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Die Stimme · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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B«is 39 Groschen f-f B&.ÄJ IIV. b. h ZtUtng vom Verleger versendet Journal expedte par FMltcar ^itreraftll1,81*äts bi bli mmamxm Abonnementpreise: Für Oesterreich: MonatL S 1 -50, viertelj. S 420, ganzj. 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, viertel]. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.- vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.- 1. Jahrgang Jüdisdte Zeitung Ersdieliii fedeii Donnersimt mmmmmmmmmmmmamammmmmmmmmmmmmmmmummmmmm fftedtafttfora und Administration: Wien, 1&taufkensteintia&3e 1 — Telepfl. Tfl-3 S% »■«■■■■■EaiHnMHBaBaBBMaBBHHBHHBHHBHaHHBHMH Polen: Monatl. Zloty 2.30, vierteij. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, vierteij. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, vierteij. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, vierteij. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, vierteij. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 mummmnmmammmmmmmwn Wien, 26. Juli 1928 (9. Ab 5688) Nummer 30 Es geht ums Ganze! Die Wiener jüdische Großgemeinde, die zweitgrößte Europas, ist in ihrer Existenz gefährdet. Immer schwächer wird ihr organisches Fundament, die jüdische Not in Wien wächst von Stunde zu Stunde, bringt geminderten Lebnsstandard, Zerstörung des Familienlebens, verminderten Bevölkerungszuwachs, vermehrte Sterblichkeit, Anwachsen der Krankheits¬ und Selbstmordziffern mit sich. Im Wirtschaftsleben Oesterreichs sind die Juden seines ökonomischen Mittelpunktes Wien leidendes Objekt teils verkehrter, teils antijüdischer Methoden und Maßnahme^. Politisch werden sie zwischen den beiden (»rrppen, der bürgerlichen und der proletarischen, dene * sie gleichermaßen zu Recht und zu Unrecht angt-hörem hin und her geworfen und sind, . selbst einflußlos, den politischen Rankünen der beiden-in'Oesterreich regierenden Systeme ausgesetzt. Das eine System arbeitet unter ihnen für den Anfall an Stimme« mit der Propaganda des Abfalles v(|m Judentum, das andere ist deklariert antisemitisch* Das kulturelle Leben der Juden Wiens ist durch die'dessöziiereriden Momente^ die siph in der Nachkriegszeit verstärkt und zii einer weiß Gott nicht glänzenden Isolation geführt' haben, immer mehr abgeschwächt. Allen-diesen zermürbenden und zerbröckelnden Einflüssen gegenüber gibt es nur ein Mittel: die organisierte Selbsthilfe der Wiener Judenschaft. Dazu verfügt sic über ein einziges autonomes Instrument: die KuhUsgemeinde. Seit einem Vierteljahrhundert hat einzig und allein die zionistische Bewegung in Oesterreich darauf hingewiesen, daß wir Juden, um uns zu erhalten, den Weg organisierter Selbsthilfe gehen müssen. Deshalb ist das zionistische Gemeindeprogramm von allem Anfang au darauf gerichtet, die Kultusgemeinden zu Zentren organischen jüdischen Aufbaues zu machen. In der Wiener Kultusgemeinde führen die zionistischen Mandatare seit Jahren den Kampf um diese Umgestaltung, welche im heutigen Augenblick als die einzige Rettungsmöglichkeit erscheint. Stets in der Minderheit, konnten die Zionisten bisher den anderen Parteien nur unzulängliche Palliativmaßnahmen abringen, niemals aber durch die die Not des Tages immer