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Die Stimme · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 30 OIEfflIWE Seite 3 MetchetU Dr. L. K. Frankel, Felix Wart>urg trad Oscar Wassermann für cfte von iliner geleistete wertvolle Arbeit Dank aus and wünscht bezüglich der wirtschaffiidbon Empfehlungen der KommfeKtion, daß die Empfehlung, den Ausbau der bestehenden K w u 2 o t h schleunig zu Ende za führen, dahin erweitert werde, daß die endgültige Entscheidung über die Sfedhmcsforat der Kwuzah davon abhängig zu machen sei, ob sich die bestehenden Kwuzoth nach Beendigung ihres Ausbaues als existenzfähig erweisen. In der Resolution wird ferner das gegenwärtig angewandte Erbpachtsystem als den Bedürf- «jesen der Mehrheit die Siedler angepaßt hingestellt und darauf htngewiesen, daß nichts geschehen dürfe, was die Integrität des jüdischen Nationallonds antasten könnte Der von der Kommission erwogene Plan der Eirrichtimg eines Institutes'für In- ” dustrie-, Pflanzungs- und Handelskredite mit einem Kapital von 750.000 bis 1,000.009 Pfund sollte mit möglichster Beschteu-nßgung ausgeführt werden. Nach einigen weiteren wirtschaftlichen Bemerkungen wiird mit Bezug auf die Jewish Agency- E r w e i t e r u n g gewünscht, daß noch vor Konstituierung der Jewish Agency die nichtziouistischen Gruppen enger mit. der Palästinaarbeit verknüpft werden. Das A. C. beauftragt die Exekutive, mit diesen Gruppen in Verhandlungen über die Gründung eines „Provisflooal Committee for the Jewish Agency“ einzutreten, dessen Aufgabe es sein solle, an der Organisierung der erweiterten Jewish Agency und an der A u*fbringung der Mit-.te 1 für den Aufbau Palästinas mitzuwirken, sowie einen einheitlichen Wirtschaftsplaufür den Palästinaaufbau und Koordinierung der Tätigkeit der in Palästina arbeitenden jnaschen Organisatoren und Körpe-rschaf- ’jen zu schaffen. Sodann trat das Aktonsikomfitee in die Generaldebatte, die sowohl die allgemeine Politik der Exekutive als auch die Jcwish-Agcncy-Frage und die dazu einge- (braditen Resolutionen der Exekutive, umfaßt Als erster Redner spraclr der Palästinenser Lupravsky, der u. a. ausführfce: Die politische Lage hängt stets von der ökonomischen Lage? ab. Die schweren Zeiten, die wir durchzmachen hatten, haben aucif unsere poetische Lage m Palästina sehr verscMirnrnert Die nicbtjüdische Orientierung ist ln Palästina ln stetem Zunahmen. Tn zaMreidien Aemtern. gibt es nicht einen einzigen jüdischen Beamten. Redner besprach dann die vorgekommenen Landesverweisungen und erklärt,' daß es sich biebed keineswegs um eine person^e Frage handle, sondern mn eine .prinzripiela Diese Ausweisungen bedeuten eine Demonstration gegen die jüdische Einwanderung. Er. wendete sich auch gegen die Ausführungen der Exektttve in der Frage der Jewish Agency. Die Agency würde uns Nutzen bringen mir unter zwei Bedingungen: wenn die anderen mit derselben offepen Hand sich uns anscliKeßen, die sie wo anders .zeigen, und weenen diee politische Lage im Lainde günstiger war, als <we es tatsächlich ist Von den folgenden Rednern kamen in erster Reihe die Vertreter der Fraktionen und Gruppen zu Wort. Während der M i s r a c h i seine Stellung zum Jewish Agency-Berlcht, wie sein Redner Farbstein erklärte,, noch nicht festgelegt hat, ist die Stellungnahme der vereinigten Arbeiterparteien, der Hitachduth, der Radikalen und der Revisionisten bereits fixiert Ihre Redner sprechen sich gegen den Bericht aus, u. zw. zunächst Sp ri n z a k namens der Hitachduth und besonders scharf Kaplansky im Namen der Achduth Haawodah, der erklärte, diese Vorschläge bedeuten ein System der Destruktion der zionistischen Organisation, die in eine vergrößerte Pica (die Verwaltung der Baron Rothschild-Kolonien) verwandelt werden solle. Dieses Dokument bedeute eine politische und moralische Niederlage für unsere OrganisaasiülaaKiitaiHaMBi ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN . TELEPHON 93-0-77 SAMTV. