Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1928)
- Date
- 1928-07-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053781--0475-3055754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« W DIE STIMME THEATER Von Axel Henrlques (2. Fortsetzung.) Lasdo sprang auf trn»d bötnaho riß da« gelbliche Tuch aus Fe Wen« Hand. Unendlich sorgfältig, liebkosend, verwahrte er es wieder in dem Kästchen. „Das ist — von meiner Mutter, das einzige — was ich habe“, sagte er mit seiner dunklen, weichen Stimme. „Sieh, wie sorgfältig die Fäden geknüpft sind.“ Er öffnete wieder den Deckel und strich üb*r die weißen Fäden. „Man fand es auf meinem Körper, das einzige außer dem Berndehen, was der Findling anhatte, der sich eines schönen Tages unverhofft vor der Tür dos Theaterdirektors Linden eirrfand — kein Mensch wußte woher. Wie viele schöne Träume ich an dieses seltsame Tuch knüpfte! Einmal war es'eine edle Frau, die den Tafeman ihres Geschlechtes dem Kinde mitgab, einmal die Zauberformel einer Zigeunerin, deren Verschwörungen hierin stecken, ein andermal ein Amulett an dem ein Fürst stets seine Stammesangehörigen wiedererkennen wird. Kindereien, nicht wahr, Felden? Aber ich liebe e®, es ist mir heilig, denn es stammt von meiner Mutter — und vielleicht bringt es sie mir einst wieder. Wie mystisch, unendlich geheimnisvoll deses Tuch einen anmutet, Felden. Welch heilige unerklärliche Scheu es einiflößt — es liegt wie ein Hauch uralter Kultur darum, und hier, Felden, da du dies nun doch schon gesehen hast —er kniete nieder und nahm aus der Schublade ein silbernes Kästchen, öffnete es und entnahm ihm einen Sauger, dessen weißer Ring die Spuren kleiner Kinderzähne aufwies. „Dies da hatte ich im Mund, komisch“, sagte er mit einem verlegenen Lächeln. „Und sieh her, noch mehr der Mystik.4, Er wies auf zwei Zeichen, die. uufbehoUfen mit einem Messer eingeritzt waren. Felden (brauchte gar nicht das und , in hebräischer Schrift geschrieben, zu entziffern — er wußte alles. Hatte es schon gewußt, als er Ludo zum erstmmal nach dem Funde des Arba Kanfaus richtig ansah. „So, jetzt lege ich es recht schon ,wieder fort und warte, bis die Fürstin oder der Graf sich meldet, um * nach ihrem verlorenen Sprößüng zu forschen44, sagte er. Felden spürte den Emst hinter den scherzenden Worten und lächelte mitleidig. Graf — Fürstin! Amtier Ludo. Linden trat in das Frühstückszimsmer, hinter ihm der Diener, über dem Kopf seines Herrn sich in dem geschliffenen Spiegel musternd. / Schach David Janowski Neben Rubinstein und Niemzowitsch war dieser Meister wohl das größte Scbachgenie aus dem Osten. Am 25. Ma! 1868 in Walkowisk bei Grodno geboren, kam er sc nun in jungen Jahren nach Frankreich und pflegte fortan die französische Nation international zu vertreten. Zu Beginu des Krieges wanderte er nach Amerika aus, um erst zehn Jahre später als todkranker Mann zurückzukehren. Am 14. Jänner 1927 starb er in Hyöres an der französischen Riviera an der Lungenschwindsucht. Janowski war einer der erfolgreichsten und größten Meister, die je gelebt haben, eine prachtvolle, geniale Kämpfernatur, voll unbändigen Siegeswillens. Von 1894 bis 1914 beteiligte er sich an einer Unzahl von Turnieren und war fast immer, meistens hoher, Preisträger. Seine Mißerfolge nach dem Kriege zählten nicht — er war, wie gesagt, todkrank, ein Schatten nur. Seine Olanzzeit fällt in die Jahrhundertwende. 