Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1928)
- Date
- 1928-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sefle 6 OIE STIMME Nr. 29 Zlonlitisctin [MdishDinltn Hr Oittirnlcli Festsitzung nHtllch du 80. fiebopfsfages Lord Bslfonn Festrede: Präsident Dr. Leo Ooldhammer Mitwirkend: Oberkantor P o s t o 1 o w dintto, OIU928.8 Oh aOeods, ftrelQstielm, HOL, Dmilalz I Eintritt nur gegen Einladung mmmminmBBBBii laaim iBEiBt« ir» < zumeist durch eine gewisse geistige Überlegenheit in ihrem Kreise Geltung zu verschaffen. Geachtet zu werden, als Gleichwertiger dazustehen, ist ihr Ziel. Aber Austritte aus dem Judentum sind in dieser scheinbar so abgesonderten Schichte seltener als in anderen Kreisen unseres Volkes. Sie bleiben häufig auch dann Juden, wenn sie Christinnen heiraten, wissen sie doch, daß ihre Umgebung sie auch dann, wenn sie getauft sind, Juden nennen wird. Nirgends aber hat die wirtschaftliche Lage das jüdische Familienleben so zerrissen wie in diesen Kreisen. Mann und Frau gehen gewöhnlich den ganzen Tag über einer Beschäftigung außerhalb des Hauses nach, ihr Mittagmahl nehmen säe am Werktisch oder auf der Parkbank ein, die Kinder das ihre in der Schuiausspeisung. Es kann daher nicht wundernebmen, daß von den mehr als 200 jüdischen Jugendlichen, die sich gegenwärtig, nach einer gerichtlichen Verurteilung, in ein- bis dreijähriger Bewährungsfrist befinden, die Kinder unserer Hersche einen großen Prozentsatz stellen. Es handelt sich allerdings meist nur um Dummejungenstreiche und Raufhändel auf der Straße. Auch der 23jährige Bursche in Bauerntracht, mit Stedrerbut und langer Feder, der vor dem Schalter des Wohltätlgikeitsamtes der Kulfcusgemeinde steht, ist, wie sich später ergibt, Herschens Sohn. «Sind Sie Jude?» fragt der Beamte. «Seil will i moana!» «Wo sind Sie zuletzt gewesen?» «In Knittelfeld Kuahalter.» «Knittelfeld? Kennen Sie dort den Herrn Schema Iisroel?» «Von an söligen han! nia nix g’hört.» «Wann haben Sie Barmizwa'h gehabt?» Der Bursche schaut verwirrt, dann aber erinnert er sich, daß Gendarmen und Beamte nach dem Geburtstag zu fragen pflegen und nennt diesen. Da reißt dem Beamten die Geduld. «Da haben Sie die Dokumente zurück. Die haben Sie sich von einem jüdischen Freunderl ausgeliehen. Und jetzt schaue« Sie, daß Sie weiter kommen!» «Is net lei der Herr N. da. Des is do mei Vormund g’wen.» Der Berufsvormund der Kultusgemeinde wird gerufen und er erkennt tatsächlich sein ehemaliges Mündel, das im Alter von 17 Jahren, als hier für ihn keine Hilfsarbeit zu finden war, auf die Wanderschaft ging. Aach von den drei arbeits- und obdachlosen jüdischen Dienstmädchen, die sich während der letzten Monate im lüLdchenobdachlosenheim des Charitasverbandes befanden, gab es ein Kind Herschens; ein Mädchen war von arischen Pflegeeltern erzogen; eines stammte aus der Provinz, hatte sfch bei der Schneiderei nicht bewährt und hegte Vorliebe für häusliche Arbeiten. Es währte sehr lange und war äußerst schwer, für diese jüdischen Hausgehilfinnen Anstellung zu finden. Die Stellenlosigkeit bei den ungelernten jüdischen Arbeitern ist gewiß, perzenfueU gerechnet, ein Vielfaches so groß, als selbst bei den jüdischen Angestellten. Der jüdische Handwerker hat sich durch mehrere Jahrzehnte zur Achtung und Anerkennung durchzuringen gewußt. Wer aber wird eine jüdische Hausgehilfin, einen