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Die Stimme · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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0 uie srnuui Nr. 29 die Absicht, nach Syrien überzusiedeln, nur weil die Regierung diesem Industriezweig nicht genügen^ den Zoilschutz bietet. Auch die Verlegung des Eisenbahn-Knotenpunktes von Ludd nach Tel- A v i v, welche in jeder Hinsicht eine unbedingte Notwendigkeit bildet, wird durch die Landesregierung und ihre loyalen Behörden gehindert, weil si£ die Interessen des ganz unbedeutenden Araberdorfes Ludd schützen will, gegen die Lebensinteressen der aufblühenden jüdischen Großstadt Tel-Aviv. Es bleibt abzuwarten, was der neue Oberkommissär wie auch der neuernannte Zivilsakretär unternehmen werden, besonders ob sie dem Geiste des Palästinamandjates mehr entsprechen werden, als ihre Vorgänger. Das einzige, was in der letzten Zeit uoverändßzt blieb, sind die Verhältnisse in der Zionistischen Organisation. Die am 15. Kongreß gegen den Willen des Misrach! gewählte Exekutive bat sich nicht beu^ähft Die Konsolidation, von der so yjel, gesprochen wunde, ist leider n i ch t ve r wi$kl,jc&t worden und trotz der Kürzung des zionistischen Budgets im vorigen Jahre sind die Defizite nicht yieli kleiner geworden. Das Schlimmste, was die Vertreter des Misrachi am letzten Kongreß vorausgesagtufcaben, ist eingetretdiu Die Exekutive der Zionistischen Organisation kommt mit einem noch kürzeren Budget- Vorschlag als im vorigen Jahre. Natürlich hat die Exekutive gegen sich nicht nur die Misrachisten, Sonden» sowohl die Linke als auch viele Zentrumsvertreter, die in Palästina leben und die dortigen Verhältnisse kennen*? Palästina auf der britischen Reichsarieit^rkonlerenz Auf der Schlußsitzung der britischen Reiphs-Axbeiterkoniereuz ja London wurde auch die Frage behandelt, ob Palästina sriw» Jetzt eine die Bevölkerung des Lande-« r-ep-räsentire nde Be gl ec öogi »«geben werden solle. Die palätinensischen Vertreter :>B e&i Z w i und Dov Hos wiesen mit Nachdruck auf die. Notwendigkeit hin, die besonderen Umstände Palästinas in ^Betracht zu ziehen. Die Frage der Selbstverwaltung in Palästina ist eng mit der Frage der Sicherung des Jüdischen Natiocalheims und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Palästinas verbunden. Palästina steht an der Schwell« seiner Entwicklung, die hauptsächlich von den Juden abhängt, die sich in Palästina ansiedeln werden. Der bestimmende Faktor sind also nicht allein, die 800.000 Einwohner des heutigen Palästina, sondern auch die Millionen Juden, denen Palästina als Nationalheim zugesagt worden ist. Der Mandatarmacht obliegt die Pflicht, auch die Interessen der zukünftigen Bevölker u n g zu schützen, deren Arbeit und Energie das Wachstum and den Fortschritt Palästinas bestimmen werden. Bis ein Zustand erreicht wird, wo der Friede, im Lande gesichert, die arabischen Massen gegenüber d£n Effendi-Gutsbesitzern Schutz genießen,, das Wachstum der jüdischen Einwanderung und die Möglichkeit der Ahsiedlung einer großen Anzahl Juden im Lande gesichert nid das. Jüdische Nationalheim selbst Wirklichkeit geworden ist, muß die Administration Palästinas von der Mandatarmacht unter der Aufsicht des Völkerbundes,ausgeiibt werden, und zwar gemäß jenen Grundprinzipien, die in dem Mandat für den Schutz der Rechte von Juden und Arabern festgelegt worden sind. Die S e 1 b s. t r e g i e r u n g in Palästina sollte allmählich und in Uebereinstitnmung mit den Bestimmungen des Mandates und der Balfourdeklaration entwickelt werden. Da die Reichs-Arbeiterkonferenz, ihrer Bestimmung gemäß, keinerlei Entschlüsse gefaßt hat, wurde auch in bezug auf Palästina keine Resolution angenommen. Miszellen Im englischen Unterhause befragte Colonel Wedgwood den Staatssekretär für die Kolonien, ob die Erbauung des Hafens von Haifa von der Regierung, wie ursprünglich geplant, in eigener Regie durchgeführt oder im Wege durch Vergebung an Finnen realisiert werden wird; ferner wann mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden