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Die Stimme · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 39 Sefto 7 werkstätte für /essai und Tische Salongarnlttifaii und llnaalmdlialtlOclia Ka« Kaieerttr. IS ADLER, VII., APOLLOQ. 18 «• zum Präsidenten gewählt witd, dem Klan hn Staate Gporgta freies Spiel für seine politischen Ziele zu gewähren. Für uns Juden bildet diese Enthütttmg über die Winkelzüge des Senators Reed durchaus keine Ueberrasohung. WR haben diesen sauberen Charakter in dem sekienzeitigen Pro zeß gegen Henry Ford kennen gelernt. Senator Reed war damals einer der Rechtsvertreter Fords, fai der’ Prozesse hatte es sich darum gehandelt, Ford zu bewegen, entweder die antisemitische Hetze in seinem Blatt elnziusteilen oder seine verleumderischen Behauptungen gegen das Judentum zu beweisen. Senator Reed überschritt damals ganz überflüssigerweise seine Befugnisse als Rechtsvertreter Fords, indem er selbst den Prozeß zu antisemitischen Ausfällen ausbeutete. Bekanntlich hat Henry Fond seitdem seine Angriffe widerrufen und den Anfisemitiamus aftgescftworen. Sein Verteidiger Senator Reed jedoch hat sidt als der echte, unverfälschte Reaktionär und Antisemit entpuppt, der mit Ob erführten Mördern politische Geschäfte abschließt. Für Geld ist Jeder Antisemit zu haben Als Beispiel hieitir sei heute die in Polen sensationell wirkende neueste Phase der Seelen Wanderung des pogromhetzerischen Boodevardhlättchens «Dwa Grosze» und seines Begründers und Herausgebers Antoni Sadzewicz angeführt. Sadzewicz war einmal einer der Führer der antisemitischen nationaJdemokratischen Partei und gründete die «Dwa Grosze» im Jahre 1912 anläßlich der Wahlen in die vierte russische Duma, zu weicher Zeit die Nationaldernokraten auch die antijüdische Boykottaktion « Szene gesetzt hatten. Sadzewicz war stets der skrupelloseste antisemitische Hetzer und bat aus diesem Geschäft viel Kapital geschlagen; als er aber sah, daß der rüde Ton seiner Hetze nicht mehr den Anklang und die bedingungslose Unterstützung bei den Behörden finde, erklärte der wackere Sadzewicz vor den letzten Sejanwahlen in Polen, daß er das nationaldemokratische Programm ablege und »ein Blatt der Regierung zur Verfügung stelle. Er bekam von den adeligen Führern der konservativen Sanierungsgruppe, Graf P o t o c k i und Fürst R a d z i w i 11, einen großen Ablösungsbetrag und Sadzewicz bbeb auch weiter Mitinhaber der neu orientierten «Dwa Grosze». Das Blatt hatte aber keinen Erfolg, die Zuschüsse wurden immer größer und so machte Sadzewicz in den letzten Tagen wieder ein glänzendes Geschäft mit der «Dwa Grosze», indem er gegen eine respektable Summe aüe seine Rechte auf das Blatt den neuen Besitzern abtrat. Das Blatt gilt heute als das Organ der Sanierungsbestrebnagen der Regierung and als Propagsndsmittd mrter dem Kleinbürgertum. Wem sich der nunmehr wieder frei gewordene Anton Sadzewicz neuerlich verkaufen wird oder vielmehr schon verkauft hat, ist noch nicht bekannt Er hat den Anti semitismus weidlich amgenÜM, die jüdischen Existenzen, die er in unseliger löjährigef Tätigkeit zugrunde gerichtet hat, waren für Um ein Khurmteiges, blutiges, aber erträgnisreiches Gewerbe. ,*N«r ein Dummer}« n geistreich14 Den Schändern der jüdischen Friedhöfe in Deutschland