Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1928)
- Date
- 1928-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE STIMME Nr. 80 Sette Der Präsident des Aktionskomitees Leo M o } r kin eröffnet die Tasutis mit einer kurzen Ansprache, in der er zunächst den 'Föten des Jahres, vor allem den AkFonskomitccmitcdicdcni T;o tu k i n. 'Doktor C lt a j c s und Landau, sowie den hervorra put Jen Mitarbeitern Josef B n r n iuI c s s, Giro (j 1 a s s mid Norwin L i n d li c i tn Worte des ('Ltlen’wns widn'ct. Nachdem beschlossen worden ist. daß die Sitzin •en des Aktionskomitees öffentlich sind, erstattet Präsident Weizmann einen kurzen Bericht über die politische Lage Und über die Frage der Jewish Agency: Lieber die politische Lage — führt Wcizmänn aus — ist nichts Sensationelles zu berichten. Zwei wichtige Fragen: Ratifizierung des Gern e i n d c g e s e t z c s in Palästina und die Tote -Meer-Konzession sind allen bekannt. Es sei darauf hiugewiesen, daß im allgemeinen gerade in der schweren Zeit, die Palästina während des letzten Jahres durclizumachcn hatte, sich das Verhältnis der Exekutive zur M,a.n data rm acht wesentlich vertieft hat. Die Regierung nimmt, immer aktiveren Anteil an unseren .Fragen. Redner berührt sodann kurz die Frage der Anleihe und der Ernennung des neuen High Commissionc r in Palästina, worüber die E x e k u t Lv e r echtzeitig informiert worden ist. Bei der .Vertiefung unserer Beziehungen zu der,Mandatarmacht hat uns die Palcstine Mandate Society in England wesentliche Dienste geleistet. Ausschlaggebend hierfür aber war vor allem folgendes Moment: Die steigende Bedeutung Palästinas im System des britischen Imperiums. Dr. Weizmann geht sodann zur Frage der Jewish Agency über. Aus seiner genauen. Kenntnis heraus könne er feststellen, daß die sogenannte Viererkommission vom tiefsten Wunsche beseelt war, ekt Programm erweiterter, konstruktiver Arbeit in Palästina aufzustellen, wobei sie sich stets der Schwierigkeiten des Problems bewußt war. Man dürfe nicht vergessen, daß hier nicht ein Bericht der Zionistischen Exekutive vorliegt, sondern der einer Kommission, die Sachverständigenurteile zu bearbeiten hatte. Manches stehe der Kritik seitens der Zionisten offen. Das Aktionskomitee wird zu diesem Bericht seine Bemerkungen zu machen haben in Form von Beschlüssen, die. der Jewish Agency* falls sie gebildet wird, übermittelt werden. Aber an der prinzipiellen Frage, der Frage der EWeiterung der Jewish Ageticy, sollte nicht gerüttelt werden, Angesichts der eben erst in Palästina durchgemachten Krise sehe er keinen anderen Weg, als die Hefalir zi e h u n g w e Ft e rer K rafte für unser Werk." Die Arbeitslosigkeit in Palästina ist halbwegs behoben, aber damit; ist erst die kleinere; Hälfte unserer Arbeit geleistet. Die zweite, wichtigere Hälfte, die Wiederaufnahme einer großen Alijah, könne nur erfüllt werden bei energischerer Mitwirkung der Regierung und RSsiew ulcls Paketexpress I s.qliclvtfl^ch drä- Nöt#" Oftd-Weststaaten. Bedeutend seb-rllJr’als Post, lein- Ffanka+urzwangy keine- Gew''hi*grenienl freie Abholung 4 : Ye!.