jüdischen ungelernten Schwerarbeiter aufnehmen? Dieselben Menschen, die, mit bezug auf den Sport, auf jüdische Muskelkraft, Ausdauer, verständnisvolles Ein- und Unterordnen schwören, sprechen diese Eigenschaften sogleich dem Juden ab, wenn sie eine jüdische Arbeitskraft beschäftigen sollen. W i r müssen verlangen, daß Juden in allen Arbeitskategorien, wo es jüdische Arbeitslose gibt, vor allem Juden anstellen. Wie die internationale Sozialdemokratie ein Inlandsarbeiterschutzgesetz zu schaffen gezwungen war, so müssen wir allmenschlich fühlenden Juden im Gewissen unserer Volksb rüder ein innernationales Arbeite r s chu tzge s e tz festlegen. Es ist dies kein Fanatismus, sondern notwendiger Selbstschutz. Ihr schätzt den jüdischen Arbeiter geringer und wißt verschiedene angeblich jüdische Eigenschaften anzuführen, die füj die Arbeit nachteilig sind? Prüft diese Ansichten und ihr werdet finden, daß euer Urteil vom Ghetto stammt, sich auf den Ghettojuden bezieht, nicht aber auf den jüdischim Menschen, der Im modernen Wirtschaftsleben um sein Brot zu itogen gelernt hat. Siegfried Abe i e s. Diamantene Hochzeit. Am 7. Juli fand im Betsaaie der Israelischen Versorgungsanstalt die diamantene Hochzeitsfeier des Ehepaares Sigmund und Rosa Süß statt. Als Festgäste erschienen von der Israelitische« Kultu&gemeinde Präsident Prof. Alois Pick mit den beiden Vizepräsidenten Herrn Dr. Löwenherz und Herrn Dr. Ornstein. Der Obmann des Versorgungstoauses Herr David Dohan, die Kultusvorsteher Herren Dr. K1 a b e r und Edmund H o f- ■m a'n n, von der Bezirksvertretumg die Herren S. Kornmehl, S. Weiner und Cafötier J. Müller. Herr Rabbiner Dr. Schwarz hielt die Festpredigt. Präsident Prof. Pick beglückwünschte das Jubelpaar und überreichte ihnen eine Adresse sowie das Geschenk der Gemeinde. Nachher beglückwünschte Herr David Doha« im Namen der Versorgungsanstalt in eh herzlichen Ansprache. Die Gemeinde Wien war durcii Stadtrat L i n d n e r mit Direktor Nikoloritsch vertreten, welche im Namen da» Bürgermeisters erschienen und eine schöne Gedenkschrift überreichten. In Vertretung des IX. Bezirkes erschien der Obmann des Fürsorgeinstitutes Schiller, welcher das Ehepaar aufs herzlichste beglückwünschte und eine Spende überreichte. Die kantorale« Funlctionen versah Qberka«tor P o s t o 1 o w mit Chorbegleitung. Nach dem Gottesdienst gab es ein vorzügliches Festessen. Das Jubelpaar beging seinen Festtag in bewundere werter körperlicher und geistiger Frische. Der Schekel Die Oesterreichische Landes-Schekel-Kommission richtet nachstehenden Aufruf an die österreichischen Zionisten: Gesinnungsgenossinnen und Gesinnungsgenossen! Die Schekel-Aktion, die vom Wachstum unserer Organisation zeugen soll, nimmt ihren Anfang. Wir appellieren daher an das Pflichtgefühl unserer Genossinnen und Genossen und ersuchen dringend, zumindest den Verkauf eines Blockes (10 Schekel) zu übernehmen, da von der Anzahl der Schekelzahler die Anzahl der Kongreß delegierten, wie auch die Stärke der zionistischen Organisation abhängig ist. Auf telephonisches oder schriftliches Verlangen entweder beim Landeskomitee oder beim gefertigten Präsldium werden die geforderten Blocks sofort zugesendet werden. . . Für die Landes-Schekel-Kommission: Der Schriftführer: Der Obmann: Pelsach W n h 1. Min.-Rat Moses Weiner. S1EG1H. HORNMEHL, GroBfleischhauerei Zentrale IX, Bergrasse 19, Tel. A 17-3-99 n. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für 'lED-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse IV XVllI, Währlngerstraße 97 ■ HH WIEN, I., FRANZ JOSt FS-KAI 13 5 g TELEPHON 75-409 g S Diskret Häuser, Büros, g g HHHI Wohnungen, Hypotheken, g g Verwaltungen ■ ■ Prompt Unter weni genTagen beste Resultate ■ g ■■■■■■ ' Eigene Kreditabteilung nur für g ■ große Transaktionen ■ Wochen-Kalender Juli 1928 Oedenktage 3N n-Bin 19 Donnerstag 2-3 20 Freitag 1847 — der Maler Max Li Obermann tn Berlin geboren 1888 — Pref. Ott« Werburg, bekannter Botaniker, ren lOtl ble mm Kriege Präsident der aleaiatlichen Wilterganlaatien, in Hamburg gebaren 3 - J 21 Samstag 1909 —der Hetnebiegraph and Sehopfor dm jfid'ichan Litexatexrmelne In Denwehland Dr. Qerar Karpele* In Naabelm geitorbon 4-1 Hsftareh: ehaein jeeohajehe 22 Sonntag 1893—dm NatteaaUfcenom and liberale Politiker Lndwig Bamberger tn Kainz geboren « - n 23 Montag 1811 — der berdbmte Medailleur Abi» htm Abramien ln Berlin gestorben 6 - 1 24 Dienstag 1918 — Grandatetnlegeng dm bebr. Unireraltlt ln Jerasalem 1919 — dm Volkmband raUflalert du Palaatlna-Mandat * - t 25 Mittwoch 1848 — Leid Arth er Kaliber, des BohOpfer der Balfenr-Daklentlan, gebmen. 8 — n Qualitätsverbesserung der Zigaretten Wie bekannt, werden seit dem Vorjahr sämtliche Zigarren in neuer verbesserter Qualität hergestellt An diie Herausgabe der gangbarsten Zigarrensorten neuer Erzeugung zu Weihnachten reihten sich in rasche Folge die übrigen Sorten, so daß gegenwärtig bereits alle im Verschleiß befindlichen Zigarren diie neue Qualität aufweisen. Im laufenden Jahre folgt programmäßig die Verbesserung der Qualität der Zigaretten. Die Aegyptischen Zigaretten III. Sorte und die Memphis-Zigaretten, bei den letzten Messen und Ausstellungen bere: x versuchsweise in neuer Qualität herausgegeben, haben lebhaften Anklang beim Publikum gefunden. Infolgedessen wurde auch bei den übrigen Zigaretten und den Zigarettentabaken die Erzeugung in den neuen, verbesserten Mischungen aufgenommen. Die Invertriefosetzuins diieser Erzeugnisse wird, soweit die Ausgabe nicht bereits erfolgt ist (Dames- und Theba-Zigaretten), im Laufe des Monats Juli durchgeführt. (Entgeltlich.) ANTISEMITENSPIEGEL Der Professor für internationalen Antisemitismus Das ist der Führer der ungarischen Rassen6cbützler und Begründer der neuen ungarischen Fasohistengruppe, Julius Gömbös. ln den letzten Jahren erst an die Oberfläche geraten, wurde er von den ungarischen Regierungen stets hervorgeholt, wenn es galt, im Lande Gewalttaten durchzutf (ihren oder Terror auf die Bevölkerung ausüben zu lassen. Gömbös war das zu jeder Schandtat bereite offiziöse «unverantwortliche Element». So oft in Ungarn von der -Möglichkeit einer Diktatur gesprochen wurde, stand die Person Gömbös’ als Diktator Im Vordergründe. Gömbös ist auch heute noch der unversöhnliche Intransigente Antisemit, der sich mit einer friedlichen Aufbauarbeit nicht abfinden mag, weil er, -am Antisemitismus reich geworden, nur durch den Antisemitismus überhaupt'* erst zu Bedeutung gelangen konnte und weil die Konsolidierung der Verhältnisse ihn wieder in seine ursprüngliche Bedeutungslosigkeit zurüokschleudern müßte. Gegenwärtig sieht Gömbös seine Mission darin, als Professor für internationalen Antisemitismus im Ausland den