ist eine Rettung erstanden. Werden sie notgedrungen ausgeforscht, dann wird ihr'1 Tat einfach als «Dummer}ungenstreich» bagatellisiert und die dummen Jungen können nun ihre Streiche nach einiger Zelt wiederholen. In .Oesterreich gibt es für solche antisemitische «Dummerjungenstreiohe» wenigstens eine zeitweilige Internierung in einer Irrenanstalt, bis die Erregung gegen den «dummen Jungen» abgeflaut ist. In Deutschland ist man noch nicht sn weit. So hat z. B. der Oberbürgermeister von Fürth, Dr. Wild, in *iner der letzten Stadtratssitzmmgen der PottzeAdirektion den Dank dafür ausgesprochen, daß sie <fie Schänder des jüdischen Friedhofes von Fürth "mgeforscht habe; die Namen der straf unmündigen Frevler seien dem Stadtsohulamt und dem Fürsorge amt zur Kenntnis gebracht worden. Dr. Wid schätzt offenbar die Intelligenz der Herren vom Stadtrat nicht adzu hoch ein, wenn er hinzufügt daß es «beruhigend» wirke, daß die Grabschändungen nicht aus politischen oder fcottfessäoraeHen Motiven erfolgten, sondern lediglich als Richard Herzog, II, KWiw Pfarrg. 28 / Tel. 73-4-90 Streiche dummer Jungen anzusprechen seien. Er hoffe, «daß derartige Missetaten in Fürth nicht mehr Vorkommen werden». Ei, et Herr Oberbürgermeister von Fürth! Die dummen Jungen von Fürth haben aber ein seltsames Spielzeug erfunden, das verteufelt ähnlich ist den grabschänderischen Spielereien in anderen deutschen Städten. Es ist ein Wunder, daß diese naiv klingende Erklärung des Herrn Oberbürgermeisters von den Stadtvätem schmunzelnd entgegengeaonwnen wurde, denn auch im Stadtrat von Fürth dürfte mancher sitzen, der besser weiß, als der Herr Oberbürgermeister es vorgab, wer diese dummen Jungen aus politischen und konfessionellen Motiven zu diesem grabschändenischen Streiche verleitet bat. PALÄSTINA Der Schrei nach Chaluz- Einwanderung Das Zionistische Aktionskomitee hat bei seiner am 19. d. M. beginnenden Tagung eine Menge hochwichtigen Arbeitsstoffes zw bewältigen. Eine der wichtigsten Fragen wird durch das geharnischte Memorandum des Weltverbandes «Hechal-uz» aufgeworfen, das gegen die Weiterführung der kurzsichtigen Politik der Einwander ung’s sperre protestiert und die sofortige Ausgabe von 3000 Zertifikaten für die in der Gahith wartenden Chaluzim mit mindestens dreijähriger ernster Hachscharah und außerdem weitere 400 Zertifikate für die ChaMuzim in Rußland fordert. Die in diesem Memorandum aufgeworfene Frage betrachten wir als eine allgemeine zionistische Angelegenheit, u. zw. aus formellen und sachlichen Gründen. Was zunächst die formelle Seite anlangt, hebt das Memorandum eingangs treffend hervor, daß der XV. Zionistenkongreß beschlossen hat, für das Jahr 1928 eine Allah von 1500 Chaluzim zu fordern und daß heute, nach 10 Monaten, diese Forderung von der Exekutive bei der Palästinaregierung noch nicht durchgesetzt ist. Wir gehen nicht so weit wie das Memorandum, das der Exekutive vorwirft, sie habe nichts unternommen, um diesen Beschluß der höchsten zionistischen Instanz zu realisieren; der Fall liegt wahrscheinlich so, daß die Exekutive die Wünsche des Kongresses bei der Regierung nicht durchsetzen konnte. Wenn dem aber so ist, müssen wir Zionisten uns darüber klar werden, daß wir einen schweren politischen Mißerfolg zu verzeichnen haben. Wir