1901 ln Monte Carlo, 1902 ln Hannover und 1905 in Barmen war er Erster. So groß war sein Ruhm, daß er sogar würdig wurde, 1910 mit Dr. Lasker um die Weltmeisterschaft zu kämpfen — allerdings ohne Erfolg, er wurde 7:1 bei 2 Remisen geschlagen. Vorher war es ihm allerdings, 1909 ln Paris, gelungen, einen kleinen Match gegen den Weltmeister 2:2 unentschieden zu halten. Janowski hätte zweifelsohne noch größere Erfolge erringen können, wenn er nicht ein — speziell für das Schachspiel — sehr unglückliches Naturell gehabt hätte. Sein Siegeswille ging so weit, daß er ihn häufig geradezu blind - machte, die Gegner unterschätzen Heß. Das Remis war ihm verhaßt. Zwei Beispiele: In einem großen Turnier (dem Verfasser dieses ist es leider entfallen, welches es war) stand Janowski bei Beginn der letzten Runde allein an der Spitze und benötigte bloß ein Remis, um allein ' Sieger zu bleiben. Er spielte mit einem schwächeren. Gegner, der seinerseits nur Remis anstrebte, Janowski aber wollte durchaus gewinnen und kämpfte umso erbitterter, je remislichcr die Stellung wurde, lehnte jedes Remis- „Werm Herr Meno Feklen kömmt, führen Sie ihn Wer herein.44 Felden wurde hmefogewiesen. „Setzen Sie sieh, lieber Felden. Ich habe Sie zu mir bitten lassen, um mit Ihnen über unser neues Stück zu sprechen. Uebrigens wird Ihr Wunsch, eine tragische Figur darzusteWen, gäedohzedtig erfüllt werden. »Der magische Kreis4 spielt teilweise im jüdischen Milieu, und möchte ich Sie bitten, das Stück zu Inszenieren und außerdem die tragische Rolle des alten Juden zu Übernehmen. Sie werden uns mit dem Milieu de« Freitagabends behilflich sein.44 „Gewiß, Herr Direktor.“ Er 'batte seinen schwarzen Kaftan an und sein Käppchen auf — sein Käppchen, das genau war wie das dahehn — ans schwarzem Sammet, ’md er stand vor einem Schabbosfcisch, auf dem die zw dl Lichter in den silbernen Leuchtern flimmerten und strahlten. Vor ihm lag eine Barchesdecke — eine Barchesdecke, die genau war wie die daheim — aus roter Seide mit Goldbuohsftaben. Er selbst stand ani Tisch ende, in Kaftan und Käppchen» und se&ne Stimme, die erklären sollte, zitterte, «öd seine Hand, dde zeigen sollte, zitterte. „Hier soll der Kidduschbecher stehen; hier — dies ist der Ktddiwhbecher — und hier zwei Barches — Brote unter der Decke. Icll — der Vater — stehe hier; die Kinder kommen aus der Schul* — aus der Synagoge, und der Vater benscht — segnet säe. Hier steht die Mutter, sie benscht die Lichter; dann wird Lecho deudi gesungen — nein, hier nicht — dort steht die Mutter! Nein, nacht so; langsam,. warm, herzlich müssen die Bewegungen sein, mit der sie die Hände hebt — langsam, warm, herzlich die Stimme, mit der sie den Segensspruch spricht Aber es ist kalt, leer, was Sie machen! Denken Sie sich — denken Sie sich doch einen Schabbostisch — einen Schabboptisch, turn welchen die Familie sieh sammelt, den Schabbos begrüßend wie der Bräutigam seine Braut. Lecho daudd likras kafloh —.