wird. Captain Margesson erwiderte im Namen des Kolonienministers, man habe beschlossen, den Haien Im Wege eines Vertragsabschlusses zu erbauen. Die Ingenieure der Regierung haben die Bedingungen der Arbeitsvergebung bereits entworfen, es sei zu hoffen, daß Ende November d. J. Angebote vorliegen werden. . , ’f Ende 1927 zählte Palästina 2fi jüdische Kreditkooperativen mit rund 17.500 Mitgliedern. Die Höhe der Darlehen betrug 200.000 Pfund. Das eigene Kapital dieser Kooperativen übersteigt 60.000 Pfund, wovon nur gegen 30 Prozent aus dem Auslande stammen, während der Rest in Anteilscheinen der Mitglieder besteht. Als Kreditquelie für diese Institutionen dient die Zentralbank für Kooperativen, eine Gründung des Joint, der JCA, der Brandeisgruppe und des Economic Council in London. (Grundkapital 100.000 Pfund.) # * Auf Einladung des Direktoriums de«s Jüdischen Nationalfonds ist der berühmte österreichische Architekt und Professor an der Wiener Hochschule für .K^nstge werbe Josef F.rank nach Palästina gereits, um dort als der erwählte Preisrichter über die eingereichten Pläne und Entwürfe zum Bau des Jüdischen Nationalhauses in Jerusalem zu fungieren. Mit dem Bau des Nationalhauses soll demnächst begonnen werden. Die kommunistische Presse teilt mit, daß soeben 27 Familien, frühere Angehörige der palästinensischen Rwuza «Gdud Awodah», in Odessa elngetroffeh sind. Die Gesellschaft «Ozet» hat Vorbereitungen getroffen, diese Kolonistenfamilie int Rayon Jewpatorio anzusiedeln. In Sa kl ist bereits Boden für sie bereitgestellt worden. Der Jüdische NeHoiraMonds (Keren Kiiemett Lejiroei) besitzt zurzeit 219.832 Dttnato ländlichen Bodenbesitz, davon 158.875 Dunam (etwa 40.000 Acres) 4m Emek JesreoL Während des letzten Jahres wurde der städtisch e Bodenbesitz des Jüdischen Nationalfonds um 173>200 Quadrätpics vergrößert Die palästinensische Arbeiterbank weist pro 1927 einen ^Reingewinn von 4700 Pfund aus. Der Depositenstand betrug Ende 1927 zirka 27.000 Pfund, die Reserven zirka 7200( Pfund. Das Wechselportefeuille beläuft sich auf zirka 103.000 Pfund. ' * Meif Miasltovetzky in Tel Aviv wurde wegen Zugehörigkeit Wir kommunistischen Bewegung zä 100 Tagen Gefängnis und naohmaliger Landesverweisung veriu|teilt. Arabische Diebe erschossen in der Nacht bei einem Einbruchsversuch ln die jüdische Kolonie Menahe m 1 a den sich ihnen entgegensteUenden 26jährigen Wächter der Kolonie Levi VarsfaayL JÜDISCHE GEMEINDE Wie die Warschauer jüdische Gemeinde die Abfallbewegung bekämpft (Von unserem Z. G.-Berichterstatter.) Das Judentum in „Polen hat in der letzten Zeit eine wachsende Anstrittsbewegung zu verzeichnen. Seit die jüdischen Gemeinden j auf demokratischer Gnmdiage reorganisiert wurden^ und ein modernes, allgemeines' Steuersystem eingeführt haben, häufen sich Immer mehr die Fälle, daß Zahlun^gsunlustige einfach die Fischt vor dem jüdischen Steuereinnehmer in <^ie — Konfessionslosigkeit ergreifen. jjn erster Linie sind es natürlich die „Intellektuellen“ una die Angehörigen der linken Parteien, die den Besteuerungsanlaß prompt wahrnehmen, um ihr freidenkerisches „Gewissen“ von der drückenden Last" einer Verbindung mit dem „Klerikaiismus“ zu befreien. Aber auch sonst gibt es eine große Anzahl von Leuten, die bisher niemals in den’ Verdacht der Intellektualität gekommen waren, die jedoch von der lästigen jüdischen Steuer gezwungen wurden, „frei zu denken“, und dem „kost-'“ , spieligen“ Judentum den Rücken zu kehren. Man wird konfessionslos „aus Ueberzeugung“ und läßt sich die reservatio mentalis' offen, daß man „auch so“ noch ein: guter Jude sein kann. Bis vor kurzem, hat diese Möglichkeit noch nicht bestanden. Wollte man früher aus dem Judentum austreten, so mußte man auch schon konsequent sein und sich für eine andere Religion entscheiden, sich taufen lassen. Jliaty-Müte Wien 1., (RotentuwmstwußeJtr. 