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN tion .und sei überdies eine Kriegserklärung an die Arbeiterschaft. Redner wandte sich scharf gegen das vorgeschlagene provisorische Komitee. Nachdem die Kommission keinen Plan der Aufbauarbeit entworfen hat, müsse die Zionistische Organisation jetzt selbst einen solchen durch, eine e i g e n e S a c hverständi ge n - Ko mmission ausarbeiten lassen. Ebenso wandte sich Ben G u r i a n gegen den Bericht. Von den radikalen Zionisten sprach Dep. G r ü nbaum, der die schon eingangs erwähnten Argumente gegen den Bericht anführte; im Namen der Revisionisten erklärte .keine Hoffnung auf. die Möglichkeit einer; Verständigung zwischen seiner Gruppe und der Exekutive zu haben. Die Agency-Frage ist nur. eine T e il f ra g e. Sie ist auch keineswegs eine res judicata. Wenn die vom Kongreß gestellten Forderungen nicht durchgesetzt worden sind, so muß das A. C. die Annullierung des Beschlusses au f E r w e i te r.u n g der Agency beschließen. In vorwiegend ablehnendem Sinne sprachen ferner die Vertreter Palästinas, Dizengoff, Ussischkin und-M o s s i n s o h n. Eine vielbemerkte Rede hielt Dr.,Ruppl n; er beschäftigte sieh ausführlich mit den Berichten der Sachverständigen, die die käme«, sp setzte sich der Fremde mit alten;.im Garten nieder und erzählte ihnen. wunderbare Geschichten. IfiT Inhalf war, daß Gott die Welt erschaffen habe, um freudig und fröhlich in ihr zu leben; dort:.wo Freude ist, weilt die Herrlichkeit Gottes, die Schfibhinah; Gott kann man mit jeder Melodie, mit jedem Tanz,. mit jeder freudigen Bewegung dienen, auch mit einem Glas guten Weines. Dann setzte sich der Rabbi plöfzJicb mit gekreuzten Beinen aufs Gras, nahm die Geige zur. Hand und spielte mit geschlossenen Augen wunderbare Weisen. Die Frau des Rabbi und ihre Töchter saßen mit leuchtenden Gesiditern neben ihm und sangen; leise, mit eindringlichen Stimmen mit. Alles war gebannt Dann erhaben sich alle und tanzten miteinander. «Wir tanzen mit den Engeln!» — rief die Frau des fremden Rabbi — «Mit Engeln tanzen tanzen wir!» Wenn dann der Tanz abbrach, wandelten die Besucher noch lang im Tale auf und nieder, wo das Häuschen mit dem fremden Gaste stand. Von Tag zu Tag wurde die Schar der Handwerker größer und dem Fremden anhänglicher. Seine Wohnung kn Gärten zog sie geradezu magnetisch an. Stets herrschte dort Fröhlichkeit und eine ruhige Heiterkeit die die Mühen und Sorgen des Tages vergessen ließ. Einige der angesehensten Handwerker waren so glühende Anhänger des neuen Rabbi geworden, daß sie daran dachten, ihre Söhne mit seinen Töchtern zu verheiraten. Die Bürger des Städtchens machten sich über den Hnadwerkerrafclbi und seine Anhängerschaft lustig. Endlich aber kam der Tag, da man erfuhr, wer der Fremde wa/r. Es war am Tischa-beaw, dem Trauertag der, Tempeteerstöruog am 9. Ah. Ein schwüler Somamemaohmittag. Das ganze Städtchen war kl die Trauer des Tischa-beaw versunken* Scharen von Judein io, zerrissenen Kaftanen wandelten in den Strümpfen, über die Gunwnigakecben gestülpt waren, mit fastenbleichen, hltzezerquälten Gesichtern auf den Friedhof. Einige saßen im Hofe des Beth-hamktrasch upd lernten gemeinsam, andere erzählten einander Legende« von der .Tempelzerstöning. Schwer trug ganz S. den heißen, bleiernen Fasttag und or>r wurden <Me Uhren'gezogen, die wiesen, wie lange er noch dauern würde. Plötzlich kam ekic. Schar von Knaben im den Schulhof gelaufen und erzählte, draußen beim Handwerkerrabbi •. werde jetzt, am Tfedra-beaw, ein Fest gefeiert; die ganze Handwerkerjugend hätte sich dort versammelt,, es werde getanzt, gespielt, gegessen und getrunken. Ein Fest qm Tischa-beaw?! Alle Jud-en sprangen auf, als hätte sie ein Erdstoß emporgescM-eudert. Tumult in der Stadt ,Groß und klein, alt und jung eüte wie rasend vor die Stadt hinaus, dorthin, wo das Idewie Bauern häuschen in den Gärten stand, zum Handwerkerrabbk Und fand dort — ein fröhliches Fest, dessen Treiben auf seinem höchsten Gipfel angelangt war! Die Alten, der Historie Kundfgen errieten, was verging. Das Fest des Sabbathai Zwi, der den Trauertag des 9. Ab zum messianischen Freudentag erklärt hatte. Getümmel, Geschieh «Gotteslästerung, unerhörter Frevel!» «EmSabbathianer, auagelösdht werde sein Name!» «Ein- Anhänger des Jakcb Frank!» «Pfui!» «jagt ihn fort!» «Ihresgleichen »t in Bann nach dem Gesetz!» Die wilde Menge brach gewaltsam ki das Haus ein, die betrunkenen Handwerker warfen sich ihr entgegen, eine Schlägerei entstand. Daß sie nicht blutig verfiel, war nur dem Geschrei der Frauen auf beiden Seiten zu verdanken. Noch m der gleichen Nacht verschwand der Wagen mit dem «Rabbi». Als