“ Seine Stimme versagte. Bei der nächsten Probe inszenierte Linden sebst und ein anderer mußte für die Rolle des alten Juden geschafft werden — denn Meno'Felden alias Moritz Feldstein saß am Freitagabend tisch in Uverglien inmitten seiner Meinen Famflie und bot dem Schabbos Willkommen — wie ein Bräutigam seiner Braut Lecho daudi likras kalloh ... (Schluß folgt) anbot ab und — verlor schließlich die Partie und den ersten Preis. Als er 1926 im Semmeringer Turnier mit Dr. Aljechin spielte, behandelte er das Spiel als Neuspielender vortrefflich, und Dr. Aljechin mußte alle Kraft zusammennehmen, um nicht zu verlieren. Die Partie wurde ln einem gleichstehenden Endspiel abgebrochen. Am Hängetag hatte Janowski derartige körperliche Beschwerden, daß er sich gezwungen sah, Remis anbieten zu lassen. Aljechin glaubte aber noch eine kleine Chance zu haben und lehnte ab. Janowski kam, machte seinen Zug, Aljechin sah sofort, daß das Remis nun klar sei und bot seinerseits Remis an. Janowski lehnte aber Jetzt ab und versuchte noch acht Stunden lang zu gewinnen. Es war vergeblich, das Spiel blieb trotzdem unentschieden. Aber man steile sich nur vor, welcher Kampfgeist ln diesem Menschen leben' mußte! Das war schon nicht mehr Geist, das war Kampfwut! Ein Meister dieses Schlages lebt heute nicht. Man mag diese Verbissenheit unklug nennen, aber etw^s Schönes hat sie doch an sich, wenn man bedenkt, daß das Schachspiel eben ein Kampf ist Auflösung def Endspielstu die ln Nr. 28 Weiß: Kh3, Sbl; Schwarz: Khl, Sei, Bn3, Bg3 (Weiß zieht an und macht Remis). 1. L f 2—<i 4,t a 3—»a 2. 2. S b 1—c 31, a 2—a 1 D. 3. S c 3—c 4!, D a 1 Xd 4. 4. Se4—g3f, Kh 1—gl. 5. Sg3—e2f. Schlägt der schwarze Springer z 1 aiuf e2, so ist weiß patt, sonst geht die schwarze Dame und damit das Spiel verloren. Richtige Lösungen der Studie haben eingesendet: Doktor Max Steingauer, Josua Nowak, Ernst Keßler, Direktor Leo Kreindler, sämtliche ln Wien, Leopold Reichmann, Gleichenberg; Emst Stern, Biala; Fritz Berger, Kol in. Wir sind genötigt» unser Riesenlager in Sommerwaren jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen Preise noch um ein Erkleckliches, zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört uiedrigen Preisen zu / decken. Wir veranstalten daher ab Montag, den 2. Juli, I einen Sommerräumungsverkauf mit großen Sensationen. * Nr. 1 Schon ein Blick In unsere Schaufenster, ein Vergleich des Preises un4 der Qualität der dort zur Schau gestellten Sommerwaten Jeder Art wird Ihnen zeigen, daß unsere Leistungsfähigkeit unerreichbar Ist Sie müssen, bevor Sie Ihren Urlaub antreten, Ihre Garderobe vervollständigen, für Strand thd Land bekommen Sie alles bei uns. Besuchen Sie uns unverbindlich, lassen Sie sich unsere reichhaltige Auswahl ia feinsten Seidenwaren in den allerneuesten Dessins, Ettmine, Voile, Regenmäntel, Strick- und Wirkwaren, Badeartikeln, Wäsche, Modewaren usw. zeigen! Wir bringet! unter anderem: Dlagonal-Setde, per Meter S 1.98, Satin de Chine, alle Farben, zu S 2.50, Sefdett- Brokate, für Futterzwecke, 85 breit, zu S 2.50, Waschseide, herrliche Dessins, zu S 2.90, Relane, reine Kletderseide. 90 breit, zu S 2.90, Crepe Marocalne, reine Seide, alle Farben, 100 breit, zu S 3.90, Mantelseide, schwarz und (o!??* ,95 krelt, zu S 4,90, Crepe de Chlne-Imprline, 100 breit, zit S 7.90, usw. In unserer Resten-Schwemme (lm Tiefparterre) kaufen Sie: Modernste Klelder-De laine, per Meter 89 Groschen, K.