*4 3.74, 94-4*99 Erhöhung unserer Mittel. Auf efsteres können wir rc.iiticu. bezüglich des zweiten habe Redner aber ge- I wisse Zweifel. Es hängt wesentlich, ab von den Be- < Schlüssen, die das Aktionskomitee fassen wird. Was notig ist. Ist ein freier, offener Beschluß. , Präsident S o k o 1 o w weist auf 'die politischen Fortschritte hin, die wir erzielt haben. Bef aller Hochachtung vor unserer Idee, unserer Bewegung und unserer Organisation, die keiner mehr als er habe, haben wir diese Fortschritte nur dem Konkreten, unserem Werk in Palästna zu verdanken. Dies ist es, das unter allen Umständen intensiviert werden muß. Dem Bericht der Agencykomrftission müssen wir streng' objektiv gegenübertreten, aber die Frage der Erweiterung als solche ist eine res Iudicata. Auf Grund .seiner reichen Erfahrungen in den verschiedensten Ländern könne Redner beurteilen, wie sehr wir die Mitarbeit weiterer Kräfte benötigen, um wirklich ra: ch vorwärts zu kommen. Er habe den festen, subjektiven Glauben, daß wer immer in Palästina zu arbeiten beginne, an 'dieser1 Arbeit auch treu festhälte. Darin eben liege die Kraft Palästinas, Dr. Eder gibt noch einige ergänzende Aufklärungen über die Frage, des Legislative Council in Palästina, die kaum während der nächsten Jahre , akut werden werden dürfte. Er bedauert aus rein .persönlichen Gründen — irgend- Wladimir Jabotiusky, der Führer ‘ der: Ülönisten- Revisionisten, weicher für den Fall der Annahme der gegenwärtigzur Dis* küssten stehenden Jewish - Agency - Ver-. ' einbarungen eine Spaltung Im Zionismus amkündigt. welche sachlichen Differenzen liegen durchaus nicht vor — gezwungen zu sein, als Mitglied der Exekutive zu rück zu t re teil, nachdem er sich durch zehn Jahre dieser Arbeit gewidmet hat. Dr. Weizmann gibt seinem tiefen Bedauern über den Rücktritt Dr. Eders Ausdruck und spricht ihm namens der Exekutive seinen tiefsten Dank aus. Ueber die Arbeit in Palästina berichtet in Ergänzung des vorliegenden schriftlichen Berichtes kurz Harry Sacher. Was die Frage der Einwanderung betrifft, so sei ein Komitee eingesetzt worden, dessen Entschließungen vorliegen. Leider sei die Ar- , beit der Exekutive in Palästina durch die häufige Ab- Wesenheit ihrer Mitglieder behindert worden. Sacher r würdigt dann die Persönlichkeit Lord P1 u m e r s, der.'tmseren Problemen stets große Sympathie entgegengebracht hat. In der Frage der Arbeitslosigkeit habe Lord Plumer selbst die Initiative ergriffen. Das Aktionskomitee sollte seine Anerkennung Lord Plu-* mer gegenüber zum Ausdruck bringen. Miß S z o 1 d ergänzt die Vorliegenden. Berichte über das Erziehungs- und Gesuhdheitswesen. Die Kürzung des Budgets auf dem Kongreß in Basel hat unser .Erziehungswerk sehr geschädigt. Wir müssen unsere ganze Stellung gegenüber der Erzlehtmgsfragen ändern. - Das Erziehungswerk in Palästina haben wir nicht geschaffen, sondern übernommen, und haben durch die übereilte Kürzung des Budgets, auf dem Kongreß unsere Tradition geschädigt. So geht es nicht weiter. Wir würden nicht unsere Pflicht als Juden und all Zionisten erfüllen. ..Man darf auch nicht vergessen# daß der Jischuw selbst bereits einen ganz gewaltige« Anteil an den Kosten. des Erziehungswerkes trägt Der Anteil der Regierung erfolgt nicht im Verhältnis zur Zahl1 der jüdischen Schüler, sondern zur Zahl der jüdischen ‘Gesamtbevölkerung. Wir müssen uns auch eine gewisse Kontrolle durch d'fe Regierung gefallen lassen. Jetzt steht vor raltem die Frage vor uns: Wie können wir während :,des kommenden Jahres durchhalten, um dann unser System auszubauen? Im Gesundheitswesen sind gewisse Fortschritte gemacht worden. Ein regerer Kontakt mit der Regierung