die Handwerker nüchtern wurden und sich über das Geschehene Rechenschaft gaben, erzählten sie, welche Lehren Urnen der Rabbi gepredigt hatte; sekte Geschichten von Sabbathai Zwi‘und vom messianischen Freudeiftag des 9. Ab, an dem «Sabbathai der Messias» geboren worden war, hätten sie so in Bann gewaiten, daß sie nicht wüßten, wqs sie taten. Und lange nachher seufzte« sie noch, wenn «je; von ihrem Rabbi; sprachen: «Ach, welche Macht hatte er doch Uber uns!» SCHOKOLADE UND B0N80N$| .MHI. Grundlage für den Kommissionsbericht abgegeben haben. Es ist klar, daß, wer uns nicht seelisch v e r b u n d e n ist, kein für uns gültiges Urteil abgeben kann. Den Sachverständigen sind, viele I r rtümer unterlaufen, es gibt auch Inkonsequenzen; sie sind aber auch nicht genügend informiert worden. Sie haben das Hauptproblem nicht gesehen. Was die Landwirtschaft betrifft, so ist entscheidend nicht die erste, sondern die zweite Generation. Hier haben wir Großes geleistet, aber das kostet viel Geld. Die Wirtschaftlichkeit bei uns muß also mit anderen Augen betrachtet werden als bei Kolonisationsversuchen, wie in Indien oder Griechenland, wo man sich um das Wohl der Kinder, um die zweite Generation, gar nicht kümmert. Die Mitglieder der Survey Commission haben die ehrliche Absicht, mitzuarbeiten, stehen uns aber noch als Fremde gegenüber. Aber es ist nicht ihre Absicht, uns fremd zu bleiben. Bei allen schweren Bedenken würde Redner sich nur schwer zu einer Ablehnung entschließen. Wir müssen also den Bericht rektifizieren. Jene haben die nationalen Gesichtspunkte den wirtschaftlichen subordiniert, wir müssen das Umgekehrte fordern, oder zumindest Koordination. Für die Annahme des Berichtes in der von der Exekutive vorgeschlagenen Form trat als einer der ersten Redner in der Debatte Dep. Dr. Leon Reich ein. Die Pro-Redner kamen in großer Zähl, nachdem die Sabbathpause in den Beratungen vorüber war, in den beiden Sonntagssitzungen zu Wort, so Rev. Goldbloom, J. Naiditsch, Dr. H a 1 p e r n, der Vertreter der englischen Zionisten, Brodetsky, sowie Kurt Blumenfeld (Berlin), der sich den Ausführungen Ruppins anschloß; die Vertreter Polens, Dr. H i n d e s, L e w i t e und Dr. Thon, sprachen sich ebenfalls für den Bericht aus. Von den amerikanischen «Vertreten! kamen R a b e I s k i und Jakob Fi.sh man zu Wort; dieser erklärte, die Arbeit in Amerika stehe und falle mit der Agency. Dieser Meinung sind alle amerikanischen Zionisten. Auch die Opposition wagte nicht, vor die jüdischen Massen gegen die Agency aufzutreten. Stephen Wise •kam nicht zur A. C.-Sitzung, weil er nicht gegen die Agency sein konnte. Bei Zustandekommen der Agency haben wir die besten Aussichten, das Budget wirklich aufzubringen. Der Redner geht dann auf die innere zionistische Lage in Amerika ein und erklärt zum Schluß, daß man gemäß dem Vorschlag der Exekutive ein provisorisches Komitee schaffen müsse, weil eben eine andere Prozedur nicht möglich sei. Wir haben dann Großes zu erwarten. Ferner entwickelte M. Großmann den Standpunkt der Revisionisten; er stellte den Antrag, die Exekutive aufzufordern, alle schrifk liehen und mündlichen Informationen zu.unterbreiten, die wesentlich für die Verhandl ungen mit Louis Marshall waren. Von den r a_d_i k a I e n Zionisten sprach Solow.ejtschik, der u. a. die Frage aufwarf, ob das vorgeschlagene provisorische Komitee den Kern der künftigen Agency bildet oder nur zu dem rein technischen Zweck der Schaffung der Agency gebildet werden soll. In letzterem Falle stehe das Komitee in klarem Widerspruch zu den Kongreßbeschlüssen, die die gleiche Vertretung von Zionisten und Nichtzionisten verlangen. Auch daß man einen Gegenbericht der Agency übergeben will, stehe im Widerspruch zu den Kongreßbeschlüssen. Im Namen der Hitachduth sprach K a p 1 a n für die Ablehnung des Berichtes, ebenso im Namen der Palästinenser Rubaschow, der u. a. sagte, in unserer ganzen bisherigen zionistischen Tätigkeit haben wir uns von zwei Prinzipien leiten lassen, die heilig sind und nicht angetastet werden dürfen: Der Boden muß dem Volke gehören und nur der darf angesiedelt werden, der selbst den Boden bebaut Diese beiden Prinzipien werden von dem Bericht negiert Vertragliche Sicherungen sind wertlos, wie es

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