-Selde, per Meter 98 Groschen, Orig. Schweizer . Voll-Etamlne. fabelhafte Dessins, 110 Zentimeter breit, zu S 1.98. Dirndlstoffe, Crepe Frenche, per Meter S 1.25, Regenmäntel, prima, per Stück nu*r,, i u* a* m* W>r Deckung Ihres Bedarfes an Badeartikeln sehen Sie sich in unseren Schaufenstern unsere reiche Auswahl in Bademänteln, Capes, Badetrikots, Badehauben usw. an. Warenhaus Brüder SchHImann, EL Taborstraße 48. (Entgeltlich.) Rätselecke Redigiert von Jota. ’ Silbenrätsel af ah ar be ber ber brin dä die eis e! er er er fe feM fen gi gran he h«M Ice la lau laüb le na nat ne nel ner nt mm nis no re rei rit roi ru se sei si te ter ter ur wie ze. Ajus obigen Silben sind 21 Wörter von der untenstehenden Bedeutung zu finden, so daß die ersten und dritten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein bekanntes Sprichwort ergeben. 1. Nagetier. 2. Stadt 4c Deutschland. 3. Mittetefteif. Figur. 4. Säugetier. 5. Mämnd. Bibelgestalt 6. Bediensteter. 7. Genehmigung, Bewilligung. 8. Was der Schauspieler lernen muß. 9. Schlange. 10. Wintersport 11. Weilbl. Vorname. 12. Blume. 13. Hinterlassenschaft. 14. Weibl. Vorname. 15. Gerte, schwächer Zweig. 16. Anstifter, Begründer. 17. ItaL Hafenstadt. 18. Oper von Verdi. 19. Was zwischen zwei Ländern ist. 20. Storchart 21. Deutscher Romantiker (gest 1831), Magisches Quadrat Wagrecht ~ Senkrecht: 1. Feuerherd, Esse. 2. Strom* zuführer. 3. Nebenfluß des Rheins. 4. Vorbild 5. Weiblicher Vorname, Auflösung des Kreuzworträtsels ln Nr. 28 Wagrecht: 3. Iberer, 7. Pastor, 10. Alabama, 12. Satin, 14. Tenne, 17. Elan, 20. Egon, 22. Turin, 23. Los, 25. Staat, 26. Fox, 27. Niger, 29. Cer, 30. Neu, 31. Romanow, 33. Ohr, 34. Auto, 35. Eden, 36. Abt, 37. Manager, 39. Ida, 41. Gnu, 43. Regal, 45. Erz, 46. Draht, 48. Nil, 40. Stier, 51. Egal, 54. Erna, 55. Remis, 58. Ruege, 60. Uniform, 61. Mutter, 62. Messer. —• Senkrecht: 1. Seltm, 2. Damen, 4. Basar, 5. Rat, 6. Ran, 7. Pat, 8. San, 9. Omega, 11. Beton, 13. Anß, 15. Nett, 16. Unter, 18. Luxemburg, 19. . Toga, 21. Orchideen, 23. Ltmon-en, 24. Senegail, 27. Notatr, 28. Rodel, 31. Rum, 32. Wer, 36. Anden, 38. Agil, 40. Areal, 42. Ahle, 44. Steg, 47, Aarau, 50. Irene, 52. Einer, 53. Buren, 56. Mut, 57. Sir, 58. Rom, 59. Erna» Scherz und Humor Irrtum Ein Jude sitzt lm Eisenbahncoupö. Da steigen drei Hakenkreuzstudenten ein. Wie sie des Juden ansichtig werden, rufen sie, um Ihn zu reizen, im Chor: «Hoch Hitler!“ An dieser Betätigung Ihres Witzes finden die drei Helden gefallen und brüllen von Zeit zu Zelt Immer wieder: „Hoch Hitler r Der Jude bleibt ruhig. Adi Ziel seiner Rel.se angelangt, erhebt er sich und wendet sich dem Ausgang zu. Da brüllen die drei Hakenkreuzler nochmals aus voller Lungankraft: „Hoch Hitler!“ Der Jude wendet sich am and sagt lächelnd: „Ich danke Ihnen, meine Herren; aber Sie werden lachen: Ich bin gar nicht der Hitler!44 Uebertrumpit Ein reicher Jude wollte den Rat eines Fachmannes über eine schwierige Angelegenheit des Handelsrechtes wissen. So lud er einen bedeutenden schottischen Handelsrichter zu sich, der sein Freund war, und besprach die Angelegenheit bei Walnüssen und Wein. Der Handelsrichter merkte die Absicht und sandte nach seiner Gewohnheit seine Honorarforderung. Der Jude erledigte die Rechnung durch eine Einladung zum Mittagessen, worauf der Handelsrichter dem Kaufmann eine gerichtliche Vorladung wegen Verkaufes von Rauschgiften ohne Lizenz schickte. FÜR MUSSESTUNDEN