Judenhaß zu propagieren und die Welt zu einem internationalen Aufstand gegen das Judentum aufzurufen. Er tut das zunächst in Italien, dem Verbündeten Ungarns, dom Lande des Diktators Mussolini. Und der kleine Gömbös. liest dem gioßen Mussolini ordentlich die Leviten, weil er einen , Fasenismus geschaffen habe, der ohne programmatischen Antisemitismus inhaltslos bleiben müsse. Bei den vor einigen Wochen in Ungarn'stattgefundenen Verbrüderungsfeierllchkeiten zwischen Ungarn und Italienern hat nämlich Gömbös vpn den Italienischen, Faschisten wiederholt zu hören bekommen, daß sie . den Antisemitismus ln Ungarn einfach nicht begreifen. Nun erscheinen in italienischen Blättern seit einiger Zeit Aufsätze über den Antisemitismus in UngarA und in einer der letzten Nummern des «Lavoro d’Italia» veröffentlicht Gömbös in höchsteigener Person einen Artikel, in Wehem er zu begründen versucht, warum sich die Ungarn gegen das Judentum erheben. Gömbös behauptet, daß dieser Aufstand gegen das Judentum erfolgt sei, weil die Ungarn in Ihnen die wahren Feinde erblicken, die sie an ihrem Busen gewärmt batten, wofür zum Dank eines schönen Tages die Juden den Ungarn die kaufmännische, Industrielle und finanzielle Führung herausgelookt hätten. Diese Erhebung gegen die jüdische Uebermacht vollziehe der magyarische Faschismus, der in erster Reihe antisemitisch ist. Ein Faschismus ohne Antisemitismus ist eine Halbheit. Nach dieser Abkanzelung werde« die italienischen Faschisten wohl die Erklärung dafür haben, warum ln Ungarn die Rückkehr zur friedlichen Arbeit so schwer ist. Es Ist auch kaum anzunelnuen, daß die Agitation Gömbös in Italien Mussolini, mit dessen Politik man sicherlich nicht einverstanden zu sein braucht, davon abbringen werde, den jüdischen Opfern des ungarischen Numerus clausus das Asylrecht und die Förderung, die ihnen bisher an den italienischen Hochschulen zuteil wurde, auch weiter angedeihen zu lassen. Gömbös, dessen geistiger Horizont niciit über die Grenze seines Landes reicht, wird wohl als Professor für internationalen Antisemitismus nicht sehr berühmt werden. ,»Senatoren Im Dienste nationalistischer Verbrecher “ Die Kampagne um die Nominierung der Präsidentschaftskandidaten in Amerika hat zur Entlarvung mancher demokratischer und republikanischer Größen geführt. Es hat sich herausgesteHt, daß eine Anzahl von Senatoren in direktem Dienst derMordorgauisation des Ku-Klux- Klan oder in einem politischen Atohänglgkeitsverhäitnis zu dieser Verbrecherbaude stand Der Ku-Klux-Klan ist bekanntlich eine nationalsozialistische Organisation, die den Kampf gegen die Farbigen» die Katholiken un’d die Juden im Programm hat; ihre grausame Mordpraxis und skrupelloseste« Erpressungsmethoden wunden erst kürzlich im Gerichtsverfahre« festgestellt. Dennoch mußte der Senator des Staates Alabama H a p 1 e n im Sena/ zugeben, daß er vom Klan einen fixen Geldbezog angeblich als Lektor habe. Ein anderer Senator R e e d, aus dem Staate Missouri, läßt sish gerne als radikaler und reformfreundfloher Staatsmann feiern und wurde auch als Präsidentschaftskandidat aulgestellt; nun stellt sich heraus, daß dieser wackere Fortschrittter mit dem Klan im Staate Missouri einen regelrechten Pakt abgeschlossen hat. Da nach unterstützt der Klan die Kandidatur Reed» im Staate Missouri, wogegen sich Reed verpflichtete, für den Fall daß