wird angestrebt und ist zum Teil auch erreicht worden. In der Freifcagsilzumg brachte dite Exekutive dfte Resolution zur Jefwisli-Agency-Frage cto, welche von Feödx Rostenfbliüth kurzdamit begründet wunde, daß den dgenftödheii Wirt sch aftsplan erst die tatsächlich -gebadete Jewish-Agency festlegen werde, weshalb die vorgeschfla’geneh Resolutionen mir ge-; Wisse Punkte’an de u te n ..woSert - : JDer ResojtetiousekTwtsrf der Exekutive begrüßt "den Beridutvder Ageiicy-^Kommlission- '.als bedeutungsvoflien Ausdruck des V er t r a u e n s rund der Zuversicht; hervorragender Wir tsciiaf tskenne r; in die Errichtung des■ jü.disehen na tiou a j e n H eim e s.'i n Palästina auf den von der zionistischen Cirgantsation und den Pionieren des jüdischen Siedtengswerkes. geschaffenen Grundlagen, drückt Lord Der Tlscha-beaw des . Sabbathianers Einer wahren Begebenheit nacherzählt von E. G. Fried. Es gibt heute keine Anhänger des Sabbathai Zwi mehr, jenes falschen Messias, der in der Judenheit der ganzen Welt eine so ungeheure Bewegung entfacht hai, daß seine Gestalt nicht nur in die jüdische Geschichte, sondern auch in Sage und Legende eiogegamge-n ist. Die Bewegung, die Sabbat hai Zwi, eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der langen Reihe der jüdischen Messiase, hervorgeruten hatte, blieb lange Zeit lebendig und vermochte noch drei Menschenalter später durch die Propaganda des Jakob Frank zahlreiche neue Anhänger zu gewinnen, bis sie, durch, den Bann des rabbinischen Gesetzes .bezwungen, allmählich völlig verschwunden ist. Und doch, lebt bis heute die Erinnerung an Sabbathai Zwi, nicht nur wi der Sage, sondern auch in einer Art unterirdischer Wirklichkeit noch fort; da und dort taucht einmal ein Jude au.f, der Sabbathai Zwis Ideen und des falschen Messias Gedenken noch in sich trägt Von einer solchen Begegnung, die vor einigen Jahren in einem kleinen Städtchen der Ukraine stattfand, hat mir ein Freund erzählt un# ich gebe sie, seinem Bericht getreu, wieder: Auf der Wiese vor der Stadt S., wo sonst die Zigeuner ihre Zelte aufschüugen, fanden eines Nachmittags im Frühsommer die kleinen Jungen und Mädchen meines Heimatstädfchens, die dort ihren:Tummelplatz hatten, einen gedeckten Wagen, der eine vierköpfige jüdische Familie beherbergte. Das Familienoberhaupt trug langen Kaftan, einen fremdartig geformten Hut und außergewöhnlich lange Schläfenloaken, seine Frau eine reichgestickte Stirnhaube; die zwei Kinder, Mädchen, waren in buntfarbige Kleider gehüllt, die denen der ukrainischen Bauernmädchen ähnelten, und zogen durch ihre eigenartige, exotische Schönheit alte Augen auf sich. Die erwachsene Jugend des Städtchens, welche den Weg entlang der Wiese für ihre Abendspaziergänge benützte, blieb stdhan und betrachtete den Wagen mit den sonderbaren Ankömmlingen. Es schienen .Wanderbettier au. .sein. Darüber wunden unter dein neugierigen Spaziergängern allerhand Bemerkungen. außgetmüscht. Indessen kamen die Insassen des Wagens hervor, voran der Mann, nach Ihm die Frait mit den zwei Mädchen, und begannen mit den Zuschauern ein Gespräch, dad bald auf das Städitchen S. und seine Bewohner kam. Die Bekanntschaft der Fremden mit der’ Stadtjügerad wurde bald recht vertraulich; man setzte sich' miteinander aufs Gras und die •Fremden erzählten allerhand Geschichten von ihren Wanderfahrten; diese Erzählungen machten unsere Jugend erst