deutlicher werdenden Mängel des bisherigen Systems in der Wiener Judengemeinde ändern. Die anderen Parteien, welche heute im Wiener Kultusvorstand sitzen, haben programmatisch und taktisch entweder keine positive Einstellung zu den Erfordernissen des jüdischen Lebens an die Führung einer jüdischen Gemeinde oder, was noch schlimmer ist, sie stehen diesen jüdischen Erfordernissen mit bewußter Negation gegenüber. Die Herren von der „Union österreichischer Juden”, welche heute die Majorität des Wiener Kultusvorstandes bilden, verbinden mit dem Begriff der Erhaltung der Wiener jüdischen Gemeinde nur die Sorge um die Erhaltung der sogenannten Tradition von Rit"s, Kultus und Armenwesen. Daß unterdessen die Erhaltung des jüdischen Lebens in Wien ein brauendes Ptoßlcm geworden ist, sehen sie nicht oder wollen sie nicht sehen. Die Not de»* Wiener Juden fordert pr(vl*;l?.\je#e Maßnahmen zu ihrer Eindämmung oder Behebung, keine Almosen, der Abfall vom Judentum kann nur mit lebendigen jüdischen Kulturwerten verhindert werden, nicht mit leeren Formeln. Nur das ganze Wiener Judentum kann, ura sein organisatorisches Zentrum, die Gemeinde, gescliari, seiner Nöt Herr werden und es ist ein Vergroße Teile dieses Wiener Judentums von der Teilnahme an den Gemeindedingen auszuschließen. .; i Ein viel größeres Verbrechen aber ist es, gerade heute in den Sehweiten Stunden jüdischer Existenz eine Politik der offenen oder geheimen Unterminierung der jüdischen Gemeinde zu treiben. Dabei sind die heimlichen, tückischen Minierer die verwerflichsten. Solche sitzen in der Wiener jüdschen Gemeindestube, die Abgesandten der agudistischen Trennungsorthodoxen, deren verstecktes, tückisches Ziel die Spaltung der Wiener jüdischen Gemeinde ist.' Daß diese Gruppe alles verhindert, was auf die Festigung des Gemeindelebens , gerichtet ist, ist selbstverständlich Die „Werktätigen Juden”, eine Erscheinung jüngsten Datums, haben ihre wahren- Absichten auf ihrem lezten Delegiertentag enthüllt! Sie haben sich als die Sendlinge jener Wiener jüdischen Sozialdemokraten entpuppt, denen — aus welchen Gründen, kann man sich'leicht zusajnmenreimen — jede positive jüdische Loistu«« .eiti-. Dorn im Auge ist. Von solchen. Wertteil, daß Die Tagung des Aktionskomitees der zionistischen Weltorganisation, die erste seit dem Basler Kongreß des Vorjahres, steht irö Zeichen wichtiger Probleme. Im Vordergrund steht natürlich der Bericht der Jewish-Agency-Kominlssion, zu dem das Aktionskomitee Stellung zu nehmen hat Mehrere Gruppen habeu bereits vor der Tagung ihre Stellungnahme präzisiert, so die Poale-Zion und die Arbeitspartei „Hit ach du th”, die den Bericht ablehnen, und ebenso die Vereinigung radikaler Zionisten, deren Zentralkomitee in seinen am 14. und 15. Juli stattgehabten Beratungen eine Resolution angenommen hat, in der u. a. konstatiert wird: „Der Bericht der Joint Palestine Survey Commission bestätigt in vollstem Umfange die von den Gegnern der gegenwärtig geführten Jewish Agency-Politik seit jeher ausgesprochenen Befürchtungen, daß die Heranziehung nichtzionistischer Kreise in die Agency in der jetzt geplanten Form die national politischen und sozialen Grundlagen des zionistischen Aufbauwerkes in Palästina gefährden müssen. Die Durchführung der Kolonisation Palästinas im Geiste dieses Berichtes, der ein Geist administrativer Bevormundung ist, Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze u. Berichte: Lord Balfour. (Zu seinem 80. Geburtstage.) Beim «Kleinen Kongreß». Von Michael. Der Tlscha-beaw des Sabbathianers. Von E. G. Fried. Der Schnorrer und der Wachmann. Von Robert Schreier. 