22 die beste und biUigste üinbaufs* quelle Hintkeits preise $ 12* Dies galt besonders für Kongreßpolen, wo noch die alten rassischen Gesetze gelten (in Galizien und in den ehemaligen deutschön Gebieten Polens wird die Konfessionslosigkeit einem „Bekenntnis" gleichgehalten). Letztens aber haben die polnischen Behörden die Konfessionslosigkeit anch für die ehemaligen russischen Gebiete zugelassen und ■* nun konnte die Austrittsbewegung einen bedeutenden Aufschwung nehmen. Den jüdischen Gemeinden würde hiedurch auch tatsächlich eine schwere Gefahr erwachsen, wenn da sicht der Umstand zu Hilfe käme, daß die Konfessionslosigkeit durch ^das polnische Gesetz eben nur in sehr bedingter, unzulänglicher Weise anerkannt ist Es wird dem Einzelnen wohl gestattet, ans dem Judentum auszutreten, ohnt sich tatrfen feMen m mflwwa Wik aber «U*r Jüdische“ Konfessionslose heiraten oder nach dem Tc4» wtf einem Friedhof bestattet werden, so bleibt ihm doch nichts anderes übrig, als wieder zum jüdischen Rabbinat zurück- * zukehren und i die Ehe oder die Leichenbestattung nach jüdischem Ritus vollziehen zu lassen, da der Staat die Ehe eines,- Konfessionslosen nicht anerkennt, und die Behörde ihn auf dem christlichen Friedhöfe nicht bestätien läßt Diese Sachlage machte sieb die Warschauer jüdische Gemeinde zunutze, um in wirksamer Weise die Austrittsbewegilng zu bekämpfen. Sie ließ vom Rabbinat ein Gutachten änsarbeiten, in dem einwandfrei festgestellt wird, wie man die Konfessionslosen in Ehe- und Sterbefällen behandeln soll Das Warschauer Oberrabbinat hielt über diese Frage mehrere Sitzungen ab und beschloß nach langen Beratungen, daß die jüdische Gemeinde die Wünsche und Ansprüche der Abtrünnigen glatt abzulehnen habe. Dieser Be- , Schluß rief besonders im Lager der unfreiwilligen „Freidenker“ große Bestürzung hervor. Bei aller „Prinzipienfestigkeit wollte man doch auf die Möglichkeit, zu heiraten und zu sterben, nicht ohne weiteres verzichten. Zahlreiche Konfessionslose haben daher schleunigst den Rückweg zum Judentum und zur jüdischen Steuer angetreten und die Aastrittsbewegung wurde wesentlich eingedämmt. Allerdings werden diese „Repressionsmaßnahmen“ der jüdischen Gemeinden nur so lange wirksam bleiben, als die Konfessionslosigkeit durch das Gesetz nicht voll anerkannt sein wird. Die polnischen Sozialdemokraten machen jedoch die größten Anstrengungen, um die Legalisierung der Konfessionslosigkeit durchzusetzen. Die Regierung hat auch schon in jüngster Zeit das Projekt zur Errichtung eines Krematoriums gegen den energischen Einspruch der katholischen Geistlichkeit genehmigt, und es ist nur allzu wahrscheinlich, daß die Behörden auch gegenüber der Verehelichung von Konfessionslosen einen anderen Standpunkt einzunehmen, gezwungen sein wird. Dann werden freilich die jüdischen Gemeinden Polens, die dank der zunehmenden Freidenkerbewegung aus Steuerrücksichten von einem Massenabfall bedroht werden, andere wirksame Mittel, die vor allem ln einer e rzieherischen Einwirkung auf die jüdische Jugend, in einer Durchdringung der jüdischen Massen mit jüdischem Volksbewußtsein, in richtiger Steuergesetzgebung zu erblicken sind, in Anwendung brin- , gen müssen. Die jüdische Gemeinde von Saloniki Die jüdische Gemeinde von Saloniki beschloß zur Linderung des unter der Judenschaft der Stadt herrschenden katastrophalen Wohnungsraangels eine Anleihe in Höhe von 200.000 Dollar auf ihr unbewegliches Vermögen aufzanehraen. Die Tilgung soll innerhalb 20 bis 30 Jahren erfolgen. Die Lage der Juden von Saloniki hat sich seit dem katastrophalen Brande von 1917 (bekanntlich wurden damals etwa 11.000 von Juden bewohnte Häuser, 36 Synagogen und 12 jüdische Schulen vernichtet) fortdauernd verschlechtert. Der ungeheure Zustrom griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien, der seit Herbst 1922 andauert, bewirkte es, daß zahlreiche Salonikier Juden aus ihrer wirtschaftlichen Position hinausgedrängt worden sind. Mit Unterstützung des American Joint Distribution Comittee wurde ein Baugrund zur Errichtung eines ncuenjiidischenViertels erworben, es sollen dort Häuser für 700 jüdische Familien errichtet*

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