recht neugierig nach der Herkunft der Fremden. So war es Nacht geworden. Der fremde Jude nahm eine Geige aus dem Wägen, setzte sich ati/f die Wiese und begann wunderbare, niegehörte Weisen zu spielen; seine Frau und die beiden Mädchen sangen dazu mit angenehmen Stimmen. So verbrachten wir die halbe Nacht mit den Fremden, aber unsere Neugier blieb ungestillt; niemand vermochte herauszubringen, wer und was sie seien.' Einige Tage durch schwirrte die Staditj derem jüdische Bewohner zumeist Ghassidim waneo, das Gerücht, ein fremder Rabbi sei angekommen; es mußte ein sonderbarer Rabbi sein, da er, wie gleichzeitig erzählt wurde, am Ende des Städtchens bei den Gärten in einem kleinen Häuschen Wohnung.genommen hatte, das einem, ukrainischen Bauermehepaargehörte. Dieses brachte auch den Juden zuerst <ße Nachricht, es. sei ein «heiliger Rabbi» angekomimeir, zugleich gaben die Bauersleute ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Juden nichts davon wußten und den Heiligen nicht’ kannten. «Er ist.ein heiliger Mann, ein'frommer Mann; selbst wenn er im Garten spazieren‘geht, betet er» — erzählte der Bauer.' «Und er spielt so schön auf der Geige und seine Frau und die Kinder singen dazu» ~~ ergänzte die Bäuerin; Die Neuigkeit verbreitete sich mit Windeseile und bald erzählte jeder eine- Legende eigener Erfindung Uber den neuen Rabbi. Endlich beschlossen einige’ der angesehensten jüdischen Bürgersleute, dem Artkömmling einen Höflichkeitsbesuch zu machen Und dabei zu erkunden, wer 'er sei und au s * welchem Ordnete er . gerade außerhalb der Stadt, wo keine Juden, wohnen, abgesfiegen war. Ein ansehnlicher Zug machte sich zu diesem Besuche auf. Der «Rabbi» saß Pm Garten uind rauchte eine langte Pfeife, seine Frau stand nicht weit Von ihm und kochte auf offenem Feuer über einem eisernen Dreifuß; .es waren •die Fremden, mit denen unsere Jugend auf der Wiese Bekanntschaft geschlossen hatte. «Schaltom alech.em!» «Alechem schalom!» «Woher kommt der Rabbi?» «Aus Gottes weiter Wett.» «Woher stammt der Rabbi?» «Von den Erzvätern.» «Wir Chiassidim dürfen es doch wissen...» «Atah, was, alle Juden sind Chaseidim.» «Mein Gott, man kann doch fragen und man kann doch antworten?!» «Ja, da wäre viel zu reden.» «Welchen Weg des Chassidismus geht der Rabbi?»?Me Wege führen zum Himmel.» So fragten die Besucher, der Rabbi aber antwortete gerade ein Wort auf zehn Fragen. Die Besucher wgen enttäuschst ab und zuckten' mit den Achseln; ihre Meinung war bereits gebildet: Ein Narr! Als die Aufklärer unseres Städtchens, die MaskHim, von dem Ergebnis des Besuches beim fremden Rabbi hörten, wurden sie neugierig und machten i'hm ebenfalls einen Besuch. Auch sie zogen utwerrichteter Dinge ab und stellten lachend fest: Ein Verrückter, ein kompletter. Idiot! Und das Städtchen* wenigsten« allles, was die Elite des Städtchens repräsentierte, hatte jedes Interesse an dem fremden Rabbi verloren und ließ ihn in Ruhe. Die einzigen, welche zu dem sonderbaren Rabbi fanden und bald zu ihm standen, ‘waren die «Armen im Geiste», die jüdischen Handwerker, deren es viele b4i ums gab. Es dauerte nicht lange, da umsehiwärmten sie ihn wie Fliegen den Honig, saßen scharenweise bei ihm im Garten, holten sich Rats von ihm und freuten steh seiner Nähe. Geld nahm der Fremde von ihnen dicht1.' Brachte jemand ein Geschenk, ®o nahm es die Frau Rabbi am. Wenn die Besucher zu ihm