderungen und Ihre vorsichtige Fassung der Versammlung plausibel za machen. Von den übrigen Mitgliedern der Exekutive fesselt nur Miß Bold, die in bewegten Worten die Kürzung des Erziehungsbudgets beklagt. Und nun folgt die Kavalkade der Debatter. Außer Dr. Reich (Lemberg), welcher die Thesen der beiden Präsidenten rückhaltlos unterstützt und die Zukunft Erez Israels gegen und über die Dogmenreiterei der Opposition stellt, brachten sämtliche Redner eine zum Teil sehr scharfe Kritik vor. Von dem Radikalen Grünbaum war das nicht anders zu erwarten; ja, er legte diesmal seinem Temperament noch Zügel an: Nun, da seine Voraussage sich traurig erfüllt habe, müsse die Mehrheit, welche jene vier Sicherungen für die •erweiterte Agency formulierte, zusehen, diese in Ihrem Aröeitsprogratnm selbst zu verankern. Doch auch F a r -b s t e i n, der für einen Teil der Misjacfoi sprach, rügte die Nichtbeachtung jener Sicherung&beschtüssc des Zonistertkongresses. Ebenso die -bürgerlichen Delegierten Palästinas, Supresky und Mossinsohu, während Dizengoff -eine Arbeitsteilung zwischen uns und den anderen für möglich hält. Noch schärfer klangen die Reden der Ärbeitervertreter, die sich gegen den Ungeist des Expertenberichtes wandten. Sprinzak, vormals Mitglied der Exekutive, legte sieb noch Zwang auf. Dafür hielt Ben Guriou, mit den Fäusten aufschlagend, einen Volksversammlungsspeech, der aber flammende Ueberzeugung atmete. Am wirkungsvollsten war die tiefschürfende sachliche Auseinandersetzung, <Se K a p 1 a n s k y, der frühere Lejter unserer landwirtschaftlichen Kolonisation, dem Expertenbericht widmete, die er «eine Sammlung von Vorurteilen und Irrtümorn» nannte, und seine erbitterte. Ablehnung der «rosigen» AenderungsVorschläge der Exekutive. Sic habe das Vertrauen der Organisation verwirkt. Die Redner der Linken taten diesmal ihre proletarischen Soliderinteressen klüglich beiseite und riefen die Gesamtheit der Delegierten zur Verteidigung der gemeinsamen Ideale auf. Den tiefsten Eindruck aber machte U 9 s i s c h k i n. Mit verhaltenem Atem lauschte der Saal den leidenschaftlichen Worten, die er — anscheinend ein kranker Mann — mit müder Stimme hervorstieß. Nicht genug, rief er, daß jene fremden Menschen, durch ihr Gutachten das Selbstbestimnmngsrecht der Palästinapioniere — . Selbstarbeit und Kwuza — mißachten, haben sirßaicht-einmal vor unserem Heiligsten, dem Nationalfonds, Halt gemacht. Hier gebe es keine Brücke zur Verständigung. Nach dieser Rede fiel die etwas burschikose Art des Revisionisten L i c h t h e i m begreiflich ab. Um so größeres Aufsehen weckten die Darlegungen Dr. Ruppins, der sich ausdrücikl ch als erwählten Redner der vereinigten Linker bezeichnete, aber dennoch seine eigene Meinung vortrug. Nachdem er mit sachlicher Satire den Expertenbericht zerpflückt hatte, suche Ruppin dennoch nach einem Ausweg. Demi wir Zionisten brauchen die Hilfe der anderen und er selbst habe sich immer wieder und noch jetzt in London von deren gutem Willen, von deren gutjüdischem Herzen überzeugt Man müsse ihnen «vuir Zeit lassen, zu uns zu -finden, ln diesem Sinne habe er auch ein Memorandum mit Aenderungsvorschlägen ausgearbeitet. Unter diesem Sturzbad an Kritik hielt — ein Muster demokratischer Gesinnung —■ die Exekutive, hielt, voran Dr; Weizmarth ruhig aus, bis der Sabbat in seine Rechte trat. Keine Keren-Hajessod-Eingänge aus Amerika Im Verlauf des Monats Juni sind im ganzen 26.910 Pfund an Spenden beim Hauptbureau des Keren Hajessod öingegäqgen. Aus den Vereinigten Staaten ist ln diesem Monat eine Leistung nicht erfolgt, was die Ursache zu der besonders niedrigen .Gesamtziffer ist. (Im Monat Mai sind an Kcren-Hajcssod-Spcnden 38.541 Pfund eingegangen. Im Iänncr d.,J. betrugen die Eingänge 42.006 Pfund, im Februar 34.496 Pfund, im März 45.000 Pfund, Im April 46.635 Pfund. D. Red.) Während des ersten Halbjahres 1928 haben die Kereu-Hajessod-Eingänge 235.628 Pfund betragen. Die Führer der zionistischen Opposition in Amerika hielte« ln diesen Tagen eine Sondertagung ab, m det beschlossen wurde, den Kampf für die „Hebung der Moral und der Tatkraft ln der amerikanischen zionistischen Bewegung und für de« Aufbau Palästinas nach den richtigen Grundlinien“ fortzuführen. Eine Anzahl Redner forderte den Austritt aus der offiziellen Organisation und die Bildung einer neue«« Partei; die Mehrheit aber entschied sich für ein Verbleiben In der zionistischen Landesorgaiilsatlon. Zur Formulierung eines Programmes und Fortführung des Kampfes wurde aus der Mitte1 der 65 Ahwesejiden ein Komitee gebildet, das sich aus Julian Mack, Jacob de Haas, Robert Szold, Frau Robert Szold, Zeldln und den Revisionisten Smert e n k o und D a n z i s zusammensetzt. RedaktionsschluÜ und Schluß der Inserateaannaftme Dienstag um 12 Uhr mittags. Später einlangende Einsendungen können keine Aufnahme tu die laufende Nummer finden.

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