müssen aber dann auch aus dieser Erkenntnis die entsprechenden Folgerungen ziehen. Der Exekutive muß gesagt werden, daß sie sich mit der Weigerung der Regierung nicht abfinden darf, sondern ihre Proteste gegen die hermetische Absperrung Palästinas mit allen Mitteln der Logik und mit Appellation an das Kolonialamt in London zu erneuern und fortzusetzen hat. Es geht hier nicht nur um die W a hrung der Autorität des Kongresses, der ftas Verlangen nach Wiederaufnahme der Ghaluz-Elmftanderung einhellig postuliert und damit die zionistische Verantwortung für eine solche Einwanderung auf sieh genommen hat Diese unsere Forderung ist auch sachlich durchaus gerechtfertigt. Sie war es schon zur Zeit des Kongresses, als die wirtschaftliche Krise mit der Arbeitslosigkeit ihren höchsten Grad erreicht hatte und sie ist es um so mehr heute, da nach den übereinstimmenden Meldungen aller Faktoren die Krise sich löst und die Arbeitslosigkeit fast restlos verschwunden ist. Es ist durchaus richtig, daß nach den Bestimmungen des Mandates die Zionistische Exekutive die einzig berufene Körperschaft ist, die der Regierung gegenüber die Last der Verantwortung für alle unsere Entschlüsse und Maßnahmen, also auch für die Empfehlung einer erneuten Einwanderung zu tragen hat. Dies legt aber der Exekutive die doppelte Pflicht auf, der Stimmung und den Forderungen maßgebender zionistischer Kreise, Rechnung zu tragen. Und sie alle fordern in seltener Einmütigkeit die Einlösung des Kongreßbeschlusses! Die Gefahr, daß bei einem Zurückweichen der Exekutiv« vor der Palästinaregierung die Geschlossenheit unserer Bewegung Schaden leide, ist viel größer als die Gefahr, daß sich di« Regierung durch fortgesetzte Be- Lonis Upsky, der mit großer Majorität zom Präsidenten der zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten wtedergewähU wurde. KORREKTUR von OmiX-Beinen durch Verdecksystem (Auflagen in Flor- oder Gummistrümpfen), vollkommen unsichtbar zu tragen, oder wirkliche Heilung durch den patentierten Beinkorrektionsapparat ohne Operation, der sehmerzlos und ohne ßerufsstöfung anzuwenden ist. Institut für Fußheilbehelfe und Bandagen ANTON BSTÄNDIG, Sanitätshaus SANITAS, Wien, I., Teinialtstraße Nr. 7 (nächst dem Burgtheater). Beratung und Untersuchung in allen Fällen von;'tßleiden durch unseren Fußexperten kostenlos. treibungen seitens der Exekutive belästigt fühlt. Wenn die maßgebenden Männer der Regierung guten Willens sind, müssen ihnen unsere Argumente einleuchten. Es geht nicht an, ein Land, daß man den Juden als Nationalheim versprochen hat, noch länger als die zwei nhgelaufcnen bitteren Jahre zu versperren. Es geht nicht ui, von der zionistischen Leitung Wunder der Autorität ind die Aufbringung der Mittel zum Aufbau zu erwarten und 7\\ verlangen, wenn die MandatsregJerung diese Autorität dt; Absperrung des Nationalhehns stündlich bloßstellt um. ac Begeisterung der Spender in Ueberdruß verwandelt. Es geht schließlich nicht an, tausende der besten unserer Jugend, die ihr Leben auf Erez Israel eingestellt haben, der Verzweiflung und den Umsturzparteien zuzetreiben. Es bleibe dahingestellt, ob es ein Fehler war, daß sich die Zionistische Exekutive in den Jahren des Optimismus von der Arbeterschaft drängen ließ, bei der Mandatsrcgferung den