9. Ab in Jerusalem. Von Emst Davis (Jerusalem). Das «jüdische Paradies» in Sibirien. Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche Illustrationen. sie auch nur irgend etwas leisten, was die Zeit der großen jüdischen Not in Wien erfordert. Deshalb war der Beschluß des zionistischen Parteirates, ohne ein Kompromiß, allein in den Wahlkampf einzutreten, eine unumgängliche Notwendigkeit. Wir fordern heute von der jüdischen Bevölkerrung Wiens Antwort auf die Frage: Wollt Ihr dem jüdischen Zerbröckelungsprozeß in Wien weiter untätig Zusehen? Wollt Ihr,, daß das einzige Instrument, welches die jüdische Selbsthilfe organisieren kann, zerfalle? Wollt Ihr das Fundament, auf dem Ihr steht, äbgraben lassen? Auf diese Fragen wird die Mehrheit des jüdischen Wien am 2. Dezember Antwort zu geben haben. Daß diese Antwort nicht die Methoden des laissez aller und der Zerstörung der Gemeinde bejahe, welche das gesamte Wiener Judentum schädigen, dafür müssen die organisierten Zionisten, die Träger des positiven jüdischen Gemeindegedankens, ihre altbewährte Kraft und ihren Elan einsetzen. Die Parole hat zu lauten: „Sichert den Bestand der Judengemeinde und damit, der Juden Wiens!” . » würde eine Preisgabe aller Ideale bedeuten, die den Zionismus zur umfassenden Erneuerungsbewegung des jüdischen Volkes erhoben haben und ihn zur Führung des Volkes berechtigen.” Auch in den Kreisen der Anhänger der Erweiterung der Jewish-Agency hat der Bericht, der den Aktionskomiteemitgliedem m Druck übermittelt wurde, vielfach heftige Kritik ausgelöst. Es ist daher selbstverständlich, daß den Erklärungen der Exekuj tive zu diesem Bericht mit Spannung entgegengesehen wurde. Die Tagung ist stark beschickt. Bei der Eröffnung am 19. Juli nachmittags sind anwesend: Von der Exekutive: Dr. Weizmann, Sokolow, Dr. Eder, Louis Lipsky, Felix Rosenbiüth, H. Sacher, Fri. SzolcL Von den Mitgliedern des A. C.: A. Bernhardt, Dr. Bileski, Kurt Blumenfeld, H. Farchy, Dr. B. Feiwel, Jakob Fishman, Dr. Hindes, Dr. Mossinson, Leo Motzkin, Dr. L. Reich, Dr. J. Rufeisen, Dr. A. Ruppin, J. Suprasky, Dr. 0. Thon, Rab&rfier Meier Berlin, H. Farbsten, Dp. Federbusch, L. Lewin- Epsteln, Abg. M. MiÜtok, E. Kaplan, Dr. N. Melzer, J. Sprinzak, N. Twersky, A. Herzfeld, S. Kaplansky, Berl Locker, 1. Mereininski, S. Rubaschow, I. Grünbaum, Dr. Soloweitschik, M. Großman, R. Lichtheftu. Von den E r s a t vm itgliedern: Rev. J. K. Goldbloom, Prof. Dr. Brodetsky, M. Schapiro, Doktor Goldstein, D. Irsmojik, M. Kalian, Dr. A. Klee, Dr. A. Landsberg, Dr. L. Sciunorak, L. Barth, Dr. J. Hellmann, Dr. N. Goldmann, Dr. S. Moses. Als Vertreter der Direktorien: J. Coweu, S. Schocken, Dr. A. Hantke, L. Jaffe. Die Kongreß juris ten: S. Gronemann, Dr. A. Barth. Als Vertreter der A n 1 e i h * k o m gi i s 4i o n : I. A. Maiditschw Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees — Die Vorschläge der Exekutive zur Jewish-Agency-Frage — Die Debatte (Von unserem Berliner G.-M.-Berichterstatter.)

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