breiten Einstrora der Ghaluzwanvlerung zu erlangen. Wenn es aber ein Fehler war, dann hat ihn die Arbeiterschaft nicht allein verschuldet, sondern jeder der' drei Faktoren hat sein gerüttelt Maß an der Schuld. Und wenn man früher zu optimistisch und zu large war, darf man jetzt nicht ins entgegengesetzte Extrem verfallen. Wir steifen uns nicht auf die im Memorandum des «Hechaluz» genannten Ziffern, aber wir treten rückhaltslos der These des Memorandums bei: «Man kann die Aliah den konkreten Arbeit&nöglichkeiten kn Lande anpassen, man kann sie regulieren, aber man darf sie auf keinen Fall gänzlich sperren.» Die Mandatsregierung und, wenn das nicht hilft, das Koloniakninisterium und die öffentliche Meinung Englands sollen es erfahren, daß wir Zionisten als die Sachwalter des jüdischen Volkes der beschwichtigenden Zusagen müde sind und endlich Taten sehen wolle*. Die Absperrung des Nationalheims rührt an die Wurzeln der zionistischen Bewegung. Wenn wir uns mit. dieser Absperrung abfinden würden, geben wir Erez Israel, geben wir uns selbst auf. Die Konsolidierung ist nicht verwirklicht Von Rabbi Meter Berlin Der Präsident der Misraohi-Weltorganisation, Rabbi Meier Berlin, weilte dieser Tuge auf der Durchreise von Palästina hach Berlin, wo er an der Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees teilnehmen wird, in Z ü r i c h. Er gab dem Vertreter der „Jüdischen Pressezentrale“ in einer längeren Unterredung folgende Darlegungen über die gegenwärtige Situation in Palästina: Die wirtschaftliche Lage in Palästina ist in letzter Zeit viel anders geworden, als vor einem oder zwei Jahren. Während man noch vor kntzem von einer ökonomischen Krise gesprochen hat, i*t in der letzten Zeit eine ziemlich rege Belebung der Agrikultur wie auch teilweise der Industrie zu verzeichnen. Man hört jede Woche von neuen Bodenkäufen zwecks Schaffung von Orangen-, Bananen- und Mandeln-Hainen. Einzelpersonen wie auch Konsortien aus Amerika, Kanada und anderen Ländern haben in letzter Zeit größere. Kapitalien ln Pflanzungsunternehmen und Bewässerungs- Anlagen investiert Auch die Industrie ln Haifa und Tel-Aviv arbeitet erfolgreich und in vielen Branchen ist die Arbeitszeit verdoppelt und sind imie Arbeitskräfte und größere Kapitalien herangezogen worden. Dagegen hat sich die politische Lage verschlimmert Die häufigen Ueberfälle der Araber, in den Großstädten mehr noch als in den Dörfern, sind mehr der Nachlässigkeit der englischen Behörd e n zuzuschreiben, als bösem Willen der Araber. Die Politik der Regierung hat sich auch auf dem ökonomischen Gebiete nicht zum besten des Landes ausgewirkt Eine große jüdische Schokoladefabrik, iw der hunderte von jüdischen Arbeitern beschäftigt sind, hat Haut-Schnsllbräunung and Sonnenbrandsebutz - Creme „Dirn“ schützt vot Sonnenbrand and brinnt dl« Haut auf natürliche Welse, auch bei Kindern A. Für braune und normale Hautfarbe, für Kinder und Massage B. Zum Ultra-Schnellbr&unen undfürBlende, bebebt Sonnenbrand-Schmerz Tube 80 Oroschen - In jeder Apotkike, Drogerie, Parfümerie und Badeanstalt Blm-Labsreterlem. II., Ob. DanausfraOe 17 Nicht zu verwcphsfln mit „Dlm“ Kampfer- Sauerstoff-Ciwne gegen SommcrsprQjieen, Wimmert. Röte der Naee, Pieket «iw.

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